Médias – Conférences de presse

Die IG Betreuende und pflegende Angehörige unterstützt die Massnahmen des Bundesrates, beurteilt sie aber als unzureichend

Die Anfang dieses Jahres neu gegründete «Nationale Interessengemeinschaft für betreuende und pflegende Angehörige» hat mit Nachdruck auf die Bedeutung der Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Angehörigenbetreuung hingewiesen. Die Mitglieder der IG-Betr. Angehörige sind in ihrer täglichen Arbeit mit den Herausforderungen der Angehörigenbetreuung und -pflege konfrontiert und unterstreichen die Notwendigkeit einer starken Positionierung im Hinblick auf die bis zum 16. November laufende Vernehmlassung. Insgesamt befürworten die Mitglieder der IG-Betr. Angehörige die vom Bundesrat vorgeschlagenen Massnahmen. mehr

Wenn eine schwere Krankheit oder eine Behinderung nahestehende Personen trifft, sind die Angehörigen der betroffenen Person an vorderster Front gefordert. Dies sind die betreuenden und pflegenden Angehörigen, ohne die unsere Gesellschaft nicht überlebensfähig wäre. Die Angehörigen von Personen, die an einer schweren oder chronischen Krankheit oder an einer Behinderung leiden, sehen sich in der Pflicht, die Betroffenen zu begleiten und mitunter auch zu pflegen. Sie tun dies freiwillig, setzen dabei aber oftmals ihr eigenes inneres Gleichgewicht und ihre Gesundheit aufs Spiel. Insgesamt 1,9 Millionen Menschen in der Schweiz – oder 35% der ständigen Wohnbevölkerung im Alter von 15 bis 64 Jahren – unterstützen, betreuen und begleiten täglich ein Kind oder eine erwachsene Person. Ihre Zahl dürfte aufgrund der Alterung der Bevölkerung in Zukunft weiter ansteigen.

Für die fünf Gründungsmitglieder der IG-Betr. Angehörige stehen wir bei der Bewältigung dieser Herausforderung noch ganz am Anfang, und weitere Massnahmen auf Bundesebene sind zwingend erforderlich.

• Die IG begrüsst das Engagement des Bundesrates und seine Absicht, die Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Care-Arbeit (Betreuung und Pflege) der betreuenden und pflegenden Angehörigen zu unterstützen, und befürwortet die vorgeschlagenen Massnahmen;
• Die IG wünscht, dass die BetreuerInnen von behinderten Personen bei den beiden Urlaubsarten nicht ausgeschlossen werden, und verlangt, dass andere alltägliche Situationen im Massnahmenpaket des Bundes besser berücksichtigt werden;
• Die IG wird auf die Lücken in diesem ersten Massnahmenpaket hinweisen, insbesondere auf das Fehlen eines Erholungsurlaubs für alle betreuenden und pflegenden Angehörigen sowie von Betreuungszulagen; diese Lücken sind Gegenstand von zwei parlamentarischen Initiativen, die vom Parlament überwiesen wurden.

Alle Mitglieder der IG sind aufgerufen, entsprechend ihren eigenen, bereichsspezifischen Anliegen eine Stellungnahme zu formulieren. Die gemeinsame Stellungnahme, die ihnen in nächster Zeit zur Verfügung gestellt wird, liefert eine Grundlage dazu.

Für zusätzliche Informationen
• Valérie Borioli Sandoz, Geschäftsstelle IG Pflegende und betreuende Angehörige,
Tel. 079 598 06 37, E-Mail : sekretariat@ig-pflegendeanghoerige.ch
• Andreas Bircher, Leiter Entlastung, Schweizerisches Rotes Kreuz,
Tel. 078 685 94 46, E-Mail : andreas.bircher@redcross.ch
• Ursula Koch, Leiterin Vorsorge, Betreuung & Nachsorge, Krebsliga Schweiz,
Tel. 079 753 87 19, E-Mail: ursula.koch@krebsliga.ch
• Benoit Rey, Leiter Dienstleistungen Romandie und Tessin, Pro Infirmis
Tel. 079 305 52 93, E-Mail: benoit.rey@proinfirmis.ch
• Adrian Wüthrich, Präsident Travail.Suisse und Nationalrat,
Tel. 079 287 04 93, E-Mail: wuethrich@travailsuisse.ch

10 septembre 2018, Valérie Borioli Sandoz, Responsable politique de l'égalité

Travail.Suisse, VPE und Syna fordern Bildungsoffensive und Branchen-GAV für die Stromwirtschaft

Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, und seine angeschlossenen Verbände VPE und Syna präsentieren heute das neue Positionspapier „Strommarkt im Wandel und unter Druck. Zu meisternde Herausforderungen und Vorschläge für die Arbeitnehmenden“. Klar ist: Die Branche wandelt sich in hohem Tempo, es braucht deshalb zwingend Sicherheit und Schutz für die Arbeitnehmenden in dieser Branche. mehr

Die Sicherheit der Grundversorgung hängt stark von einem gut regulierten Elektrizitätsmarkt ab. Dafür sorgen unter anderem Arbeitnehmende mit direkt oder indirekt nicht weniger als 75‘000 Vollzeitstellen und einer Wertschöpfung von 18 Milliarden Franken. Doch die Branche ist im Wandel – und das in einem rasanten Tempo.

Schwierige Transformation ohne massive Bildungsoffensive

Aufgrund der tiefen Strompreise auf dem europäischen Markt fokussieren grosse Stromkonzerne immer mehr auf den Dienstleistungssektor. Gleichzeitig wachsen die Bedeutung der erneuerbaren Energien und auch die Notwendigkeit, Verteilnetze an neue Erfordernisse anzupassen. Diese drei Entwicklungen stellen bereits heute veränderte Anforderungen an die Arbeitnehmenden der Branche und haben massive Auswirkungen auf die berufliche Aus- und Weiterbildung. Eine Bildungsoffensive für die Mitarbeitenden der Branche ist nötig. Dafür braucht es ein Inventar der neuen Aus-und Weiterbildungsbedürfnisse und der notwendigen Fachkompetenzen, um die Ausbildung, die berufliche Weiterbildung und die Umschulung der Branche optimal zu steuern. Ausserdem braucht es im Stromversorgungsgesetz (StromVG) einen Artikel, der die Aus- und Weiterbildung sowie Möglichkeiten zur beruflichen Neuorientierung fördert.

Ein GAV für die Branche ist dringend nötig

Will die Schweiz eine vollständige Liberalisierung des Strommarktes, so ist ein für die gesamte Elektrizitätsbranche gültiger Gesamtarbeitsvertrag unverzichtbar. Es geht um viel: Um die Sicherung von Arbeitsbedingungen und Löhnen wie auch um die partizipative Bewältigung des Strukturwandels infolge des verschärften Wettbewerbs nach der vollständigen Marktliberalisierung. Insbesondere Elektrizitätsverteilungsunternehmen mit vielen Kleinkunden und Margen, die nach einer vollständigen Marktliberalisierung einzubrechen drohen, ist ein erweiterter GAV notwendig. Nur so können allfällige Restrukturierungen sozialverträglich begleitet werden. Der Grundsatz eines GAV muss im StromVG verankert werden, damit die Sozialpartner eine solide Basis haben, um dessen Inhalt auszuhandeln.

Neben einer Bildungsoffensive und einem GAV für die Branche muss eine vollständige Marktöffnung folgende drei Bedingungen erfüllen:

1. Die vollständige Marktöffnung darf nicht auf Kosten der Kunden erfolgen, der Grundgedanken des Service public, Leistungen für die ganze Bevölkerung zu einem sozialverträglichen Preis anzubieten, muss das Leitmotiv sein.
2. Die Netzinfrastruktur muss im Eigentum der öffentlichen Hand bleiben, die Politik muss eine Privatisierungswelle verhindern.
3. Die erneuerbare, einheimische Stromproduktion muss garantiert und gefördert werden, die im Rahmen der Energiestrategie 2050 geforderten Investitionen in Energieeffizienz und erneuerbaren Energien müssen gesichert werden. Die vollständige Liberalisierung des Strommarktes darf diese nicht gefährden.

Weitere Informationen:
• Adrian Wüthrich, Präsident Travail.Suisse und Nationalrat, Mobile: 079 287 04 93
• Denis Torche, Leiter Energiepolitik, Travail.Suisse, Mobile : 079 846 35 19
• Dr. Bernd Frieg, Präsident VPE, Mobile: 079 445 23 32
• Diego Frieden, Zentralsekretär Elektrizitäts- und Energiewirtschaft Syna, Mobile: 076 478 20 05

03 septembre 2018, Adrian Wüthrich, Président et Denis Torche, Responsable politique environnementale, fiscale et extérieure

Arbeitnehmende müssen zwingend vom Wachstum profitieren

Die Wirtschaftslage ist so gut wie lange nicht mehr und auch die Aussichten sind erfreulich. Deshalb ist es jetzt endlich an der Zeit, die Arbeitnehmenden am Wirtschaftswachstum zu beteiligen und zwar mit Lohnerhöhungen von mindestens 2 Prozent. Um einen weiteren Kaufkraftverlust der Arbeitnehemnden zu verhindern müssen wieder vermehrt generelle Lohnmassnahmen durchgeführt werden. mehr

Die Arbeitnehmenden haben mit viel Einsatz und grosser Flexibilität mitgeholfen, den jetzigen Wirtschaftsboom zu ermöglichen. Prognosen des SECO lassen ein Wirtschaftswachstum von 2.4 Prozent für das laufende Jahr erwarten. Für Travail.Suisse, den unabhängigen Dachverband der Arbeitnehmenden, und die angeschlossenen Verbände Syna, transfair und Hotel&Gastro Union ist klar, dass dieser Aufschwung den Arbeitnehmenden zugutekommen muss. Es braucht deshalb zwingend spürbare Lohnerhöhungen von mindestens 2 Prozent

Grosser Nachholbedarf bei den Löhnen

In den vergangenen Jahren mussten sich die Arbeitnehmenden mit bescheidenen Lohnerhöhungen und teilwiese gar mit Nullrunden zufrieden geben. Dies hat mitgeholfen, in den Krisenjahren und in der Zeit des stark überbewerteten Frankens die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu erhalten. Durch die anziehende Teuerung haben die Arbeitnehmenden 2017 erstmals seit 10 Jahren sogar einen Reallohnverlust erleiden müssen. Von der wirtschaftlichen Erholung resp. dem Aufschwung müssen deshalb zwingend auch die Arbeitnehmenden profitieren.

Erhalt der Kaufkraft nur mit generellen Massnahmen

Seit 2006 hat der Anteil an generellen Lohnerhöhungen kontinuierlich abgenommen, lediglich noch ein Drittel der Lohnmassnahmen kamen wirklich allen Arbeitnehmenden zugute – der Grossteil der Lohnanpassungen erfolgte individuell und damit intransparent und teilweise willkürlich. Mit der anziehenden Teuerung – Prognosen gehen von 1 Prozent Teuerung im 2018 aus – müssen zwingend wieder mehr generelle Lohnerhöhungen gewährt werden, ansonsten drohen massive Kaufkraftverluste für grosse Teile der Arbeitnehmenden.

Weiterer Schritt in Richtung Lohngleichheit zwischen den Geschlechtern nötig

Ein zweiter Fokus muss auf den Frauenlöhnen liegen. Der noch immer bestehende unerklärbare Lohnunterschied (=Lohndiskriminierung) der Frauenlöhne von 7.4 Prozent ist absolut stossend und die Lohngleichheit zwischen den Geschlechtern ist zwingend anzustreben. Es braucht eine stärkere Bereitschaft, mit anerkannten statistischen Methoden die Gleichheit der Löhne im Unternehmen zu überprüfen und allfällige Massnahmen zur Verbesserung umzusetzen.

Für weitere Informationen:

  • Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Travail.Suisse, Tel. 076 412 30 53
  • Arno Kerst, Präsident Syna, Tel. 079 598 67 70
  • Stefan Müller-Altermatt, Nationalrat & Präsident des Personalverbands transfair, Tel. 076 332 15 26

09 août 2018, Gabriel Fischer, Responsable politique économique

Schwache Aktienrechtsrevision – droht uns der nächste Bonirausch?

Seit über einem Jahrzehnt untersucht Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, die Entwicklung der Managerlöhne. Das Fazit der 14. Erhebung ist durchzogen, dennoch öffnet sich in der Mehrheit der untersuchten Unternehmen die Lohnschere weiter. Die Chefs gewähren sich satte Lohnerhöhungen, während bei den tiefen Einkommen Lohndruck, Unsicherheit und Angst um den Arbeitsplatz zunehmen. Die angenommene Abzockerinitiative kann diesen Trend nicht stoppen, zu wenig griffig sind die umgesetzten Massnahmen in der Aktienrechtsrevision. mehr

Bereits zum vierzehnten Mal in Folge hat Travail.Suisse die Schere zwischen den höchsten und den tiefsten Löhnen in 26 Schweizer Unternehmen untersucht. Die Analyse fördert beunruhigende Entwicklungen zu Tage.

Kein Spitzenjahr für die Manager – dennoch öffnet sich die Lohnschere

Im Vergleich mit den letzten Jahren fiel die Entwicklung der Managerlöhne 2017 etwas bescheidener aus, dennoch konnte sich die Mehrheit der Konzernleitungsmitglieder über Erhöhungen ihrer Bezüge freuen. Seit 2011 sind damit die Löhne in den Chefetagen um satte 16 Prozent gestiegen, während sich die normalen Arbeitnehmenden im gleichen Zeitraum mit 3.8% mehr Lohn zufrieden geben mussten. „Damit sind die Löhne ganz oben vier Mal stärker gestiegen als unten – so geht die Lohnschere immer weiter auseinander“, sagt Adrian Wüthrich, Präsident von Travail.Suisse. Wie die Managerlohnstudie zeigt, lag die durchschnittliche Lohnschere in den Unternehmen 2011 noch bei 1:45 und hat sich bis 2017 auf rund 1:49 geöffnet. Diese Entwicklung ist keinesfalls nur von den grössten Unternehmen der Finanz- und Pharmabranche geprägt, sondern lässt sich quer durch alle Branchen feststellen. Beispielhaft für die Öffnung der Lohnschere in den letzten Jahren stehen Valora mit CEO Michael Müller (von 1:23 auf 1:60), Lonza mit Chef Richard Ridinger (von 1:40 auf 1:85), Yves Serra von Georg Fischer (von 1:32 auf 1:63), sowie die übrigen Konzernleitungsmitglieder von Valora (von 1:12 auf 1:28) oder ABB (von 1:64 auf 1:87).

Aktienrechtsrevision mit wenig griffigen Massnahmen

Letzte Woche hat der Nationalrat die Aktienrechtsrevision behandelt und damit die Umsetzung der Abzockerinitiative abgeschlossen. Dabei verpasste er leider die Chance, mit griffigen Massnahmen wirksam gegen übertriebene Managerlöhne vorzugehen. Aus Sicht von Travail.Suisse sind dafür folgende Lücken verantwortlich:

Mangelhafte Transparenz: Auch zukünftig müssen die Vergütungen der Mitglieder der Konzernleitungen nicht individuell ausgewiesen werden, womit die Transparenz unvollständig bleibt.

  • Wenig sinnvolle Abstimmungen: An den Generalversammlungen muss über die Vergütungen des Managements abgestimmt werden. Dies kann aber für Fixlohn und Boni in einem getan werden. Die Kontrollfunktion bleibt so sehr eingeschränkt: Mit prospektiven Abstimmungen müssen Boni bewilligt werden – ohne Kenntnis der erbrachten Leistung und des Geschäftsgangs.
  • Umgehungen: Antritts- und Abgangsentschädigungen sollen verboten werden, bleiben aber als Antrittsprämien, welche die in Zukunft entgangenen Boni beim alten Arbeitgeber „kompensieren“ und überlangen Lohnfortzahlungen, Konkurrenzverboten und intransparenten Beraterverträgen weiterhin möglich.
  • Keine Bonibeschränkung: Eine Regelung zum maximalen Anteil der Boni an der gesamten Vergütung fehlt vollständig. Bonianteile bis über 80% der Gesamtentschädigung mit entsprechenden Fehlanreizen bleiben somit weiter möglich.

„Mit dieser Umsetzung droht die Abzockerinitiative auf halbem Weg stehen zu bleiben. Mit wenig griffigen Massnahmen im Aktienrecht, dem Verschwinden der Managerlöhne aus dem politischen Fokus und einer anziehenden Konjunktur droht in den kommenden Jahren der nächste Bonirausch“, so Wüthrich weiter. „Die absurde Höhe der Managerlöhne und die sich weiter öffnende Lohnschere führen zu einer Entfremdung zwischen Bevölkerung und Wirtschaft mit unabsehbaren politischen Kosten.“

Geschlechterrichtwerte als dringend notwendiger Schritt

Ein positives Ergebnis der parlamentarischen Beratung der Revision des Aktienrechtes liegt in der Einführung von befristeten Richtwerten für die Vertretung der Geschlechter in den Konzernleitungen und Verwaltungsräten. Dieser Schritt war dringend notwendig, wie auch die Managerlohnstudie von Travail.Suisse zeigt. In den untersuchten Unternehmen existieren 213 Konzernleitungsposten, wovon Ende 2017 lediglich 14 von Frauen besetzt waren, was einen beschämenden Frauenanteil von 6.7 Prozent ergibt.

Weitere Informationen:
• Adrian Wüthrich, Präsident Travail.Suisse und Nationalrat, Mobile: 079 287 04 93
• Jacques-André Maire, Vizepräsident Travail.Suisse und Nationalrat, Mobile: 078 709 48 50
• Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Travail.Suisse, Mobile: 076 412 30 53

22 juin 2018, Gabriel Fischer, Responsable politique économique et Lino Bruggmann, Collaborateur du projet "Salaires des managers"

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