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Die Berufsbildung von morgen – heute angedacht

Das Berufsbildungssystem der Schweiz ist top. Das haben aktuell die Weltmeisterschaften der Berufsbildung (worldskills) in Abu Dhabi gezeigt: 20 Medaillen, davon 11 goldene, haben sich die jungen Berufsleute aus der Schweiz erkämpft. Damit die Berufsbildung ihre hohe Qualität halten kann, darf sie nicht ruhen, sondern muss kluge und neue Antworten auf die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen finden. Das wird mit einer neuen Strategie „Berufsbildung 2030“ angestrebt. mehr

Was bedeuten Digitalisierung, Globalisierung, Migration oder erhöhte Anforderungen des Arbeitsmarktes für die Berufsbildung? Wie kann die Berufsbildung den schnellen technologischen Wandel bewältigen? Wie kann die Berufsbildung die Erwachsenen, auch die älteren Arbeitnehmenden, besser ins Berufsbildungssystem integrieren? Solche und ähnliche Fragen werden seit mehr als einem Jahr in der Berufsbildung intensiv diskutiert. Entstanden ist ein erstes Leitbild.

Ein verheissungsvolles Leitbild

Das erarbeitete Leitbild verlangt zum Beispiel, dass die Berufsbildung „individuelle Lernwege und Laufbahnentwicklungen“ fördert. Das ist eine Verheissung für Erwachsene und bedeutet, dass die Berufsbildung besser mit der persönlichen Lebenssituation vereinbart werden können soll. Mit Hilfe der Digitalisierung soll die Bildung ort- und zeitunabhängiger werden. Die Hürden bei einer beruflichen Neuorientierung sollen minimiert werden. Das sind alles Ideen, die es den Erwachsenen vereinfachen sollen, ihre beruflichen Kompetenzen auf aktuellem Stand zu halten und notwendige Berufswechsel durchzuführen. Denn niemand weiss, ob es seinen oder ihren Beruf in der jetzigen Form in Zukunft noch gibt und ob die bereits erworbenen beruflichen Kompetenzen in Zukunft noch benötigt werden. Da ist es gut, wenn die Berufsbildung sich so weiterentwickelt, dass Anpassungen einfacher möglich sind.

Eine dornige Umsetzung?

Solche Ideen müssen nun in konkrete Massnahmen umgesetzt werden. Das wird nicht einfach werden. Denn ein Leitbild zu formulieren, ist das eine. Es wirklich umzusetzen, ein anderes. Aber schon dieses Jahr sollen erste Schritte dazu gemacht werden. Am 13. November 2017 findet das Spitzentreffen der Berufsbildung statt. Bundesrat Johann Schneider-Ammann, die Spitzen der Kantone und der Wirtschaft, darunter auch der Präsident von Travail.Suisse, Adrian Wüthrich, werden das Leitbild miteinander diskutieren und – hoffentlich – auch erste Entscheidungen im Hinblick auf die Umsetzung treffen. Dazu gehört zum Beispiel die Prioritätensetzung und die Entscheidung, welche Ideen und Leitsätze als erstes umgesetzt werden sollen.

Die Forderungen von Travail.Suisse

Travail.Suisse war von Beginn weg eng in den Strategieprozess Berufsbildung 2030 involviert und hat seine Forderungen eingebracht. Im Fokus stehen insbesondere folgende Punkte:

a) In allen Diskussionen und Entscheidungen müssen immer alle Bereiche der Berufsbildung, also die berufliche Grundbildung, die Berufsmaturität, die Höhere Berufsbildung sowie die berufsorientierte Weiterbildung mitgedacht werden und nicht nur die berufliche Grundbildung.
b) In allen Diskussionen und Entscheidungen sollen nicht nur die Anliegen und Bedürfnisse der Jugendlichen, sondern immer auch die Anliegen und Bedürfnisse der Erwachsenen, auch der über 50-jährigen Personen, berücksichtigt werden.
c) Bei allen Diskussionen und Entscheidungen soll immer nach dem Informations- und Beratungsbedarf der verschiedenen Zielgruppen gefragt werden. Weiter muss der Zugang zu Leistungen der Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung für alle möglichst vereinfacht werden.
d) In allen Diskussionen und Entscheidungen darf nicht nicht von einem einengenden Bild der Verbundpartnerschaft ausgehen. Wichtig ist es, immer wieder zu fragen, wer bei dem besprochenen Thema an den Diskussions- und Verhandlungstisch gehört, um sachgerechte und zukunftsfähige Lösungen zu finden.

Wird die Strategie „Berufsbildung 2030“ in griffige und konkrete Massnahmen umgesetzt, so kann sie den Weg ebnen, dass Jugendliche wie auch Erwachsene den Wechsel in die digitalisierte Arbeitswelt erfolgreich schaffen. Damit dies gelingt, sind Politik wie Wirtschaft gleichermassen gefordert.

>> Zur Strategie

30 octobre 2017, Bruno Weber-Gobet, Responsable politique de formation

Auch nach dem Nein: Für sichere Renten im Alter müssen wir AHV und Pensionskassen fit für die Zukunft machen

Die Schweizer Stimmbevölkerung hat am 24. September die Altersvorsorge 2020 und die Mehrwertsteuererhöhung zu Gunsten der AHV abgelehnt. Travail.Suisse bedauert dies sehr. Als unabhängiger Dachverband der Arbeitnehmenden hat Travail.Suisse diese Kompromissvariante unterstützt, um die Verantwortung als Sozialpartner gegenüber der ersten und zweiten Säule wahrzunehmen. Das Nein zur Vorlage darf aber keinesfalls als Ja zu Rentenalter 67 oder zu einer Abbauvorlage interpretiert werden. Bei einer neuen Vorlage muss eine solide Finanzierungslösung im Zentrum stehen. mehr

Die Reform der Altersvorsorge 2020 war ein umfassendes Projekt. Nach der Ablehnung muss man wohl sagen: ein zu umfassendes Projekt. Das heisst nicht, dass es zu komplex war oder die Stimmberechtigten es nicht verstanden. Die Altersvorsorge 2020 enthielt viele unterschiedliche Massnahmen – je nach Standpunkt gute und weniger gute. Wer gegen das Reformprojekt war, konnte alle schlechten Punkte auflisten und ein düsteres Bild malen. So haben es insbesondere die Konsumentenzeitschriften gemacht. Auch die Kampagnen des Arbeitgeberverbandes, der SVP und der FDP zielten geschickt auf die umstrittenen Punkte. Leider wurden die Vorteile der Vorlage im jetzigen Umfeld total verkannt.

Sozialpartner tragen Verantwortung

Als Sozialpartner hat Travail.Suisse jedoch eine grosse Verantwortung. Die Stiftungsräte der Pensionskassen müssen zu gleichen Teilen von Arbeitnehmenden- und Arbeitgebendenseite gestellt werden. Auch in den Leitungsgremien auf nationaler Ebene sind die Sozialpartner paritätisch vertreten. Travail.Suisse hat in den zuständigen Kommissionen und Gremien von AHV und BVG Delegierte. Wir haben also eine besondere Verantwortung für die Altersvorsorge gegenüber allen in der Schweiz tätigen Arbeitnehmenden – mehr noch als die Arbeitgeber.

Aus dieser Verantwortung heraus hat Travail.Suisse immer wieder einen gangbaren Kompromiss gesucht. Im Parlament wurde lobbyiert, um eine möglichst gute Lösung zu erhalten. Vorschläge wurden erarbeitet und Parlamentsmitglieder informiert und überzeugt. Hätte Travail.Suisse die Reform der Altersvorsorge selber kreieren können, so hätte sie anders ausgesehen. Im politischen System der Schweiz braucht es aber für jede Lösung zuerst eine Mehrheit im Parlament. Mit dem knappst möglichen Resultat kam schlussendlich die Erhöhung der AHV-Renten für Neurentnerinnen und Neurentner im Nationalrat als Kompensation für den tieferen Umwandlungssatz durch. Das Resultat aus der parlamentarischen Beratung war akzeptabel.

Linkes Nein bedeutet: Keine Rentenaltererhöhung für Frauen und keinen Abbau

Dass die Gewerkschaften mit ihren Dachverbänden mit dem Kompromiss sehr weit gegangen sind, zeigen das „Linke Nein“ und die Nein-Stimmen aus den eigenen Reihen. Wer die Resultate vom 24. September analysiert, darf die These wagen, dass die Mehrwertsteuer-Erhöhung eine Mehrheit in Volk und Ständen gefunden hätte, wenn kein Referendum gegen die AHV-Vorlage ergriffen worden wäre und die Mehrwertsteuer-Erhöhung von ganz Mitte-Links unterstützt worden wäre. Es war ein Penalty gewesen, den man nur noch hätte machen müssen. Es kam anders. Aufgrund des Referendums wurde überproportional viel über die schlechten und sehr wenig über die positiven Punkte der Reform diskutiert.

Klar ist: Am 24. September sagte die Stimmbevölkerung Nein. Doch dieses Nein ist differenziert zu betrachten (in der Romandie waren die Arbeitgeber mehrheitlich für die Reform, dafür war der Nein-Anteil auf der linken Seite grösser etc.). Es gab nicht nur ein Nein von Arbeitgeberorganisationen, SVP und FDP, sondern eben auch das linke Referendum und damit das linke Nein. Damit verlieren die AHV-Abbauer die Deutungshoheit über das Nein. Die Befragungen nach der Abstimmung, einerseits von Tamedia und andererseits der SRG SSR, zeigen die unterschiedlichsten Gründe – die Erhöhung des Frauenrentenalters und die zusätzlichen 70 Franken AHV-Rente sind zwei davon.

Das Nein vom 24. September ändert nichts daran, dass es eine Lösung braucht für die langfristige und sichere Finanzierung der Altersvorsorge. Sowohl Gegner wie Befürworter der Altersvorsorge 2020 waren sich betreffend der Ausgangslage einig: Es bleibt noch etwas Zeit um eine Lösung zu finden, bevor die Defizite bei der AHV zu gross werden. Diese Defizite sollen aber niemanden dazu verleiten, vorschnell einer verkappten Abbauvorlage zuzustimmen. Eine generelle Rentenaltererhöhung und die Senkung des heutigen Rentenniveaus sind tabu. Vielen Pensionierten reicht die Rente nicht zum Leben. Zudem muss die Erhöhung des Frauenrentenalters mit anderen Massnahmen kompensiert werden. Im Parlament wurde beispielsweise ein Zuschlag wegen der Lohndiskriminierung explizit für Frauen oder die Abschaffung des Koordinationsabzugs diskutiert.

Lösung über Babyboomer-Mehrwertsteuer-Prozent

Nimmt man die Arbeitgeber beim Wort und streicht die 70 Franken inkl. höherem Ehepaarplafonds, belässt die 0.3 Lohnprozente und auch das Frauenrentenalter 64 und führt ein Babyboomer-Mehrwertsteuer-Prozent ein, so kann eine neue Vorlage erarbeitet werden mit der die AHV länger als bis 2030 finanziert ist. Mit dem flexiblen Rentenalter, den Massnahmen für ältere Arbeitslose und der Beschränkung der überhöhten Risikoprämien für die Lebensversicherer können zudem einige wesentliche und unbestrittene Punkte in eine neue Vorlage übernommen werden.

Die Lohnprozente für die AHV wurden seit 1975 nie erhöht und die Mehrwertsteuererhöhung wurde nur hauchdünn abgelehnt. Mit der gestiegenen Lebenserwartung lässt sich der Stimmbevölkerung erklären, dass man über leicht höhere Lohnbeiträge und eine höhere Mehrwertsteuer auch etwas mehr zahlen muss, damit man länger Rente erhält und die Finanzen von AHV und Pensionskassen im Lot bleiben. Es kann nicht sein, dass man für die künftigen Generationen die Rentenhöhe senkt und das Rentenalter erhöht, nur weil eine geburtenstarke Generation – die Babyboomer – in Pension geht.

Bundesrat Alain Berset hat alle beteiligten Organisationen Ende Oktober zu einer Aussprache eingeladen. Travail.Suisse wird auch teilnehmen und mithelfen, dass in der notwendigen Zeit den Stimmberechtigten eine neue Vorlage unterbreitet werden kann. Damit sie mehrheitsfähig ist, darf sie keine Abbauvorlage sein – solche wurden 2004 und 2010 vom Volk überdeutlich abgelehnt – und sie muss den Arbeitnehmenden insgesamt Verbesserungen bringen.

16 octobre 2017, Adrian Wüthrich, Président

Aktienrechtsrevision: Problem der überrissenen Managerlöhne wird mit Samthandschuhen angepackt

Knapp fünf Jahre nach der Annahme der Abzockerinitiative soll deren Forderung mit der Aktienrechtsrevision ins Gesetz gegossen werden. Die Vorschläge des Bundesrates bleiben aber bezüglich Transparenz der Managerlöhne und Stärkung der Aktionärsrechte auf halbem Weg stehen und bieten im Bereich der besonders störenden Antritts- und Abgangsentschädigungen zu einfache Umgehungsmöglichkeiten. Das Parlament ist gefordert, hier entscheidend nachzubessern, ansonsten wird sich der Unmut der Bevölkerung über die überrissenen und ungerechtfertigten Entschädigungen für die Wirtschaftselite nicht legen. mehr

Die Diskussion über die Begrenzung der Entschädigungen in den Managementetagen der Grosskonzerne ist in der Schweiz seit etlichen Jahren ein politischer Dauerbrenner. Der Unmut in der Bevölkerung über die Lohnexzesse und die Selbstbedienermentalität der Managerkaste hat der Abzockerinitiative zu einer wuchtigen Annahme durch 68% der Stimmberechtigten und sämtliche Kantone verholfen. Eine spürbare Mässigung der Managerlöhne ist seither aber nicht festzustellen. So weist die Managerlohnstudie 1 von Travail.Suisse seit 2011 – und damit der Hauptphase der parlamentarischen Beratung der Abzockerinitiative – in den untersuchten Unternehmen für zwei Drittel der CEO und sogar drei Viertel der übrigen Konzernleitungsmitglieder deutlich steigende Bezüge nach. Allein 2016 konnten sich die Manager über eine durchschnittliche Erhöhung ihrer Bezüge von stattlichen 6% freuen. Von solchen Lohnsprüngen wagen die übrigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Unternehmen nicht einmal zu träumen. Die Lohnschere öffnete sich denn auch munter weiter: Lag das Verhältnis der durchschnittlichen Entschädigung für ein Konzernleitungsmitglied zum tiefsten Einkommen desselben Unternehmens bei den untersuchten Firmen im Jahr 2011 noch bei 1:45, hat es sich bis 2016 auf 1:51 vergrössert.

Mit der Aktienrechtsrevision soll die Verordnung gegen übermässige Vergütungen bei börsenkotierten Aktiengesellschaften ins Gesetz überführt werden, um so die Begehren der Abzockerinitiative endgültig umzusetzen. Die Kommission für Rechtsfragen des Nationalrates wird die Beratung der Vorschläge des Bundesrates am kommenden 3. November aufnehmen. Aus Sicht von Travail.Suisse weisen die Vorschläge des Bundesrates etliche Mängel und Schwachstellen auf. Gelingt es dem Parlament nicht, diese zu beheben, wird sich auch zukünftig kein mässigender Einfluss auf die Höhe der Managerlöhne einstellen.


h2. Transparenz bleibt ungenügend

Eines der Kernelemente der Aktienrechtsrevision ist der Auftrag an den Verwaltungsrat, jährlich einen Vergütungsbericht zuhanden der Generalversammlung zu erstellen. Damit soll Transparenz über die Entschädigungen an das Management hergestellt werden. Allerdings bleibt der Bundesrat dabei auf halbem Weg stehen: Während nämlich die Entschädigungen für die Mitglieder des Verwaltungsrates und des Beirates individuell ausgewiesen werden müssen, wird bei den Mitgliedern der Geschäftsleitung nur die höchste Einzelentschädigung sowie die Gesamtentschädigung für sämtliche Geschäftsleitungsmitglieder verlangt. Damit wird insbesondere eine Analyse der Entwicklung über die Jahre hinweg verunmöglicht, weil Wechsel, Vakanzen oder Änderungen der Gremiumsgrösse nicht abgegrenzt und berücksichtigt werden können.

Leicht zu umgehendes Verbot der Antritts- und Abgangsentschädigungen

Die Empörung über Antrittsgagen und Abgangsentschädigungen in mehrfacher Millionenhöhe bei Wechseln in den Konzernleitungen war einer der Haupttreiber der überdeutlichen Annahme der Abzockerinitiative. Folgerichtig ist ein Verbot der Antritts- und Abgangsentschädigungen ein Kernelement der Aktienrechtsrevision. Der Bundesrat schlägt aber eine wenig griffige Regelung vor, welche allzu leicht umgangen werden kann. So sollen nämlich sogenannte Antrittsprämien zulässig werden. Mit einer Antrittsprämie kann ein neu zum Unternehmen stossender Manager für wegfallende Boniansprüche bei seinem bisherigen Arbeitgeber entschädigt werden. So könnten die 14 Mio. Franken, welche Tidjane Thiam bei seinem Stellenantritt 2014 von der Credit Suisse erhalten hat, oder die 4 Mio. Franken, welche Zurich 2016 dem neuen CEO Mario Greco überwiesen hat, auch in Zukunft ausgerichtet werden.

Auch das Verbot der Abgangsentschädigung kann leicht umgangen werden. Mit Kündigungsfristen bis zu einem Jahr und mehrjährigen Konkurrenzverboten sind Lohnfortzahlungen und Karenzentschädigungen an die Manager auch nach Ausscheiden aus der Unternehmung möglich. Als weitere Umgehungsmöglichkeit bieten sich weiterlaufende Beratermandate an, bei welchen nicht transparent dokumentiert werden muss, woraus die Beratertätigkeit genau besteht. So ist beispielsweise Franz Humer nach seinem Ausscheiden als Präsident des Verwaltungsrates von Roche 2015 mit einem 5-jährigen Beratermandat und entsprechender Entschädigung beglückt worden.

Fehlende Aktionärsrechte

Ein Hauptanliegen der Abzockerinitiative war die Stärkung der Aktionärsrechte. Die vorgeschlagenen Massnahmen in der Aktienrechtsrevision greifen hier aber viel zu kurz. So müssen zwar zukünftig jährliche Abstimmungen über die Vergütungen der Manager durchgeführt werden, allerdings sind dabei gemeinsame Abstimmungen über die fixen und variablen Bestandteile der Entschädigungen ebenso zulässig wie prospektive Abstimmungen. Wird aber gemeinsam über die fixen und variablen Vergütungen abgestimmt, fehlt den Aktionären die Möglichkeit, exzessive Boni abzulehnen, ohne die gesamte Entschädigung in Frage zu stellen. Und bei einer prospektiven Abstimmung müssen die Aktionäre vor Kenntnis des Geschäftsganges und sogar vor einer Leistungserbringung durch die Manager über deren Boni entscheiden. Somit wird der Leistungsgedanken der Boni ad absurdum geführt. Gemäss der Managerlohnstudie von Travail.Suisse führt weniger als ein Drittel der untersuchten Unternehmen eine sinnvolle Abstimmungskaskade über die Entschädigungen für das Management durch, welche es den Aktionären erlauben würde, eine Kontrolle und allenfalls Korrektur von überrissenen Managerlöhnen zu erwirken.

Neben fehlenden Vorgaben zu den Abstimmungsregimes fehlt in der vorliegenden Aktienrechtsrevision auch eine Pflicht zur Festlegung des Mindestverhältnisses zwischen fixen und variablen Bestandteilen der Entschädigung in den Statuten. Es lässt sich grundsätzlich eine zu starke Fokussierung auf variable Vergütungen beobachten, was Fehlanreize für Entscheide der Manager setzt. Richten sich die Entscheide der Manager zu stark auf die kurzfristigen Kennzahlen aus, lassen sich zwar ihre Boni maximieren, aber das kann durchaus im Widerspruch zu einer nachhaltigen Geschäftsentwicklung stehen.

Hohe Managerlöhne müssen auch der Allgemeinheit nutzen

Für Travail.Suisse ist klar, dass in den angesprochenen Bereichen zwingend nachgebessert werden muss, sollen die Anliegen der Abzockerinitiative auch nur in Ansätzen umgesetzt werden. Ausserdem ist in der laufenden Aktienrechtsrevision auch der Nutzen der hohen Managerlöhne in der Schweiz für die Allgemeinheit zu vergrössern, ansonsten wird sich der Unmut in der Bevölkerung über die überrissenen und nicht gerechtfertigten Entschädigungen für die Wirtschaftselite nicht legen. Dazu bieten sich zwei Wege an. Einerseits dürfen Entschädigungen für Manager ab einer gewissen Höhe (Bsp. 1 Million Franken) nicht mehr als geschäftsmässig begründeter Aufwand zu einem Steuerabzug bei den Unternehmen führen. Stattdessen sollten sie als Gewinnausschüttung klassiert und so der Besteuerung durch die Gewinnsteuer unterstellt werden. Andererseits muss eine ernsthafte Diskussion über eine Solidaritätssteuer für sehr hohe Managerlöhne geführt werden. Die Progression bei der direkten Bundessteuer orientiert sich an einer „normalen“ Einkommensstruktur und endet bei 755‘200 Franken für Alleinstehende, resp. 895‘800 Franken für Verheiratete. Das starke Wachstum der Topsaläre für Manager und Verwaltungsräte in den letzten Jahrzehnten hat aber eine Einkommensschicht ausserhalb dieser „normalen“ Einkommensstruktur entstehen lassen. Für diese neue Einkommensschicht hat die direkte Bundessteuer nur noch einen beschränkt progressiven Charakter, was dem Grundgebot der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit widerspricht. Über eine zusätzliche Besteuerung in diesem Bereich könnten der Nutzen der hohen Managerlöhne für die Allgemeinheit vergrössert und die Akzeptanz dieser Saläre erhöht werden.


1 Die vollständigen Ergebnisse unter http://www-travailsuisse.ch/themen/arbeit/managerloehne

16 octobre 2017, Gabriel Fischer, Responsable politique économique

Pflegende Angehörige verdienen unsere Unterstützung – in der ganzen Schweiz

Am 30. Oktober wird in der Westschweiz zum vierten Mal der Tag der Angehörigenpflege durchgeführt – organisiert wird er von den Westschweizer Kantonen in Zusammenarbeit mit verschiedenen Vereinigungen. Der Tag hat nicht nur symbolischen Wert, sondern eine wichtige Signalwirkung, die noch an Ausstrahlung gewinnen würde, wenn der Tag in der ganzen Schweiz durchgeführt würde. In der Deutschschweiz dürfte dazu noch ein beträchtlicher Weg zurückzulegen sein. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, engagiert sich dafür, dass die Angehörigenarbeit auch auf nationaler Ebene mit einem besonderen Tag mehr öffentliche Anerkennung erhält. mehr

Der Kanton Waadt gab als Pionier in diesem Bereich den Anstoss dazu, dass alle Westschweizer Kantone im Rahmen des «Tags der Angehörigenpflege» am 30. Oktober (www.journee-proches-aidants.ch) gemeinsam für dieses Anliegen eintreten. An diesem Tag finden vielfältige Anlässe statt, die sich dem Engagement all jener widmen, die es Angehörigen ermöglichen, trotz eingeschränkter Selbstständigkeit weiterhin unter guten Bedingungen zuhause zu leben: Ausstellungen und Konferenzen, Begegnungs-Cafés und Brunches, Marktstände, Theater- und Filmvorführungen – es ist für jeden Geschmack etwas dabei!

Westschweizer Tag der Angehörigenpflege – ein starkes Signal

Dieser Tag ist zwar vor allem von symbolischem Wert. Er setzt jedoch ein wichtiges Zeichen, und es wäre falsch, dies zu unterschätzen. In der Schweiz erledigen 56% der Erwerbstätigen Betreuungsaufgaben und beziehen dafür Ferientage (ausserhalb der Ferien). 2013 gaben 15% der Erwerbstätigen an, dass sie wegen Betreuungsarbeit ihr Arbeitspensum reduziert haben oder überhaupt nicht arbeiten konnten 1. Von der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz zwischen 15 und 64 Jahren betreuen 35% regelmässig Kinder oder Erwachsene. Dies entspricht 1,9 Millionen Personen. Das Volumen an direkter Care-Arbeit beläuft sich auf über 80 Milliarden Franken pro Jahr. Die indirekte Care-Arbeit umfasst Haushaltsarbeit im Zusammenhang mit der Betreuung von Familienmitgliedern wie Kochen, Putzen, Wäschewaschen, Einkaufen usw., d.h. notwendige Arbeiten, welche die betreuten Personen im Allgemeinen nicht selber erledigen können. Das Volumen an indirekter Care-Arbeit beträgt über 20 Milliarden Franken pro Jahr. Insgesamt ist die Care-Arbeit somit 100 Milliarden Franken wert! Damit wird klar, dass das soziale und gesundheitliche Gleichgewicht ins Wanken käme, wenn wir nicht mehr auf pflegende Angehörige zählen könnten. Dieser Tag würdigt all jene, die Zeit, Energie und Geld für Care-Arbeit aufwenden und allzu häufig ihre eigene Gesundheit aufs Spiel setzen, weil sie nicht genügend entlastet werden.

Zürich organisiert einen «Tag für pflegende und betreuende Angehörige»

Eine private gemeinnützige Organisation – Entlastungsdienst Schweiz – organisiert in diesem Jahr eine Impulsveranstaltung zur Sensibilisierung des deutschsprachigen Landesteils. Diese soll ein Bewusstsein dafür schaffen, wie wertvoll die Hilfe ist, die unzählige Frauen und Männer tagtäglich für ältere und/oder kranke Angehörige leisten. Diese Organisation erbringt in mehreren Kantonen (Aargau, Solothurn, Bern, Stadt St. Gallen, Zürich) kostenpflichtige Leistungen zur Entlastung Angehöriger. Die Veranstaltung widmet sich der Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Care-Arbeit (https://www.angehoerige-pflegen.ch/workcare). Unterstützt wird sie von lokal tätigen Organisationen (profawo, Alzheimervereinigung, Spitex, Pro Senectute, Schweizerisches Rotes Kreuz, Familienservice usw.), die im Alltag pflegende Angehörige begleiten.

Travail.Suisse wird sich an dieser Veranstaltung in Zürich beteiligen und ihre Erfahrung einbringen, die sie mit der Lancierung der ersten kostenlosen gesamtschweizerischen Plattform für erwerbstätige pflegende Angehörige gesammelt hat. Die vor genau einem Jahr lancierte Website www.info-workcare.ch bietet kostenlose Informationen, Checklisten, Notfallratschläge und lokale Adressen für alle Personen, die Berufs- und Betreuungsarbeit (sogenannte «Care»-Arbeit) unter einen Hut bringen müssen.

Mit ihrer Teilnahme möchte Travail.Suisse zur notwendigen Sensibilisierung der Deutschschweizer Kantone bei der Anerkennung des Engagements pflegender Angehöriger beitragen. Die Kantone sind verantwortlich für die Infrastruktur zur Betreuung von Kindern und älteren und/oder kranken Menschen. Deshalb kommt es auch den Kantonen zugute, wenn sie für die Betreuung von Personen, die noch nicht vollständig pflegebedürftig sind, die Care-Arbeit durch Angehörige fördern. In Zusammenarbeit mit den verschiedenen Vereinigungen und Gesundheitsligen können die Kantone die Initiativen und Angebote in diesem Bereich koordinieren und so den pflegenden Angehörigen das Leben erleichtern. Die Westschweizer Kantone haben dies begriffen. Nun geht es darum, dass die Deutschschweizer Kantone ein Bewusstsein für diese Problematik entwickeln.

Es braucht politische Antworten

Das Ziel von Travail.Suisse ist es, die Hilfe zwischen den Generationen in den Familien zu fördern. Diese Hilfe ist einerseits aus volkswirtschaftlicher Sicht notwendig. Vor allem aber wird sie von den Betreuten gewünscht, ebenso wie von den pflegenden Angehörigen, die ihre Eltern gerne grosszügig unterstützen.

Für Travail.Suisse ist es wichtig, dass Männer ebenso wie Frauen ihren Teil übernehmen, damit beide weiterhin erwerbstätig und gesund bleiben können. Ebenso ist es wichtig, dass sich die Politik dem Thema annimmt und Massnahmen für eine bessere Vereinbarkeit trifft. Denn von dieser Vereinbarkeit ist die aktuelle und künftige Gesundheit der Arbeitskräfte sowie die Höhe ihrer künftigen Rente abhängig. Angesichts der grossen Zahl von Personen, die heute und in Zukunft betroffen sind, wäre es unverantwortlich, einzig darauf zu vertrauen, dass die Unternehmen das Problem lösen. Diese Botschaft wiederholt Travail.Suisse in ihren regelmässigen Kontakten mit Sozialpartnern, Parlamentarierinnen und Parlamentariern und der Bundesverwaltung.


1 Schweizerische Arbeitskräfteerhebung (SAKE) 2014 und 2013, BFS, Neuchâtel.

16 octobre 2017, Valérie Borioli Sandoz, Responsable politique d'égalité

An die Urnen für unsere AHV!

Die Reform, über die wir am kommenden Wochenende abstimmen, sichert unsere Altersvorsorge. Das heisst: Sie bleibt bezahlbar, auch während der nächsten Jahre. Und das heisst vor allem: keine Rentenverluste und sichere Renten für alle! Von der Reform profitieren Alt und Jung. mehr

Am kommenden Abstimmungssonntag, dem 24. September, geht es um die Wurst. Klar ist: Nur mit zweimal Ja stabilisieren wir die Altersvorsorge, sichern unsere Renten und das Rentenalter 65. Verlieren wir die Abstimmung, so haben die Arbeitgeberverbände – die Westschweizer ausgenommen – und die AHV-Abbauer gewonnen. Das bedeutet konkret: Sie werden den AHV-Zuschlag streichen, den tieferen Umwandlungssatz und das Rentenalter 67 für alle einführen – ohne jede Kompensationsmassnahme. Das muss die Schweizer Stimmbevölkerung wissen.

Die anstehende Reform ist wichtig, denn sie modernisiert die Altersvorsorge. So wird etwa Teilzeitarbeit in der Pensionskasse besser versichert. Und die Senkung des Mindestumwandlungssatzes verhindert, dass die Pensionskassen von Jung zu Alt querfinanziert werden. Ausserdem bringt die Zusatzfinanzierung über die Mehrwertsteuer solide AHV-Finanzen und verhindert ein Milliardenloch in der AHV, das die jungen Generationen sonst alleine decken müssten. Sie werden also mit der Reform nicht «verraten». Wenn die Altersvorsorge 2020 abgelehnt wird, drohen innert weniger Jahre viel drastischere Sparmassnahmen und massiv höhere Abgaben.

Mehr Sicherheit für ältere Arbeitnehmende

Ältere Arbeitslose werden von der heutigen beruflichen Vorsorge bestraft, sie verlieren mit ihrer Arbeit ihr Anrecht auf eine Pensionskassenrente. Dieser doppelten Bestrafung schiebt die Altersvorsorge 2020 einen Riegel: Wer nach 58 seine Stelle verliert, kann bei der bisherigen Pensionskasse bleiben und später eine Pensionskassenrente beziehen. Ausserdem wird ein wichtiger Vorwand für Altersdiskriminierung abgeschafft, indem sich die Pensionskassenbeiträge des mittleren Alterssegments und der 55plus annähern. So werden für Unternehmen ältere Arbeitnehmende im Vergleich zu jüngeren weniger «teuer».

Auch Pensionierte profitieren

Die Altersvorsorge 2020 würde «Rentner bestrafen», behaupten die Gegner. Doch das Gegenteil ist der Fall: Mit der Reform und der leicht erhöhten Mehrwertsteuer werden die Kosten der demografischen Alterung für die nächsten Jahre gedeckt. Davon profitieren heutige Rentnerinnen und Rentner, denn nur so können ihre Renten alle zwei Jahre an die Lohn- und Preisentwicklung angepasst werden.

Der wichtigste Kompromiss des Jahrzehnts

Die Reform der Altersvorsorge sichert die Renten ohne Kürzungen, bringt wichtige Modernisierungen und verteilt die notwendigen Opfer auf viele Schultern. Das ist ein fairer Kompromiss. Anstatt die Generationen gegeneinander auszuspielen, sollten die Reformgegner mit offenen Karten spielen. Denn ihr Ziel nach einem Nein ist einfach nur Abbau ohne Kompensation: weg mit dem AHV-Zuschlag, höheres Frauenrentenalter, tieferer Umwandlungssatz – und möglichst bald Rentenalter 67 für alle.

Die Reform bringt Alt und Jung mehr Sicherheit. Sie zu torpedieren, ist verantwortungslos, und zwar gegenüber allen Generationen. Der Kompromiss braucht unsere Zustimmung. Einen besseren werden wir nicht bekommen.

18 septembre 2017, Adrian Wüthrich, Président

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