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Camilas Leidenschaft

Wie Brücke · Le pont, das Hilfswerk von Travail.Suisse, mit einem innovativen Projekt in Brasilien Kommunikationstalente fördert. Und was das mit nachhaltiger Entwicklung und sozialem Wandel zu tun hat. mehr

Die Sonne brennt zur Mittagszeit unbarmherzig auf Oeiras nieder. Die Temperatur von 41 Grad Celsius macht jegliche Arbeit zur Tortur. Als ob die Menschen in dieser Kleinstadt im Nordosten Brasiliens nicht schon genug Mühsal hätten, ihren Alltag zu bewältigen: Die tiefe wirtschaftliche und soziale Krise, in der sich Brasilien derzeit befindet, hat auch in dieser ländlichen Gegend ihre Spuren hinterlassen. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, vor allem unter Jugendlichen. Sie verführt manche zu Kleinkriminalität und Drogensucht. Da es hier kaum Bildungsangebote gibt, verlassen viele junge Menschen das Halbtrockengebiet und wandern in die grossen Städte ab.
Der Raum, in dem Camila Marques arbeitet ist klimatisiert – und die Wände sind schalldicht ausgekleidet. Camila ist Moderatorin bei einem kleinen Radiosender. Die 23-Jährige träumt seit ihrer Kindheit davon, Journalistin zu werden. Vor zwei Jahren ist sie ihrem Traum einen Schritt näher gekommen: Dank dem Projekt Comradio von Brücke · Le pont – dem Hilfswerk von Travail.Suisse – konnte sie eine Ausbildung in Kommunikation abschliessen. Diese hat ihr eine neue Welt eröffnet: „Dieser Kurs war ein Geschenk. Er weckte die grosse Leidenschaft für Kommunikation in mir“, ist sich Camila heute sicher.

Zehn Familien kontrollieren die Medien

Eine Leidenschaft wie diese ist in einem Land wie Brasilien meist den reichen Städtern vorbehalten, denn die Ausbildung ist teuer. Zudem kontrollieren rund zehn einflussreiche Unternehmerfamilien die wichtigsten Medien im Land. Auf der Rangliste der Pressefreiheit 2017 von „Reporter ohne Grenzen“ liegt Brasilien abgeschlagen auf dem 103. Platz – eigentlich also keine rosigen Voraussetzungen für die Karriere einer kritisch denkenden angehenden Journalistin.

Doch Camila weiss, was sie will. Innert kurzer Zeit lernte sie das Handwerk für Video- und Radioreportagen und fand so zu ihrer heutigen Stelle als Moderatorin beim Lokalradiosender Rádio Cristo Rey FM. Von der Arbeit ist sie begeistert: „Ich komme jeden Morgen glücklich zur Arbeit, weil ich das tue, was ich liebe. Ein Tag, an dem ich Sendungen moderieren und Reportagen machen kann, ist für mich ein erfüllter Tag.“ Beim Lokalradio kann sie nun wichtige Erfahrungen für ihre weitere Karriere sammeln.

Wenn man die zierliche junge Frau bei ihrer Arbeit beobachtet, sieht man sofort: Camila ist in ihrem Element. Flink sucht sie auf dem Computer das nächste Musikstück aus und moderiert nebenbei selbstsicher eine neue Sendung an. Das war nicht immer so. Sie sagt: „Am Anfang hatte ich grosse Angst davor, live zu sprechen.“

Für diese Entwicklung ist nicht zuletzt auch Jessé Barbosa verantwortlich. Der Co-Direktor des Instituto Comradio do Brasil, der Partnerorganisation von Brücke · Le pont, hat Camila in ihrem Kurs eng begleitet. Camila respektiert ihren ehemaligen Mentor zutiefst. Nicht zuletzt hat sie auch dessen Credo übernommen, dass Kommunikation immer auch eine soziale und entwicklungspolitische Komponente haben soll.

Wasser und ein Radiosender

Darauf angesprochen, erinnert sich Barbosa an seinen eigenen journalistischen Schlüsselmoment: „Bei einer Recherche stiess ich auf einen staatlichen Fragebogen. Zahlreichen Gemeinden wurde die Frage gestellt, welche die dringendsten Bedürfnisse der Dorfbewohner wären. Der dringendste Wunsch einer armen ländlichen Gemeinde war – neben dem Zugang zu sauberem Wasser – das Gründen eines eigenen Radiosenders. Dies beeindruckte mich so sehr, dass ich dort hinfuhr und einen Dokumentarfilm über die Gemeinde und ihre Idee drehte. Und tatsächlich: heute betreibt das Dorf, trotz den begrenzten Ressourcen, eine eigene Radiostation.“ Dieses Erlebnis bestätigte Barbosa in seiner Annahme, dass alle Menschen ein Bedürfnis nach Kommunikation haben – gerade auch jene, deren Stimme meist ungehört bleibt.

Etwa die Stimme der arbeitslosen Jugend in Oeiras. Auf sie will sich Camila in ihrem weiteren journalistischen und sozialen Engagement konzentrieren. Sie will ihr Wissen teilen und anderen Jugendlichen helfen. Als Erstes hat sie zusammen mit anderen Kursteilnehmenden die Facebook-Fanpage @SaberSerAmigo („Wissen, wie man ein Freund ist“) gegründet. Die Seite thematisiert die Wichtigkeit von Freundschaften bei der Prävention von Drogensucht und Drogenhandel der Jugendlichen in Oeiras. Ein Thema, das im Kontext der Krise immer mehr an Aktualität gewinnt. Camila und ihre Freunde tun dies nicht auf belehrende Weise oder mit abschreckenden Beispielen, sondern sprechen vielmehr die Sprache der Jugendlichen selbst, wenn sie Texte, „Memes“ oder Videointerviews publizieren.

Das Facebook-Projekt wurde bereits zum Selbstläufer, freut sich Camila: „Wir helfen anderen und diese helfen wiederum anderen.“ So wird die Idee des Projekts Comradio von Brücke · Le pont weitergetragen. Die Idee, nicht nur individuelle Karrieren, sondern die Situation von benachteiligten Jugendlichen in einer ganzen Region zu fördern. Und die Idee, allen Menschen eine Stimme zu geben.

Das etwas andere Weihnachtsgeschenk
Brücke · Le pont verhilft 360 Jugendlichen aus armen Verhältnissen zu einer Ausbildung in Kommunikation (Radio, Fernsehen, Werbung). Unterstützen Sie unsere wichtige Arbeit mit einer Spende: Spenden-PK 90-13318-2
Herzlichen Dank! Weitere Informationen unter www.bruecke-lepont.ch.

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18. Dezember 2017, Andreas Jahn, Kommunikation und Entwicklungspolitik Drucker-icon

Sessionsvorschau Wintersession 2017

In der Wintersession werden im Parlament einige Vorlagen beraten, die für die Arbeitnehmenden in der Schweiz von zentraler Bedeutung sind. Gerne präsentieren wir Ihnen die Haltung von Travail.Suisse zu ausgewählten Geschäften.

Als unabhängiger Dachverband der Arbeitnehmenden setzt sich Travail.Suisse in der Politik und als nationaler Sozialpartner für Arbeit mit Zukunft ein. Mehr zu unserem Kongresspapier „Arbeit mit Zukunft“ erfahren Sie unter www.travailsuisse.ch.

Wir wünschen Ihnen eine gute Session und stehen für Fragen jederzeit gerne zur Verfügung (Geschäftsstelle: 031 370 21 11 oder per Mail).

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TravailSuisse Sessionsvorschau Wintersession-2017 d.pdf 237 KB

22. November 2017, Linda Rosenkranz, Leiterin Kommunikation Drucker-icon

«Barometer Gute Arbeit»: Die neusten Ergebnisse liegen bald vor

Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, hat vor zwei Jahren den «Barometer Gute Arbeit» lanciert. Auf Basis einer repräsentativen Befragung der Arbeitnehmenden in der Schweiz, findet eine qualitative Bewertung der Arbeitsbedingungen statt. Mit der dritten Befragungswelle in diesem Jahr wird es möglich, Trendaussagen über die Zeit zu machen. Die breitere Datenbasis erlaubt dieses Jahr auch eine vertieftere Regionen- oder Branchenspezifische Bewertung der Arbeitsbedingungen vorzunehmen. Die Ergebnisse werden am 23. November an einer Medienkonferenz präsentiert werden. mehr

Die bezahlte Erwerbsarbeit geniesst in unserer Gesellschaft einen sehr hohen Stellenwert, welcher weit über die materielle Existenzsicherung hinausgeht. Allein durch die zeitliche Dimension nimmt die Arbeit einen wichtigen Teil in unseren Leben ein und ist ein wichtiger Faktor für die persönliche Entwicklung. Die Arbeit beeinflusst so sämtliche Lebensbereiche und die Qualität der Arbeit – die Arbeitsbedingungen – beeinflussen damit massgeblich unsere Lebensqualität. Die Qualität der Arbeit ist damit für das Wohlbefinden der Arbeitnehmenden absolut zentral und es ist diese Ausgestaltung der Arbeitsbedingungen, welche Arbeit – aus Sicht der Arbeitnehmenden – zu guter oder eben schlechter Arbeit werden lässt.

Eine Arbeitsgestaltung, die insbesondere den Schutz der Gesundheit achtet und eine Ausgewogenheit zwischen Belastung und Entlastung bietet, gehört zu den Kernpunkten von guter Arbeit. Dies deckt sich mit der arbeitswissenschaftlichen Forderung nach einer schädigungslosen und beeinträchtigungsfreien Arbeitsgestaltung. Weiter bedeutet gute Arbeit ein verlässliches Einkommen zu erhalten und eine gewisse Beschäftigungssicherheit zu haben. Die Sinnhaftigkeit der eigenen Arbeit muss ebenso erkennbar sein wie Gestaltungsspielraum vorhanden sein muss, um die eigenen Fähigkeiten in die Arbeit einbringen zu können. Die Wertschätzung der geleisteten Arbeit durch den Vorgesetzten ist genau so entscheidend wie eine von Vertrauen geprägte Beziehung zum Arbeitgeber als Ganzes. Es braucht ausreichend Einflussmöglichkeiten und eine Förderung der beruflichen Entwicklung damit sich eine Zufriedenheit mit der Arbeit im Generellen und der eigenen Karriere im Speziellen einstellt. Mit dem «Barometer Gute Arbeit» verfügt Travail.Suisse über ein Instrument, welches geeignet ist die Bewertung der Arbeitsbedingungen aus Sicht der Arbeitnehmenden abzubilden. Diese Beurteilung durch die Arbeitnehmenden ist folglich als menschliches Mass für die Bewertung der Arbeit zu verstehen, welches mindestens genau gleichviel Berechtigung hat wie betriebswirtschaftliche Kennzahlen.

Die Bewertung der Arbeitsbedingungen richtet sich dabei an der Kernfrage nach einer guten Arbeit im Sinne von zukunftsfähiger Arbeit aus. Zukunftsfähige Arbeit soll die Gesundheit schützen, die Motivation erhalten und den Arbeitnehmenden eine gewisse Sicherheit vermitteln. Der schematische Aufbau des «Barometer Gute Arbeit» ist in Grafik 1 ersichtlich.

Rückblick erste Befragungswellen (2015 und 2016)

Im Bereich der Dimension Gesundheit wurden insbesondere die psychosozialen Belastungsfaktoren negativ beurteilt. So fühlen sich beinahe 40% der Arbeitnehmenden durch ihre Arbeit oft oder sehr häufig gestresst und rund ein Drittel fühlt sich nach einem Arbeitstag oft oder sehr häufig emotional erschöpft. Und auch der Präsentismus – das Arbeiten trotz Krankheit – ist weit verbreitet. 30% der Beschäftigten geben an, dass sie oft oder sehr häufig arbeiten auch wenn sie krank sind und lediglich 19% stehen bei Krankheit nie im Einsatz. Weiter zeigte sich, dass 37.5 Prozent der Arbeitnehmenden ihre Pausen oft oder sehr häufig nicht oder nicht vollständig beziehen können.

Die Dimension Motivation erhielt grundsätzlich die besten Bewertungen durch die Arbeitnehmende. Es ist dies Ausdruck einer hohen Sinnhaftigkeit der eigenen Arbeit und einer grossen Identifikation mit der eigenen Arbeit. Eher schlecht wurden dagegen die Entwicklungsmöglichkeiten beurteilt. So fehlt bei 16.7 Prozent der Arbeitnehmenden das jährliche Mitarbeitergespräch und für weitere 39.2 Prozent ist es nicht konstruktiv und hilfreich. Und auch die Förderung der Aus- und Weiterbildung durch den Arbeitgeber ist für beinahe die Hälfte der Arbeitnehmenden ungenügend. Bemerkenswert sind auch die Unterschiede in der Förderung der Aus- und Weiterbildung durch den Arbeitgeber je nach Ausbildungsstand der Arbeitnehmenden. Die Förderung der Aus- und Weiterbildung durch den Arbeitgeber nimmt mit abnehmendem Bildungsstand der Arbeitnehmenden kontinuierlich ab.

In der Dimension Sicherheit ist es insbesondere die mittelfristige Perspektive, welche den Arbeitnehmenden Sorge bereitet. Dieses mittelfristige Unsicherheitsempfinden entsteht aus einer verbreiteten Erwartung von zunehmender Arbeitsbelastung in naher Zukunft, dem Eindruck kaum Einfluss auf Veränderungen am eigenen Arbeitsplatz zu haben und insbesondere der Sorge, dass es schwierig wäre, bei Verlust des jetzigen Arbeitsplatzes, eine vergleichbare Arbeit mit ähnlichem Lohn zu finden. Eine solch eingeschränkte Arbeitsmarktmobilität empfindet eine Mehrheit der Arbeitnehmenden als Realität. Ausserdem steigt sie mit zunehmenden Alter stark an und macht bei den 46-64-jährigen rund zwei Drittel der Arbeitnehmenden aus. Weiter zeigte sich, dass insbesondere die Arbeitnehmenden aus den exponierten Arbeitsmärkten des Tessins und der Genferseeregion von einer eingeschränkten Arbeitsmarktmobilität betroffen sind.

Ausblick dritte Befragungswelle (2017)

Mit dem «Barometer Gute Arbeit» ist es möglich ein Bild der Qualität der Arbeitsbedingungen in der Schweiz zu zeigen. Mit der jetzt vorliegenden dritten Befragungswelle wird es möglich, Veränderungen und Trends über die Zeit aufzuzeigen. Eine Art Monitoring über die Veränderung der Bewertung von einzelnen Aspekten der Arbeitsbedingungen ist für eine sich wandelnde Wirtschaft und unter dem Eindruck von wirtschaftlichen, politischen und arbeitsmarktlichen Veränderungen (z.B. Frankenstärke, zunehmende Digitalisierung, Auflockerung der Pflicht zur Arbeitszeiterfassung usw.) sicherlich sinnvoll und gewinnbringend. Mit den zusätzlich integrierten Fragen zur Pausensituation und den Mitarbeitergesprächen sowie den neuen Fragen zur Auswirkung der Digitalisierung können neue spannende Einblicke in die Arbeitsrealitäten der Arbeitnehmenden in der Schweiz erwartet werden. Ausserdem ermöglicht die sich weiter verbreiternde Datenbasis eine tiefere Identifikation von regionalen und branchenspezifischen Unterschieden in der Beurteilung der Qualität der Arbeitsbedingungen.

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13. November 2017, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Forumtheater „I Girl I Boy I Phone“

„Identitätsfindung junger Menschen in Zeiten der Globalisierung, der Digitalisierung und der Migration“ – so lässt sich das Thema der neuen Forumtheaterproduktion von Maralam zusammenfassen. Die Premiere des Forumtheaters „I Girl I Boy I Phone“ findet am 20. November 2017 in Zusammenarbeit mit der Berufsfachschule BBB (BerufsBildungBaden) in Baden statt. Träger des Projektes ist Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden. mehr

Von Bruno Weber-Gobet, Produktionsleiter des Forumtheaterprojekts und Leiter Bildungspolitik Travail.Suisse und Peter Braschler, Projektleiter MARALAM

Die neue Forumtheaterproduktion nimmt die teilnehmenden Schulklassen mit auf eine Reise durch Fragen der Identitätsfindung junger Menschen in Zeiten der Globalisierung, der Digitalisierung (Industrie 4.0) und der Migration. Inhaltlich bedeutsam sind die unterschiedlichen Frauen- und Männerbilder, mit denen junge Menschen in der heutigen Zeit in ihrem familiären, schulischen, beruflichen, religiösen und gesellschaftlichen Umfeld konfrontiert werden. Besonders beachtet wird dabei die Rassismusdebatte, die durch Migrations- und Integrationsfragen wie auch durch die starke Vernetzung über die sozialen Medien angefacht wird.

Intensive Recherchearbeit

Die Grundlage für die Erarbeitung des Forumtheaters bilden intensive Recherchearbeiten in und mit Berufsschulklassen und Betrieben. Die Theatermacher wollten verstehen, was heutige Berufslernende beschäftigt, wie sie mit Globalisierung, Digitalisierung und Migration umgehen und in welche Identitätskonflikte sie als Frauen oder Männer verwickelt sind. Daraus sind konfliktreiche Szenen entstanden, auf welche die Teilnehmenden reagieren können.

Interaktion wird gross geschrieben

Das Forumtheater ist eine besondere Theaterform. Sie setzt auf Interaktion. Die Szenen thematisieren Konflikte und fordern die Teilnehmenden heraus, aktiv ins Bühnengeschehen einzugreifen und ihre Vorschläge zur Lösung der Konflikte spielerisch einzubringen. Die Erfahrung zeigt, dass dieser Prozess des konkreten Ausprobierens von Lösungen für die Teilnehmenden spannend und befreiend ist – es wird viel gelacht. Begleitet wird das Forumtheater durch didaktisch-pädagogische Materialien zur Vor- und Nachbereitung. Während das Forumtheater eher eine ganzheitliche, auch die Emotionen und die Ästhetik einschliessende Form darstellt, werden mit den Materialien zur Vor- und Nachbereitung eher theoretisches, analytisches und mehr-perspektivisches Wissen zum Themenfeld aufgebaut. Es ermöglicht eine vertiefte und breite Reflexion des Themenfeldes.

Smartphone on

Identitätsfindung findet nicht im luftleeren Raum statt, sondern in der realen Welt, zu der heute auch die digitale Welt gehört. Das Smartphone als Teil der digitalen Welt und ständiger Begleiter der meisten Jugendlichen (und Erwachsenen) gehört daher auf die Bühne, sonst wird die heutige Welt nicht richtig abgebildet. Für die SchauspielerInnen wie auch für die Schulklassen heisst es daher „Smartphone on“. In den Szenen soll präsent sein, dass die digitale Welt unsere Beziehungen prägt, über sie Werte vermittelt werden, ihre richtigen (?) oder falschen (?) Informationen Wirklichkeiten mit zum Teil weitreichenden Folgen schafft und die Berufe und die Berufsbildung beeinflusst.

Der Start eines längeren Projektes

Mit der Premiere in Baden startet ein längerfristig angelegtes Projekt. Zur Premiere sind daher auch die Verantwortlichen der anderen Berufsfachschulen eingeladen. Sie sollen durch die Visionierung entscheiden können, ob sie das Forumtheaterprojekt „I Girl I Boy I Phone“ auch an ihrer Schule durchführen wollen. Das Vorgängerprojekt von „I Girl I Boy I Phone“ – „Rookie – verschiedene Nationalitäten im Lehrlingsalltag“, das ebenfalls von Travail.Suisse und Maralam initiiert wurde – hat zwischen 2007 und 2014 mehr als 20‘000 Berufslernende erreicht. Das neue Projekt wird auch in der französischsprachigen und italienischsprachigen Schweiz durchgeführt. Die Premierenorte sind schon festgelegt und die Verträge mit den jeweiligen Theatergruppen unterzeichnet. Alle weiteren Informationen sind auf der Homepage www.Igirlboyphone.ch zu finden.

Abspann

Das Forumtheaterprojekt „I Girl I Boy I Phone“ wird getragen von Travail.Suisse in Partnerschaft mit der SDK, Schweizerische Direktorinnen- und Direktorenkonferenz der Berufsfachschulen und dem SVABU, Schweizerischer Verband für allgemeinbildenden Unterricht.

Für die Premierenserie in der Deutschschweiz besteht eine Kooperation mit der Berufsfachschule BBB (BerufsBildungBaden). Die Produktion wird unterstützt durch die Schweizerische Eidgenossenschaft, Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI und dem
Industrieverband „*Swissmem*“.

Durchgeführt wird es durch das Theater Maralam, das seit Jahren mit spezifischen Produktionen für Berufsschulen erfolgreich ist – stufengerecht, doch herausfordernd. www.maralam.net

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13. November 2017, Bruno Weber-Gobet, Leiter Bildungspolitik Drucker-icon

«No Billag»-Initiative wäre das Ende des audiovisuellen Service public

Die «No Billag»-Initiative ist radikal. Eine Annahme würde das definitive Ende des Service public im Radio- und Fernsehbereich bedeuten, weil sich die SRG und andere subventionierte Lokal- und Regionalsender ausschliesslich durch Werbung finanzieren müssten. Hinzu käme eine Entlassungswelle bei den im Service public tätigen audiovisuellen Medien, da innert kurzer Zeit tausende von Arbeitsplätzen verschwinden würden. mehr

Weil unser Land mehrsprachig und kulturell vielfältig ist, braucht es in den Bereichen Information, Kultur und Unterhaltung qualitativ gute Angebote, die alle Bevölkerungsgruppen ansprechen. Diese Faktoren sind zentral für eine funktionierende direkte Demokratie und fördern die Integration aller gesellschaftlichen Gruppen. Die SRG und ihre qualitativ hochwertigen Informations- und Kulturprogramme werden hauptsächlich durch Gebühren finanziert und leisten einen wesentlichen Beitrag dazu, dass die verschiedenen sprachlichen und regionalen Identitäten bekannt sind und respektiert werden.

Erbracht wird dieser audiovisuelle Service public von der SRG, aber auch durch rund 20 regionale und lokale Fernseh- und Radiosender. Für dieses Angebot sind die Radio- und Fernsehgebühren unabdingbar, denn sie finanzieren die SRG zu drei Vierteln und tragen bis zu zwei Drittel zum Budget von lokalen und regionalen Radio- und Fernsehstationen bei. Eine Abschaffung der Gebühren wäre mit Werbung nicht zu kompensieren, da der Werbemarkt gesättigt ist und immer mehr kommerzielle Angebote entstehen, die der Aktualität in den Randregionen keine Aufmerksamkeit schenken. Die SRG hingegen berücksichtigt dank eines internen Finanzausgleichs auch Minderheitsregionen.

Sofortiger verheerender Stellenabbau

Ein Ja zur «No Billag»-Initiative würde das Ende des Service public-Auftrags bedeuten und hätte nicht nur negative Folgen für die Demokratie und den nationalen Zusammenhalt, sondern auch für den Arbeitsmarkt. Es ist davon auszugehen, dass mehrere tausend Stellen gestrichen würden, vor allem bei der SRG, aber auch bei Regionalsendern, die zum Teil ebenfalls auf Gebühreneinnahmen angewiesen sind. Diese Arbeitsplätze würden zudem sehr bald abgebaut, da die Initiative eine äusserst rasche Umsetzung verlangt (bei einer Annahme würde sie bereits 2019 in Kraft treten). Für das betroffene Personal sieht die Initiative zudem keinerlei Massnahmen vor.

Vorgeschobene Gründe

Gewisse Gegner der SRG werfen dieser vor, dass sie über ihren Auftrag hinausgeht, weshalb sie den Service public-Auftrag auf Informations- und Kultursendungen beschränken möchten. Damit müsste ein Grossteil der Unterhaltungssendungen über die Klinge springen. Hinter diesen Argumenten versteckt sich jedoch eher die Absicht, den kommerziellen Privatsendern einen grösseren Teil des «Kuchens» zu überlassen. Denn es ist klar, dass auch eine öffentliche Fernseh- oder Radiostation nicht überleben könnte, wenn sie fast nur Informationen und Debatten und kaum Unterhaltung bietet. Nur ein umfassendes Programmangebot sichert die Zukunft der SRG. Zu behaupten, dass die SRG mit einem minimalen Unterhaltungsangebot überleben könnte, ist nicht glaubwürdig.

Die Rechnung geht nicht auf

Wer die Gebühren zu teuer findet, sollte sich Folgendes vor Augen halten: Erstens will der Bund die Gebühren 2019 deutlich unter 400 Franken senken. Zweitens wäre nach einer Abschaffung der Radio- und TV-Gebühren die Übertragung gewisser Sport- und Kulturanlässe zu teuer. Diese Lücke würde durch kostenpflichtige Angebote geschlossen. Insgesamt würden die Nutzerinnen und Nutzer schliesslich fast gleich viel bezahlen – für ein vermutlich gezielteres, aber reduziertes Angebot.

Lohnt es sich wirklich, rund 100 bis 200 Franken pro Jahr zu sparen, wenn der Preis darin besteht, dass der qualitativ hochwertige audiovisuelle Service public, der für die Demokratie und das Zusammenleben in der Schweiz eine zentrale Rolle spielt, existenziell geschwächt wird? Wünschen wir uns wirklich, dass in Zukunft grosse private Pressehäuser demokratische Debatten prägen statt wie bisher der audiovisuelle Service public (natürlich ist auch die SRG nicht perfekt, aber welche Organisation oder Institution könnte dies für sich in Anspruch nehmen)? Die Stimmberechtigten täten gut daran, genauer über diese Frage nachzudenken, bevor sie Anfang März 2018 ihren Stimmzettel in die Urne werfen.

Rolle des audiovisuellen Service public besser bekannt machen

Rasante Umwälzungen in der audiovisuellen Medienlandschaft und neue Gewohnheiten insbesondere des jungen Publikums beim Medienkonsum haben zur Folge, dass die Bedeutung des Service public weniger stark wahrgenommen wird. Es besteht ein Trend hin zum individuellen Konsum gewisser Programme. Manche Leute wenden sich von den SRG-Programmen ab, und es gibt mehr kostenpflichtige und kostenlose Angebote auf vielfältigen Kanälen. Aus diesem Grund wird der Erfolg der Abstimmungskampagne gegen die «No Billag»-Initiative nicht nur von den aufgewendeten Mitteln abhängen. Wichtig ist auch, die Bevölkerung zu überzeugen, dass die «No Billag»-Initiative unabhängig von gewissen persönlichen Vorlieben beim Medienkonsum eine echte Gefahr für die Demokratie und das Zusammenleben darstellt und der audiovisuelle Service public ohne Gebühren nicht überleben wird.

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13. November 2017, Denis Torche, Leiter Umwelt-, Steuer- und Aussenpolitik Drucker-icon