Themen – Arbeit – Arbeitsbedingungen

Immer weniger Frauen in den Konzernleitungen

Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, untersucht im Rahmen der Managerlohnstudie jedes Jahr auch weitere Aspekte der Corporate Governance bei grossen Schweizer Unternehmen 1 . Erschreckendes zeigt die diesjährige Erhebung in Bezug auf den Frauenanteil in den Verwaltungsräten und Konzernleitungen: Frauen sind nicht nur massiv untervertreten, der Anteil von Frauen in den Konzernleitungen ist sogar rückläufig. Mit weniger als 4 % Frauen in den Konzernleitungen ist dies der tiefste Wert seit 2008. Nach wie vor lässt die Schweiz einen Teil ihres Talentpools brach liegen. Bessere Rahmenbedingungen zur Verbesserung der Karrierechancen von Frauen sind daher dringend notwendig. mehr

Die Managerlohnstudie, die Travail.Suisse alljährlich durchführt, untersucht neben der Lohnschere auch weitere Faktoren der Corporate Governance wie den Frauenanteil in den Konzernleitungen. Die Studie zeigt ein erschreckendes Bild: Diane de Saint Victor, Bianka Wilson, Pamela Thomas-Graham, Wan Ling Martello, Susanne Ruoff, Silvia Ayyoubi, Florence Ollivier-Lamarque, Cecilia Reyes – dies die Namen der acht Frauen, die Ende 2013 in den Konzernleitungen der 27 untersuchten Unternehmen Einsitz hatten. Lediglich acht der insgesamt 209 Posten in den Konzernleitungen werden also von Frauen besetzt, das entspricht einer Frauenquote von weniger als vier Prozent. Erschreckend ist insbesondere auch, dass sich die Vertretung von Frauen in den Konzernleitungen rückläufig entwickelt. Mit weniger als 4 Prozent Frauen in den Konzernleitungen ist dies der tiefste Wert seit 2008.

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Lediglich in acht Konzernleitungen 2 sind überhaupt Frauen vertreten, d.h. mehr als zwei Drittel der obersten Entscheidungsgremien der Schweizer Wirtschaft sind reine Männergremien. Ausserdem ist mit Susanne Ruoff bei der Post lediglich eine Frau in der Funktion des CEO tätig.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt der Schillingreport 3 , der seit 2006 die Führungsregimes der grössten Schweizer Unternehmen untersucht. In dieser Stichprobe, die sämtliche Unternehmen des SMI enthält, ist der Frauenanteil Ende 2013 mit 6 Prozent zwar etwas höher, aber auch hier zeigt sich im Vergleich zum letzten Jahr eine rückläufige Entwicklung. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Frauenanteil um zwei Prozentpunkte gefallen.

Etwas positiver zeigt sich die Entwicklung beim Frauenanteil in den Verwaltungsräten. Hier stehen 44 Verwaltungsrätinnen 205 Verwaltungsräten gegenüber, was einem Frauenanteil von immerhin 17.6 Prozent entspricht. Es zeigt sich hier in den letzten Jahren eine kontinuierliche Zunahme von Frauen in den Verwaltungsräten; in den letzten 10 Jahren hat sich die Anzahl der Verwaltungsrätinnen beinahe verdoppelt.

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Trotz der positiven Entwicklung stellt dies aber immer noch eine sehr bescheidene Vertretung der Frauen in den wichtigsten strategischen Posten der Schweiz Wirtschaft dar. Insbesondere ist sie noch weit von der Zielvorgabe von 30 Prozent 4 entfernt, die der Bund für seine 24 bundesnahen Unternehmen bis 2020 vorsieht. Auch der Vergleich mit der Quote von 40% 5 , welche die EU-Kommission für Unternehmen mit mehr als 250 MitarbeiterInnen bis 2020 festgelegt hat, stellt dem Einbezug der Frauen in die Entscheidungspositionen der Wirtschaft in der Schweiz ein schlechtes Zeugnis aus. Mit Valora, Ruag, Oerlikon, Clariant und Bobst sind fünf Unternehmen in der Untersuchung präsent, deren Verwaltungsräte Ende 2013 gänzlich ohne Frauen zusammengesetzt waren; als positives Beispiel steht Coop mit vier Frauen im 10-köpfigen Gremium.

Verschwendetes Potential

Der Fachkräftemangel in der Schweiz ist mittlerweile gut bekannt. Aufgrund der demografischen Entwicklung wird sich dieser Mangel in Zukunft noch verstärken – dies gilt gerade auch für den Managementbereich. Gleichzeitig hält der Schillingreport 2014 6 fest, dass der Ausländerinnenanteil unter den Managerinnen erstmalig auf 50 Prozent steigt. Unter den neu in Geschäftsleitungen eintretenden Kadermitarbeiterinnen beträgt der Ausländerinnenanteil gar 70 Prozent. Das bedeutet, dass von den neuen Konzernleitungsmitgliederinnen mehr als zwei Drittel im Ausland rekrutiert werden. Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist die starke Untervertretung in den Konzernleitungen von Frauen im Allgemeinen und von Schweizer Frauen im Speziellen eine grosse Verschwendung von wirtschaftlichem Potenzial. Dies wird umso deutlicher, wenn man mitberücksichtigt, dass sich die tertiären Bildungsabschlüsse mittlerweile praktisch ausgeglichen auf die Geschlechter verteilen. Während in der höheren Berufsbildung die Männer nach wie vor stärker vertreten sind als die Frauen, haben sowohl an den Fachhochschulen wie auch den universitären Hochschulen die Frauen 2012 mehr Abschlüsse erlangt als die Männer. Gesamthaft lässt sich sagen, dass die Frauen heute ebenso gut ausgebildet sind wie die Männer.

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Vereinbarkeit und Lohngleichheit als Schlüssel – Quoten als Starthilfe

Aus Sicht von Travail.Suisse liegt der Schlüssel für einen besseren Einbezug der Frauen in den Arbeitsmarkt und insbesondere in die Spitzenpositionen der Wirtschaft in der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Damit sind einerseits die Kinderbetreuung und andererseits v.a. zukünftig auch die Betreuung von pflegebedürftigen betagten Angehörigen gemeint. Auch die OECD sieht in den hohen Kosten und dem ungenügenden Angebot der Kinderbetreuung ein Hauptgrund für die Unterrepräsentation von Frauen in den Chefpositionen und dem leitenden Kader. Schliesslich gehört die Schweiz zu den OECD-Ländern mit den tiefsten staatlichen Ausgaben für die Kinderbetreuung, resp. den Vorschulbereich. Sie betrugen 2009 lediglich knapp 0.2 Prozent des BIP, was nur rund einem Drittel des OECD-Durchschnittes entspricht. 7 Weiter ist auch die Lohndifferenz zwischen den Geschlechtern ein grosses Hindernis. Laut dem eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Mann und Frau EBG verdienen Frauen durchschnittlich 20 Prozent weniger als Männer; davon sind rund 7 Prozent nicht erklärbar und basieren auf diskriminierendem Verhalten. Im Bereich der Kaderpositionen vergrössert sich die Lohndifferenz gar bis zu 30 Prozent. Dieser Lohnnachteil wirkt sich auf die Frauen entmutigend aus und führt, verstärkt durch eine zunehmende Grenzsteuerbelastung dazu, dass der Verzicht der Frauen auf zusätzliches Arbeitspensum oder Karriere innerhalb einer Paarbeziehung als rationaler Entscheid erscheint.

Für Travail.Suisse ist klar, dass ein weiterer Ausbau der externen Kinderbetreuung nötig ist, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern. Nur so können Frauen am Arbeitsmarkt partizipieren und somit auch stärker in den Konzernleitungen vertreten sein. Gleiches gilt für die Lohngleichheit zwischen den Geschlechtern: Solange das strukturelle Hindernis der Lohnungleichheit fortbesteht, wird die Förderung von Frauen in Kaderpositionen erschwert. Nach dem praktisch ergebnislosen Ende des freiwilligen Lohngleichheitsdialoges braucht es daher zwingend Transparenz über die Lohndiskriminierung und Massnahmen zu deren Korrektur. Der Auftrag in Artikel 8 Absatz 3 der Schweizerischen Verfassung, wonach Mann und Frau für die gleiche Arbeit den gleichen Lohn erhalten sollen, ist endlich umzusetzen. Die Frage der Quoten muss differenziert betrachtet werden 8 . Grundsätzlich sind sie als Starthilfe zu begrüssen, um gerade in einem Bereich mit sehr wenigen Frauen – wie den Konzernleitungen – der Stereotypisierung entgegenzuwirken 9 . Quoten ermöglichen so Erfahrungen für und mit den weiblichen Kadern und helfen mit, Stereotypisierungen rascher zu überwinden und Verhaltensänderungen so rascher zu ermöglichen. Konkret: Auch ohne Quoten hat der Frauenanteil in der Konzernleitungen unserer Studie in 10 Jahren mit einem Faktor von 2.26 zugenommen. Nur würde es bis zu einem vertretbaren Frauenanteil von 40 Prozent in den Konzernleitungen noch weitere 30 Jahre dauern, eine Dauer die wir uns nicht leisten wollen. Die Partizipation von Frauen in den Konzernleitungen kann mit Quoten beschleunigt werden und so mithelfen, dass dieses produktivitätsfördernde wirtschaftliche Potenzial nicht weiter brach liegen bleibt.


1 Nestlé, UBS, Roche, Novartis, Lindt&Sprüngli, ABB, Credit Suisse, Swatch, Zurich, Oerlikon, Clariant, Swiss Life, Schindler, Kuoni, Bâloise, Lonza, Implenia, Georg Fischer, Swisscom, Helvetia, Valora, Bobst, Ascom, Ruag, Migros, Post, Coop.
2 ABB, Ascom, Credit Suisse, Nestlé, Post, Roche, Swatch, Zurich.
3 www.schillingreport.ch
Vgl. Medienmitteilung Eidgenössisches Finanzdepartement EFD vom 6.11.2013.
4 Vgl. Pressemitteilung des EU-Parlamentes vom 20.11.2013.
5 Schillingreport 2014, Transparenz an der Spitze – Die Geschäftsleitungen und Verwaltungsräte der hundert grössten Schweizer Unternehmen im Vergleich: S.22.
6 Vgl. Die Rolle der Frau in der Schweizer Wirtschaft – der Bericht der OECD in: Die Volkswirtschaft 6-2014, S.7-10.
7 Vgl. Gleichstellung an der Unternehmensspitze – Bilanz zur Quotenfrage in: Medienservice von Travail.Suisse vom 2.12.2013.
8 Vgl. Warum es ohne Quoten nicht geht – die Sicht der Verhaltensökonomik in: Die Volkswirtschaft 6-2014, S.15-18.

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15. September 2014, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Ständerat bekennt sich zum Arbeitnehmerschutz

Der Ständerat hat heute eine vom Nationalrat leichtfertig angenommene Motion von Nationalrat Yannick Buttet abgelehnt. Mit der Motion sollte die Ladenöffnung an Sonntagen in Randregionen ermöglicht werden. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, begrüsst den Entscheid des Ständerates, diesen Frontalangriff auf den Arbeitnehmerschutz des Arbeitsgesetzes zu stoppen. mehr

Bereits heute sind knapp ein Viertel der Arbeitnehmenden teilweise mit Sonntagsarbeit konfrontiert. So gibt es nicht zuletzt für Tourismusgebiete Ausnahmebestimmungen vom Verbot der Sonntagsarbeit. Ausserdem unterliegen die gerade in Randregionen stark verbreiteten Familienbetriebe nicht dem Arbeitsgesetz. Diese Motion ist somit nicht nur schädlich sondern auch völlig unnötig.

Ausnahmen vom Verbot der Sonntagsarbeit nur restriktiv und nur mit Gesamtarbeitsvertrag

Wie der Bundesrat in seiner Antwort auf die Motion Buttet richtigerweise festgehalten hat, dient das Arbeitsgesetz dem Schutz der Arbeitnehmenden. Das Verbot der Sonntagsarbeit ist dabei ein zentraler Punkt des Arbeitnehmerschutzes. Der arbeitsfreie Sonntag dient aber nicht nur dem Gesundheitsschutz, sondern ist als gemeinsamer arbeitsfreier Tag eine wichtige Voraussetzung zur Pflege des Sozial- und Familienlebens. Ausnahmen vom Verbot der Sonntagsarbeit sind daher nur restriktiv zuzulassen und die Arbeitsbedingungen der betroffenen Arbeitnehmenden sind zu schützen. „Der Arbeitnehmerschutz bei Sonntagsarbeit muss zwingend über einen sozialpartnerschaftlich ausgehandelten Gesamtarbeitsvertrag sichergestellt werden“, sagt Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik bei Travail.Suisse.

Salamitaktik der Arbeitszeitliberalisierer

Diese Motion ist der beste Beweis für die Salamitaktik der Arbeitszeitliberalisierer. Nach den Bahnhöfen und den Tankstellenshops sollten jetzt die kleinen Läden in den Randregionen an die Reihe kommen. Die Befürworter von deregulierten Arbeitszeiten machen selbst vor dem arbeitsfreien Sonntag nicht halt. Travail.Suisse fordert nun den Nationalrat auf, sich dem Ständerat anzuschliessen und diese unnötige und schädliche Motion abzulehnen.

Mehr Informationen:
Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Travail.Suisse, Mobile 076 412 30 53

16. Juni 2014, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Das neue Ladenöffnungsgesetz verschlechtert die Arbeitsbedingungen von über 200‘000 Arbeitnehmenden

Ende dieser Woche endet die Vernehmlassungsfrist über die Einführung eines neuen Bundesgesetzes über die Ladenöffnungszeiten (LadÖG). Damit soll die bisherige Kompetenz der Kantone beim Festlegen der Ladenöffnungszeiten übersteuert werden. Für zwei Drittel der Kantone bedeutet dies eine Ausdehnung der Ladenöffnungszeiten. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, lehnt diese Verschlechterung der Arbeitsbedingungen der Angestellten im Detailhandel klar ab. mehr

Das neue Ladenöffnungsgesetz sieht vor, dass Geschäfte unter der Woche mindestens bis 20 Uhr und an Samstagen mindestens bis 19 Uhr geöffnet werden dürfen. Kantone mit restriktiveren Regelungen müssten ihre Ladenöffnungen anpassen. Längere Ladenöffnungszeiten verschlechtern die Arbeitsbedingungen der Arbeitnehmenden im Detailhandel. Die Reichweite dieses neuen Gesetzes ist sehr gross; betroffen wären 16 Kantone der Schweiz und damit verschlechterte Arbeitsbedingungen für über 200‘000 Arbeitnehmende im Detailhandel.

Fadenscheiniges Argument der Befürworter

Begründet wird das neue Gesetz unter anderem mit dem Wunsch nach harmonisierten Ladenöffnungszeiten. Harmonisierung hiesse aber, dass die Mindestöffnungszeiten im Gesetz konsequenterweise auch gleich den maximalen Ladenöffnungszeiten entsprechen würden. Eine solche Limitierung der Öffnungszeiten gegen oben wird aber im Gesetzesentwurf explizit ausgeschlossen. Damit zeigt sich deutlich, dass es in Tat und Wahrheit lediglich um eine Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten geht: „Eine solche Verlängerung der Ladenöffnungszeiten durch die Hintertüre lehnen wir ab“, sagt Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik bei Travail.Suisse.

Zwängerei der Liberalisierer

Im Bereich der Ladenöffnungszeiten gibt es eine eigentliche Zwängerei der Liberalisierer. Auf kantonaler Ebene fanden in den letzten Jahren viele Abstimmungen zu diesem Thema statt. Dabei hat sich die Stimmbevölkerung mehrheitlich gegen verlängerte Öffnungszeiten ausgesprochen. Allein seit 2009 ist in 6 der 16 betroffenen Kantone eine Verlängerung der Ladenöffnungszeiten im Sinne des neuen LadÖG von der Stimmbevölkerung abgelehnt worden – dazu kommt noch die vehemente Ablehnung von Vorlagen zur Totalliberalisierung in mehreren Kantonen. Der Versuch diese kantonalen Volksentscheide über ein Bundesgesetz zu übersteuern ist demokratiepolitisch äusserst fragwürdig und wird von Travail.Suisse abgelehnt.

Mehr Informationen:
Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik, Mobile: 076’412’30’53

27. Mai 2014, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Belastung und Erholung in der Arbeitswelt sind zunehmend unausgewogen

Schweizer Arbeitskräfte sind sehr flexibel und einsatzfreudig und leisten so einen wichtigen Beitrag zur erfreulichen Performance des Arbeitsmarktes und der Wirtschaft in der Schweiz. Gleichzeitig nehmen aber die Belastungen in der Arbeitswelt ständig zu; Produktivitätssteigerungen und Arbeitsverdichtungen erhöhen den Druck auf die Arbeitnehmenden. Für Travail.Suisse, den unabhängigen Dachverband der Arbeitnehmenden, ist klar, dass die Balance zwischen Belastung und Erholung zunehmend verloren geht. Die Folge sind gesundheitliche Probleme bei den Betroffenen und hohe Kosten für die Gesellschaft. mehr

In den letzten 30 Jahren hat die Arbeitswelt grosse Änderungen erfahren. Zeitdruck, Arbeitsverdichtung, Parallelität von Aufgabenerledigungen („Multitasking“), ständige Arbeitsunterbrechungen durch Telefonate und E-Mails sowie das Verschwimmen von klaren Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verursachen Druck und Stress bei den Arbeitsnehmenden. Ausserdem zeichnet sich der Arbeitsmarkt der Schweiz durch lange Arbeitszeiten, weite Arbeitswege und viele Überstunden aus.

Lange Arbeitszeiten und grosser Einsatz der Arbeitnehmenden

Die Forderung nach kürzeren Arbeitszeiten war über lange Zeit hinweg ein Kernanliegen der Gewerkschaften. Es ging dabei um den Schutz der Gesundheit der Beschäftigten, eine verbesserte Lebensqualität und – in Zeiten verbreiteter Erwerbslosigkeit – um die Sicherung von Arbeitsplätzen. In der Schweiz verlief die Entwicklung der Arbeitszeitverkürzung immer schon weniger stark ausgeprägt. Seit 1967 beträgt die gesetzliche Wochenarbeitszeit für die meisten Arbeitnehmenden 45 Stunden und hat sich seither kaum mehr verändert. So weisen die Zahlen des Bundesamtes für Statistik (BfS) 1 für die Schweiz zwischen 1990 und 2009 nur noch eine geringfügige Reduktion der durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit von 0.5 Stunden aus. Im europäischen Vergleich sind die Wochenarbeitszeiten in der Schweiz überdurchschnittlich lang. In einer europaweiten Studie 2 wird die Wochenarbeitszeit (nur Vollzeitstellen) im Jahr 2010 in der Schweiz mit durchschnittlich 44.3 Stunden ausgewiesen, während das europäische Mittel bei 42.5 Stunden und in den direkten Nachbarländern der Schweiz noch einmal darunter liegt.

Für die Erwerbstätigen in der Schweiz kommen zu den langen Arbeitszeiten auch noch überdurchschnittlich lange Wege zur Arbeitsstelle hinzu. Im Europäischen Durchschnitt benötigen Arbeitnehmenden knapp 40 Minuten pro Tag für ihren Arbeitsweg (hin und zurück), in der Schweiz sind es knapp 10 Minuten mehr. Seit 2005 hat sich die durchschnittliche Länge des Arbeitsweges um fast 13 Minuten verlängert.

Auch in Bezug auf die geleisteten Überstunden lässt sich eine zunehmende Belastung der Schweizer Arbeitnehmenden feststellen (vgl. Grafik 1). Im Jahr 2011 wurden in der Schweiz 219 Millionen Überstunden geleistet. Dies entspricht 113‘000 Vollzeitstellen. Das Überstundenvolumen hat stark zugenommen. So weist das BfS seit 2002 eine Zunahme der Überstunden pro Kopf von 15 Prozent aus.

Grafik 1: Entwicklung der Überstunden 2005-2011 (in Mio. Stunden)
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(eigene Darstellung. Quelle: Beschäftigungsstatistik BfS 2013 & AVOL)

Belastung und Stress führen zu hohen Kosten

Lange Arbeitszeiten, weite Arbeitswege und zahlreiche Überstunden führen zu einer starken Belastung, die Folge sind Stress und gesundheitliche Probleme bei den betroffenen Arbeitnehmenden. In einer Studie des Staatssekretariates für Wirtschaft SECO 3 geben 11 Prozent der Erwerbstätigen an, dass sie einen Zusammenhang zwischen belastenden Arbeitszeiten und ihren gesundheitlichen Problemen sehen. Stress am Arbeitsplatz ist definitiv keine Randerscheinung, sondern ein weit verbreitetes Phänomen. Rund ein Drittel der Erwerbstätigen in der Schweiz fühlen sich häufig oder sehr häufig gestresst. 4 Dies sind 30 Prozent mehr als noch vor 10 Jahren. Und in Zukunft wird Stress zu einem der grössten Arbeitsplatz-Risiken überhaupt. So geht die SUVA davon aus, dass bis ins Jahr 2030 die psychischen und neurologischen Krankheiten um fünfzig Prozent zunehmen werden. Dannzumal wird die Anzahl arbeitsbedingter, psychischer Erkrankungen die physischen Erkrankungen übersteigen. Folglich wird chronischer Stress für die Mehrzahl der ausgefallenen Arbeitsstunden verantwortlich sein – nicht mehr die Grippe. Wer sich dem Zeit- und Leistungsdruck nicht anpassen kann, hat es schwer, sich auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich zu behaupten. Überforderung und Stress werden von den meisten ohne Widerrede in Kauf genommen – mit der Folge, dass immer mehr Menschen an gesundheitlichen Symptomen leiden. Die gesundheitlichen Folgen zeigen sich zum Beispiel in Schlafproblemen, chronischen Schmerzen, Herz-Kreislauf-Problemen oder Burnouts. Die Auswirkungen auf die Betroffenen und deren Familien sind immens. Auch die Auswirkungen auf die Gesellschaft sind enorm, so belaufen sich die wirtschaftlichen Kosten von Stress auf jährlich 10 Milliarden Franken. Stress ist ausserdem ein Auslöser für die klassischen Verschleisserscheinungen, die dazu beitragen, dass bereits heute ein Drittel der Arbeitnehmenden aus gesundheitlichen Gründen nicht bis zur ordentlichen Pensionierung arbeiten, sondern frühzeitig aus dem Erwerbsprozess ausscheiden. Im Zusammenhang mit der demografischen Entwicklung, der Alterung der Erwerbstätigen und dem damit zusammenhängenden Fachkräftemangel wird sich diese Problematik zukünftig noch verschärfen.


1 Bundesamt für Statistik. Statistik der Betriebsüblichen Arbeitszeit (BUA).
2 Fachhochschule Nordwestschweiz. 5. Europäische Erhebung über die Arbeitsbedingungen 2010. Ausgewählte Ergebnisse aus Schweizer Perspektive.
3 SECO. Arbeit und Gesundheit. Zusammenfassung der Schweizerischen Gesundheitsbefragung 2007.
4 SECO. Stressstudie 2010 – Stress bei Schweizer Erwerbstätigen.

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2014 05 12 Arbeitszeit und Stress d.docx 37 KB

12. Mai 2014, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Änderung des Bundesgesetzes über die Arbeit in Unternehmen des öffentlichen Verkehrs (Arbeitszeitgesetz; AZG). Vernehmlassung.

(nur Deutsch)

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2014 05 01 VN Arbeitzeitgesetz AZG d.pdf 128 KB

17. April 2014, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

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Donnerstag, 23. November 2017, 9.30 Uhr, Welle 7 (Deck 4, Raum-Nummer 4.13), Schanzenstrasse 5, Bern

Thema:
Barometer Gute Arbeit Qualität der Arbeitsbedingungen aus der Sicht der Arbeitnehmenden – repräsentative Ergebnisse für die Jahre 2015 bis 2017

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