Themen – Arbeit – Arbeitsbedingungen

Bundesrat hat schönfärberische Einschätzung zu den Auswirkungen der Digitalisierung

Der Bundesrat zieht im heute veröffentlichten Bericht zu den Auswirkungen der Digitalisierung auf Beschäftigung und Arbeitsbedingungen eine positive Bilanz. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, teilt zwar die Einschätzung, dass die Auswirkungen der Digitalisierung bisher kaum spürbar sind, sieht aber auch Risiken für die Arbeitnehmenden. Insbesondere die Aus- und Weiterbildung wird zentral sein, um den kommenden Strukturwandel unbeschadet zu überstehen. mehr

Es ist richtig und wichtig, dass der Bundesrat Massnahmen für bessere Datengrundlagen über neue Beschäftigungsformen sowie die Veränderungen von Beschäftigung und Arbeitsbedingungen im Kontext der Digitalisierung plant. „Der Bundesrat darf aber keinesfalls die Augen vor den Risiken der Digitalisierung verschliessen. Gerade in der Zunahme der atypisch-prekären Arbeitsverhältnisse einerseits und der Schere zwischen digitaler Elite und digitalen Zulieferern resp. Erbringern von persönlichen Dienstleistungen liegt eine der grössten Gefahren der Digitalisierung“, sagt Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik bei Travail.Suisse. Auch die zunehmende Flexibilisierung von Arbeit und Arbeitszeiten bringt zusätzliche Arbeits- und psychosoziale Belastungen wie Stress oder emotionale Erschöpfung. Die Seco-Stressstudie wie auch der « Barometer Gute Arbeit » von Travail.Suisse belegen diese Zunahme von Stress in der Arbeitswelt. Leider wird dies im Bericht des Bundesrates zu wenig berücksichtigt.

Massnahmen zur Förderung der Aus- und Weiterbildung unzureichend

Dass Aus- und Weiterbildung zentral sein werden, um den durch die Digitalisierung induzierten Strukturwandel erfolgreich zu gestalten, anerkennt der Bundesrat in seinem Bericht. Allerdings bleiben die vorgeschlagenen Massnahmen unzureichend. Eine gezielte Förderung der Grundkompetenzen am Arbeitsplatz und der MINT-Kompetenzen im Ausbildungssystem sowie die Klärung der Möglichkeiten der arbeitsmarktlichen Massnahmen der Arbeitslosenversicherung zu Umschulungszwecken sind zwar zu begrüssen. Allerdings fehlt neben diesen punktuellen Massnahmen ein genereller Plan, wie die Weiterbildung für diejenigen Arbeitnehmenden gefördert werden kann, die aufgrund des Strukturwandels drohen, abgehängt zu werden.

Mehr Informationen:
Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik, 076 412 30 53

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2017 11 08 MM Bericht Digitalisierung d.docx 40 KB

08. November 2017, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Schweizerischer Gewerbeverband startet erneuten Frontalangriff auf das Arbeitsgesetz

Das Arbeitsgesetz ist in jüngster Zeit immer wieder Angriffen ausgesetzt. Nun startet der Schweizerische Gewerbeverband eine neue Offensive: Unter dem Deckmantel der Flexibilität soll das Arbeitsgesetz ausgehöhlt werden. Das ist Gift für die Gesundheit der Arbeitnehmenden. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden und nationaler Sozialpartner des Gewerbeverbandes, ist bereit über das Arbeitsgesetz zu sprechen, wird aber sämtliche einseitigen Verschlechterungen bekämpfen und fordert als ersten Schritt ein klares Bekenntnis zur Arbeitszeiterfassung. mehr

Nachdem anfangs September die Wirtschaftskommission des Ständerates die beiden parlamentarischen Initiativen Graber (16.414) und Keller-Sutter (16.423) angenommen hat, startet der Schweizerische Gewerbeverband heute den nächsten Angriff. Er schlägt konkrete Änderungen im Arbeitsgesetz und den dazugehörigen Verordnungen vor, die allesamt einseitig zugunsten der Arbeitgeber und zulasten der Arbeitnehmenden gehen – etwa mit dem Vorschlag, die Wochenarbeitszeit auf 50 Stunden zu erhöhen. „Mit diesen Vorschlägen nimmt der Gewerbeverband die Situation vieler Arbeitnehmenden in der Schweiz nicht ernst. Die Schweiz hat bereits eines der liberalsten Arbeitsgesetze Europas mit überdurchschnittlich langen und flexiblen Arbeitszeiten. Die Forderung, die Arbeitszeiten um über 11 Prozent zu erhöhen, ist schlicht dreist“, sagt Adrian Wüthrich, Präsident von Travail.Suisse.

Arbeitnehmende stehen bereits heute unter Druck

Bereits heute ist der Druck auf die Arbeitnehmenden hoch. Stress, Arbeitsbelastung und Burnouts haben in den letzten Jahren stark zugenommen. Die Kosten durch stressbedingten Krankheitsfälle steigen seit Jahren. Mit den Vorschlägen des Gewerbeverbandes kämen die Arbeitnehmenden noch weiter unter Druck: „Die Folgen von längeren Arbeitseinsätzen, weniger Erholungszeit sind klar: mehr Stress, mehr gesundheitliche Risiken und damit höhere volkswirtschaftliche Kosten“, sagt Wüthrich. Im «Barometer Gute Arbeit» von Travail.Suisse wird der Verlust von Zeitautonomie in der Arbeitswelt als grösste Verschlechterung der Arbeitsbedingungen beklagt (vgl. Barometer Gute Arbeit 2016). Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, das wichtige Engagement in der Familie als Eltern oder pflegende Angehörige, das Privatleben, die Weiterbildung, das Engagement in der Gesellschaft für Milizämter in Politik und Vereinen würde noch weiter erschwert, wenn nicht verunmöglicht.

Travail.Suisse ist bereit, mit den Arbeitgeberverbänden in den sozialpartnerschaftlichen Dialog zu treten und der Politik Vorschläge zu unterbreiten. „Die Schmerzgrenze für die Arbeitnehmenden darf dabei aber nicht überschritten werden. Das heisst, die Arbeitszeiten dürfen nicht weiter erhöht und die Arbeitszeiterfassung nicht weiter abgebaut werden. Ausserdem braucht es auch eine Kompromissbereitschaft von Seiten der Arbeitgeberverbände“, sagt Wüthrich. Eine Demontage des Arbeitsgesetzes wie aktuell gefordert wird, wird Travail.Suisse vehement bekämpfen.

Mehr Informationen:
Adrian Wüthrich, Präsident Travail.Suisse, Mobile: 079 287 04 93

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2017 11 07 MM SGV-startet-Frontalangriff-auf-Arbeitsgesetz d.docx 42 KB

07. November 2017, Adrian Wüthrich, Präsident Drucker-icon

Personenfreizügigkeit: Verbesserungen im Inland statt Kündigung und Isolation

Im Streit um die Beziehungen der Schweiz mit der EU geht es in die nächste Runde. Mit der jetzt lancierten Kündigungsinitiative zur Personenfreizügigkeit steht ein nächster politscher Showdown bevor. Für Travail.Suisse, den unabhängigen Dachverband der Arbeitnehmenden, ist klar, dass eine Kündigung der Personenfreizügigkeit, ein Wegfall der bilateralen Verträge und der Weg in die Isolation nicht im Interesse der Arbeitnehmenden sein kann. Was es aber braucht sind Massnahmen im Inland zum besseren Schutz der Löhne und Arbeitsbedingungen und einer gerechteren Verteilung der Freizügigkeitsrendite. mehr

Die SVP kocht mit der jetzt lancierten Kündigungsinitiative zur Personenfreizügigkeit ihr fremdenfeindliches Abschottungssüppchen weiter. Perfekt abgestimmt, dass der Schluss der Unterschriftensammlung im Wahlkampf für die nationalen Wahlen 2019 zu liegen kommt – wie schon 2011 mit der Masseneinwanderungsinitiative und 2015 mit der Durchsetzungsinitiative. Eine Kündigung der Personenfreizügigkeit und damit ein Wegfall der bilateralen Verträge mit der Europäischen Union ist aus Sicht der Arbeitnehmenden ein Irrweg. Eine kleine, offene und exportorientierte Volkswirtschaft wie die Schweiz ist angewiesen auf geregelte Beziehungen mit den wichtigsten Handelspartnern und direkten Nachbarn. Es ist aber auch klar, dass die negativen Begleiterscheinungen einer Personenfreizügigkeit noch stärker angegangen werden müssen. Es braucht Investitionen in die Infrastruktur und den Service Public, statt über Steuerdumping weiter ausländische Firmen und zusätzliche Arbeitskräfte anzulocken. Die Freizügigkeitsrendite darf nicht nur in Form von Gewinnen oder Steuersenkungen den Unternehmen zugutekommen, sondern muss auch für die Bevölkerung spürbar werden. Dies kann beispielsweise über Massnahmen gegen steigende Mieten und Krankenkassenprämien, für mehr finanzierbare familienexterne Kinderbetreuung, für zusätzliche Unterstützung bei der Aus- und Weiterbildung oder der Einführung eines bezahlten Vaterschaftsurlaubes geschehen.

Zentral bleibt aber auch die Situation auf dem Arbeitsmarkt. Denn die Angst vor einer Verschlechterung auf dem Arbeitsmarkt – sei es direkt durch Verdrängungseffekte und schlechtere Chancen bei der Stellenbesetzung, sei es durch mehr Druck auf die Arbeitsbedingungen oder eine stagnierende Lohnentwicklung – ist der Nährboden, auf dem die Chancen für eine Initiative zur Kündigung der Personenfreizügigkeit wachsen können. Die Ausgangslage ist vergleichbar mit 2014, damals hat eine knappe Mehrheit der Stimmbevölkerung die Masseneinwanderungsinitiative angenommen und die Schweizer Politik in ein Dilemma gestürzt und für drei Jahre blockiert.

Stellenmeldepflicht als wichtiger Schritt

Erst mit der Stellenmeldepflicht konnte eine Umsetzung dieser Initiative gefunden werden, die mit den bilateralen Verträgen kompatibel ist und diese nicht gefährdet. Auch wenn sich Travail.Suisse in den vergangenen Jahren immer zu den bilateralen Verträgen und damit zur Personenfreizügigkeit bekannt hat, ist die Akzeptanz von uneingeschränkter Konkurrenz der inländischen Arbeitskräfte nicht einfach selbstverständlich. Mit der Einführung der Personenfreizügigkeit wurde das politische Versprechen abgegeben, mit effektiven flankierenden Massnahmen dafür zu sorgen, dass die Lohn- und Arbeitsbedingungen in der Schweiz geschützt bleiben – dieses Versprechen gilt es einzuhalten.

Nur mit einer erfolgreichen Ausschöpfung des inländischen Arbeitskräftepotenzials und einer kontinuierlichen Verbesserung der flankierenden Massnahmen zum Schutz der Löhne und Arbeitsbedingungen kann die Zustimmung der Bevölkerung zur Personenfreizügigkeit nachhaltig aufrechterhalten bleiben. Dabei ist die Einführung einer effektiven Stellenmeldepflicht ein wichtiger erster Schritt. Mit der Stellenmeldepflicht müssen in Berufen und Tätigkeiten mit erhöhter Arbeitslosigkeit, offene Stellen bei der öffentlichen Arbeitsvermittlung gemeldet werden. Im Sinne eines Inländervorrangs haben diese dann die Möglichkeit, passende Dossiers von registrierten Personen den Arbeitsgebern zu melden, bevor eine Stelle ordentlich ausgeschrieben werden darf. Im Kern werden so die Chancen von arbeitslosen Personen auf ein Bewerbungsgespräch und allenfalls eine Wiederanstellung erhöht. Im Besonderen davon profitieren dürften bei der Arbeitssuche diskriminierte Personen, deren Dossiers im Bewerbungsverfahren ansonsten vorschnell aussortiert werden. Dazu zählen insbesondere ältere Arbeitnehmende, WiedereinsteigerInnen, Arbeitslose mit ausländischen Namen und RückkehrerInnen aus dem Strafvollzug. Allerdings bedingt es zur Wirksamkeit des Instrumentes einen Kulturwandel bei den Arbeitgebern. Einerseits müssen die Vorurteile gegenüber den bei den RAVs gemeldeten Personen abgebaut werden und andererseits muss diesen Personen dann auch tatsächlich eine Chance gegeben werden anstatt vorschnell im Ausland zu rekrutieren, nur so können die Chancen der inländischen Erwerbsbevölkerung tatsächlich verbessert werden.

FlaM: Wirksame Instrumente aber grundlegende Probleme ungelöst

Die flankierenden Massnahmen (FlaM) zur Personenfreizügigkeit sind starke Instrumente zum Schutz der Löhne und Anstellungsbedingungen und zur Bekämpfung von Missbräuchen auf dem Arbeitsmarkt. Gleichzeitig braucht es aber dauernde Optimierungen und einen kontinuierlichen Ausbau der Instrumente um mit den Realitäten auf dem Arbeitsmarkt mithalten zu können. In den letzten Jahren lag der Fokus sehr stark auf der Optimierung des Vollzugs. Unter dem Namen Aktionsplan Vollzugsoptimierung wurde beispielsweise die weitere Professionalisierung und teilweise Vereinheitlichung der Arbeit der paritätischen und kantonalen tripartiten Kommissionen gefördert. Weiter wurden Mindeststandards für Kontrollen, Verständigungsverfahren und Verwaltungssanktionen festgelegt und die Schulung der Inspektoren und der Austausch unter den verschiedenen Kommissionen weiter intensiviert. Vollzugsoptimierungen sind zu begrüssen und ständig zu evaluieren. Aus Sicht der Arbeitnehmenden braucht es aber auch eine materielle Weiterentwicklung der FlaM. Zwar wurden in diesem Jahr die Sanktionen bei Verstössen gegen die minimalen Lohn- und Arbeitsbedingungen im Entsendegesetz erhöht, die Möglichkeit zur Verlängerung von Normalarbeitsverträgen geschaffen und in der Entsendeverordnung die minimale Anzahl Kontrollen auf 35‘000 Kontrollen erhöht und damit der Realität von jährlich knapp 45‘000 durchgeführten Kontrollen angenähert, aber grundlegende Problembereiche im System der FlaM blieben ungelöst. So liegt die Schweiz mit einer Abdeckung über einen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) von rund 50% im europäischen Vergleich deutlich zurück; jeder zweite Arbeitnehmende ist also nicht durch einen verbindlichen Mindestlohn geschützt. Es braucht dringend eine Erleichterung der Allgemeinverbindlicherklärung von GAV, um mehr Arbeitnehmende unter den Schutz der GAV zu stellen. Nicht zuletzt fehlt ohne verbindlichen Mindestlohn eine klar bestimmbare Grenze für Lohndumping. Zwar gilt es dann die orts- und branchenüblichen Löhne einzuhalten, was allerdings eine schwammige Grenze darstellt. So werden diese orts- und branchenüblichen Löhne in den Kantonen unterschiedlich ermittelt und zum Teil mit zusätzlichen Abschlägen oder willkürlichen Missbrauchsschwellen versehen. Dies erzeugt grosse Unterschiede zwischen den Kantonen und teilweise sehr tiefe Grenzen für Lohndumping, was die ganze Transparenz und Glaubwürdigkeit des FlaM-Systems untergräbt. Es braucht dringend einen national einheitlichen Lohnrechner und vergleichbare Missbrauchsschwellen, um die Beurteilung von Lohnunterbietungen einheitlicher vornehmen zu können und eine einheitlichere Anwendung des FlaM-Instrumentariums sicherzustellen. Es ist bezeichnend, dass die grosse Mehrheit der kantonalen Normalarbeitsverträge in den Kantonen Tessin und Genf erlassen wurden und dazu lediglich noch drei Kantone überhaupt NAVs kennen. Positiv ist die Tatsache, dass dieses Jahr im Detailhandel von Basel-Stadt erstmals ein NAV in einem Kanton der Deutschschweiz eingeführt wurde. Dennoch wendet die grosse Mehrheit der Kantone ein wichtiges Instrument der FlaM gar nicht erst an. Weiter ist das angedachte Projekt der Einführung von GAV-Bescheinigungen raschestmöglich umzusetzen. Mit einer GAV-Bescheinigung könnte ein Unternehmen nachweisen, dass bei vergangenen Kontrollen keine Verstösse gegen die Lohn- und Arbeitsbedingungen festgestellt wurden. Gerade im öffentlichen Beschaffungswesen würde dies sicherstellen, dass Vergaben nur an diejenigen Unternehmen erfolgen, welche die Einhaltung der Lohn- und Arbeitsbedingungen belegen können. Die öffentliche Hand könnte so sicherstellen, nur mit Unternehmen zusammenzuarbeiten, welche den Schutz ihrer Arbeitnehmenden garantieren.

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30. Oktober 2017, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Personenfreizügigkeit: Gerechtere Verteilung der Freizügigkeitsrendite

Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden unterstützt die heutige Aktion der Europakampagne stark+vernetzt. Eine Kündigung der Personenfreizügigkeit und damit ein Wegfall der bilateralen Verträge mit der EU ist nicht im Interesse der Arbeitnehmenden. Was es aber braucht ist ein verbesserter Schutz der Löhne und Arbeitsbedingungen und eine gerechtere Verteilung der Freizügigkeitsrendite. mehr

Travail.Suisse hat sich in den vergangen Jahren immer zur Personenfreizügigkeit und damit zu uneingeschränkter Konkurrenz der inländischen Arbeitskräfte bekannt – was nicht selbstverständlich ist. „Mit der Einführung der Personenfreizügigkeit wurde das politische Versprechen abgegeben, dass mit effektiven flankierenden Massnahmen die Löhne und Arbeitsbedingungen in der Schweiz geschützt bleiben – diese Versprechen muss eingehalten werden“, sagt Adrian Wüthrich, Präsident von Travail.Suisse. Dazu braucht es dauernde Optimierungen und einen kontinuierlichen Ausbau der Instrumente, um mit den Realitäten auf dem Arbeitsmarkt mithalten zu können. Nur rund die Hälfte der Arbeitnehmenden in der Schweiz ist mit verbindlichen Mindestlöhnen geschützt. Es braucht eine Erleichterung der Allgemeinverbindlicherklärung von GAV’s und einen nationalen Lohnrechner zur einheitlichen und verbindlichen Feststellung von Lohndumping. Weiter ist es unbefriedigend, dass lediglich fünf Kantone Normalarbeitsverträge erlassen haben – ein Grossteil der Kantone also ein wichtiges Instrument der FlaM gar nicht anwendet.

Freizügigkeitsrendite für Alle, Stellenmeldepflicht als erster Schritt

Die Freizügigkeitsrendite darf nicht nur als Gewinne und über Steuersenkungen den Unternehmen zugutekommen, sondern muss auch für die Bevölkerung spürbar werden. Zentral bleibt aber die Situation auf dem Arbeitsmarkt, denn „Lohndumping, Verdrängungseffekte oder schlechtere Chancen bei der Stellenbesetzung zerstören das Vertrauen in die Personenfreizügigkeit“, so Wüthrich weiter. Mit einer effektiven Stellenmeldepflicht kann hier Gegensteuer gegeben werden. Gelingt es die Chancen von arbeitslosen Personen im Allgemeinen und den im Bewerbungsprozess diskriminierten Gruppen der älteren Arbeitsnehmenden, der WiedereinsteigerInnen und Personen mit ausländischen Namen im Speziellen zu verbessern, ist dies ein wichtiger erster Schritt. Allerdings kann die Stellenmeldepflicht nur wirken, wenn bei den Arbeitgebern ein Kulturwechsel stattfindet. Nur wenn arbeitslosen Personen vorurteilsfrei geprüft und bewertet werden, anstatt vorschnell im Ausland zu rekrutieren, können die Chancen der inländischen Erwerbsbevölkerung tatsächlich verbessert werden.

Für Travail.Suisse ist klar: Nur mit funktionierendem Schutz der Löhne und Arbeitsbedingungen, einer besseren Integration von Jugendlichen in den Arbeitsmarkt, einer erhöhten Arbeitsmarktpartizipation der Frauen, einem gesicherten Verbleib von älteren Arbeitnehmenden im Arbeitsmarkt und einer für Alle spürbaren Verteilung der Freizügigkeitsrendite wird es gelingen, die Bevölkerung nachhaltig von den Vorteilen der Personenfreizügigkeit zu überzeugen. Dass die Europäische Union die Entsenderichtlinie anpassen will und Löhne und Arbeitsbedingungen ähnlich wie die flankierenden Massnahmen in Zukunft besser schützen will, zeigt, dass auch in Europa diese Erkenntnis angekommen ist.

Für weitere Informationen:
Adrian Wüthrich, Präsident Travail.Suisse, Mobile: 079 287 04 93

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27. Oktober 2017, Adrian Wüthrich, Präsident Drucker-icon

Pflegende Angehörige verdienen unsere Unterstützung – in der ganzen Schweiz

Am 30. Oktober wird in der Westschweiz zum vierten Mal der Tag der Angehörigenpflege durchgeführt – organisiert wird er von den Westschweizer Kantonen in Zusammenarbeit mit verschiedenen Vereinigungen. Der Tag hat nicht nur symbolischen Wert, sondern eine wichtige Signalwirkung, die noch an Ausstrahlung gewinnen würde, wenn der Tag in der ganzen Schweiz durchgeführt würde. In der Deutschschweiz dürfte dazu noch ein beträchtlicher Weg zurückzulegen sein. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, engagiert sich dafür, dass die Angehörigenarbeit auch auf nationaler Ebene mit einem besonderen Tag mehr öffentliche Anerkennung erhält. mehr

Der Kanton Waadt gab als Pionier in diesem Bereich den Anstoss dazu, dass alle Westschweizer Kantone im Rahmen des «Tags der Angehörigenpflege» am 30. Oktober (www.journee-proches-aidants.ch) gemeinsam für dieses Anliegen eintreten. An diesem Tag finden vielfältige Anlässe statt, die sich dem Engagement all jener widmen, die es Angehörigen ermöglichen, trotz eingeschränkter Selbstständigkeit weiterhin unter guten Bedingungen zuhause zu leben: Ausstellungen und Konferenzen, Begegnungs-Cafés und Brunches, Marktstände, Theater- und Filmvorführungen – es ist für jeden Geschmack etwas dabei!

Westschweizer Tag der Angehörigenpflege – ein starkes Signal

Dieser Tag ist zwar vor allem von symbolischem Wert. Er setzt jedoch ein wichtiges Zeichen, und es wäre falsch, dies zu unterschätzen. In der Schweiz erledigen 56% der Erwerbstätigen Betreuungsaufgaben und beziehen dafür Ferientage (ausserhalb der Ferien). 2013 gaben 15% der Erwerbstätigen an, dass sie wegen Betreuungsarbeit ihr Arbeitspensum reduziert haben oder überhaupt nicht arbeiten konnten 1. Von der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz zwischen 15 und 64 Jahren betreuen 35% regelmässig Kinder oder Erwachsene. Dies entspricht 1,9 Millionen Personen. Das Volumen an direkter Care-Arbeit beläuft sich auf über 80 Milliarden Franken pro Jahr. Die indirekte Care-Arbeit umfasst Haushaltsarbeit im Zusammenhang mit der Betreuung von Familienmitgliedern wie Kochen, Putzen, Wäschewaschen, Einkaufen usw., d.h. notwendige Arbeiten, welche die betreuten Personen im Allgemeinen nicht selber erledigen können. Das Volumen an indirekter Care-Arbeit beträgt über 20 Milliarden Franken pro Jahr. Insgesamt ist die Care-Arbeit somit 100 Milliarden Franken wert! Damit wird klar, dass das soziale und gesundheitliche Gleichgewicht ins Wanken käme, wenn wir nicht mehr auf pflegende Angehörige zählen könnten. Dieser Tag würdigt all jene, die Zeit, Energie und Geld für Care-Arbeit aufwenden und allzu häufig ihre eigene Gesundheit aufs Spiel setzen, weil sie nicht genügend entlastet werden.

Zürich organisiert einen «Tag für pflegende und betreuende Angehörige»

Eine private gemeinnützige Organisation – Entlastungsdienst Schweiz – organisiert in diesem Jahr eine Impulsveranstaltung zur Sensibilisierung des deutschsprachigen Landesteils. Diese soll ein Bewusstsein dafür schaffen, wie wertvoll die Hilfe ist, die unzählige Frauen und Männer tagtäglich für ältere und/oder kranke Angehörige leisten. Diese Organisation erbringt in mehreren Kantonen (Aargau, Solothurn, Bern, Stadt St. Gallen, Zürich) kostenpflichtige Leistungen zur Entlastung Angehöriger. Die Veranstaltung widmet sich der Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Care-Arbeit (https://www.angehoerige-pflegen.ch/workcare). Unterstützt wird sie von lokal tätigen Organisationen (profawo, Alzheimervereinigung, Spitex, Pro Senectute, Schweizerisches Rotes Kreuz, Familienservice usw.), die im Alltag pflegende Angehörige begleiten.

Travail.Suisse wird sich an dieser Veranstaltung in Zürich beteiligen und ihre Erfahrung einbringen, die sie mit der Lancierung der ersten kostenlosen gesamtschweizerischen Plattform für erwerbstätige pflegende Angehörige gesammelt hat. Die vor genau einem Jahr lancierte Website www.info-workcare.ch bietet kostenlose Informationen, Checklisten, Notfallratschläge und lokale Adressen für alle Personen, die Berufs- und Betreuungsarbeit (sogenannte «Care»-Arbeit) unter einen Hut bringen müssen.

Mit ihrer Teilnahme möchte Travail.Suisse zur notwendigen Sensibilisierung der Deutschschweizer Kantone bei der Anerkennung des Engagements pflegender Angehöriger beitragen. Die Kantone sind verantwortlich für die Infrastruktur zur Betreuung von Kindern und älteren und/oder kranken Menschen. Deshalb kommt es auch den Kantonen zugute, wenn sie für die Betreuung von Personen, die noch nicht vollständig pflegebedürftig sind, die Care-Arbeit durch Angehörige fördern. In Zusammenarbeit mit den verschiedenen Vereinigungen und Gesundheitsligen können die Kantone die Initiativen und Angebote in diesem Bereich koordinieren und so den pflegenden Angehörigen das Leben erleichtern. Die Westschweizer Kantone haben dies begriffen. Nun geht es darum, dass die Deutschschweizer Kantone ein Bewusstsein für diese Problematik entwickeln.

Es braucht politische Antworten

Das Ziel von Travail.Suisse ist es, die Hilfe zwischen den Generationen in den Familien zu fördern. Diese Hilfe ist einerseits aus volkswirtschaftlicher Sicht notwendig. Vor allem aber wird sie von den Betreuten gewünscht, ebenso wie von den pflegenden Angehörigen, die ihre Eltern gerne grosszügig unterstützen.

Für Travail.Suisse ist es wichtig, dass Männer ebenso wie Frauen ihren Teil übernehmen, damit beide weiterhin erwerbstätig und gesund bleiben können. Ebenso ist es wichtig, dass sich die Politik dem Thema annimmt und Massnahmen für eine bessere Vereinbarkeit trifft. Denn von dieser Vereinbarkeit ist die aktuelle und künftige Gesundheit der Arbeitskräfte sowie die Höhe ihrer künftigen Rente abhängig. Angesichts der grossen Zahl von Personen, die heute und in Zukunft betroffen sind, wäre es unverantwortlich, einzig darauf zu vertrauen, dass die Unternehmen das Problem lösen. Diese Botschaft wiederholt Travail.Suisse in ihren regelmässigen Kontakten mit Sozialpartnern, Parlamentarierinnen und Parlamentariern und der Bundesverwaltung.


1 Schweizerische Arbeitskräfteerhebung (SAKE) 2014 und 2013, BFS, Neuchâtel.

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16. Oktober 2017, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

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Donnerstag, 23. November 2017, 9.30 Uhr, Welle 7 (Deck 4, Raum-Nummer 4.13), Schanzenstrasse 5, Bern

Thema:
Barometer Gute Arbeit Qualität der Arbeitsbedingungen aus der Sicht der Arbeitnehmenden – repräsentative Ergebnisse für die Jahre 2015 bis 2017

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