Thèmes – Travail

Rekordarbeitsmangel trotz Rekordgewinnen

Die Schweizer Unternehmen dürfen fürs laufende Jahr mit weiteren Höchstgewinnen rechnen. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt bleibt indes angespannt. Stellen werden trotz Rekordergebnissen kaum geschaffen. Rund 573’000 Personen haben keine oder ungenügend Arbeit. Das Defizit der Arbeitslosenversicherung steigt weiter an. Eine Revision des Arbeitslosenversicherungsgesetzes wird rascher als erwartet notwendig.

14 novembre 2005, Susanne Blank, Responsable politique économique

Angespannter Arbeitsmarkt trotz guter Konjunktur

Die Arbeitsmarktsituation bleibt trotz guter Konjunktur unverändert angespannt. Schweizweit haben rund 573’000 Personen keine oder ungenügend Arbeit. Die Firmen dürfen für das laufende Jahr wieder mit Rekordergebnissen rechnen, schaffen aber kaum neue Stellen. Das Defizit der Arbeitslosenversicherung steigt, und eine Revision des Ar-beitslosenversicherungsgesetzes kommt schneller als erwartet. Travail.Suisse, der Dachverband der Arbeitnehmenden, wehrt sich gegen einen Leistungsabbau und fordert die Wiedereinführung des Solidaritätsprozents. mehr

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) weist für den Oktober 2005 eine mit 3.7 Prozent wieder steigende Arbeitslosigkeit aus. Das Bundesamt für Statistik bestätigt diese Entwicklung: Die Erwerbslosenquote gemäss internationaler Definition erhöhte sich auf 4.5 Prozent. Auch die Unterbeschäftigungsquote – der Teil der Erwerbsbevölkerung, welche ihr Arbeits-pensum erhöhen möchte – stieg auf 9.3 Prozent. Ingesamt machen die Erwerbslosen- und die Unterbeschäftigungsquote rund 13.8 Prozent aus – 0.4 Prozent mehr als im Vorjahr.

Arbeitsmangel war noch nie so hoch wie heute trotz weiterer Rekordgewinne
Das bedeutet, dass schweizweit 263’000 Vollzeitstellen fehlen, beziehungsweise 573’000 Personen keine oder ungenügend Arbeit haben. Dies ist umso stossender, als dass die Finanzanalysten für das laufende Jahr weitere Rekordgewinne voraussagen.

Finanzielle Situation der Arbeitslosenversicherung verschlechtert sich
Die düstere Arbeitsmarktsituation verschlechtert die Finanzen der Arbeitslosenversicherung. Die Schulden der Arbeitslosenkasse werden schneller als erwartet die 2.5 Prozent – das heisst ungefähr 5.5 bis 6 Milliarden Franken – der von der Beitragspflicht erfassten Lohnsumme erreichen. Damit ist es wahrscheinlich, dass der Bund schon im nächsten Jahr eine neue Revision des Arbeitslosenversicherungsgesetzes aufgleisen muss. Für Travail.Suisse steht fest, dass keinesfalls Leistungen abgebaut werden dürfen. Dafür ist das das Solidaritätsprozent wieder einzuführen.

07 novembre 2005, Susanne Blank, Responsable politique économique

Ausdehnung der Sonntagsarbeit: ein Verlustgeschäft

Sollen die Arbeitnehmenden künftig mehr Sonntagsarbeit leisten müssen? Sollen sie den Sonntag als Freiraum für Familie und Bekannte, für Erholung und Spiel verlieren? Darüber können wir am 27. November entscheiden. Es geht also nicht nur um die Sonntagsarbeit in den Verkaufsläden innerhalb der Bahnhöfe, es geht um die weitere Liberalisierung der Sonntagsarbeit überhaupt.

31 octobre 2005, Hugo Fasel, président Travail. Suisse jusqu'à 2008

Sonntagsarbeit: Es geht um unsere Freizeit, nicht um Arbeitsplätze!

Am 27. November 2005 stimmen wir über die Beibehaltung eines möglichst freien Sonntags und somit mehr Lebensqualität ab. Die Befürworter der Ausweitung der Sonntagsarbeit spielen auf der erwarteten Klaviatur. Sie verbreiten Angst, indem sie behaupten, bei einem Nein würden Arbeitsplätze verloren gehen und die Konsumentinnen und Konsumenten könnten am Sonntag nicht mehr auf Bahnhöfen einkaufen. Diese Argumente sind auch dann falsch, wenn ein Bundesrat und der SBB-Chef sie verkünden.

10 octobre 2005, Arno Kerst, Vice-président de Syna

Erwerbslose Jugendliche – jetzt handeln!

Die Jugendarbeitslosenrate ist im September bereits wieder auf 5.4 Prozent. Diese markante Höhe kann nicht mit der Konjunkturlage erklärt werden. Es sind vielmehr demo-graphische und strukturelle Faktoren dafür verantwortlich. Das Problem der jugendlichen Arbeitslosen wird die Schweiz noch die nächsten zehn Jahre weiter beschäftigen – zu lang um zu zuschauen, denn die volkswirtschaftlichen Folgen wären verheerend. Es ist zu prüfen, ob das Volkswirtschaftsdepartement seine Hausaufgaben gemacht hat und die Wirtschaft ist aufgefordert, den Jugendlichen eine Chance auf dem Arbeitsmarkt zu geben. mehr

Im September waren 5.4 Prozent der Jugendlichen erwerbslos. Im Vergleich zum Vormonat stieg die Rate der 20 – 24 Jährigen um 0.1 Prozent auf 6.1 Prozent, die der 15 – 19 Jährigen sank um 0.1 Prozent auf 4.4 Prozent. Es ist zu befürchten, dass die Jugendarbeitslosenrate per Dezember auf einen weiteren erschreckenden Rekordstand – noch höher als Anfang Jahr mit 5.5 Prozent – steigen wird.

Problem Jugendarbeitslosigkeit noch weitere zehn Jahre
Die Konjunktur ist nicht schuld daran – die Auftragsbücher der Unternehmen sind gefüllt und die Ertragslage ist noch viel versprechender als letztes Jahr. Es sind vor allem demographische und strukturelle Faktoren dafür verantwortlich. Klar ist, dass das Problem Jugendarbeitslosigkeit uns noch die nächsten zehn Jahre beschäftigen wird – zu lange, um zuzuschauen und abzuwarten. Denn eine über Jahre mangelhafte Integration der Jungen in den Arbeitsmarkt ist eine wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Zeitbombe.

Travail.Suisse fordert:

- Überprüfen, ob das Volkswirtschaftsdepartement seine Hausaufgaben – Erhöhung der Anzahl Motivationssemester und Praktikaplätze – gemacht hat.

- Generell müssen für alle erwerbslosen Jugendlichen im Rahmen der Arbeitslosenversicherung Beschäftigungs- und Weiterbildungsprogramme angeboten werden, die auf die individuellen Fähigkeiten des Einzelnen zugeschnitten sind. Damit wird für den Betroffenen eine Tagesstruktur erhalten, und das Risiko, an den Rand der Gesellschaft abgedrängt zu werden, verringert.

- Die Wirtschaft, die mit guten Gewinnaussichten das laufende Jahr beendet, soll ihre gesellschaftspolitische Verantwortung wahrnehmen: Lehrabgänger weiter beschäftigen und junge Leute anstellen, damit diese erste Berufserfahrungen sammeln können.

07 octobre 2005, Susanne Blank, Responsable politique économique

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