Thèmes – Travail – Salaires

Ergebnisse der Lohnrunde 2018: Arbeitnehmer profitieren zu wenig vom Aufschwung

Die Schweizer Wirtschaft profitiert von der Erholung im Euroraum und dem sich abschwächenden Schweizer Franken. Sie steht am Anfang eines Aufschwungs: Für nächstes Jahr wird ein BIP-Wachstum von bis zu 2.4 Prozent prognostiziert. Im Kontrast dazu steht der diesjährige Lohnherbst. Neben einigen Nullrunden werden sich die Löhne für die Arbeitnehmenden in der Schweiz lediglich um zwischen 0.5 und 1 Prozent erhöhen. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, beurteilt die Lohnrunde 2018 als ungenügend. Positiv im Vergleich zu den letzten Jahren ist die zunehmende Gewährung von generellen Lohnmassnahmen. mehr

Der Dachverband Travail.Suisse und die ihm angeschlossenen Verbände Syna, transfair und Hotel&Gastro Union haben im August 2017 die Lohnrunde 2018 eingeläutet. Unter der sich bereits abzeichnenden wirtschaftlichen Erholung wurden Lohnerhöhungen in der Grössenordnung von rund 1.5 Prozent gefordert. Dank der wirtschaftlichen Stabilisierung im europäischen Umfeld und der spürbare Abschwächung des Schweizer Frankens hat sich die Wirtschaftsentwicklung in der Schweiz im zweiten Halbjahr 2017 laufend verbessert. Auch die Aussichten sind positiv. So wurde der Einkaufsmanagerindex der Credit Suisse für November unter dem Titel „Schweizer Industrie boomt wieder“1 veröffentlicht. Der PMI befindet sich bei 65.1 Punkten, was dem höchsten Wert seit über sieben Jahren entspricht. Das bedeutet: Die Auftragsbücher sind prall gefüllt und die Produktion brummt. Dass sich die Schweizer Wirtschaft in einem breit abgestützten Aufschwung befindet zeigen auch die BIP-Prognosen für das kommende Jahr. Sowohl SECO, KOF wie auch BAK Basel rechnen für nächstes Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von bis zu 2.4 Prozent. Von der positiven Wirtschaftsentwicklung und den blendenden Aussichten konnten die Arbeitnehmenden bisher zu wenig profitieren – das zeigt ein Blick auf die Ergebnisse der Lohnverhandlungen in diesem Herbst.

Ungenügende Resultate der Lohnrunde – wieder gerechtere Verteilung

Für einen Grossteil der Arbeitnehmenden werden die Löhne 2018 zwischen 0.5 und 1 Prozent steigen. Dieses Ergebnis ist insbesondere mit Blick auf die Teuerungsentwicklung ungenügend. Nach einer längeren Periode mit praktisch Nullteuerung, hat die Inflation im Jahresverlauf 2017 angezogen und wird für das gesamte Jahr bei etwa 0.5 Prozent zu liegen kommen. Ebenfalls stark gestiegen sind die Krankenkassenprämien. Gemäss Bundesamt für Statistik2 sind damit die verfügbaren Einkommen 2017 um 0.3 Prozent geschrumpft. Die meisten Arbeitnehmenden werden somit trotz Lohnerhöhungen real nicht mehr Geld in ihrem Budget zur Verfügung haben. Besonders unbefriedigend ist die Situation in der Baubranche. Hier wurde erneut eine Nullrunde verhängt; obwohl die Branche sehr gute Jahre hinter sich hat und bereits die letzten Jahre von einer Lohnstagnation gekennzeichnet waren. Auch die gescheiterten Lohnverhandlungen in der Gastronomie sind besorgniserregend und werden nicht zu einer Verbesserung des Images der Branche beitragen. So zeigt das «"Barometer Gute Arbeit":CHOOSE_INTERNAL_LINK» von Travail.Suisse deutlich, dass gerade im Gastgewerbe die Unzufriedenheit mit der Einkommenssituation am ausgeprägtesten ist – rund 54 Prozent der Arbeitnehmenden halten ihr Einkommen für nicht angemessen.3 Etwas positiver fällt das Urteil mit Blick auf die Verteilung aus. Zwar dominieren nach wie vor individuelle Lohnmassnahmen. Das hat zur Folge, dass längst nicht alle am positiven Geschäftsgang partizipieren können und Lohnerhöhungen wenig transparent und bis zu einem gewissen Grad auch willkürlich gewährt werden. Insbesondere in einzelnen Branchen wie dem Detailhandel oder dem öffentlichen Verkehr finden sich fast ausschliesslich individuelle Lohnmassnahmen. Gleichzeitig hat aber der Anteil an generell ausgerichteten Lohnerhöhungen im Vergleich zu den letzten Jahren wieder zugenommen. Das beharrliche Pochen auf generelle Lohnerhöhungen durch die Gewerkschaften scheint zumindest im Gewerbe und der Industrie zunehmend von Erfolg gekrönt zu sein. Mit einem Anziehen der Inflation über das nächste Jahr hinaus werden flächendeckende generelle Lohnerhöhungen zum Erhalt der Kaufkraft der Arbeitnehmenden wieder an Bedeutung gewinnen müssen.

Zuwenig Bewegung bei Mindestlöhnen, Frauenlöhnen und dem Vaterschaftsurlaub

Aufgrund der bescheidenen Lohnerhöhungen hätte die Möglichkeit bestanden im Bereich der Mindest- und Frauenlöhne oder den Regelungen zum Vaterschaftsurlaub ein Zeichen zu setzen; leider wurden diese Möglichkeiten durch die Arbeitgeber verpasst. In den meisten Branchen konnten keine Erhöhung der Mindestlöhne erzielt werden. Dass dies möglich wäre zeigen die Beispiele Bäcker-, Konditoren- und Konfiseurgewerbe sowie die Reinigungsbranche, die ihre Mindestlöhne erhöhen oder Fenaco und Auto Uri AG, welche die tiefen Einkommen überproportional an den Lohnerhöhungen partizipieren lassen. Mit Bezug auf die Lohngleichheit zwischen den Geschlechtern waren die Arbeitgeber auch dieses Jahr nicht bereit, einen besonderen Effort bei der Erhöhung der Frauenlöhne zu leisten. Travail.Suisse unterstreicht, dass die Lohngleichheit zwischen den Geschlechtern auf freiwilligem Weg nicht erreicht werden kann und unterstützt deshalb eine politische Lösungsfindung. Es ist höchste Zeit, dass sich das Parlament endlich mit der Botschaft der Revision des Gleichstellungsgesetzes befasst und die Unternehmen zumindest zu einer Kontrolle der Lohngleichheit aufgefordert werden. Es ist aber absehbar, dass griffige Massnahmen im Bereich der Kontrollen und Sanktionen ergänzt werden müssen, um das Ziel der Lohngleichheit wirklich zu erreichen. Auch bei der Thematik Vaterschaftsurlaub konnten kaum Fortschritte erzielt werden. Mit Ausnahme der Auto Uri AG (neu 4 Wochen) und im Orgelbau (neu 5 Tage) konnten keine Verbesserungen erzielt werden. Es verbleiben zuviele Arbeitnehmenden beim gesetzlichen Minimum von einem Tag Vaterschaftsurlaub – das ist gleich viel wie für einen Wohnungswechsel. Die von Travail.Suisse und weiteren Organisationen lancierte Initiative (www.vaterschaftsurlaub.ch) bleibt somit der realistischste Weg zu einem vernünftigen Vaterschaftsurlaub von 20 Tagen für alle Arbeitnehmenden.


1 https://www.procure.ch/magazin/artikel/1/pmi-november-schweizer-industrie-boomt-wieder/
2 Vgl. Krankenversicherungsprämienindex 2017 ; Bundesamt für Statistik
3 vgl. http://www.travailsuisse.ch/themen/arbeit/barometer_gute_arbeit

18 décembre 2017, Gabriel Fischer, Responsable politique économique

Travail.Suisse fordert endlich mehr Lohn für Arbeitnehmende

Der Schweizer Wirtschaft geht es gut. Für das Jahr 2018 wird ein BIP-Wachstum von bis zu 2.4 Prozent prognostiziert. Leider scheint sich dies für die Arbeitnehmenden nicht wirklich auszuzahlen, denn zusätzlich zu einigen Nullrunden werden sich ihre Löhne lediglich um zwischen 0.5 und 1 Prozent erhöhen. Ausserdem arbeiten bürgerliche Kräfte aktiv daran, das im internationalen Vergleich schon sehr liberale Arbeitsgesetz auszuhöhlen. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, beurteilt die Lohnrunde 2018 als ungenügend und fordert, dass die Arbeitnehmenden in der Schweiz am wirtschaftlichen Aufschwung beteiligt und weiterhin durch das Arbeitsgesetz geschützt werden.%(mehr)mehr%

Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, und die ihm angeschlossenen Verbände Syna, transfair und Hotel&Gastro Union haben im August 2017 ihre Lohnforderungen für das Jahr 2018 präsentiert. Die positiven Vorzeichen haben sich mit dem abschwächenden Franken verbessert und die Aussichten sind blendend: Die Auftragsbücher sind prall gefüllt, die Produktion brummt und die Prognosen für 2018 sehen ein BIP-Wachstum von bis zu 2.4 Prozent vor. Bei den Arbeitnehmenden kommt der Aufschwung aber nur ungenügend an – das zeigt der Blick auf die Ergebnisse der diesjährigen Lohnverhandlungen.

Teuerung und steigende Krankenkassenprämien fressen Lohnerhöhungen auf

„Mit Lohnerhöhungen zwischen 0.5 und 1 Prozent werden die Arbeitnehmenden 2018 real kaum mehr Geld im Portmonee haben – die allgemeine Teuerung und steigende Krankenkassenprämien fressen Lohnerhöhungen auf“, sagt Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik bei Travail.Suisse. Besonders schlecht steht es um die Baubranche, die erneut eine Nullrunde verhängt bekam, obschon gerade diese Branche sehr gute Jahre hinter sich hat. Doch es gibt auch Lichtblicke: Individuelle Lohnmassnahmen dominieren zwar nach wie vor, doch der Anteil genereller Lohnerhöhungen hat zugenommen. Das beharrliche Pochen durch die Gewerkschaften zeigt zumindest in Gewerbe und Industrie Wirkung. Das reicht aber nicht: Zieht die Inflation künftig an, so müssen flächendeckende generelle Lohnerhöhungen zum Erhalt der Kaufkraft der Arbeitnehmenden stärker an Bedeutung gewinnen.

Weniger für Arbeitnehmende, mehr für Arbeitgeber

Statt die Arbeitnehmenden vom Aufschwung profitieren zu lassen, versuchen bürgerliche Kräfte im Parlament, das Arbeitsgesetz weiter zu liberalisieren: Die Arbeitszeiterfassung soll abgeschafft und gleichzeitig die Wochenarbeitszeit erhöht werden. Dabei belegt das «Barometer Gute Arbeit» von Travail.Suisse bereits jetzt einen zunehmenden Verlust der Arbeitszeitautonomie für die Arbeitnehmenden. „Wir werden uns mit aller Kraft gegen diese Aushöhlung des ohnehin schon liberalen schweizerischen Arbeitsgesetz wehren“, bekräftigt Fischer. Auch im Bereich der Frauenlöhne sowie dem Vaterschaftsurlaub bewegt sich wenig: Die Arbeitgeber waren nicht bereit in Bezug auf die Lohngleichheit zwischen den Geschlechtern einen Effort zu leisten. „Damit ist definitiv klar, dass die Arbeitgeber die Lohngleichheit nicht auf gut schweizerischem, sozialpartnerschaftlichem Weg vorantreiben wollen. Alle Versprechen diesbezüglich waren vor allem eines: heisse Luft“, sagt Fischer. Für Travail.Suisse ist es daher höchste Zeit, dass sich das Parlament endlich mit der Botschaft der Revision des Gleichstellungsgesetzes befasst und die Unternehmen zumindest zu einer Kontrolle der Lohngleichheit aufgefordert werden.

Für mehr Informationen:
• Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Travail.Suisse, Tel. 076 412 30 53
• Arno Kerst, Präsident Syna, Tel. 079 598 67 70
• Stefan Müller-Altermatt, Nationalrat und Präsident des Personalverbands transfair, Tel. 076 332 15 26

18 décembre 2017, Gabriel Fischer, Responsable politique économique

Der Aufschwung muss auch den Arbeitnehmenden zu Gute kommen

Die wirtschaftlichen Aussichten sind positiv wie lange nicht mehr. Von der weltweiten Erholung und insbesondere der Verbesserung im Euroraum profitieren auch die Schweizer Unternehmen. Die Prognosen lassen ein solides und anziehendes Wirtschaftswachstum erwarten. Daran müssen auch die Arbeitnehmenden beteiligt werden, um die Kaufkraft zu stärken und den Nachholbedarf bei den Löhnen zu beheben. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, und die angeschlossenen Verbände Syna, transfair und Hotel&Gastro Union fordern, dass im Lohnherbst 2017 die meisten Arbeitnehmenden Lohnerhöhungen von bis zu 2 Prozent erhalten. mehr

Nach angespannten Zeiten bahnt sich die wirtschaftliche Erholung an. Prognosen des SECO lassen ein Wirtschaftswachstum von 1.4 Prozent für das laufende Jahr und 1.9 Prozent fürs nächste Jahr erwarten. Weitere Indikatoren liegen deutlich über dem längerfristigen Durchschnitt und verdeutlichen die positive Stimmung in der Wirtschaft. Dieser Aufschwung muss sich auch auf die Arbeitnehmenden auswirken. Es braucht spürbare Lohnerhöhungen von bis zu 2 Prozent.

Nachholbedarf bei den Löhnen

In den letzten Jahren mussten sich die Arbeitnehmenden mit bescheidenen Lohnerhöhungen – teilwiese gar mit Nullrunden – zufrieden geben. Dies hat mitgeholfen in den Krisenjahren und in der Zeit des stark überbewerteten Frankens die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu erhalten. Von der wirtschaftlichen Erholung müssen jetzt auch die Arbeitnehmenden profitieren. Eine Steigerung der Kaufkraft fliesst nicht zuletzt in den privaten Konsum als wichtiger Konjunkturstützer und hilft die wirtschaftliche Erholung zu festigen.

Fokus auf generelle Massnahmen und Frauenlöhne

Seit 2013 hat der Anteil an generellen Lohnerhöhungen kontinuierlich abgenommen, intransparente und teilweise willkürliche individuelle Massnahmen haben Überhand genommen. Das ist zu korrigieren, denn nur mit generellen Lohnerhöhungen können alle Arbeitnehmenden am Wirtschaftswachstum partizipieren. Auch die anziehende Teuerung verlangt einen Fokus auf generelle Lohnmassnahmen – nur so kann die Kaufkraft der Arbeitnehmenden erhalten und diese vor Reallohnverlust geschützt werden.

Ein zweiter Fokus muss auf den Frauenlöhnen liegen. Die noch immer bestehende Diskriminierung der Frauenlöhne von 7.4 Prozent ist absolut stossend und Lohngleichheit zwischen den Geschlechtern ist zwingend anzustreben. Eine Erhöhung der Frauenlöhne ist nicht zuletzt deshalb notwendig, weil die Frauen mit der Erhöhung ihres Rentenalters in der AHV-Reform 2020 einen grossen und wichtigen Beitrag zur längerfristigen Sicherung und Finanzierung der Altersvorsorge leisten.

Mehr Informationen:

  • Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Travail.Suisse, Tel. 076 412 30 53
  • Arno Kerst, Präsident der Gewerkschaft Syna, Tel. 079 598 67 70
  • Roman Helfer, Politischer Verantwortlicher Hotel & Gastro Union, Tel. 079 540 78 37
  • Stefan Müller-Altermatt, Präsident Personalverband transfair, Tel. 076 332 15 26

08 août 2017, Gabriel Fischer, Responsable politique économique

Lohndiskriminierung : Die KMU stehen im Fokus

Weibliche Arbeitnehmende unter 30 Jahren und ohne Kaderfunktion, die in einem kleinen Restaurant mit weniger als 20 Angestellten arbeiten – diese Personen erleiden die krasseste Lohndiskriminierung in der Schweiz. Im Falle dieser Angestellten sind zwischen 52 und 65 Prozent der Lohndifferenz zu männlichen Angestellten objektiv nicht erklärbar. Es handelt sich also um pure Diskriminierung, die schweizweit eine Lohnsumme von fast 8 Milliarden Franken ausmacht. Am Vortag des Internationalen Frauentages steht fest: Diese Lohndiskriminierung ist schlicht skandalös. mehr

Die Analyse der Lohnunterschiede, die heute vom Bundesamt für Statistik präsentiert wurde, zeigt nach wie vor ein düsteres Bild für die Lohngleichheit zwischen Frauen und Männern in der Schweiz. Bekannt ist, dass der unerklärte Teil der Lohnungleichheit – die eigentliche Lohndiskriminierung – innerhalb der Branchen stark variiert: Die Hotellerie-Restauration (65.2 Prozent), der Detailhandel (56,9%) und die Maschinenindustrie (41,7 Prozent) stehen an der Spitze der Rangliste der schlechten Vorbilder. Nicht nur die Branche, sondern auch die Grösse der Unternehmung ist massgebend für die Lohndiskriminierung. Frauen, die in KMU mit weniger als 20 Angestellten arbeiten, werden am stärksten diskriminiert. Mehr als 56 Prozent der Lohnunterschiede zu ihren männlichen Kollegen können nicht durch objektive Kriterien erklärt werden (siehe Kasten). Besonders alarmierend ist, dass KMU mit weniger als 20 Angestellten in der Schweiz 95 Prozent der Unternehmen mit 36 Prozent der Arbeitnehmenden ausmachen.

«Das NFP60 zur Gleichstellung der Geschlechter hatte bereits auf die Lohndiskriminierung der jungen Frauen unmittelbar nach der Lehre aufmerksam gemacht, mit einem unerklärten Lohnunterschied von 7 Prozent», betont Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellung bei Travail.Suisse. Die Analyse des BFS bestätigt diesen Sachverhalt: Bei den unter 30jährigen Frauen ist mehr als die Hälfte des Lohnunterschieds diskriminierend (52,2 Prozent), der diskriminierende Anteil nimmt erst mit dem Alter etwas ab (36,8 Prozent bei den über 50jährigen).

Der öffentliche Sektor übertrifft in Bezug auf die unerklärte Lohndifferenz sogar noch den nationalen Durchschnitt: 41,7 Prozent der Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern sind im öffentlichen Sektor unerklärt, während der entsprechende nationale Durchschnitt bei 38,1 Prozent liegt. Insgesamt hat sich im öffentlichen Sektor der Lohnunterschied kaum verändert (16,6 Prozent) und ist nach wie vor kleiner ist als jener im privaten Sektor (19,5 Prozent).

Jeden Monat verlieren die Frauen aufgrund der Lohndiskriminierung mehrere hundert Franken. Und jedes Jahr beläuft sich das wirtschaftliche Volumen der Diskriminierung auf 7.7 Milliarden Franken. Die während ihres ganzen Lebens diskriminierten Frauen werden auch längerfristig, nämlich bei ihrer Pensionierung, benachteiligt. Es ist deshalb mehr als angebracht, am Vortag des Internationalen Tags der Frau an den Skandal zu erinnern, der mit diesen Zahlen und ihren Auswirkungen verbunden ist.

DEFINITION

Lohnungleichheit: Die Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern sind von verschiedenen Faktoren abhängig : personelle Faktoren (Alter, Ausbildung, Anzahl Dienstjahre), mit dem Arbeitsplatz verbundene Faktoren (berufliche Position, Qualifikationsniveau, Tätigkeitsbereich) und betriebliche Faktoren (Unternehmensgrösse, Wirtschaftszweig, Region).

Lohndiskriminierung: Nach Ausschluss der objektiv erklärbaren Faktoren mittels einer Regressionsanalyse (Modell Oaxaca) werden die verbleibenden Unterschiede, die nicht erklärt werden können, von den Fachleuten als Lohndiskriminierung eingestuft.

Für mehr Informationen:
Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellung Travail.Suisse, 079 598 06 37

07 mars 2017, Valérie Borioli Sandoz, Responsable politique de l'égalité

Lohnergebnisse für 2017 sind knapp zufriedenstellend

Die Schweizer Wirtschaft hat sich weitgehend vom Franken-Schock erholt und das prognostizierte BIP-Wachstum von 1.5 Prozent für 2016 und gar 1.8 Prozent für 2017 darf als solide bezeichnet werden. Die Lohnrunde 2017 aber zeigt ein durchzogenes Bild. Zwar gibt es Lohnerhöhungen zwischen 0.5 und 1 Prozent für viele Arbeitnehmende, aber leider auch Nullrunden – zum Teil zum Dritten Mal in Folge. mehr

Travail.Suisse, die unabhängige Dachorganisation der Arbeitnehmenden, und die ihr angeschlossenen Verbände Syna, transfair und Hotel&Gastro Union haben im August 2016 die Lohnrunde 2017 eingeläutet. Die damals grosse Unsicherheit über die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative und die Drohkulisse des Brexits prägte die wirtschaftliche Situation der Schweiz. Im zweiten Halbjahr 2016 stabilisierte sich aber die Wirtschaftsentwicklung in der Schweiz und der konjunkturelle Aufwärtstrend bestätigte sich.

Lohnzufriedenheit sinkt, Gratisarbeit nimmt zu

Nullrunden, die sich wiederholen, individuelle statt generelle Lohnerhöhungen und immer mehr Gratisarbeit in Form von nicht abgeglichenen Überstunden führen dazu, dass die Einkommenszufriedenheit bei den Arbeitnehmenden in den vergangenen Jahren signifikant gesunken ist. So sind rund 44 Prozent der Arbeitnehmenden mit ihrem Lohn nicht oder nur in geringem Mass zufrieden, wie es der diesjährige «Barometer Gute Arbeit» 1 zeigt. Besonders angespannt ist die Situation für die Arbeitnehmenden im Service Public. Ein Sparprogramm jagt das nächste, was zu Nullrunden (Bundespersonal) oder angekündigtem Stellenabbau führt (Post, SBB). Und der grösste Sparhammer steht den Arbeitnehmenden des Service Public mit der Unternehmenssteuerreform III erst bevor. Mit Steuerverlusten von 1.5 Milliarden Franken beim Bund und mehreren Milliarden Franken bei Kantonen und Gemeinden sind die nächsten Sparprogramme inklusive Stellenabbau absehbar. Travail.Suisse spricht sich deshalb klar gegen die Unternehmenssteuerreform III aus und unterstützt das Referendum. 2 Doch damit nicht genug: Frontalangriffe auf die Arbeitszeit sind im Parlament hängig. Doch ohne Arbeitszeiterfassung wird der ausbezahlte Lohn von der dafür geleisteten Arbeitszeit entkoppelt. Dass dieses Vorhaben in einem Land, in dem jährlich ca. 200 Millionen Überstunden geleistet werden, vor allem die Förderung von Gratisarbeit zum Ziel hat, liegt auf der Hand. Gemäss dem «Barometer Gute Arbeit» geben bereits heute 33 Prozent der Arbeitnehmenden an, ihre Arbeitszeit nicht zu erfassen, was der Arbeitszufriedenheit nicht förderlich ist.

Zuwenig Bewegung bei Frauenlöhnen und Vaterschaftsurlaub

Aufgrund der bescheidenen Lohnerhöhungen hätte die Möglichkeit bestanden, zumindest im Bereich der Frauenlöhne oder den Regelungen zum Vaterschaftsurlaub ein Zeichen zu setzen; leider waren die Arbeitgeber auch in diesem Jahr nicht bereit bei der Gleichstellung der Frauenlöhne einen besonderen Effort zu leisten. Für Travail.Suisse ist klar, dass die Lohngleichheit zwischen den Geschlechtern auf freiwilligem Weg nicht erreicht werden kann und unterstützt darum eine politische Lösungsfindung. Auch beim Vaterschaftsurlaub konnten kaum Fortschritte erzielt werden. Die von Travail.Suisse lancierte Initiative (www.vaterschaftsurlaub.ch) bleibt somit der realistischste Weg zu einem vernünftigen Vaterschaftsurlaub von 20 Tagen für alle Arbeitnehmenden.

Für mehr Informationen:
• Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Travail.Suisse, Tel. 076 412 30 53
• Arno Kerst, Präsident Syna, Tel. 079 598 67 70
•Eric Dubuis, Mitglied der Geschäftsleitung und Sekretär Romandie Hotel & Gastro Union, Tel. 079 290 76 26
• Stefan Müller-Altermatt, Nationalrat und Präsident des Personalverbands transfair, Tel. 076 332 15 26


1 Mehr Informationen zum« Barometer Gute Arbeit» unter : http://www.travailsuisse.ch/themen/arbeit/barometer_gute_arbeit
2 Vollständiges Argumentarium unter:
http://www.travailsuisse.ch/system/uploadedfiles/3970/original/2016_11_16_Argumentarium_USR_3.pdf

19 décembre 2016, Gabriel Fischer, Responsable politique économique

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