Thèmes – Travail

Zschokke: Die Lohnschere öffnet sich, wenn auch auf tiefem Niveau

Der grösste Schweizer Baukonzern hat im Jahr 2004 sein Ergebnis um 17 Prozent gesteigert und einen Gewinn von 21 Millionen erwirtschaftet, wie er an seiner heutigen Gene-ralversammlung bekannt gegeben hat. Vom guten Ergebnis profitieren der Verwaltungsratspräsident und die Geschäftsleitung gleichermassen: Anton Affentranger erhöhte seine Entschädigung für das Verwaltungsratspräsidium um 80 Prozent auf 200’000 Franken. Die Geschäftsleitung verdiente mit 530’000 Franken pro Kopf einen Viertel mehr als im Vorjahr. Im gleichen Zeitraum nahm der vertragliche Mindestlohn in der Baubranche um nur 0.5 Prozent bzw. 20 Franken pro Monat zu. Die Lohnschere öffnete sich von 8 : 1 auf 10 : 1. mehr

Die Strategieänderung von Zschokke weg vom preiskampfgebeutelten Kerngeschäft Bau auf die margenträchtigen Baudienstleistungen geht auf: Der grösste Schweizer Baukonzern machte im Jahr 2004 einen Gewinn von 21 Millionen Franken. Die Aktionäre freuts: Sie erhalten eine Ausschüttung von 23 Franken pro Aktie, bestehend aus der Dividende von 14 und einer Nennwertreduktion von 9 Franken.

Verwaltungsratspräsident: Erhöhung der Entschädigung um 80 Prozent
Im Jahr 2004 erhielt Anton Affentranger, Verwaltungsratspräsident der Zschokke, 200’000 Franken für sein Mandat. Dies ist 80 Prozent oder im Frankenbetrag ausgedrückt 90’000 Franken mehr als im Vorjahr.

Geschäftsleitung pro Kopf: Erhöhung um 30 Prozent
Im gleichen Zeitraum erhöhte sich die Gesamtentschädigung für die Geschäftsleitung um 8 Prozent. Da die Geschäftsleitung um ein Mitglied reduziert wurde, stieg die Pro-Kopf Entschädigung um einen Viertel auf 530’000 Franken. Die Entschädigung für den CEO Christian Bubb ist nicht separat ausgewiesen. Es ist aber anzunehmen, dass sein Salär innert Jahresfrist stark gestiegen ist, insbesondere weil er seit Mai 2004 zusätzlich im Verwaltungsrat sitzt. Die Lohnschere zwischen dem Pro-Kopf- Salär eines Geschäftsleitungsmitglieds und dem Mindestlohn in der Baubranche stieg von 8 : 1 auf 10 . 1.

Baubranche: Erhöhung Mindestlohn um 0.5 Prozent
Im 2004 konnten die Gewerkschaften in der Baubranche eine Mindestlohnerhöhung von 20 Franken monatlich bzw. 0.5 Prozent nominell aushandeln. Damit erhöhte sich der monatliche Mindestlohn von 3’895 auf 3’915 Franken.

03 mai 2005, Susanne Blank, Responsable politique économique

Ascom: Ungebremster Luxus in der Chefetage trotz Abbau von Stellen und Lehrlingsplätzen

Die Ascom schreibt fürs Geschäftsjahr 2004 erstmals wieder Gewinn. Opfer für diesen gelungenen Turnaround wurden vor allem den Arbeitnehmenden abverlangt. Innert fünf Jahren hat die Ascom 10’000 Arbeitsplätze abgebaut oder ausgelagert. Im Jahr 2004 fielen in der Schweiz nochmals 470 Stellen und 80 Ausbildungsplätze weg. Die Konzernleitungsmitglieder liessen es sich derweilen gut ergehen und erhöhten ihr Salär um 9 Pro-zent. Das sind über fünf Mal mehr als die Belegschaft erhielt. mehr

Die Ascom schreibt nach mehrjähriger Krise wieder schwarze Zahlen. Dies veranlasste die Aktionäre, an der Generalversammlung vom vergangenen Dienstag einer Ausschüttung einer Dividende von fünf Prozent zuzustimmen.

Lohnerhöhung für Geschäftsleitung ist fünf Mal höher als für Belegschaft
Die Konzernleitung erhöhte im vergangenen Jahr ihr Salär um rund 9 Prozent auf rund 830’000 Franken pro Kopf (nicht mitberechnet sind dabei die 99’000 Optionen zuhanden der Konzernleitung). Die übrig gebliebene Belegschaft musste sich mit einer rund fünf Mal kleineren Lohnerhöhung von 1.7 Prozent zufrieden geben.

Höchstlohn steigt um 74 Prozent
Juhani Anttila, CEO von anfangs 2003 bis Mitte 2004 und Verwaltungsratspräsident seit 2002, erhöhte sein Salär innert Jahresfrist um 74 Prozent auf 1.25 Millionen. Damit öffnete sich die Lohnschere (Verhältnis vom Höchst- zum Tiefstlohn) von 1 : 13 auf 1 : 23.

Offenlegung der Entschädigungen: Zahlensalat
Der CEO wurde in den letzen zwei Jahren drei Mal ausgewechselt. Zudem werden die Boni für Geschäftsleitung und CEO erst nach Ablauf des Geschäftsjahrs ausbezahlt. Weiter gibt es komplizierte Optionspläne für Führungskräfte. Dies alles erschwert die Interpretation der Managerentschädigungen erheblich. Anstatt Transparenz herrscht Verwirrung.

Stellenabbau und Lehrlingsabbau geht weiter
Seit dem Jahr 2000 schrumpfte der Ascom-Konzern um rund 10’000 Stellen. Im vergangenen Jahr wurden in der Schweiz nochmals 470 Arbeitsplätze gestrichen oder ausgelagert. Zusätzlich davon betroffen waren 80 Lehrstellen!

21 avril 2005, Susanne Blank, Responsable politique économique

Lonza: Trick 77 für massive Salärerhöhung der Geschäftsleitungsmitglieder

Der Reingewinn der Lonza Group AG ist weniger hoch als erwartet. Trotzdem steigerten die Geschäftsleitungsmitglieder ihr Salär um 60 Prozent. Wie das? Die Gesamtsumme ihrer Entschädigungen blieb in etwa gleich, aber die Geschäftsleitung verkleinerte sich um 5 Personen. Damit vergrössert sich die Lohnschere zwischen den Mitgliedern der Geschäftsleitung und dem Personal mit den Tiefstlöhnen von 7 : 1 auf 11 : 1. mehr

Das Konzernergebnis der Lonza Group AG fiel für das Geschäftsjahr 2004 unter den Erwartungen der Aktionäre aus. Der Reingewinn sank um einen Drittel auf 201 Millionen Franken.

Geschäftsleitung erhält Lohnerhöhung von 60 Prozent
Die Gesamtentschädigungssumme der Geschäftsleitung blieb innert Jahresfrist mit 4.5 Millionen Franken in etwa gleich. Hingegen verkleinerte sich die Geschäftsleitung um 5 Personen. Mit diesem Schachzug steigerten die verbliebenen Mitglieder im Jahr 2004 ihr durchschnittliches Salär um massive 60 Prozent. Demgegenüber nimmt sich die Lohnerhöhung von 1.5 %für die restliche Belegschaft für das Jahr 2005 bescheiden aus.

Lohnschere öffnet sich
Der Geschäftsbericht weist nur die Gesamtentschädigungssumme der Geschäftsleitung aus. Das Salär des seit Mitte 2004 an der Spitze des Unternehmens stehenden Stefan Borgas und seines Vorgängers, dem CEO Markus Gmünd, sind nicht einzeln publiziert. Aus diesem Grund können wir die Lohnschere nur zwischen dem Durchschnittssalär der Geschäftslei-tungsmitglieder und dem Tiefstlohn (gemäss Kollektivvertrag 59’150 Franken jährlich) berechnen. Sie erhöhte sich innert Jahresfrist von 7 : 1 auf 11 : 1.

11 avril 2005, Susanne Blank, Responsable politique économique

Clariant: Der Weg aus der Krise ist gespickt mit saftigen Abgangsentschädigungen

Die Aktionäre freuen sich an der heutigen Generalversammlung über eine genesene Clariant. Für die Restrukturierung des Unternehmens wurden weltweit rund 4000 Stellen abgebaut. Auch in der Konzernleitung gab es Abgänge. Die wurden allerdings teuer bezahlt: 12 Millionen Franken schüttete die Clariant in den letzten zwei Jahren an sechs ausgeschiedene Führungspersonen aus. Travail.Suisse, der Dachverband der Arbeitnehmenden, findet es stossend, dass Leistungsdefizite in der Führungsspitze mit goldenen Fallschirmen belohnt werden. mehr

Die Clariant kann nach mehrjähriger Krise zum zweiten Mal in Folge mit einem positiven Jahresergebnis aufwarten. Der Chemiekonzern weist für das Jahr 2004 einen Gewinn von 150 Millionen Franken aus.

Restrukturierung mit goldenem Fallschirm
Die Restrukturierung der Firma hatte seinen Preis. In den vergangenen Jahren wurden weltweit 4000 Stellen abgebaut. Im Jahr 2004 wurde die Belegschaft in der Schweiz um 5.4 Prozent reduziert. In der Führungsetage gab es ebenfalls Abgänge. So schieden im 2004 zwei Organmitglieder (Mitglieder des Verwaltungsrats und/oder Geschäftsleitung) vorzeitig aus. Sie mussten nicht mit leeren Händen gehen, sondern erhielten eine Abfindung von 3.9 Milli-onen Franken. Im Jahr 2003 dämpfte ein goldener Fallschirm von 7.9 Millionen Franken den Abgang von vier Führungspersonen. Travail.Suisse erachtet es als stossend, dass der Konzern für ungenügende Leistungen in der Teppichetage rund zwei Millionen Franken pro Person aufwirft. Dies umso mehr, als dass die Belegschaft bei Massenentlassungen auf den Goodwill des Konzerns angewiesen ist, ob ein Sozialplan erstellt wird oder nicht.

Lohnschere verringert sich
Seit dem Jahr 2003, als Roland Lösser den damaligen Konzernchef Reinhard Handte ablöste, hat sich die Lohnschere um fast die Hälfte verringert. Lösser verdient jedoch mit seinen 1.2 Millionen Franken nach wie vor über 22 Mal mehr als der Arbeitnehmender mit dem tiefsten Jahreslohn von 56’000 Franken. Travail.Suisse warnt davor, in Zukunft die Lohnschere wie-der zu öffnen. Die Mitarbeitenden müssen von der gesundeten Clariant in gleichem Masse profitieren wie die Geschäftleitung. Eine Erhöhung des Salärs in der Führungsetage darf nur erfolgen, wenn sie für die Belegschaft proportional gleich hoch ausfällt.

07 avril 2005, Susanne Blank, Responsable politique économique

Post erwirtschaftet Rekordgewinn auf Kosten der Arbeitnehmenden

Das Personal freut sich kaum über das Rekordergebnis der Post. Der Höchstgewinn wurde auf dem Buckel der Mitarbeitenden erwirtschaftet. Allein im letzten Jahr fielen 2.6 Prozent bzw. 1130 Arbeitsplätze weg, ein Ende des Stellenabbaus ist nicht in Sicht. Die gute Ertragslage veranlasste die Geschäftsleitung dazu, die Leistungsprämie von 40 Prozent des Grundsalärs voll auszuschöpfen. Die Belegschaft erhielt hingegen eine beschei-dene Prämie von 300 Franken. Die Lohnschere zwischen Höchst- und Tiefstlohn öffnete sich damit innert Jahresfrist von 12:1 auf 17:1. mehr

Die Post weist für das Geschäftsjahr 2004 ein Rekordergebnis von 837 Millionen Franken aus und erhöhte damit den letztjährigen Höchstgewinn nochmals um 130 Prozent.

Ungleiche Gewinnbeteiligung
Für das gute Konzernergebnis erhielt die Geschäftsleitung im Jahr 2004 die volle Leistungsprämie von 40 Prozent des Grundsalärs ausbezahlt. Die restliche Belegschaft konnte ebenfalls vom guten Firmenergebnis profitieren und erhielt eine Prämie von 300 Franken. Diese nimmt sich neben dem Bonus des Konzernchefs Ulrich Gygi in der Höhe von 200’000 Franken indes sehr bescheiden aus.

Lohnschere öffnet sich
Ulrich Gygi steigerte somit sein Salär innert Jahresfrist um 40 Prozent. Die Entschädigung des Verwaltungsratspräsidenten Anton Menth erhöhte sich um 17 Prozent auf 230’000 Franken. Der Betrag der Gesamtentschädigung für die Konzernleitung kann nicht mit dem Vorjahr verglichen werden. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass die engere Konzernleitung ebenfalls von einem Salärzuwachs in zweistelliger Prozenthöhe profitieren konnte. Die Lohnschere zwischen dem Konzernchef und dem Tiefstlohnbezüger innerhalb des Unternehmens öffnete sich innert Jahresfrist von 12 : 1 auf 17 : 1.

Rekordgewinn durch Stellenabbau
Der Rekordgewinn 2004 ist auf einen massiven Stellenabbau zurückzuführen. So fielen innert Jahresfrist 2.6 Prozent bzw. 1130 Arbeitsplätze weg. Der Stellenabbau wird auch im laufenden Jahr weitergehen. Die Konzernleitung wird den Druck auf die Anstellungsbedingungen weiter hoch halten. Für Travail.Suisse, den Dachverband der Arbeitnehmenden, darf es nicht sein, dass die Post weiterhin Glanzresultate auf dem Buckel der Arbeitnehmenden erwirtschaftet.

06 avril 2005, Susanne Blank, Responsable politique économique

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