Thèmes – Travail

Banken im Umbau – Managerlöhne steigen wieder

2012 war für die Banken kein leichtes Jahr. Auf die Löhne der obersten Manager hat sich das nicht ausgewirkt. Diese zeigen wieder nach oben. mehr

2012 war wiederum ein schwieriges Jahr für die Banken. Bussen und Rückstellungen für Rechtsfälle, Goodwill-Abschreiber aufgrund von Restrukturierungen, die Aufwertung der eigenen Verbindlichkeiten und das tiefe Zinsniveau lasteten auf den beiden Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse. Auch fünf Jahre nach der Finanzkrise waren sie noch voll damit beschäftigt, sich dem neuen regulatorischen Umfeld anzupassen. Die Branche kann sich der wirtschaftlichen Ungewissheit derzeit nicht entziehen. Wer aufgrund dieser Ausgangslage mit sinkenden Managerlöhnen rechnet, hat indes falsch gedacht.

UBS: Höhere Managerlöhne aufgrund der “Bescheidenheit” der alten Chefs

Die UBS zahlte 2012 insgesamt 2,5 Milliarden Franken an Boni bei einem Reinverlust von 2,5 Milliarden Franken. Die UBS schüttet den Bonus nach dem bereinigten Vorsteuergewinn von rund 3 Milliarden Franken aus, der keine Goodwill-Abschreiber (von rund 3 Milliarden Franken wegen der Umstrukturierung des Investment Bankings) und keine Schuldenaufwertungen (von rund 2,5 Milliarden Franken) enthält. Noch höhere Boni könnte die Bank einzig ausschütten, würde sie auch die rund 1,5 Milliarden Franken Busse aufgrund der Libor-Affäre nicht berücksichtigen.

Das Ergebnis der UBS liest sich demnach schlechter als es wirklich ist. Denn operativ konnte die UBS einen Gewinn erwirtschaften, durch Neugeldzufluss stiegen die verwalteten Vermögen und der Aktienkurs am Jahresende lag 27,6 Prozent über dem Vorjahr. Dennoch war das Jahr 2012 ein Jahr des Umbruchs und keineswegs ein Jahr des Erfolgs, ausser für die Aktionäre, die von einer um 50 Prozent erhöhten Dividende profitieren konnten.

Im Vergütungsbericht der UBS wirkten sich insbesondere die vergangenen Personenwechsel des CEO (im September 2011 von Grübel auf Ermotti) und des Verwaltungsratspräsidenten (im Mai 2012 von Villiger auf Weber) aus. Die ehemaligen Chefs verzichteten damals auf einen Grossteil ihres Lohnanspruchs, was der aktuelle CEO Sergio Ermotti und der aktuelle Verwaltungspräsident Axel A. Weber nicht tun. Im Gegenteil: Weber bekam am 3. Mai 2012 zur Begrüssung gar 4,268 Millionen Franken als Antrittsprämie. Rechnet man seinen Lohn auf ein ganzes Jahr auf und addiert dazu die Antrittsprämie, kommt Weber auf ein Jahresgehalt von knapp 9,7 Millionen Franken, was 194mal so viel ist, wie der Mitarbeitende mit dem tiefsten Lohn bei der UBS verdient.

Neben dem Wechsel des vollamtlichen Verwaltungsratspräsidenten wurde bei der UBS der Verwaltungsrat von elf auf zwölf Köpfe erweitert und der Frauenanteil aufgestockt. Pro Kopf lag die Entschädigung der nebenamtlichen Verwaltungsratsmitglieder ein Prozent unter jener im Vorjahr. Das Verhältnis dieser Entschädigung zum tiefsten Lohn blieb bei 1 zu 15.

Die grösste Entschädigung in der Konzernleitung der UBS ging im abgelaufenen Geschäftsjahr erstmals an CEO Sergio Ermotti mit 8,871 Millionen Franken. Amerikachef Robert McCann, der 2011 noch 9,183 Millionen Franken verdiente, musste sich 2012 mit 8,555 Millionen Franken, was 171mal soviel ist wie der Tiefstlohn im Unternehmen, zufrieden geben. Die grösste Lohnschere in der Konzernleitung verringerte sich damit um 3,4 Prozent auf 1 zu 177. Die Schere zwischen dem Lohn Ermottis und dem Tiefstlohn bei der UBS öffnete sich im Vergleich zu 2011 um 4,8 Prozent und – wegen des angesprochenen Lohnverzichts von Oswald Grübel – gar um 199 Prozent im Vergleich zum Lohn seines Vorgängers.

Für die weiteren neun Mitglieder, die Ende 2012 noch in der Konzernleitung der UBS sassen, wird der Lohn nicht separat ausgewiesen. Durchschnittlich betrug er über 6,2 Millionen Franken oder das 125-fache des tiefsten Lohns bei der UBS. Diese Lohnschere öffnete sich damit um 10,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

UBS: Aufgeschobene Vergütungen und 24,5 Millionen Franken Ersatzzuteilungen für Orcel

Der neue Star bei der UBS heisst Andrea Orcel. Der CEO des Investment Bankings stiess am 1. Juli in die Konzernleitung. Zu diesem Wechsel wurde er bewegt, indem die UBS aufgeschobene Lohnansprüche von knapp 6 Millionen Franken in bar und 18,5 Millionen in gesperrten Aktien von seinem alten Arbeitgeber Bank of America Merrill Lynch übernahm. Würde man diese Ersatzzuteilungen als Lohn betrachten, hätte Orcel im Jahr 2012 614mal soviel verdient wie der Mitarbeitende mit dem tiefsten Lohn bei der UBS. Es handelt sich bei diesen Ersatzzuteilungen nicht um einen eigentlichen Lohnbestandteil, sondern um eine fragliche Marktpraxis, die das Konzept der aufgeschobenen Lohnansprüche torpediert. Durch die aufgeschobenen Vergütungen sollen sich die Manager auf die langfristige Entwicklung des Unternehmens konzentrieren. Dementsprechend bleiben die aufgeschobenen Vergütungen auch in den Folgejahren an Leistungs- und Performancekriterien gekoppelt, im extremsten Fall könnte die aufgeschobene Vergütung gar wieder auf Null sinken. Werden die Manager nun nach der Marktpraxis, wie sie die UBS 2012 bei Orcel und 202 weiteren Kaderpersonen praktizierte, aus den aufgeschobenen Vergütungen rausgekauft, so wird das ganze Konzept der aufgeschobenen Vergütungen in Frage gestellt.

Credit Suisse: Öffnende Topverdiener Shafir und Dougan

Im Gegensatz zur UBS konnte die Credit Suisse 2012 einen Reingewinn verzeichnen. Mit 1,349 Milliarden Franken lag dieser allerdings 30,9 Prozent unter jenem des Vorjahres und auch unter den Erwartungen der Experten. Der Jahresendkurs der Aktie lag nur 0,9 Prozent über jenem von 2011. Ähnlich wie bei der UBS lastete auf dem Ergebnis die höhere Bewertung von eigenen Verbindlichkeiten mit ungefähr 2,9 Milliarden Franken.

Bereits 2011 war aufgrund des eingeleiteten Umbaus ein schlechtes Jahr für die CS, was damals auch in den gesunkenen Managergehältern zum Ausdruck kam. 2012 hat diese begrüssenswerte Entwicklung wieder gekehrt.

Urs Rohner, seit Ende April 2011 Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse im Vollamt, erhielt mit 5,235 Millionen Franken knapp 22 Prozent mehr als letztes Jahr. Die Schere zwischen seinem Lohn und jenes des Mitarbeitenden mit dem tiefsten Lohn im Unternehmen öffnete sich um zwölf Prozent auf 1 zu 97.

Der Verwaltungsrat wurde um eine Person auf 14 nebenamtliche Verwaltungsräte erweitert. Die Lohnschere schloss sich deshalb trotz einer höheren Gesamtentschädigung um 9,4 Prozent auf 1 zu 10.

Grosse personelle Veränderungen waren in der Konzernleitung der Credit Suisse zu verzeichnen. Fünf Mitglieder schieden während des Jahres 2012 aus. Private Banking und Wealth Management (inklusive Asset Management) wurden zusammengelegt und werden neu von Hans-Ulrich Meister und Robert S. Shafir gemeinsam geführt. Auch das Investment Banking soll künftig von zwei Konzernleitungsmitgliedern gemeinsam geleitet werden.

Die höchste Gesamtentschädigung der Credit Suisse ging wie im Vorjahr an Robert S. Shafir. Nach 8,5 Millionen Franken im Vorjahr wurden ihm 2012 insgesamt 10,59 Millionen Franken (plus 24,6 Prozent) zugesprochen. Die grösste Lohnschere bei der CS öffnete sich damit um 18 Prozent auf 1 zu 191.

Nach dem massiven Lohneinbruch von Brady Dougan im Jahr 2011 stieg seine Gesamtentschädigung dieses Jahr wieder um 33,5 Prozent auf 7,77 Millionen Franken an. Hauptsächlich dafür verantwortlich ist der höhere Gegenwert der ihm zugesprochenen Aktien. Der im letzten Jahr festgestellte Trend hin zu vernünftigeren Managerlöhnen hat sich also bereits wieder gekehrt. Die Schere zwischen dem Lohn Dougans und dem tiefsten Lohn bei der CS nahm um 26,5 Prozent auf 1 zu 140 zu.

Die Löhne der elf weiteren Konzernleitungsmitglieder werden nicht einzeln angegeben. Im Durchschnitt verdienen sie pro Kopf knapp 5,7 Millionen Franken, was einer Lohnschere von 1 zu 105 (plus 3,4 Prozent) entspricht.

Aktionäre unternehmen nichts

Die beiden Schweizer Grossbanken schütteten 2012 trotz der massiven Spar- und Restrukturierungsmassnahmen – beide Konzerne haben über 2000 Vollzeitstellen gestrichen – wieder höhere Managerlöhne aus. Die neuen Bonusprogramme der Banken führen nicht zu einer grundsätzlich tieferen Entlohnung der Manager, sondern knüpfen eher nahtlos an die alten Programme an. Diese Entwicklung in Richtung steigender Managerlöhne wird von der Minder-Initiative allein kaum gestoppt. An den diesjährigen Generalversammlungen war bei der Konsultativabstimmung eine deutlich höhere Zustimmung der Aktionäre zum Vergütungsbericht zu verzeichnen als im Vorjahr. Bei der UBS stimmten 82,5 Prozent der Aktionäre dem Vergütungsbericht zu. Im Vorjahr waren es nur 60 Prozent gewesen. Bei der CS lag die Zustimmung gar bei 88 Prozent gegenüber 67,6 Prozent im Vorjahr.

Um diese Entwicklung zu stoppen oder umzudrehen sind weitere politische Massnahmen notwendig.

10 juin 2013, Dario Bucheli, Collaborateur de projet

Erfolgreiches Jahr für Versicherungen
bei sich leicht schliessenden Lohnscheren

Die grösste Lohnschere der untersuchten Versicherungen weist weiterhin Martin Senn, CEO der Zurich, auf, dessen Lohn im Jahr 2012 142mal den Tiefstlohn überstieg. Die Lohnschere schloss sich ähnlich wie jene bei der Baloise um geringfügige 5 Prozent. Die Lohnschere von Bruno Pfister, CEO der Swiss Life, schloss sich gar um 21 Prozent auf 1 zu 60. Bei der Helvetia dagegen öffnete sich das Verhältnis zwischen dem tiefsten und dem höchsten Lohn um 11 Prozent. Mehr als 27 Mitarbeitende mit dem tiefsten Lohn müssten ihren Lohn zusammenlegen, um das Jahressalär von CEO Stefan Loacker zu erreichen. mehr

Die Rahmenbedingungen in der Versicherungsbranche beginnen sich langsam wieder zu verbessern. 2011 schlugen beispielsweise der Tsunami in Japan, die Griechenland-Krise und die schlechten Bedingungen an den Finanzmärkten negativ zu Buche.

2012 kann insgesamt von einem erfolgreichen Jahr für die Versicherungen gesprochen werden, auch weil alle untersuchten Versicherungen von der Erholung auf den Finanzmärkten profitierten und ein positives Anlageergebnis erzielen konnten.

Während sich 2011 trotz zurückgegangener Gewinne die Lohnscheren öffneten, zeigt der Trend im abgelaufenen Geschäftsjahr mit wenigen Ausnahmen in die andere Richtung.

Zurich: Umsatz und Gewinn steigen deutlich, Managerlöhne leicht rückläufig

Dank des um über 40 Prozent gestiegenen Umsatzes auf über 66 Milliarden Franken, einer guten Anlagerendite und der Auflösung von nicht mehr benötigten Reserven konnte Zurich den Reingewinn nach Steuern um über 11 Prozent auf 3,721 Milliarden steigern. Der Jahresendkurs der Zurich-Aktie konnte um über 14,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr zulegen.

Josef Ackermann, der umstrittene Chef der Deutschen Bank, wurde am 29. März 2012 neuer Verwaltungsratspräsident der Zurich Insurance Group. Seine Gesamtentschädigung betrug auf ein Jahr aufgerechnet 846‘000 Franken. Dies sind 15 Prozent weniger als die eine Million, die Manfred Gentz 2011 verdiente. Die Schere zwischen dem Lohn des Verwaltungsratspräsidenten und dem tiefsten Lohn schloss sich um 16,5 Prozent auf 1 zu 16. Travail.Suisse verlangt, dass sich diese Entwicklung in den kommenden Jahren verstärkt und die Entschädigung des Verwaltungsratspräsidenten nie mehr die enormen Summen der Vorjahre erreicht.

Die höchste Lohnschere bei der Zurich, jene zwischen dem Lohn von CEO Martin Senn und dem tiefsten Lohn, schloss sich geringfügig um 5 Prozent auf immer noch sagenhafte 1 zu 142. Würde man Senns Gehalt allerdings mit dem jeweiligen Jahresdurchschnittswechselkurs der SNB berechnen, so würde sich die Lohnschere öffnen, und zwar um 0,58 Prozent auf 1 zu 146.

Klammert man den CEO aus, so kommt ein Konzernleitungsmitglied der Zurich im Schnitt auf einen Lohn von über 3,5 Millionen Franken. Die Lohnschere schliesst sich um 10 Prozent auf 1 zu 67.

Swiss Life: AWD-Abschreiber schliesst Lohnschere des CEO um 20,9 Prozent

Im abgelaufenen Geschäftsjahr zog Swiss Life die Konsequenzen aus der Fehlinvestition in den deutschen Finanzberater AWD, der 2007 akquiriert wurde und seither nie überzeugen konnte. Die Marke AWD wurde aufgelöst und ausgewählte Produkte neu unter der Marke Swiss Life Select vertrieben. Daraus resultierte eine Reduktion der immateriellen Vermögenswerte um 578 Millionen Franken. Das liess den Reingewinn um 84,7 Prozent von 606 auf 93 Millionen schrumpfen. Der um Sondereffekte bereinigte Reingewinn – dieser stieg um 22 Prozent – macht ersichtlich, dass das Jahr 2012 für Swiss Life ansonsten erfolgreich war. Bestätigt wird dies durch den Aktienkurs, der im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent höher schloss. Gründe für den Erfolg waren operative Fortschritte, ein gutes Anlageergebnis, eine Stärkung der Rückstellungen sowie der um 13 Prozent auf über 18,7 Milliarden gewachsene Umsatz.

Die Entschädigungen des Verwaltungsrats lagen 2012 auf ähnlichem Niveau wie im Vorjahr. Der grösste Zuwachs konnte der Verwaltungsratspräsident Rolf Dörig mit 3,5 Prozent verzeichnen. Wenigstens blieb das Verhältnis zwischen seinem Lohn und dem tiefsten Lohn im Unternehmen mit 1 zu 31 gleich wie im Vorjahr. Das gilt auch für das Verhältnis zwischen dem Lohn der anderen Verwaltungsräte und dem Tiefstlohn im Unternehmen.

Der Konzernleitung wurde 6,2 Prozent weniger Lohn zugesprochen als im Vorjahr. Ein Mitglied der Konzernleitung (ohne CEO) erreichte im Durchschnitt einen 33mal höheren Lohn als ein Mitarbeitender mit dem tiefsten Lohn, damit schloss sich die Lohnschere um 2,8 Prozent. Die einzige Lohnschere, die 2012 grosse Bewegungen durchmachte, war das Verhältnis zwischen dem Lohn des CEO Bruno Pfister und dem Tiefstlohn im Unternehmen. Die Dienste Pfisters waren Swiss Life mit 3,37 Millionen 19 Prozent weniger wert als im Vorjahr, aber dennoch 60mal so viel wie diejenigen eines Mitarbeitenden mit dem tiefsten Lohn. Sein gegenüber dem Vorjahr tieferer Lohn lässt erahnen, dass die Fehlinvestition AWD mindestens teilweise auf seinem Mist gewachsen war.

Baloise: 3. Bestes Ergebnis seit 11 Jahren, Konzernleitung verdient etwas mehr

Die Baloise feierte ihr 150-Jahr-Jubiläum mit einem um 621,7 Prozent von 61,3 auf 442,4 Millionen Millionen gestiegenen, konsolidierten Konzerngewinn. Diese Steigerung kam zustande, weil das Jahr 2011 durch Wertberichtigungen auf griechische Staatsanleihen und Goodwill-Abschreibungen in Kroatien ein extremer Negativ-Ausreisser war. Dennoch bleiben die 442,4 Millionen Franken ein sehr gutes Ergebnis. In den letzten 11 Jahren konnten einzig 2006 und 2007 höhere Gewinne erzielt werden. Der Aktienkurs am Jahresende lag 21,9 Prozent über jenem im Vorjahr.

In der Konzernleitung stieg die aktienbasierte Vergütung, während die fixe Barentschädigung sank. Im Schnitt erhielt ein Konzernleitungsmitglied der Baloise (CEO ausgeklammert) mit knapp 1,6 Millionen Franken 29mal mehr als ein Mitarbeitender mit dem tiefsten Lohn. Das bedeutet, dass sich die Lohnschere um 5,6 Prozent öffnete. Rückläufig war immerhin der knapp 2,8 Millionen Franken hohe Lohn von CEO Martin Strobel. Das Verhältnis zwischen dem tiefsten und dem höchsten Lohn schloss sich um 4,7 Prozent von 1 zu 54 auf 1 zu 51.

Die Löhne der Verwaltungsräte können nur schlecht mit den Vorjahren verglichen werden. Verwaltungsratspräsident Burckhard ist anders als sein Vorgänger Schäuble kein exekutiver Präsident. Dementsprechend sank die Entschädigung des Verwaltungsratspräsidenten und die Lohnschere schloss sich um über 60 Prozent. Die Entschädigung pro Verwaltungsratsmitglied (ohne VRP) stieg dagegen um über 24 Prozent, die Lohnschere öffnete sich damit um mehr als 21 Prozent.

Helvetia: Alle Lohnscheren öffneten sich

Helvetia kann auf ein solides und erfolgreiches Geschäftsjahr zurückblicken. Der Gewinn stieg im Leben-Geschäft um 10 Prozent und im Nichtleben-Geschäft um über 33 Prozent an, gesamthaft lag der Gewinn 18 Prozent über jenem des Vorjahrs. Die Wachstumsstrategie der Helvetia zeigt langsam ihre Auswirkungen: Nicht mehr 90 Prozent, sondern bloss 69 Prozent des Gewinns wurden in der Schweiz erwirtschaftet. Der französische Transportversicherer Gan Europcourtage und 51 Prozent des italienischen Lebensversicherers Chiara Assicurazioni wurden akquiriert, die Auswirkungen dieser Akquisitionen zeigen sich allerdings erst ab 2013. Der Aktienkurs lag 17,5 Prozent über jenem des Vorjahrs und die Dividende wurde um einen auf 17 Franken angehoben.

Die Lohnscheren bei der Helvetia öffneten sich allesamt, am deutlichsten in der Konzernleitung: Die gesamte Konzernleitung erhielt ähnlich wie im Vorjahr 6,882 Millionen Franken. Allerdings wurde die Konzernleitung um ein Mandat reduziert. Die Pro-Kopf-Entlohnung eines Konzernleitungsmitglieds stieg damit um über 8 Prozent an. Das Verhältnis zum Tiefstlohn stieg um 12 Prozent auf 1 zu 21.

Auch der CEO Stefan Loacker genoss eine Lohnerhöhung von 8 Prozent auf knapp 1,5 Millionen Franken, das 27fache des tiefsten Lohns. Die grösste Lohnschere bei Helvetia verzeichnete damit einen Anstieg von 11,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Handlungsbedarf bei den Tiefstlöhnen

Im Gegensatz zum Vorjahr kam es im abgelaufenen Geschäftsjahr zu Änderungen bei den tiefsten Löhnen. Helvetia bildet dabei die unerfreuliche Ausnahme. Der tiefste bei Helvetia bezahlte Lohn sank um 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Dagegen wurde der tiefste Lohn bei den anderen drei Versicherungen angehoben. Die Swiss Life zahlt ihrem am geringsten entlohnten Mitarbeiter 2,4 Prozent, die Baloise 2,2 Prozent und die Zurich 1,36 Prozent mehr als im Vorjahr. Allerdings ist zu vermerken, dass bei der Helvetia das tiefste Jahressalär mit 54‘360 Franken jenes der Zurich, deren Umsatz rund 10mal grösser ist als jener der Helvetia, um 840 Franken übersteigt. Zurich, der nach Forbes-Ranking mächtigste Schweizer Finanzdienstleister, würde gut daran tun, nicht nur bei der Höhe der Managergehälter, sondern endlich auch bei den unteren Löhnen eine Spitzenrolle einzunehmen.

29 avril 2013, Dario Bucheli, Collaborateur de projet

Anhaltend hohe Managerlöhne bei Nestlé, Swatch und Kuoni

Die Managerlöhne von Nestlé, Swatch und Kuoni bleiben auf sehr hohem Niveau. Die Lohnscheren machten allerdings gänzlich verschiedene Entwicklungen durch: Bei Nestlé profitierte insbesondere der CEO vom erfolgreichen Geschäftsjahr, die Lohnschere öffnete sich auf 1 zu 238. Trotz Rekordjahr schlossen sich alle Lohnscheren bei Swatch. Die höchste Lohnschere lag 2012 bei 1 zu 137. Kuoni erlitt im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Konzernverlust, nichtsdestotrotz öffneten sich die Lohnscheren: Jene des CEO ging um über 24 Prozent auf 1 zu 54 auf. mehr

Das Geschäftsjahr 2012 war für Nestlé sehr erfolgreich: Reingewinn, Umsatz und Jahresendkurs der Aktie stiegen alle um mehr als 10 Prozent an. Nestlés CEO Paul Bulcke liess sich das erfolgreiche Jahr mit 12,608 Millionen Franken vergüten, 11,6 Prozent mehr als 2011. Bulckes Lohn liegt damit auf dem höchsten Wert, seit er 2008 CEO wurde. 2003, vor den grössten Exzessjahren, lag der Lohn des ehemaligen CEO Peter Brabeck-Letmathe auf ähnlichem Niveau. Für Bulckes Lohn müsste ein Mitarbeiter mit dem Tiefstlohn über 238 Jahre lang arbeiten. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies eine Öffnung der Lohnschere um 10,3 Prozent.

Glücklicherweise sind bei Nestlé nicht alle Managerlöhne im Rahmen des Gewinnzuwachses gestiegen, sie bleiben allerdings auf erschreckend hohem Niveau: Die Entschädigung an den Verwal-tungsratspräsidenten Brabeck-Letmathe blieb konstant auf 8 Millionen Franken, das 151fache des Tiefstlohns. Im Durchschnitt bekam ein Nestlé-Verwaltungsrat (Präsident ausgeklammert) fast 6 Prozent weniger, die 383‘000 Franken sind noch rund 7mal mehr als der Tiefstlohn und bedeuten eine Schliessung dieser Lohnschere um 6,9 Prozent. In der Konzernleitung öffnete sich bedauerlicherweise nicht nur die Lohnschere des CEO, sondern auch diejenige aller anderen Mitglieder. Ein Mitglied der Konzernleitung (ohne den CEO) verdiente im Durchschnitt 3,127 Millionen Franken, die Differenz zwischen dem Lohn eines Konzernleitungsmitglieds und dem Tiefstlohn nahm damit um 1,5 Prozent zu und beträgt 1 zu 59.

Swatch: Rekordjahr führt zu schliessenden Lohnscheren

Swatch, die Schweizer Firma mit dem besten Ruf 1, hat dieses Jahr alle überrascht. Mit der Publikation ihres Geschäftsberichtes in schweizerdeutscher Sprache erhielt sie ein breites und positives Echo. Doch nicht nur die Form, sondern auch der Inhalt des Geschäftsberichtes vermochte zu beeindrucken. Sei es der Personal- oder der Lehrlingsbestand, der Aktienkurs oder die Dividende von Inhaber- oder Namenaktie: Alle Kennzahlen erreichten noch nie da gewesene Rekordwerte. Der Bruttoumsatz stieg um 14 Prozent auf 8,143 Milliarden Franken – Rekord. Der Konzerngewinn legte um 26 Prozent zu und betrug 1,6 Milliarden Franken, auch dies ein Rekord. Der sehr tiefe Mindestlohn von 3500 Franken konnte dank des neuen Gesamtarbeitsvertrags der Uhrenindustrie um 2,6 Prozent angehoben werden, verharrt aber auf sehr tiefem Niveau. Positiv überraschten auch die Auswirkungen des Rekordjahres auf die Managerlöhne: Alle Lohnscheren schlossen sich.

Nayla Hayek, die Verwaltungsratspräsidentin von Swatch gab sich mit 3,797 Millionen Franken zufrieden (minus 6,1 Prozent). Damit schloss sich das Verhältnis ihres Lohnes zum Tiefstlohn um 8,4 Prozent auf 1 zu 81. Die Vergütung eines nicht exekutiven Verwaltungsrats bei Swatch erreicht nicht einmal das Dreifache des tiefsten Lohns. Damit schloss sich diese Lohnschere um 27,6 Prozent.

Nick Hayek, CEO von Swatch, erhielt gesamthaft (inkl. seines Verwaltungsratsmandats) 6,395 Millionen Franken (minus 4 Prozent). Der Bestverdiener erhält damit 137mal soviel wie eine Angestellte oder ein Angestellter mit dem tiefsten Lohn. Die Lohnschere schloss sich um 6,3 Prozent. Der Durchschnittslohn von erweiterter Konzernleitung und exekutivem Verwaltungsrat ohne Verwaltungsratspräsident und CEO betrug knapp 36mal mehr als der Tiefstlohn. Damit schloss sich auch diese Lohnschere um knapp 8 Prozent.

Travail.Suisse begrüsst diese Lohnentwicklungen bei Swatch und hofft, dass diese sich in Zukunft noch verstärken werden.

Kuoni: CEO Rothwell erhält rund 50 Prozent mehr Bonus trotz Konzernverlust

Kuoni befindet sich momentan im Transformationsprozess vom Reiseveranstalter hin zum Reisedienstleister. 2012 zog man sich deswegen aus dem defizitären Europageschäft zurück. Der Ausstieg aus sechs Ländern wird über 100 Millionen Franken kosten, 48,3 Millionen davon wurden im Geschäftsjahr 2012 belastet und verursachten einen Konzernverlust von 13,2 Millionen Franken.

Ungeachtet dieses Konzernverlustes kletterten die Löhne der Konzernleitung in die Höhe. Peter Rothwell, CEO von Kuoni, erhielt eine stolze Entschädigung von 2,817 Millionen Franken, 27,4 Prozent mehr als im Vorjahr. 57 Prozent seines Lohnes macht der variable Vergütungsanteil (Bonus) aus, welcher im Vergleich zum Vorjahr um 48,7 Prozent gestiegen ist. Die Lohnschere öffnete sich so stark wie noch nie; um 24,2 Prozent von 1 zu 44 auf 1 zu 54.

Seit Beginn unserer Untersuchung im Jahr 2002 ist die Lohnschere zwischen dem durchschnittlichen Konzernleitungsmitglied und dem tiefsten Lohn um 210 Prozent von 1 zu 13 auf 1 zu 39 angestiegen.

Die Gesamtentschädigung der Konzernleitung abzüglich jener des CEO stieg auf 7,425 Millionen Franken, pro Kopf sind dies 1,856 Millionen Franken (plus 21 Prozent). Die Lohnschere zwischen dem durchschnittlichen Lohn eines Konzernleitungsmitglieds (ohne CEO) und dem tiefsten Lohn öffnete sich um 18 Prozent auf 1 zu 36.

Angesichts des ersten Konzernverlustes seit 2005 sind dies unverschämte Entwicklungen, eine Korrektur dieser Lohnauswüchse wäre dringend angebracht.

1 Laut GfK Business Reflector 2013

15 avril 2013, Dario Bucheli, Collaborateur de projet

Managerlöhne bei Big Pharma: Roche überholt Novartis

Die Topverdiener der Schweiz kommen aus der Pharmabranche. Während sich die Lohnscheren bei Novartis 2012 schlossen, sind die Lohnexzesse bei Roche extrem. Severin Schwan, CEO von Roche, räumte einen 261mal höheren Lohn ab als die Mitarbeitenden mit dem tiefsten Lohn. mehr

Die Basler Pharmariesen können mit dem vergangenen Geschäftsjahr zufrieden sein. Der Aktienkurs von Novartis (am Jahresende) stieg um 7 Prozent, jener der Roche-Aktie gar um 12 Prozent.

Der Umsatz von Novartis lag bei rund 53,15 Milliarden Franken (plus 2,3 Prozent), derjenige von Roche bei rund 45,5 Milliarden (plus 7 Prozent). Beide Pharmakonzerne konnten ihren Konzerngewinn auf über 9 Milliarden Franken steigern.

Auf die Managerlöhne hatte das erfolgreiche Jahr unterschiedliche Auswirkungen.

Schliessende Lohnscheren bei Novartis

Daniel Vasella, Verwaltungsratspräsident bei Novartis, verdiente 2012 rund 500‘000 Franken oder 3,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Seine Gesamtentschädigung von über 13 Millionen Franken war allerdings immer noch immens hoch, eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter mit dem tiefsten Lohn müsste dafür 216 Jahre lang arbeiten. Mit einer Entschädigung von 933‘339 Franken pro (verbindliche) Sitzung lässt Vasella auch viele Konzernleiter vor Neid erblassen.

Die Gesamtentschädigung des Verwaltungsrats sank, obwohl der Verwaltungsrat auf zwölf Köpfe erweitert wurde. Die durchschnittliche Jahresentschädigung eines Verwaltungsrats (Vasella ausgenommen) machte 2012 noch 561‘000 Franken aus (minus 8,9 Prozent), die Lohnschere schloss sich damit um mehr als 11 Prozent.

Joseph Jimenez verdiente 13,23 Millionen Franken, rund 2 Millionen (16 Prozent) weniger als im Vorjahr. Insbesondere bekam Jimenez 2012 deutlich weniger Aktien zugeteilt. Der im Vorjahresvergleich geschrumpfte Bonus machte allerdings immer noch 82,5 Prozent der Gesamtentschädigung aus. Seine Arbeit wurde noch 219mal besser honoriert als die der Mitarbeitenden mit dem Tiefstlohn. Die Lohnschere schloss sich um 18 Prozent.

Die einzigen Öffnungen der Lohnscheren bei Novartis findet man bei drei Mitgliedern der Konzernleitung. Allerdings sank selbst der durchschnittliche Lohnaufwand eines Konzernleitungsmitglieds (ohne Jimenez) um 2,5 Prozent auf 5,4 Millionen Franken. Die Lohnschere von 1 zu 88 entspricht einer leichten Schliessung von knapp 5 Prozent.

Travail.Suisse begrüsst die Entwicklung der Managerlöhne bei Novartis und wünscht sich eine Fortsetzung dieser Entwicklung in den kommenden Jahren.

Konzernleitung wieder ohne Frau

Personell fällt vor allem eine Änderung in der Konzernleitung von Novartis auf: Naomi Kelman, welche vor einem Jahr von Johnson & Johnson abgeworben wurde, verlor nach zwei Monaten als vollwertiges Mitglied der Konzernleitung ihren Job bereits wieder. Grund dafür war wohl ihr augenfälliger Fehlentscheid zur Schliessung eines Werkes in Nyon Ende 2011, welcher zu zahlreichen Protesten und Kritiken führte und durch Zugeständnisse des Kantons Waadt schliesslich verhindert wurde. Mitleid mit der Leiterin des Bereichs für rezeptfreie Arzneimittel („Over the counter“) muss man indes nicht haben. Kelman erhielt für ihr Engagement bei Novartis knapp 8,2 Millionen Franken (inkl. Entschädigung für nicht eingehaltene Kündigungsfrist und Konkurrenzverbot).

Seit dem Abgang von Naomi Kelman sitzen in der Konzernleitung von Novartis wieder ausschliesslich Männer.

Massive Öffnung der Lohnscheren bei Roche

2011 konnte man mit der Lohnentwicklung bei Roche noch recht zufrieden sein, ähnlich wie nun bei Novartis schlossen sich die Lohnscheren. Leider war diese Entwicklung nur von kurzer Dauer.

Die einzig positive Entwicklung bei Roche im Jahr 2012 zeigte sich beim Verwaltungsratspräsidenten. Franz Humer erhielt rund 8,66 Millionen Franken. Dies sind 2,5 Prozent oder 223‘000 Franken weniger als im Vorjahr. Die Lohnschere schloss sich um rund 5 Prozent und lag bei 1 zu 143.

Ein Verwaltungsrat (Humer ausgeklammert) erhielt im Durchschnitt 2012 rund 374‘000 Franken, dies entspricht einer Erhöhung von 9,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Absahner bei Roche ist CEO Severin Schwan. Laut unseren Berechnungen lag sein Lohn bei knapp 15,8 Millionen Franken und damit über 27 Prozent über dem, was er im Vorjahr verdient hatte. Auch der durchschnittliche Lohnaufwand eines Konzernleitungsmitglieds (ohne Schwan) stieg um 28,1 Prozent und lag bei über 6 Millionen Franken. Gesamthaft erhielten die sechs Personen der Konzernleitung rund 44,84 Millionen Franken (plus 24,6 Prozent). Dadurch öffneten sich die Lohnscheren massiv: Schwan erhielt rund 261mal mehr als eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter mit dem tiefsten Lohn, was einer Öffnung der Lohnschere von 24 Prozent entspricht. Selbst die Konzernleitungsmitglieder (Schwan ausgenommen) kommen im Durchschnitt auf ein Verhältnis von unglaublichen 1 zu 100 (plus 4,9 Prozent).

Langjährige Chefs treten ab

Wie an der Generalversammlung verkündet wurde, tritt nach Daniel Vasella mit Franz Humer auch sein Pendant bei Roche ab. Vasella und Humer bestimmten während fast 20 Jahren die Geschicke ihrer Pharmafirma. Im letzten Jahrtausend wurden beide CEO, später hatten beide das Doppelmandat als CEO und Verwaltungsratspräsident inne, ehe sie ersteres abgaben und seither nur noch Präsident der Firma waren. Beide sahnten seit Jahren exorbitante Entschädigungen ab und hatten zuletzt einen Stundenlohn von über 100‘000 Franken. So gross die Parallelen der beiden sind, so unterschiedlich wurden sie in der Öffentlichkeit wahrgenommen. Das mediale Ansehen von Daniel Vasella liegt seit Jahren im Keller, er und die Novartis mussten insbesondere wegen den Lohnexzessen viel Kritik einstecken. Um Roche und Humer blieb es deutlich ruhiger, selbst wenn sein Lohn auf vergleichbarem Niveau lag mit jenem von Vasella. Grund dafür war Humers vorsichtige und zurückhaltende Art, mit welcher er offensichtlich näher am Puls der Gesellschaft war und so stets früher reagierte als sein Pendant Vasella. Auch bei seinem Abgang im nächsten Jahr will er auf die Abgeltung des Konkurrenzverbots, das Ehrenpräsidium und einen Beratervertrag verzichten.

Travail.Suisse wünscht sich vom Ende der Ära Vasella-Humer eine vernünftigere Lohnentwicklung. Exorbitante Managerlöhne wie in den letzten Jahren sollten endlich der Vergangenheit angehören.

Wirkung der Abzocker-Initiative ungewiss

Die vom Schweizer Volk angenommene Abzocker-Initiative wird den Lohnexzessen kaum einen verlässlichen Riegel schieben. Ob die Verwaltungsräte durch den Druck der jährlichen Wiederwahl einen unabhängigeren und besseren Job machen und die Manager eher das Gespräch und die Rechtfertigung ihrer Taten vor den Aktionären suchen, bleibt genauso abzuwarten wie die Auswirkungen der bindenden Abstimmung der Aktionäre über das Vergütungssystem. Die Konsultativabstimmungen dieses Jahres (80 Prozent der Novartis-Aktionäre und beinahe 100 Prozent der Roche-Aktionäre akzeptierten das Vergütungssystem) deuten auf jeden Fall auf keine grundsätzlichen Änderungen der Missstände hin und verlangen nach weiteren Massnahmen, um die Löhne der Teppichetage in angemessene Bahnen zu lenken.

25 mars 2013, Dario Bucheli, Collaborateur de projet

Abstimmung vom 3. März 2013: Mehr Aktionärsdemokratie reicht nicht

Der Vorstand von Travail.Suisse, dem unabhängigen Dachverband von 170’000 Arbeitnehmenden, hat heute entschieden, den Gegenvorschlag zur Abzockerinitiative zu unterstützen. Der Gegenvorschlag führt rascher zum Ziel und ist inhaltlich kohärenter. Mit der Initiative selbst beginnt hingegen der lange Weg durchs Parlament von vorn, die Vorschriften sind teilweise widersprüchlich und die Umgehungsgefahr gross. mehr

An seiner heutigen Sitzung hat sich der Vorstand von Travail.Suisse mit der Abzockerinitiative und dem indirekten Gegenvorschlag dazu befasst. Er hat dabei anerkannt, dass im Bereich der Aktionärsrechte Nachholbedarf besteht und die Initiative notwendig war, um Verbesserungen zu erreichen. Der grosse Vorteil des Gegenvorschlags besteht jedoch darin, dass dieser bei einer Annahme sofort in Kraft tritt, während bei der Initiative erneut ein langwieriger Gesetzgebungsprozess beginnt. Zudem ist der Gegenvorschlag kohärenter und die Initiative in einigen Punkten sehr rigide. Deshalb hat der Vorstand von Travail.Suisse entschieden, den Gegenvorschlag zu unterstützen und die Initiative abzulehnen.

Arbeitnehmende anstatt Aktionäre stärken

Sowohl die Initiative wie der Gegenvorschlag sind auf die Stärkung der Aktionärsrechte ausgerichtet und gehören insofern nicht zum Kerngeschäft von Travail.Suisse. Zudem ist der Effekt auf die Löhne – sowohl in der Teppichetage und erst recht bei der Belegschaft – als bescheiden einzuschätzen. Travail.Suisse wird sich deshalb weiterhin vor allem für die Stärkung der Arbeitnehmenden einsetzen. Dazu muss einerseits mit einer angemessenen Personalvertretung im Verwaltungsrat das Lohnkartell der Manager aufgebrochen werden und andererseits sind die Löhne der Arbeitnehmenden mit branchenweiten und regionalen Mindestlöhnen in der ganzen Schweiz zu schützen.

07 novembre 2012, Martin Flügel, Président

RSS | D | F | Info juridiques | Impressum | Sitemap | Full Site | LOGIN