Thèmes – Travail

Coop und Migros sind nichts für Boniritter

Die beiden Detailhandelsriesen Coop und Migros verkünden – trotz dem heftigen Preiskampf und der erstarkten Konkurrenz durch die Discounter Aldi und Lidl – einen jeweiligen Rekordgewinn für das Geschäftsjahr 2010. Dabei fällt auf: Die beiden Genossenschaften sind nicht nur resistent gegenüber Krisen, sondern auch gegenüber einer ausufernden Bonikultur. Die Managerlohnstudie von Travail.Suisse zeigt, dass sich die Lohnscheren bei Migros und Coop trotzdem langsam aber sicher öffnen und heute den Rahmen der 1 zu 12-Initiative der JUSO sprengen würden.

11 avril 2011, Manuel Hubacher, stagiaire

Zurich: Lohnschere schliesst sich. Vorläufig?

Reingewinn und Umsatz sind 2010 beim Versicherungskonzern Zurich zurückgegangen. Auch die Lohnscheren haben sich geschlossen. Das ist nicht nur auf das schlechtere Ergebnis, sondern auch auf die personellen Veränderungen an der Konzernspitze zurückzuführen. Am Vergütungssystem an und für sich hat sich indes nichts verändert. mehr

Der Reingewinn ist 2010 um fast 17 Prozent kleiner ausgefallen als im Vorjahr. So ist es nichts als recht, dass sich die Lohnschere bei Zurich geschlossen hat. Bei näherem Hinschauen erkennt man: Neben dem Konzernergebnis gibt es noch andere, personelle Gründe.

Neuer CEO fast zum halben Preis

2010 hat Martin Senn den CEO-Posten von seinem Vorgänger James J. Schiro übernommen, worauf sich die Lohnschere (Höchst- zu Tiefstlohn) um 44 Prozent auf 1 zu 138 schloss. Diese Entwicklung ist wohl nicht der Bescheidenheit von Martin Senn geschuldet. Offensichtlich ist es dem Verwaltungsrat aufgefallen, dass die Vergütung des ehemaligen CEO jenseits von Gut und Böse war. Des Weiteren erhielten die Konzernleitungsmitglieder 2010 im Durchschnitt eine geringere Gesamtvergütung. Der Grund dafür sind einerseits geringere bar ausbezahlte Boni und andererseits die vier neuen Konzernleitungsmitglieder, welche im Lauf des Jahres 2010 zu Zurich gestossen sind. Auch diese erhielten eine kleinere Vergütung. Doch noch immer ist die Lohnschere mit 1 zu 85 zu gross. Gesamthaft lässt sich sagen: Am Vergütungssystem hat sich nichts geändert, die Lohngier der neuen Konzernleitungsmitglieder wird wohl kaum kleiner sein. Deshalb ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Lohnschere wieder öffnet.

Tiefster Lohn bei Zurich angestiegen

Immerhin hat sich 2010 etwas bei den Tiefstlöhnen getan. Der Tiefstlohn ist 2010 um 800 Franken pro Jahr angestiegen. Dies ist eine erfreuliche Nachricht, insbesondere weil Zurich hier den Trend weiter führt. In den letzten Jahren sind die Tiefstlöhne beim Versicherungskonzern in der Schweiz kontinuierlich angestiegen.

31 mars 2011, Susanne Blank, Responsable politique économique

Bescheidenheit bleibt auch 2010 ein Fremdwort in der Pharmabranche

Auf den ersten Blick legen die Ergebnisse der Managerlohnstudie von Travail.Suisse die Interpretation nahe, dass sich die Pharmabranche bei den Managerlöhnen nach den Exzessen der letzten Jahre gemässigt hat. Doch wie so oft im Leben ist nicht alles Gold, was glänzt. Die sich schliessenden Lohnscheren bei Roche und Novartis sind nicht das Resultat einer neu entdeckten Bescheidenheit, die Ursache sind vielmehr personelle Rochaden in den Teppichetagen. Die Vergütungssysteme an und für sich bleiben unverändert. Daher sind neue Lohnexzesse nur eine Frage der Zeit.

28 mars 2011, Manuel Hubacher, stagiaire

Roche: Höheres Basissalär kompensiert tiefere Boni

Der Pharmakonzern Roche hat die Erwartungen seiner Anleger nicht erfüllt. Dank dem bekannten Trick „Erhöhung des Basissalärs“ muss die Konzernleitung trotz sinkenden Boni aber keine Lohneinbussen hinnehmen. Um Salärexzesse im Verwaltungsrat zu mindern, wurde für Franz Humer eine Obergrenze von 11 Millionen Franken definiert. mehr

Bei Roche sank 2010 der Umsatz, der Gewinn stieg um 4 Prozent. Den Erwartungen der Anleger konnte der Pharmakonzern damit offensichtlich nicht gerecht werden.

Konzernleitung wendet alten Trick an: mehr Basissalär, weniger Boni

Die Konzernleitung erhält weniger bar ausbezahlte Boni als im Vorjahr. Mit Hilfe des bekannten Tricks „Erhöhung des Basissalärs„ werden diese Einbussen aber sofort wieder ausgeglichen. So ändert sich letztlich nichts und die Lohnschere (Verhältnis von Höchstlohn zu Tiefstlohn im Unternehmen) bleibt mit 1 zu 115 immer noch zu hoch. Auch CEO Severin Schwan profitiert von diesem Trick und verdient trotz tieferer Boni noch immer stattliche 205 Mal mehr als eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter mit dem tiefsten Lohn bei Roche. Ein zunehmender Übergang zu Fixlöhnen ist eigentlich wünschenswert. Die Art, wie dieser Übergang allerdings 2010 von Roche praktiziert wurde – als Kompensationszahlungen von geschrumpften Boni nämlich – erachtet Travail.Suisse als äusserst fragwürdig. Das Vergütungssystem bei Roche bleibt damit unverändert und neue Lohnexzesse sind nur eine Frage der Zeit.

Deckel für Humers noch immer fürstlichen Lohn

Die Vergütungspolitik im Verwaltungsrat bleibt 2010 unter dem Strich die gleiche wie 2009. Neu wird allerdings der Lohn des VR-Präsidenten und ehemaligen CEO Franz Humer auf maximal 11 Millionen Franken inklusive aller variablen Bestandteile beschränkt. Sein Basissalär wird auf 4 Millionen Franken reduziert. Die Begrenzung der Vergütung des VR-Präsidenten ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung. Doch es wäre fehl am Platz, von einer neuen Bescheidenheit zu sprechen. Noch immer müsste eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter mit dem tiefsten Lohn im Unternehmen 173 Jahre arbeiten, um den Jahresverdienst von Humer zu erreichen. Und der Verwaltungsratspräsident von Roche bleibt auch immer noch besser bezahlt als so mancher CEO.

01 mars 2011, Susanne Blank, Responsable politique économique

Novartis: Trotz kleinerer Lohnschere keine neue Bescheidenheit

Zum ersten Mal seit 2003 schliesst sich bei Novartis die Lohnschere der Geschäftsleitung. Der Grund dafür ist aber nicht etwa eine neue Bescheidenheit. Es ist allein die längst überfällige Aufgabe des Doppelmandates CEO-VR-Präsident durch Daniel Vasella, die zu grossen Veränderungen im Vergütungsgefüge von Novartis führt. mehr

Auch 2010 steigert Novartis den Gewinn auf ein Rekordhoch. Doch es ist nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen bei der Novartis. Heute haben 38 Prozent der Aktionäre das Vergütungssystem nicht goutiert. Die grössten Veränderungen im Lohngefüge beruhen auf der Aufgabe des Doppelmandates CEO-VR-Präsident durch Daniel Vasella.

Lohnexplosion im VR

Der Graben zwischen dem branchenüblichen Tiefstlohn und der durchschnittlichen Vergütung pro Verwaltungsratsmitglied ist stark gewachsen. Neu beträgt das Verhältnis 1 : 27, was eine Steigerung von 168 Prozent bedeutet. Diese grosse Steigerung ist dem alten und neuen VR-Präsidenten Daniel Vasella zu verdanken, da sein Lohn nun beim Verwaltungsrat ausgewiesen wird. Mit einem Lohn von 11 Mio. Franken bleibt Vasella auch als VR-Präsident besser bezahlt als viele CEO.

Geschäftsleitung zum halben Preis

Die durchschnittliche Vergütung der Geschäftsleitung betrug 2010 auch ohne Vasella noch 5.88 Mio. und damit 101 Mal mehr als der branchenübliche Mindestlohn. Spitzenreiter ist CEO Joseph Jimenez, welcher 221 Mal mehr verdiente. Aufgrund des Rückzugs von Daniel Vasella auf das VR-Präsidium hat sich die Lohnschere verglichen mit 2009 halbiert. Die Veränderung reicht aber bei weitem nicht aus. Travail.Suisse fordert, dass die sich schliessende Lohnschere bei Novartis nicht nur eine kurze Episode bleibt, sondern dass es so weiter geht.

Verwirrspiel Geschäftsbericht

Die Angaben über die Aktienpakete im Geschäftsbericht sind bewusst unübersichtlich und verkompliziert, da diese zum viel günstigeren Steuerwert anstatt zum Marktwert ausgegeben werden. Dies erschwert die Analyse und die brancheninterne Vergleichbarkeit. Daher fordert Travail.Suisse mehr Transparenz im Geschäftsbericht.

22 février 2011, Susanne Blank, Responsable politique économique

Informations juridiques | Impressum | Sitemap | Full Site | LOGIN