Thèmes – Formation

Begrüssenswerte Überlegungen zur Förderung des einheimischen Arbeitskräftepotenzials

Der Bundesrat hat die Kontingente für ausländische Arbeitskräfte für 2013 unverändert belassen und ist damit den Forderungen der Wirtschaft nicht entgegengekommen. Zum ersten Mal basierte der Entscheid des Bundesrates nicht nur auf wirtschaftlichen Überlegungen, sondern auch auf dem Gedanken, dass das bereits vorhandene Potenzial an Arbeitskräften besser ausgeschöpft werden muss. Wenn der Bundesrat einen Zusammenhang zwischen Kontingenten und einer Aufwertung des vorhandenen Arbeitskräftepotenzials in der Schweiz herstellt, geht er in Richtung der migrationspolitischen Forderungen von Travail.Suisse. mehr

Ein Blick auf die Zulassungspolitik zeigt, dass die Kontingente für Personen aus Drittstaaten lediglich 6 Prozent ausmachen, gegenüber einem Anteil von 40 Prozent an Arbeitskräften, die im Rahmen des Personenfreizügigkeitsabkommens in die Schweiz kommen, um hier zu arbeiten. Weil jedoch nur gegenüber den Drittstaaten ein Spielraum bei der Zulassung besteht, ist es wichtig, diesen sinnvoll zu nutzen.

Was die Kontingente für 2013 betrifft, ist erfreulich, dass der Bundesrat dem Druck der Wirtschaft, die höhere Kontingente verlangte, standgehalten hat. Somit werden 2013 wie bereits 2012 insgesamt 3500 Aufenthalts- und 5000 Kurzaufenthaltsbewilligungen für qualifizierte und hochqualifizierte Arbeitskräfte aus Drittstaaten bereitstehen. Auch bei den Dienstleistungserbringern aus dem EU/EFTA-Raum, die ebenfalls der Kontingentierung unterstehen, wenn sie länger als drei Monate in der Schweiz tätig sind, gibt es keine Änderungen. Für sie stehen somit auch im nächsten Jahr 3000 Kurzaufenthalts- und 500 Aufenthaltsbewilligungen zur Verfügung. Positiv zu werten ist dies auch im Hinblick auf die beunruhigende Situation bei der Einhaltung der Löhne und Arbeitsbedingungen durch ausländische Dienstleistungserbringer.

Arbeitsmarktzugang der Arbeitskräfte in der Schweiz fördern

Neu ist, dass sich die Argumentation des Bundesrates nicht auf die Zahl der Bewilligungen und auf konjunkturelle Überlegungen beschränkt. In seiner Medienmitteilung vom 30. November 2012 erklärte der Bundesrat nämlich, dass er den Arbeitsmarktzugang für die Arbeitskräfte in der Schweiz nachhaltig fördern will, indem er das bestehende Potenzial besser nutzt. In erster Linie sollen Weiterbildungen gefördert und das Qualifikationsniveau angehoben werden. Travail.Suisse legt bei diesem Punkt Wert darauf, dass die Nachholbildung nicht vergessen wird. Diese birgt ein bedeutendes Potenzial, da in der Schweiz 600’000 Personen zwischen 25 und 64 Jahren keine Ausbildung haben.

Es ist erfreulich, dass der Bundesrat die Frage der Kontingente in einen weiteren Zusammenhang stellt und sie nicht nur auf die Zulassungspolitik reduziert. Eine solche Betrachtungsweise geht in Richtung der Forderungen, die Travail.Suisse insbesondere im Positionspapier zur Migrationspolitik1 oder im Dokument zum Kongress vom November 2011 im Abschnitt zur Migrationspolitik formuliere.

Denn angesichts der Alterung der Bevölkerung wird eine Herausforderung der Zukunft darin bestehen, die Erwerbsquote auf einem ausreichend hohen Niveau zu halten und Personal für Branchen zu finden, die bereits heute Schwierigkeiten haben, genügend qualifiziertes oder weniger qualifiziertes Personal zu rekrutieren.

Wir müssen uns bewusst sein, dass auch die EU mit einer ausgeprägten Alterung der Bevölkerung konfrontiert ist und sich ein zunehmend härterer Wettbewerb um ausländisches und insbesondere gut qualifiziertes Personal entwickelt. Es liegt deshalb im Interesse der Schweiz, der Migration von Arbeitskräften einen angemessenen Stellenwert einzuräumen, aber auch, sich nicht allzu stark von der Migration abhängig zu machen, sondern alle Massnahmen zu ergreifen, die dazu beitragen, das bestehende Arbeitskräftepotenzial in der Schweiz besser auszuschöpfen. Die Bevölkerung wird unter diesem Umständen auch eher akzeptieren, dass zusätzlich ausländisches Personal rekrutiert werden muss.

Travail.Suisse ist sich bewusst, dass in Zukunft unter dem Druck der Wirtschaftskreise und insbesondere im Falle eines Aufschwungs die Kontingente vermutlich aufgestockt werden. Es dürfte in einem solchen Fall einfacher sein, der Bevölkerung überzeugend darzulegen, dass mehr ausländische Fachkräfte aus Drittländern benötigt werden, wenn vorher Massnahmen getroffen wurden, die den Arbeitsmarktzugang für die bereits in der Schweiz lebenden Arbeitnehmenden fördern.

Bis dahin drängt sich aufgrund des angespannten Klimas im Zusammenhang mit den Auswirkungen des freien Personenverkehrs – Beispiele dafür sind die Initiativen zur Massenimmigration der SVP und die Ecopop-Initiative – eine relativ strenge Migrationspolitik in den Bereichen auf, wo noch etwas Spielraum besteht.

Falls Fortschritte bei der Weiterbildung, der Nachholbildung und der Integration erzielt werden, könnte Travail.Suisse in einigen Jahren höheren Kontingenten für Fachkräfte aus Drittländern zur Deckung der Personalknappheit in gewissen Branchen relativ positiv gegenüberstehen. Die Rekrutierung von Personal mit geringem und mittlerem Qualifikationsniveau aus Drittländern wird ebenfalls diskutiert werden müssen, da diese Nachfrage heute zum Teil auf scheinheilige Art mit «Sans-papiers» gelöst wird, die aufgrund ihres sehr prekären Status ausgenutzt werden können.

1 http://www.travailsuisse.ch/de/node/2977

13 décembre 2012, Denis Torche, Responsable politique environnementale, fiscale et extérieure

Lehrstellenkonferenz: Strategien für die Zukunft

An der Lehrstellenkonferenz werden von den Verbundpartnern jedes Mal grundlegende strategische Entscheidungen in Bezug auf die Berufsbildung getroffen. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband von 170‘000 Arbeitnehmenden, ist erfreut, dass auch in diesem Jahr durch die Lehrstellenkonferenz neue Impulse ausgelöst wurden. mehr

Die Berufsbildung ist darauf angewiesen, dass sie frühzeitig auf neue Herausforderungen reagiert. Nur so bleibt sie zukunftsfähig und kann sowohl die Bedürfnisse der Wirtschaft nach gut qualifizierten Fachkräften ernst nehmen wie auch attraktiv für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen bleiben. Für Travail.Suisse sind vor allem vier Entscheidungen der Lehrstellenkonferenz1 von besonderer Bedeutung:

Grundlagenbericht zur Nachholbildung

Das Berufsbildungsgesetz sieht die Möglichkeit von Nachholbildungen vor. Es sieht aber in seiner heutigen Form nicht vor, dass die Nachholbildungen bewusst gefördert werden. Der Arbeitsmarkt ist jedoch aufgrund der demografischen Entwicklung und des sich abzeichnenden Fachkräftemangels verstärkt auf Nachholbildungen angewiesen, insbesondere auf Nachholbildungen von Personen, die noch über keinen beruflichen Erstabschluss verfügen. Indem die Lehrstellenkonferenz einen Grundlagenbericht zur Nachholbildung verlangt, setzt sie den Grundstein zur bewussten und zielgerichteten Förderung der Nachholbildung. Travail.Suisse ist überzeugt, dass die Förderung der Nachholbildung von Personen ohne beruflichen Erstabschluss eines der zentralen bildungspolitischen Themen der nächsten Jahre werden muss. Ein Berufsabschluss verbessert nicht nur die Lebensqualität der Betroffenen nachhaltig, sondern ist auch für die Gesellschaft höchst profitabel und trägt dazu bei, den absehbaren demografischen Fachkräftemangel zu lindern. Die Alternative zu mehr Nachholbildung sind erstens mehr Migration und zweitens höhere Kosten bei der sozialen Sicherheit. Dies zeigen Studien, die Travail.Suisse zum Thema Nachholbildung veröffentlicht hat (http://www.travailsuisse.ch/de/node/3145).

Massnahmen zur Mobilitätsförderung in der Berufsbildung

An den Gymnasien ist es selbstverständlich, dass die Studierenden neben der Muttersprache mindestens zwei Fremdsprachen lernen. Zudem haben die Gymnasiastinnen und Gymnasiasten die Möglichkeit, durch ein internationales Austauschjahr eine Fremdsprache vertieft kennenzulernen. Auf der Seite der Berufsbildung sieht das anders aus. Etwa 50 Prozent der Jugendlichen in Berufslehren ohne Berufsmaturität erhalten keine obligatorische fremdsprachliche Förderung. Im gewerblich-industriellen Bereich sind es sogar fast 80 Prozent! Zudem verfügen Austausch- und Mobilitätsprogramme in der Berufsbildung über wenig Tradition. Dadurch, dass die Mobilität und das Fremdsprachenlernen in der Berufsbildung nur eine untergeordnete Rolle spielen, verpasst die Schweiz vielerlei Chancen, ihre Berufslernenden gut auf den europäischen Arbeitsmarkt und die Weiterbildung vorzubereiten: Denn dort wird heute immer öfter erwartet, dass sie sich in mehreren Sprachen verständigen und in multikulturellen Kontexten bewegen können. Travail.Suisse begrüsst deshalb explizit die beschlossenen Massnahmen zur Mobilitätsförderung2 in der Berufsbildung.

Stärkung der höheren Berufsbildung und der Berufsmaturität

Die Höherqualifikation der Berufsleute über die höhere Berufsbildung und die Berufsmaturität mit anschliessender Fachhochschule leistet einen überaus wichtigen Beitrag an die Qualität, die Produktivität und Innovationsfähigkeit unserer Wirtschaft. Sie so zu stärken, dass ihre Vorzüge national und international bekannt sind und eine gleichwertige Anerkennung wie die allgemeinbildenden Wege erhalten, ist absolut notwendig. Aus Sicht von Travail.Suisse wäre es klug, wenn das zukünftige Staatssekretariat zur Erreichung dieses Zieles die Verbundpartner stärker einbeziehen würde. Eine Möglichkeit wäre, den Artikel 55.3 des Berufsbildungsgesetzes dafür einzusetzen5 und vom Bundesrat zu verlangen, dass spezifische und innovative Projekte der Verbundpartner zur besseren Positionierung der Berufsbildung auf der internationalen Bühne in Zukunft über den Artikel 54 finanziert werden können. Gegenwärtig fehlt dem Berufsbildungsgesetz die Dimension einer Verantwortung der Verbundpartner für die internationale Positionierung der Berufsbildung. Allenfalls müsste dieses Anliegen auf eine geschickte Art in eine Revision des Berufsbildungsgesetzes eingebracht werden.

Potenzial von Migrantinnen und Migranten vermehrt nutzen

Die Lehrstellenkonferenz sieht auch eine bessere Nutzung des Potenzials von Migrantinnen und Migranten für die Berufsbildung vor: „Wichtige Hinweise liefert hier das Forschungsprojekt MIRAGE der Universität Fribourg. Empfohlen wird insbesondere, sich von der bisherigen Defizitperspektive zu lösen, den Fokus auf das mögliche Potenzial von Migrantinnen und Migranten zu richten und eine gezieltere und „offensivere“ Förderung in der Berufsbildung anzustreben. Weiter sollen mit gezielten Sensibilisierungs- und Kommunikationsmassnahmen die vielfältigen Möglichkeiten der Berufsbildung gerade bei Migrantinnen und Migranten bekannter gemacht werden“3. Travail.Suisse ist in diesem Zusammenhang daran, ein Projekt zum Thema „Elternbildung für fremdsprachige Eltern: Berufswahl und Lehrstellensuche“ zusammen mit dem Dachverband der Migrantenorganisationen (www.fimm.ch) aufzubauen. Wir hoffen, dass unser Projekt vom Bund unterstützt wird.

1 http://www.news.admin.ch/NSBSubscriber/message/attachments/28789.pdf

2 http://www.news.admin.ch/NSBSubscriber/message/attachments /28781.pdf

3 http://www.news.admin.ch/NSBSubscriber/message/attachments/28789.pdf, Seite 2/4.

02 décembre 2012, Bruno Weber-Gobet, Responsable politique de formation

Nachholbildungen pushen

An der Lehrstellenkonferenz werden von den Verbundpartnern grundlegende strategische Entscheidungen in Bezug auf die Berufsbildung getroffen. Travail.Suisse ist erfreut, dass die Verbundpartner einen Grundlagenbericht zu den Möglichkeiten, Chancen und Kosten der Nachholbildung erarbeiten wollen und damit einen ersten Schritt zur ihrer Förderung machen. mehr

Das Berufsbildungsgesetz sieht die Möglichkeit von Nachholbildungen vor. Es sieht aber in seiner heutigen Form nicht vor, dass die Nachholbildungen bewusst gefördert werden. Der Arbeitsmarkt ist jedoch aufgrund der demografischen Entwicklung und des sich abzeichnenden Fachkräftemangels verstärkt auf Nachholbildungen angewiesen, insbesondere auf Nachholbildungen von Personen, die noch über keinen beruflichen Erstabschluss verfügen.

Ein erster Schritt zu einer wichtigen Neuerung

Indem die Lehrstellenkonferenz einen Grundlagenbericht zur Nachholbildung verlangt, setzt sie den Grundstein zur bewussten und zielgerichteten Förderung der Nachholbildung. Travail.Suisse ist überzeugt, dass die Förderung der Nachholbildung von Personen ohne beruflichen Erstabschluss eines der zentralen bildungspolitischen Themen der nächsten Jahre werden muss. Ein Berufsabschluss verbessert nicht nur die Lebensqualität der Betroffenen nachhaltig, sondern ist auch für die Gesellschaft höchst profitabel und trägt dazu bei, den absehbaren demografischen Fachkräftemangel zu lindern. Die Alternative zu mehr Nachholbildung sind erstens mehr Migration und zweitens höhere Kosten bei der sozialen Sicherheit. Dies zeigen Studien, die Travail.Suisse zum Thema Nachholbildung veröffentlicht hat (http://www.travailsuisse.ch/de/node/3145).

23 novembre 2012, Bruno Weber-Gobet, Responsable politique de formation

Mobilität und Fremdsprachen in der Berufsbildung fördern

An der Lehrstellenkonferenz vom 23. November 2012 wird ein Bericht zur Mobilitäts- und Fremdsprachenförderung in der Berufsbildung diskutiert und hoffentlich auch verabschiedet. Travail.Suisse hofft, dass dieser Bericht zu einem Katalysator für verschiedenste Initiativen in diesem Bereich wird. mehr

An den Gymnasien ist es selbstverständlich, dass die Studierenden neben der Muttersprache mindestens zwei Fremdsprachen lernen. Zudem haben die Gymnasiastinnen und Gymnasiasten die Möglichkeit, durch ein internationales Austauschjahr eine Fremdsprache vertieft kennenzulernen. Auf der Seite der Berufsbildung sieht das anders aus. Etwa 50 Prozent der Jugendlichen in Berufslehren ohne Berufsmaturität erhalten keine obligatorische fremdsprachliche Förderung. Im gewerblich-industriellen Bereich sind es sogar fast 80 Prozent! Zudem verfügen Austausch- und Mobilitätsprogramme in der Berufsbildung über wenig Tradition.

Bedarf auf dem Arbeitsmarkt nimmt zu

Dadurch, dass die Mobilität und das Fremdsprachenlernen in der Berufsbildung nur eine untergeordnete Rolle spielen, verpasst die Schweiz vielerlei Chancen, ihre Berufslernenden gut auf den europäischen Arbeitsmarkt und die Weiterbildung vorzubereiten: Denn dort wird heute immer öfter erwartet, dass sie sich in mehreren Sprachen verständigen und in multikulturellen Kontexten bewegen können.

Kreative Lösungen statt mehr Lektionen

Die Forderung nach mehr Fremdsprachenlernen und Mobilität in der Berufsbildung darf allerdings nicht durch die Erhöhung der Lektionszahlen an den Berufsfachschulen erfüllt werden. Andere Wege sind zu gehen. Für Travail.Suisse sind vor allem Initiativen zu stärken oder aufzubauen.

Bilingualer Unterricht stärken: Eine Möglichkeit besteht darin, dass schulische Fächer in einer Fremdsprache unterrichtet werden. Man lernt dann zwei Dinge auf einen Streich: den Fachinhalt und eine Fremdsprache. Es können dabei zwei Modelle zum Einsatz kommen. Bei einem Modell des zweisprachigen Unterrichts wird Deutsch und zu circa 30 Prozent eine Fremdsprache gesprochen, gelesen und geschrieben. Die Lehrperson führt zum Beispiel ein neues Thema zuerst auf Deutsch ein und vertieft das Thema dann mit fremdsprachlichen Aktivitäten. Beim zweiten Modell – Immersion genannt – werden ganze Fächer über eine längere Zeitspanne hinweg in einer Fremdsprache unterrichtet. Die heutigen Erfahrungen mit dem bilingualen Unterricht sind so auszuwerten und aufzubereiten, dass immer mehr Berufsfachschulen die Möglichkeit sehen, diese Art Unterricht anzubieten.

Projektgelder zur Verfügung stellen: Bedeutsam für die Entwicklung der Mobilität und der Förderung der Fremdsprachen ist natürlich die ch-Stiftung, die Gelder für Mobilitätsprogramme zur Verfügung hat. Ihr muss es noch besser gelingen, ihre Dienstleistungen den Bedürfnissen der Berufsbildung anzupassen und ihre Angebote so zu präsentieren, dass für die Betriebe und Schulen, die Mobilitätsprojekte durchführen wollen, Aufwand und Ertrag in einem günstigen Verhältnis stehen. Ebenso muss die Projektförderung des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie gemäss Art. 54/55 BBG Geld bereitstellen für die Anschubfinanzierung von innovativen Projekte in diesem Bereich.

Mobilitätsbeauftragte für Mobilität schaffen: Damit der Gedanke der Mobilität- und Fremdsprachen-förderung in der Berufsbildung besser Fuss fassen kann, sind beim Bund, den Kantonen und auch bei den Organisationen der Arbeitswelt „Mobilitätsbeauftragte“ zu benennen. Sie haben darauf zu achten, dass das Thema in ihrem Umfeld nicht aus den Traktanden fällt, sondern die möglichen Schritte zur Mobilitäts- und Fremdsprachenförderung angegangen werden. Der Bund hat diesbezüglich eine besondere Verantwortung. Er muss dafür besorgt sein, dass die „Mobilitätsbeauftragten“ der Verbundpartner in ein starkes Netz eingebunden sind.

Ein Monitoring einrichten: Über die Entwicklung im Bereich der Mobilitäts- und Fremdsprachenförderung in der Berufsbildung ist ein Monitoring einzurichten. Es soll eine regelmässige statistische und wissenschaftliche Auswertung über die Entwicklungen in diesem Bereich ermöglichen. Im Bildungsbericht Schweiz 2014 soll erstmals eine Bestandesaufnahme veröffentlicht werden.

Ein Pilotkurs bei Travail.Suisse

Travail.Suisse wird im nächsten Jahr einen Pilotkurs über ihre Jugendkommission anbieten, in dem bei der Bearbeitung des Themas „An der Schwelle zur Berufswelt: Das muss ich wissen“ zugleich Fremdsprachenkompetenzen erworben werden können. Der Kurs wird dreisprachig geführt. Dabei werden alle Unterlagen in Italienisch, Französisch und Deutsch abgegeben. In die einzelnen Sequenzen wird jedoch nur in einer Landessprache eingeführt. Da bei diesem Kurs Jugendliche (und Ausbildnerinnen und Ausbildner) aus allen Sprachregionen präsent sein werden, werden sie sich gegenseitig helfen können, die Inhalte zu verstehen.

19 novembre 2012, Bruno Weber-Gobet, Responsable politique de formation

Wert der Berufsbildung: Internationale Positionierung vorwärtstreiben

Die allgemeinbildenden und die berufsbezogenen Bildungswege sollen in der Schweiz über eine gleichwertige gesellschaftliche Anerkennung verfügen. Dies hält die Bundesverfassung in Artikel 61.a, Abs. 3 unmissverständlich fest. Diese Bestimmung bringt zum Ausdruck: Es gibt keinen besseren oder schlechteren Bildungsweg. Auf schweizerischer Ebene ist dieses Denken weit verbreitet, wenn auch noch nicht Allgemeingut. Auf internationaler Ebene leidet hingegen der Berufsbildungsweg immer noch unter mangelnder Anerkennung. Aus Sicht von Travail.Suisse sind daher die Bestrebungen, die Berufsbildung international besser zu positionieren, noch intensiver vorwärtszutreiben. mehr

Die Schweiz gehört durch die Personenfreizügigkeit zum europäischen Arbeitsmarkt. Das heisst, die Schweiz bildet heute ihre jungen Menschen für den europäischen Arbeitsmarkt aus. Wenn diese ausgebildeten Personen sich für eine Stelle in der Schweiz oder der EU bewerben, so stehen sie aufgrund der Personenfreizügigkeit auch in Konkurrenz zu Personen, die in anderen Ländern ausgebildet wurden. Um in dieser Konkurrenzsituation bei einer Bewerbung erfolgreich zu sein, muss die Ausbildung vom Arbeitgeber als „wertvoll“ erkannt und anerkannt werden.

Berufsbildung: Niedere Ausbildung?

Wenn die Schweiz möchte, dass die berufsbezogenen Bildungswege auch auf europäischer Ebene eine gleichwertige gesellschaftliche Anerkennung wie die allgemeinbildenden (akademischen) Wege erhalten, so muss sie sich auf dem internationalen Parkett dafür einsetzen. Das ist nicht einfach, aber nötig. Ansonsten wird es passieren, dass die Berufsbildung nach und nach ihren Wert verliert, weil sie als „niedere Ausbildung“ angeschaut wird 1 .

Grundlage Qualität

Will die Schweiz für die Berufsbildung auf internationaler Ebene eine gleichwertige gesellschaftliche Anerkennung erhalten, so muss sie im Minimum drei Punkte beachten. Erstens muss die Qualität der Berufsbildung stimmen. Eine hohe Qualität ist übrigens das erste Ziel des Bildungsraumes Schweiz 2 , zu dem auch die Berufsbildung gehört. Ohne oder mit mangelnder Qualität können wir die Berufsbildung international nicht besser positionieren. In allen Tätigkeiten der Berufsbildung muss daher das Bewusstsein für Qualität vorhanden sein, wie das die Charta „Qualitätsentwicklung Berufsbildung Schweiz“ festhält 3 .

Verständlichkeit

Die Berufsbildung der Schweiz muss zweitens verständlich sein. Es muss klar werden, dass ein wichtiger Grund für den wirtschaftlichen Erfolg der Schweiz darin liegt, dass wir auf beide Bildungswege setzen und ihre Komplementarität zu Innovationen und hoher Produktivität führt. Zudem ist auch Klarheit über das Niveau unserer beruflichen Abschlüsse zu schaffen. Der nationale Qualifikationsrahmen ermöglicht über den europäischen Qualifikationsrahmen die notwendige Vergleichbarkeit der Abschlüsse in Europa. Die Chance, die der Qualifikationsrahmen ermöglicht, muss optimal und mutig ausgenutzt werden.

Verkauf

Die Berufsbildung muss drittens bewusst verkauft werden, insbesondere auch die höhere Berufsbildung. Das neue Staatsekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) hat hier eine wichtige Aufgabe zu erfüllen. Travail.Suisse wird die Arbeit des Staatssekretariates auch daran messen, ob es ihm gelingt, die Berufsbildung im europäischen und internationalen Kontext besser zu „verkaufen“, das heisst besser zu positionieren und so Schritt für Schritt eine gleichwertige Anerkennung der berufsbezogenen mit den allgemeinbildenden Bildungswegen auch auf diesen Ebenen zu erreichen. Übrigens ist der Film des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie über die höhere Berufsbildung ein vortreffliches Hilfsmittel diesbezüglich 4 , das jetzt voll eingesetzt werden müsste. Aus Sicht von Travail.Suisse wäre es klug, wenn das zukünftige Staatssekretariat die Verbundpartner in den Verkauf der Berufsbildung vermehrt einbeziehen würde. Eine Möglichkeit wäre, den Artikel 55.3 des Berufsbildungsgesetzes dafür einzusetzen 5 und vom Bundesrat zu erlangen, dass spezifische und innovative Projekte der Verbundpartner zum „Verkauf“ der Berufsbildung auf internationaler Bühne in Zukunft über den Artikel 54 finanziert werden können. Gegenwärtig fehlt ja dem Berufsbildungsgesetz die Dimension einer Verantwortung der Verbundpartner für die internationale Positionierung der Berufsbildung. Allenfalls müsste dieses Anliegen auf eine geschickte Art in eine Revision des Berufsbildungsgesetzes eingebracht werden.

1 Tagesanzeiger, Freitag, 5. Oktober 2012, S.13: „Nach Süddeutschland ins Gymi: Die Angst vor der Berufslehre…..Häufigster Grund für die Schulwahl jenseits der Grenze ist das Unbehagen der Deutschen gegenüber dem Schweizerischen Bildungssystem. Eine Berufslehre gilt in Deutschland als niedere Ausbildung mit schlechteren Verdienstaussichten. Ausserdem braucht es für die höheren Berufslehren ein Abitur. Viele Pendler glauben, dass ihre Kinder mit einem Schweizer Lehrabschluss schlechtere Berufsaussichten hätten als mit dem Abitur. Dabei ist in der Schweiz manchmal sogar das Gegenteil der Fall.“

2 BV Art. 61.a1: Bund und Kantone sorgen gemeinsam im Rahmen ihrer Zuständigkeiten für eine hohe Qualität und Durchlässigkeit des Bildungsraumes Schweiz.“

3 http://www.bbt.admin.ch/themen/berufsbildung/01223/index.html?lang=de

4 http://www.bbt.admin.ch/aktuell/medien/00483/01323/index.html?lang=de

5 BBG Art. 55.3: Der Bundesrat kann weitere Leistungen im öffentlichen Interesse festlegen, für die Beiträge gewährt werden können.

05 novembre 2012, Bruno Weber-Gobet, Responsable politique de formation

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