Themen – Bildung – Berufliche Grundbildung

Integration von Migrantinnen und Migranten in die Berufsbildung

Jugendliche mit Migrationshintergrund haben bei der Lehrstellensuche schlechtere Karten als Schweizer Jugendliche. Lehrstellen werden in vielen Betrieben über informelle Kanäle vergeben, zu denen erstere kaum Zugang haben. In Klein- und Kleinstbetrieben erfolgt die Auswahl meist unsystematisch, unter Zeitdruck und durch Nichtspezialisten. Das Projekt www.zukunftstattherkunft.ch setzt bei diesen Lehrbetrieben an.

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24. August 2009, Angela Zihler, Projektleiterin Drucker-icon

Erstausbildung in der Arbeitslosenversicherung: Krise als Chance nutzen!

Josiane Aubert, Vize-Präsidentin von Travail.Suisse und Nationalrätin, hat letzte Woche 3 parlamentarische Vorstösse zu Bildungsmassnahmen in der Arbeitslosenversicherung eingereicht. Das Credo lautet: Erstausbildung vor Integration in der Arbeitslosenversicherung. mehr

Die prognostizierten Arbeitslosenzahlen steigen ständig. Oft gehören Arbeitnehmende ohne Erstausbildung zu jenen Personen, die am schnellsten und stärksten von den Folgen der Wirtschaftskrise betroffen sind. Wenn sie ihren Job verlieren, entstehen Selbstzweifel, oft gerät das Familienleben durcheinander und es bleiben viele offene Fragen, wie es weitergehen soll. Von den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) wird dann Druck gemacht, sich möglichst schnell und à tout prix auf jede erdenkliche Stelle zu bewerben. Das Vorgehen bleibt ohne Erfolgsaussichten, solange die Wirtschaft schrumpft.

Eine von Travail.Suisse beim Büro BASS in Auftrag gegebene Studie zeigt, dass es sowohl für die betroffene Person wie auch für die öffentliche Hand eine viel bessere Strategie gäbe: Arbeitnehmende ohne Erstausbildung verdienen im Durchschnitt nämlich bis zu 2000 Franken weniger pro Monat als Arbeitnehmende mit einem Berufsabschluss. Dementsprechend gehen der öffentlichen Hand Steuereinnahmen und Sozialversicherungsbeiträge verloren. Personen ohne Erstausbildung sind zudem viel stärker von den Systemen der sozialen Sicherheit abhängig und haben stärkere Gesundheitsprobleme. Zusammen genommen ergeben sich so laut Studie Kosten für die öffentliche Hand in der Höhe von jährlich rund 10’000 Franken pro Person ohne Erstausbildung.

In Anbetracht dessen muss eine wirksame und effiziente Sozialpolitik in Zeiten von Arbeitslosigkeit viel stärker beim Erstabschluss ansetzen. Die Investitionen dafür machen sich im wirtschaftlichen Aufschwung mehr als bezahlt: Wenn eine 40-jährige Person einen Berufsabschluss während der Arbeitslosigkeit nachgeholt hat, wird sie sich nachhaltiger wieder in den Arbeitsmarkt integrieren können, mehr verdienen und wird weniger von den Sozialversicherungen abhängig sein. Die betroffene Person gewinnt an Autonomie und Würde und die öffentliche Hand wird bis zu deren Pensionierung um rund eine Viertelmillion Franken entlastet.

Damit die Krise als Chance zur Erstausbildung genutzt werden kann ist in der Arbeitslosenversicherung (ALV) ein grundlegender Perspektivenwechsel vonnöten. Für die Verantwortlichen der RAV müssen Rahmenbedingungen und Anreize geschaffen werden, die eine Erstausbildung in der ALV vor der möglichst schnellen Reintegration à tout prix begünstigen. Arbeitslosentaggelder müssen auch während einer Erstausbildung ausbezahlt werden, die absolvierten Kurse während der Arbeitslosigkeit müssen bewertet und an Ausbildungen angerechnet werden. Dabei muss die bisherige berufliche Erfahrung angemessen einbezogen werden.

Heute in die Bildung und Erstausbildung zu investieren ist also im ureigenen Interesse der öffentlichen Hand. Und dies bezüglich Jugendliche und Erwachsene. Um die Zeit erfolgreich zu nutzen, muss nun das im Föderalismus übliche Denken in engen Zuständigkeiten überwunden werden. Dies zum Wohl der betroffenen Bevölkerung, welcher eine Perspektive erhalten bleibt, wie auch der öffentlichen Finanzen, welche durch mehr Ausbildungsabschlüsse künftig stark entlastet würden. Auch die Wirtschaft wird bald wieder von verstärkten Bildungsmassnahmen profitieren, wenn sie im Aufschwung besser qualifizierte Arbeitnehmende zur Verfügung hat.

Travail.Suisse-Vize-Präsidentin und Nationalrätin Josiane Aubert hat deshalb letzte Woche drei parlamentarische Vorstösse in diese Richtung eingereicht. Travail.Suisse erwartet, dass der Bundesrat Schritte in die geschilderte Richtung unternimmt. Es ist Zeit für konkrete Massnahmen und nicht für Ausweichmanöver, wie sie der Bundesrat bisher auf ähnliche Vorstösse (Motion Robbiani 09.3198) präsentiert hat.

15. Juni 2009, Josiane Aubert, Vizepräsidentin Travail.Suisse und Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Drucker-icon

Eine berufliche Grundbildung ist eine lohnende Investition für jeden Einzelnen und die Gesellschaft

Die Schweiz steht im internationalen Vergleich ausgezeichnet da: Sie legt Wert auf die Ausbildung ihrer Jugendlichen, um ihnen einen erfolgreichen Einstieg in die Berufswelt zu ermöglichen. Derzeit schliessen 89 Prozent eines Jahrgangs eine Ausbildung auf Sekundarstufe II ab (EFZ, gymnasiale Maturität oder Berufsmatur, Abschluss einer allgemein bildenden Schule). Die Kantone und das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie BBT haben beschlossen, diese Quote bis 2015 auf 95 Prozent zu steigern. Das ist eine riesige Herausforderung, die nur angenommen werden kann, wenn alle Akteure des Bildungswesens, einschliesslich der Unternehmen, mobilisiert werden.

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08. Juni 2009, Josiane Aubert, Vizepräsidentin Travail.Suisse Drucker-icon

Lehrstellensituation: Ausbildung für alle darf etwas kosten

Travail.Suisse fordert die Wirtschaft, den Bund und die Kantone dazu auf, alles daran zu setzen, dass trotz kriselndem Arbeitsmarkt allen Jugendlichen eine Perspektive geboten wird, indem sie eine Ausbildung machen können. Dafür werden in den kommenden zwei Jahren zusätzliche Investitionen vonnöten sein. Diese lohnen sich: Eine von Travail.Suisse in Auftrag gegebene Studie zeigt, dass durch eine fehlende Ausbildung eines jungen Erwachsenen für die Gesellschaft jährlich Kosten in der Höhe von 10’000 Franken anfallen. mehr

Noch herrscht einigermassen Ruhe auf dem Lehrstellenmarkt. Dies weil die Lehrstellenplanung der Betriebe grösstenteils noch vor der Krise gemacht wurde. Schon im Sommer beginnt jedoch die Planung für die Lehrstellenvergabe 2010. Ohne zusätzliche Investitionen wird die Arbeitsmarktkrise nächstes Jahr voll auf den Lehrstellenmarkt durchschlagen. Jetzt sind deshalb besondere Anstrengungen vonnöten, um allen Jugendlichen eine berufliche Perspektive bieten zu können. Mit der Intensivierung bestehender Massnahmen (Lehrstellenförderer, Ausbildungsverbünde, Attestlehrstellen, Case Management, etc.) muss deshalb unverzüglich begonnen werden.

Soziale Verantwortung wahrnehmen
Travail.Suisse fordert die Wirtschaft dazu auf, ihre soziale Verantwortung gegenüber den Jugendlichen wahrzunehmen und nicht auf Grund kurzfristiger finanzieller Überlegungen Lehrstellen zu streichen. Der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden macht die Wirtschaft darauf aufmerksam, dass es in ihrem ureigensten Interesse ist, genügend Fachkräfte auszubilden. Diese werden sonst im nächsten Aufschwung fehlen.

Investitionen in Lehrstellen zahlen sich für öffentliche Hand aus
Auch Bund und Kantone müssen in den kommenden Jahren ihre bestehenden Instrumente konsequent ausbauen. Zudem müssen Bund und Kantone als Arbeitgeber eine Vorbildfunktion einnehmen und ihr Lehrstellenangebot weiter ausbauen. Dies darf auch etwas kosten. Wie eine von Travail.Suisse in Auftrag gegebene Studie zu den gesellschaftlichen Kosten der Ausbildungslosigkeit zeigt, verursacht eine Person ohne Mittelschul- oder Berufsausbildung jährlich für die öffentliche Hand Kosten von durchschnittlich 10’000 Franken. Dies durch höhere Beanspruchung von Sozialleistungen, tiefere Steuereinnahmen und tiefere Sozialversicherungsbeiträge. Es lohnt sich also, einiges zu investieren, um Jugendlichen eine berufliche Perspektive zu ermöglichen. Die kürzlich veröffentlichte Statistik zu jungen Erwachsenen in der Sozialhilfe bestätigt dieses Bild: Mehr als die Hälfte der jungen Sozialhilfebezüger hat keine Ausbildung.

Keine Diskriminierung bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund
Jugendliche ausländischer Herkunft müssen bei knapper Lehrstellensituation oft als Erste über die Klinge springen. Mehrere Studien belegen, dass Jugendliche mit fremdländisch klingenden Namen bei der Lehrstellensuche diskriminiert werden. Travail.Suisse fordert alle Betriebe auf, nach Eignung und nicht nach Namen zu selektionieren. Der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden stellt dafür ein praktisches Hilfsmittel auf www.zukunftstattherkunft.ch zur Verfügung.

08. Juni 2009, Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Drucker-icon

Ausbildung neu denken

Personen ohne Ausbildung haben ein markant tieferes Einkommen als der Durchschnitt und verursachen beachtliche gesellschaftliche Kosten. Die Ergebnisse der von Travail.Suisse beim Büro BASS in Auftrag gegebenen Studie zwingen uns, Ausbildung in mindestens zwei Punkten neu zu denken: Erstens lohnt sich eine Ausbildung ein Leben lang, und nicht nur für Jugendliche. Und zweitens muss bei ungelernten, arbeitslosen Personen der Ausbildung erste Priorität zukommen. Ausbildung vor Integration lautet das neue Schlagwort.

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25. Mai 2009, Martin Flügel, Präsident Drucker-icon