Themen – Bildung – Berufliche Grundbildung

Statistische Verbesserung auf Lehrstellenmarkt, aber Grundproblem bleibt

Der Lehrstellenbarometer zeigt eine leicht verbesserte Situation. Allerdings muss von einer Verbesserung auf tiefem Niveau gesprochen werden: Für viele Jugendliche ist der Übergang in ein Lehrverhältnis immer noch sehr problematisch. Praktisch unverändert befinden sich 22’000 Jugendliche in der Warteschlaufe, 10’000 Jugendliche, die aus der Schule gekommen sind, haben noch keine Anschlusslösung. mehr

Travail.Suisse ist als Dachverband der Arbeitnehmenden froh, dass die Negativentwicklung auf dem Lehrstellenmarkt gestoppt werden konnte. Erstmals präsentiert sich eine leicht verbesserte Situation. Von einer Entwarnung kann allerdings nicht gesprochen werden. Trotz guter Konjunktur ist es nicht gelungen, allen Jugendlichen gute Perspektiven zu bieten. Über 10’000, die dieses Jahr eine Lehre beginnen wollten, befinden sich stattdessen in einer Übergangslösung. Ursprünglich gedacht zur Behebung individueller Defizite, sind solche Übergangslösungen (Brückenangebote, Motivationssemester, 10. Schuljahre, etc.) immer mehr zu Warteschlaufen geworden.

Dass es nicht mehr Jugendliche in den Warteschlaufen sind, ist auch den Jugendlichen selbst zu verdanken. Diese zeigen sich – entgegen den gängigen Unterstellungen – zunehmend kompromissbereit und nehmen offenbar auch Lehrstellen an, die nicht ihren ursprünglichen Berufswünschen entsprechen. Dies zeigt die sinkende Anzahl unbesetzter Lehrstellen. Hier ist Vorsicht geboten. Denn wer zu stark nach dem Motto „Hauptsache eine Lehrstelle“ vorgeht, bricht seine Lehre häufiger ab. Dies hat sich beispielsweise im Kanton Bern gezeigt.

Vom Ziel, dass alle Jugendlichen die Möglichkeit haben sollen, einen ihren Fähigkeiten und Wünschen angepassten Abschluss zu erreichen, ist man nach wie vor weit entfernt. Travail.Suisse erwartet deshalb von der nationalen Lehrstellenkonferenz vom 13. November, dass die gegenwärtigen Probleme noch stärker angepackt werden. Insbesondere sollten niederschwellige Angebote, wie die neue zweijährige Grundbildung (Attestlehre) stärker ausgebaut werden und das Modell der Ausbildungsverbünde stärker bekannt gemacht werden. Zudem müssen diejenigen Betriebe, die keine Ausbildungsplätze anbieten, stärker zur Kasse gebeten werden.

Zu denken geben sollte auch, dass die Berufsbildung offenbar an Attraktivität verliert. Der Lehrstellenbarometer zeigt, dass sich weniger Jugendliche für eine Lehrstelle interessieren. Hier sind vor allem die Berufsverbände aufgefordert, sich vermehrt um ihren Nachwuchs an Fachkräften zu kümmern.

30. Oktober 2006, Bruno Weber-Gobet, Leiter Bildungspolitik Drucker-icon

Berufswahl als Familienprojekt

Untersuchungen zeigen: Die Eltern sind nach wie vor die wichtigsten Partner für die Jugendlichen bei der Berufswahl. Die Reformen im Bildungssystem, die Veränderungen in der Arbeitswelt und die Probleme auf dem Lehrstellenmarkt erleichtern allerdings die Unterstützungsarbeit der Eltern nicht gerade. Oft sind sie selber verunsichert und überfordert. Um hilfreiche Partner bei der Berufswahl sein zu können, sind sie daher darauf angewiesen, dass sie ihre Kompetenzen in diesem Bereich erhöhen können. Das Institut für Berufs- und Lebensgestaltung S&B bietet zu diesem Zweck das Programm „Berufswahl als Familienprojekt“ an. Travail.Suisse hat dieses Projekt mit angestossen und unterstützt es.

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09. Oktober 2006, Bruno Weber-Gobet, Leiter Bildungspolitik Drucker-icon

Für eine gerechtere Volksschule braucht es mehr Unterstützungsmassnahmen

Mit der HarmoS-Vereinbarung wollen die Kantone die Volksschule harmonisieren und die Qualität des Schulsystems weiter entwickeln. Der auszuhandelnde Staatsvertrag bietet auch Gelegenheit, bessere Voraussetzungen für eine gerechte, integrative Volksschule festzulegen. Der vorliegende Vernehmlassungsentwurf zeigt aber, dass diese Chance bisher nur halbherzig gepackt wird. Travail.Suisse fordert, dass nach dem Prinzip „Fördern statt separieren“ in der Vereinbarung systematische Unterstützungsmassnahmen für Jugendliche mit Schulschwierigkeiten vorgesehen werden.

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25. September 2006, Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Drucker-icon

Das System der Berufsbildung verdient grosse Sorgfalt

Gemäss Bundesrat soll das finanzielle Engagement des Bundes im Bildungsbereich in den Jahren 2008 – 2011 jährlich um 4,5 Prozent wachsen. Trotz Steigerung ist es letztlich ein Abbauszenario. Allein in der Berufsbildung würde diese Entscheidung zu einem Fehlbetrag bei den Kantonen von 800 Millionen bis 1 Milliarde Franken führen. Für Travail.Suisse zeichnet sich darin eine überaus problematische Entwicklung ab. Die Aufbauarbeit von vielen Jahren wird damit gefährdet. Vier Thesen, warum Sparen in der Berufsbildung gefährlich ist.

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11. September 2006, Bruno Weber-Gobet, Leiter Bildungspolitik Drucker-icon

Berufsbildung: Wer befiehlt, bezahlt nicht unbedingt

Anfang 2004 ist das neue Berufsbildungsgesetz in Kraft getreten. Es sieht vor, dass der Bund ab dem Jahr 2008 einen Viertel der Aufwendungen der öffentlichen Hand für die Berufsbildung trägt. Bis dahin sollte der Bundesbeitrag schrittweise erhöht werden. Nun will sich Bundesrat Couchepin über den erst vor kurzem geäusserten Willen des Parlaments hinwegsetzen und auf dem Buckel der Berufsbildung sparen. Er versucht, das Vakuum im eigentlich für das Dossier zuständigen Volkswirtschaftsdepartement auszunützen. Für Travail.Suisse ist klar, dass er damit gegen die Allianz der Kantone und Sozialpartner nicht durchkommen wird.

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28. August 2006, Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Drucker-icon