Thèmes – Formation

Das neue Hochschulförderungs- und -koordinationsgesetz

Das neue HFKG ist ein für die Schweizer Bildungslandschaft einzigartiges Projekt: Alle Hochschulen – also Universitäten, ETH, EPFL, Fach- und Pädagogische Hochschulen – werden ab 2015 zentral gefördert und koordiniert. Diese Umstrukturierung bewegt das Hochschul-Umfeld: Neue Organisationen haben sich gebildet, alte verändern sich und die Mitsprache wurde verstärkt. Auch Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, redet mit.

Aus diesem Anlass versenden wir periodisch ein Info-Mail und beleuchten für Sie Akteure, Stärken und noch offene Baustellen des neuen HFKG. Wollen Sie das Info-Mail ebenfalls erhalten, dann tragen Sie sich bitte hier ein:










Ici vous trouvez les textes des Info-Mail :

BFI-Botschaft: Zusammenarbeit zahlt sich aus

Die Organisationen der Hochschulen und der Berufsbildung haben zum ersten Mal im Hinblick auf die Erarbeitung der Botschaft für Bildung, Forschung und Innovation (BFI-Botschaft) zusammengearbeitet – zum Glück, muss man sagen. Denn sonst hätte wahrscheinlich der Kompromiss im Parlament nicht erreicht werden können. mehr

Vor gut zwei Jahren haben sich die Interessengruppen der Hochschulen und der Berufsbildung zusammengesetzt, um über ihre Erwartungen im Zusammenhang mit der BFI-Botschaft 2017-2020 zu diskutieren. Das war das erste Mal seit der Einführung des BFI-Prozesses. Sowohl die Hochschulen wie auch die Berufsbildung beschrieben in diesen Diskussionen ihre aktuelle Situation und Probleme und formulierten ihre Prioritäten aus. Dadurch stieg auf beiden Seiten das gegenseitige Verständnis für die jeweiligen Anliegen. Statt zu einem Nebeneinander oder gar Gegeneinander kam es im politischen Prozess zu einem Miteinander.

Die BFI-Botschaft unter Spardruck

Leider geriet die BFI-Botschaft im Laufe ihrer Entwicklung unter Spardruck. Ohne die Ziele zu verändern, kürzte der Bundesrat die für Bildung, Forschung und Innovation vorgesehenen Finanzen für die Jahre 2017-2020. Das bedeutete für alle Bildungsbereiche, insbesondere auch für die Berufsbildung, eine enorme Schwächung. Im parlamentarischen Prozess stützte dabei die nationalrätliche Finanzkommission die bundesrätliche Vorlage und obsiegte im Nationalrat gegen die Anträge der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK-N). Wie sollten sich nun die verschiedenen Bildungsbereiche verhalten?

Miteinander statt gegeneinander

Zum Glück hat sich das Miteinander der Interessengruppen der Hochschulen und der Berufsbildung erhalten. So konnte über den Sommer hinweg ein gemeinsamer Kompromissvorschlag erarbeitet werden, der den ständerätlichen Kommissionen (Finanzkommission, WBK-S) unterbreitet werden konnte. Der Vorschlag nahm sowohl finanzpolitische wie auch bildungspolitische Argumente auf. Dieser Vorschlag wurde sowohl vom Ständerat wie auch vom Nationalrat – sogar mit einer kleinen Ergänzung – angenommen und ist damit ein klarer Erfolg des Miteinanders der Hochschulen und der Berufsbildung.

09 novembre 2016, Bruno Weber-Gobet, Responsable politique de formation

Lehrpersonen für Technik begeistern

Um den Fachkräftemangel in technischen Berufen zu lindern, gibt es bereits etliche Initiativen. Einen speziellen Ansatz verfolgt nun ein gemeinsames Projekt von Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen. mehr

Die Fachhochschulen verfügen über technisches Wissen, die Pädagogischen Hochschulen sind auf das Vermitteln von Inhalten spezialisiert. Nun wollen die beiden Hochschultypen zusammenarbeiten. Je fünf Institutionen jeder Kategorie haben gemeinsam beim Bund einen Projektantrag eingereicht, um das Interesse an den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) zu steigern.

Dass in diesem Bereich ein Fachkräfte-Mangel besteht und vor allem Frauen für entsprechende Berufe schwierig zu begeistern sind, ist ein schon länger erkanntes Problem. Verschiedene Player haben bereits Lösungsansätze entwickelt. Der Ansatz über die Lehrpersonen sei aber eine relativ neue Idee, erklärt Projektleiter Jürg Christener. „Wir wollen Lehrpersonen als Multiplikatoren gewinnen“, erklärt der Direktor der Hochschule für Technik an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Naturwissenschaftliche Fächer seien spannend, doch besonders unter Frauen häufig mit Ängsten verbunden. „Mit geeigneten Methoden kann man technisches Knowhow besser zugänglich machen“, ist der ETH-Ingenieur überzeugt.

Effekt tritt nicht morgen ein

Wie sich die konkrete Umsetzung gestalten wird, ist noch nicht in Stein gemeisselt. Angedacht sind Weiterbildungen für Dozierende an Pädagogischen Hochschulen, um sie bei der Entwicklung von Modulen für angehende Lehrpersonen zu unterstützen. Weiter sollen Angebote entstehen für Lehrpersonen, die bereits im Berufsleben stehen. Ab kommendem Jahr wollen die Beteiligten die Lehrpläne an den Pädagogischen Hochschulen gemeinsam unter die Lupe nehmen und geeignete Gefässe identifizieren. Das Ziel sei nicht, das Studium mit neuen Inhalten zu überfrachten, beteuert Christener. Vielmehr sollen die bestehenden Lehrveranstaltungen zugunsten der technischen Affinität verbessert werden.

Wie bei allen Bemühungen in diesem Bereich, sei das Projekt langfristig angelegt und die Wirkung schwierig zu messen, räumt Christener ein. Bis die Lehrpersonen, die in den Genuss der optimierten Ausbildung gekommen sind, im Schulzimmer stehen und ihre Schüler und Schülerinnen in die Arbeitswelt einsteigen, wird es mindestens zehn Jahre dauern, ist ihm bewusst. Die Berufswahl folge in der Schweiz immer noch stark traditionellen Rollenmustern. „Es geht darum, gesellschaftliche Werte zu verändern, und das braucht Zeit.“ Immerhin seien MINT-Studiengänge an Fachhochschulen in den letzten vier Jahren etwas beliebter geworden, sogar bei Frauen, weiss Christener, der sich zudem als Präsident des Vereins NaTech Education für die Verbesserung des naturwissenschaftlich-technischen Unterrichts engagiert. Dass diese Entwicklung mit der MINT-Förderung zusammenhänge, sei natürlich nicht nachweisbar.

Pädagogen zeigen sich offen

Der Projektantrag erfolgt im Rahmen der projektgebundenen Beiträge, welche das neue Hochschulkoordinations- und Förderungsgesetz für Hochschulübergreifende Projekte vorsieht. Die Gesamtkosten von 6 Millionen Franken werden je hälftig vom Bund und den zehn beteiligten Institutionen* getragen. Der Betrag wurde bereits bewilligt – unter Vorbehalt, dass das Budget für Bildung, Forschung und Innovation vom Parlament nicht noch gekürzt wird. Die Umsetzung soll nächstes Jahr beginnen und bis 2020 dauern.

Die Initiative für das Projekt sei von der technischen Seite ausgegangen, sagt Jürg Christener. „Wir sind positiv überrascht, wie offen unser Vorpreschen bei den Vertretern der Pädagogischen Hochschulen aufgenommen wurde.“

* Das Projekt „Aufbau eines nationalen Netzwerks zur Förderung der MINT-Bildung – hochschultypenübergreifende Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen“ wird von folgenden Hochschulen getragen:
- Fachhochschule Nordwestschweiz, Hochschule für Technik (Projektleitung)
- Hochschule Luzern HSLU (Departement Informatik, Departement Technik & Architektur)
- Berner Fachhochschule BFH
- Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana SUPSI (Department of Innovative Technologies DTI)
- Fachhochschule Ostschweiz FHO (Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur)
- Pädagogische Hochschule FHNW (PH FHNW)
- Pädagogische Hochschule Luzern (PH LU)
- Pädagogische Hochschule Graubünden (PH GR)
- Pädagogische Hochschule Bern (PH BE)
- Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana SUPSI (Dipartimento Formazione e Apprendimento DFA)

09 novembre 2016, Andrea Söldi, libre journaliste RP

Berufsbildungsforschung: Mehr institutionelle Nachhaltigkeit und verbesserte Kommunikation nötig

Das Berufsbildungsgesetz von 2002 hat die Berufsbildungsforschung gestärkt. Seit seinem Inkrafttreten können mit Hilfe von Geldern aus dem Topf der Berufsbildung einzelne Forschungsprojekte, aber auch Forschungsstrukturen an Hochschulen im Bereich der Berufsbildungsforschung unterstützt werden. Diese Zusammenarbeit ist in den letzten Jahren gut angelaufen, aber noch nicht optimal umgesetzt. Auf zwei Probleme möchte Travail.Suisse hier insbesondere hinweisen. mehr

Die Berufsbildung kann ihre Zukunftsfähigkeit nur behalten, wenn sie angesichts der Anforderungen aus Gesellschaft, Wirtschaft und Bildung fähig ist, kluge Entscheidungen zu treffen. Dazu ist sie auch auf wissenschaftlich gesicherte Steuerungsgrundlagen angewiesen. Die Berufsbildungsforschung leistet diesbezüglich einen gewichtigen Beitrag leisten. Allerdings wäre es zu begrüssen, wenn in zwei Punkten Verbesserungen vorgenommen werden könnten.

Nachhaltigere Strukturen an den Hochschulen nötig

Ein Evaluationsbericht aus dem Jahre 2015 1 hat es deutlich gemacht: Die institutionelle Nachhaltigkeit der Berufsbildungsforschung ist nicht gesichert. Zwar sind bis heute vier Leading Houses (LH) entstanden 2 . Den LH gelang es bisher aber kaum, „sich institutionell zu verankern“ 3 . Die Berufsbildungsforschung ist noch zu stark von Personen abhängig. Aus Sicht von Travail.Suisse ist es daher nötig, dass die Akteure in diesem Feld miteinander an nachhaltigeren Strukturen arbeiten. Insbesondere wäre es hilfreich, wenn die Hochschulleitungen sich diesem Thema bewusster annehmen und eine Strategie entwickeln würden. Der Schwerpunkt der Berufsbildungsforschung ist sicherlich an den universitären Hochschulen zu verorten. Die Zusammenarbeit mit pädagogischen Hochschulen und Fachhochschulen ist aber vermehrt ins Auge zu fassen und die Möglichkeiten abzuklären. Es wäre schade, wenn es nicht gelingen würde, eine nachhaltigere institutionelle Verankerung der Berufsbildungsforschung in den Hochschulen zu erreichen.

Valorisierungsprozesse verbessern

Letztlich hängt der Erfolg der Berufsbildungsforschung davon ab, ob die für die Berufsbildung relevanten Ergebnisse bis zu den Entscheidungsträgern gelangen und diese die Ergebnisse auch nutzen. Der Evaluationsbericht sieht hier noch einen markanten Verbesserungsbedarf. Wichtige Entscheidungsträger in der Berufsbildung sind neben den eidgenössischen und kantonalen Parlamentarier und Parlamentarierinnen die Verbundpartner der Berufsbildung. Dazu gehören Bund, Kantone und natürlich die vielfältigen Organisationen der Arbeitswelt OdA (Sozialpartner, Berufsverbände, Anbieter von Berufsbildung). Vor allem die OdA’s muss noch besser in den Valorisierungsprozess integriert werden. Das ist primär eine Aufgabe der Leading Houses selber, die sicherlich noch Spielraum haben, die Kommunikationsstrategie zu verbessern. Was Bund und Kantone betrifft, leisten sie durch den Bildungsbericht, der alle vier Jahre erscheint, einen unverzichtbaren Beitrag zur Valorisierung der Berufsbildungsforschung. Seit diesem Jahr hat auch die Schweizerische Gesellschaft für angewandte Berufsbildungsforschung gezielter und bewusster sich der Valorisierungsaufgabe angenommen. Neben den Tagungen zu relevanten Berufsbildungsfragen gibt sie neu auch einen Newsletter zur Berufsbildungsforschung heraus. Mitglieder der SGAB sind sowohl OdA’s wie auch Berufsbildungsforschende. Vielleicht gelingt es der SGAB mit ihren beiden Instrumenten (Tagungen, Newsletter) ihre Plattformfunktion für die Valorisierung der Berufsbildungsforschung zu verstärken. Die Möglichkeiten sind geschaffen. Jetzt braucht es nur noch mehr Nutzer und Unterstützer.


1 Gonon Philipp u.a., Evaluation Berufsbildungsforschung SBFI, Zusammenfassung des Schlussberichts und Empfehlungen, Zürich 2015.
2 https://www.sbfi.admin.ch/sbfi/de/home/themen/berufsbildung/berufsbildungsforschung/leading-houses.html
3 Gonon Philipp u.a., S.12.

09 novembre 2016, Bruno Weber-Gobet, Responsable politique de formation

Vereinfachtes Verfahren für die Erneuerung der institutionellen Akkreditierung

14 septembre 2016, Bruno Weber-Gobet, Responsable politique de formation

„Meine Anliegen als Studierendenvertretung finden Gehör“

Seit Ende Mai ist Anja Schuler Vizepräsidentin des Akkreditierungsrats. Im Interview erklärt die 30-Jährige, wie sie die Anliegen der Studierenden einbringen will und wie sie das anspruchsvolle Amt ausüben will. mehr

Im Akkreditierungsrat sind vorwiegend ältere Herren vertreten – die meisten davon mit Professorentitel. Wie ist es für Sie als junge Frau, in diesem Gremium mitzuarbeiten?
Anja Schuler:* Es stimmt: Junge und Frauen sind in der Minderheit. Aber ich fühle mich durchaus ernst genommen. Meine Anliegen als Studierendenvertretung finden Gehör. Indem man mich als Vizepräsidentin vorgeschlagen hat, will man ja auch ein Zeichen setzen.

Was befähigt Sie für dieses Amt?
Bereits vor meiner Wahl war ich wissenschaftliche Beirätin im Organ für Akkreditierung und Qualitätssicherung (OAQ), der Vorgängerorganisation der heutigen Agentur für Akkreditierung und Qualitätssicherung (AAQ). Damals war ich zum Beispiel bei einer Hochschul-Akkreditierung im Kosovo und an Verfahren der internen Qualitätssicherung der Uni Lausanne beteiligt. Der Verband der Schweizer Studierendenschaften bietet Einführungen für Studierende, die sich für Qualitätssicherung engagieren und vernetzt sie auf europäischer Ebene.

Als Berufstätige, die bereits einen Master-Abschluss hat, sind Sie eigentlich keine repräsentative Vertreterin der Studierenden mehr.
Das stimmt. Aber dank meiner Erfahrung kann ich wohl die Interessen der Studierenden besser einbringen als jemand, der ganz neu ist an einer Hochschule. Ich bin im Verband der Schweizer Studierendenschaften präsent und nehme dessen Anliegen auf. Zudem bin ich weiterhin am Studieren: An der Fernuniversität absolviere ich ein Zweitstudium. Mit Laurent Tschudin sitzt ja auch ein weiterer Vertreter der Studierenden im Akkreditierungsrat.

Welche spezifischen Anliegen wollen Sie als Vertreterin der Studierenden einbringen?
Mir ist vor allem die Partizipation der Studierenden an den Hochschulen wichtig. Das neue Hochschulkoordinations- und -förderungsgesetz (HFKG) bietet dafür gute Voraussetzungen. Wenn die ersten Akkreditierungen von Hochschulen anstehen, werde ich ein Augenmerk auf Qualitätsstandards in Bezug auf Chancengleichheit legen. Weiter ist es mir wichtig, dass eine Hochschule darlegen kann, wie sie ihre Aufgaben im Einklang mit einer wirtschaftlich, sozial und ökologisch nachhaltigen Entwicklung erfüllt.

Womit hat sich der Akkreditierungsrat in den ersten eineinhalb Jahren seines Bestehens beschäftigt?
Wir mussten Regeln und Richtlinien verabschieden und Gesuche verschiedener Akkreditierungs-Organisationen prüfen. Neben der Agentur für Akkreditierung und Qualitätssicherung (AAQ) wollen wir künftig noch andere zulassen. Weiter haben wir erste Hochschulen für die Verfahren zur institutionellen Akkreditierungen akzeptiert. Die ersten Entscheidungen stehen wohl aber erst nächstes Jahr an.

Das alles tönt ein wenig trocken.
Ich finde es spannend. Durch die ausgewogene Zusammensetzung des Gremiums werden verschiedene Interessen und Blickwinkel vertreten. Wir führen konstruktive Diskussionen und finden uns meistens.

Was wird in Ihrer neuen Rolle als Vizepräsidentin auf sie zukommen?
Die Aufgabe des Präsidiums ist es, Geschäfte vorzubereiten und Lösungsvorschläge zu präsentieren. Denn der Akkreditierungsrat trifft sich nur vier Mal im Jahr und muss dann effizient arbeiten können. Zurzeit beschäftigt uns auch die vereinfachte Zweitakkreditierung, wie sie von der Hochschulkonferenz letztes Jahr vorgeschlagen wurde. Die Vorgabe ist nicht so einfach umzusetzen. Denn innerhalb von sieben Jahren kann sich an einer Hochschule viel ändern. Wir wollen sicherstellen, dass die Qualität gewährleistet bleibt.

*Anja Schuler (30) ist seit eineinhalb Jahren Studierenden-Vertreterin im Akkreditierungsrat. Ende Mai wurde sie als Ersatz für die zurückgetretene Prof. Andrea Schenker-Wicki ins Vizepräsidium gewählt, das sie gemeinsam mit Prof. Giambattista Ravano ausübt. Die Waadtländerin hat einen Master in Public Management an der Universität Lausanne erworben und arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei transfair, dem Personalverband des Service public.

27 juin 2016, Andrea Söldi, libre journaliste RP

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