Thèmes – Formation

Das neue Hochschulförderungs- und -koordinationsgesetz

Das neue HFKG ist ein für die Schweizer Bildungslandschaft einzigartiges Projekt: Alle Hochschulen – also Universitäten, ETH, EPFL, Fach- und Pädagogische Hochschulen – werden ab 2015 zentral gefördert und koordiniert. Diese Umstrukturierung bewegt das Hochschul-Umfeld: Neue Organisationen haben sich gebildet, alte verändern sich und die Mitsprache wurde verstärkt. Auch Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, redet mit.

Aus diesem Anlass versenden wir periodisch ein Info-Mail und beleuchten für Sie Akteure, Stärken und noch offene Baustellen des neuen HFKG. Wollen Sie das Info-Mail ebenfalls erhalten, dann tragen Sie sich bitte hier ein:










Ici vous trouvez les textes des Info-Mail :

Vorbereitungskurse im Spannungsfeld von Berufsbildung und akademischer Bildung

Am 1. Januar 2018 treten neue Regelungen im Zusammenhang mit der Finanzierung von Vorbereitungskursen auf Berufs- und Höhere Fachprüfungen in Kraft. Die Hochschulen sind davon auch betroffen – auch sie können Vorbereitungskurse anbieten. Für Travail.Suisse, den unabhängigen Dachverband der Arbeitnehmenden, ist es wichtig, dass die Hochschulen eine klare Vorstellung davon haben, unter welchen Bedingungen sie Vorbereitungskurse ausschreiben und durchführen. mehr

Berufsprüfungen (BP) und Höhere Fachprüfungen (HFP) sind wichtige formale Abschlüsse zur Höherqualifizierung von Fachleuten auf Tertiärstufe. Pro Jahr erreichen rund 18‘000 Personen einen solchen Abschluss. Die grosse Mehrzahl bereitet sich mit einem Vorbereitungskurs auf diese Prüfungen vor. Wer die Prüfung ablegt, hat das Recht, von der öffentlichen Hand 50% der anrechenbaren Kosten für die Vorbereitungskurse zurückzuerhalten – unabhängig vom Prüfungserfolg.

Ein Angebot der Berufsbildung

Die Berufs- und Höheren Fachprüfungen sind Abschlüsse der Berufsbildung und werden im nationalen Qualifikationsrahmen der Berufsbildung eingestuft. Anders als beim Qualifikationsrahmen der Hochschulen wird im Qualifikationsrahmen der Berufsbildung jeder Abschluss individuell eingestuft. Entsprechend bewegen sich zum Beispiel die Abschlüsse der Höheren Fachprüfungen von Niveau 6 bis Niveau 8 1 . Diese an der Praxis orientierten Abschlüsse können daher auch für eine Person mit einem akademischen Abschluss von Interesse sein.

Hochschulen können Vorbereitungskurse anbieten

Auch Hochschulen können Vorbereitungskurse auf Berufs- und Höhere Fachprüfungen anbieten. Eine Voraussetzung für alle Anbieter, also auch für die Hochschulen, ist, dass sie ihr Angebot auf der elektronischen Liste des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation SBFI eintragen. Nur dann können die Teilnehmenden von der öffentlichen Finanzierung profitieren.

Anders als die Abschlüsse sind die Vorbereitungskurse auf die BP und HFP non-formal. Aus Hochschulsicht unterliegen sie daher den Regelungen, die das HFKG 2 auf der Grundlage des Weiterbildungsgesetz WeBiG 3 festlegt. Diese Regelungen sind gegenwärtig in Bearbeitung. Aus Sicht von Travail.Suisse ist es vor allem wichtig, dass in Bezug auf die Vorbereitungskurse im Kontext der Hochschulen Klarheit darüber herrscht, wer

a. das Zielpublikum ist und wer daher Zugang zu den Vorbereitungskursen hat, welche die Hochschulen anbieten und
b. wie das Verhältnis der Vorbereitungskurse zu den anderen Hochschulweiterbildungen gestaltet ist, zum Beispiel im Zusammenhang mit den Durchlässigkeiten und der Anrechenbarkeit.

Insbesondere weil sich in den Vorbereitungskursen auf BP und HFP, die von den Hochschulen angeboten werden, das Berufsbildungssystem und das akademische System überschneiden, macht es aus Sicht von Travail.Suisse Sinn, dass sich die Hochschulen diesbezüglich klare Regelungen geben.


1 https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/20151046/index.html#app1ahref1
2 HFKG, Art. 12.3.a.4 unter Berücksichtigung von Art. 3.i.
3 WeBiG, Art. 2.2

21 novembre 2017, Bruno Weber-Gobet, Responsable politique de formation

Den Zugang zur Weiterbildung für Menschen mit Behinderungen verbessern

Jede Bildungsstätte muss sich fragen, wie Menschen mit Behinderungen ihr Lehrangebot barrierefrei nützen können. Das gilt für den Hochschulbereich wie auch für den Nichthochschulbereich. Travail.Suisse Formation TSF hat ein Projekt gestartet, das den Zugang zur Weiterbildung für Menschen mit einer Sehbehinderung verbessern soll. Bei der Umsetzung wird TSF auch Ergebnisse des Kompetenzzentrums Barrierefreie Kommunikation der Zürcher Hochschule der angewandten Wissenschaften ZHAW und der Universität Genf UNIGE aufnehmen. mehr

Seit dem 1. Januar 2017 ist das Weiterbildungsgesetz WeBiG in Kraft. Es gibt dem Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI die Möglichkeit, Leistungsvereinbarungen mit sogenannten Organisationen der Weiterbildung abzuschliessen (Art. 12 WeBiG). Ziel ist es, die Information, die Koordination und die Entwicklung in Bezug auf die Weiterbildung zu stärken (Art. 1 WeBiV). Eine der Leistungsvereinbarungen hat das SBFI mit Travail.Suisse Formation TSF abgeschlossen. Dabei liegt der Schwerpunkt auf dem Thema “Zugang zur Weiterbildung von Menschen mit Behinderungen”. Ein Ziel des WeBiG ist es, Voraussetzungen zu schaffen, damit alle Personen an Weiterbildung teilnehmen können (Art. 4b WeBiG). Das Gesetz erwähnt dabei explizit auch Menschen mit Behinderungen (Art. 8b WeBiG). Sie sollen die gleichen Chancen beim Zugang zur Weiterbildung haben wie Menschen ohne Behinderungen.

Der Inhalt der Leistungsvereinbarung mit TSF

Dank der abgeschlossenen Leistungsvereinbarung zwischen SBFI und TSF kann TSF das Thema „Chancengleichheit für Menschen mit Behinderungen beim Zugang zur Weiterbildung“ offensiv angehen. Angestrebt werden Vernetzungen zwischen Behindertenorganisationen und Bildungsanbietern. Vorerst liegt der Schwerpunkt der Arbeit bei Menschen mit Sehbehinderungen. TSF wird hierfür eng mit dem Schweizerischer Blinden- und Sehbehindertenverband SBV zusammenarbeiten. Ein wichtiges Ergebnis der Projektarbeit wird eine Kriterienliste für Bildungsanbieter sein. Sie soll Auskunft darüber geben, wie Bildungsangebote gestaltet sein müssen, damit Menschen mit Sehbehinderungen erfolgreich daran teilnehmen können. TSF wird regelmässig über die Entwicklung des Projektes kommunizieren.

Rückgriff auf die Ergebnisse des Kompetenzzentrums Barrierefreie Kommunikation

TSF wird bei der Projektarbeit wenn immer möglich auf die Ergebnisse des Kompetenzzentrums Barrierefreie Kommunikation der ZHAW und UNIGE zurückgreifen. Dieses Kompetenzzentrum konnte dank den projektbezogenen Beiträgen, die vom Schweizerischen Hochschulrat auf der Grundlage des Artikels 59 HFKG im Jahre 2016 bewilligt wurden, aufgebaut werden. Der Fokus bei der Arbeit des Kompetenzzentrums liegt dabei auf einem barrierefreien Zugang zu Bildung und Studium an allen Schweizer Hochschulen. Das Projekt von Travail.Suisse Formation hingegen hat primär die Weiterbildung ausserhalb des Hochschulbereiches im Blick.


Wer ist Travail.Suisse Formation TSF?

Travail.Suisse Formation TSF ist eine Organisation der Weiterbildung, die in allen Sprachregionen der Schweiz tätig und vertreten ist. Die Umsetzung der Leistungsvereinbarung ist ein wichtiger Bestandteil der Arbeit von TSF. Daneben ist TSF aber noch weiteren Zwecken verpflichtet. Gemäss Statuten sind es die folgenden:

  1. sie nimmt Informationsaufgaben in Bezug auf die angeschlossenen Mitgliedsorganisationen und die Öffentlichkeit wahr;
  2. sie übernimmt innerhalb der Arbeitswelt Netzwerk- und Koordinationsaufgaben;
  3. sie setzt sich für Qualitätssicherung und -entwicklung in der Weiterbildung ein;
  4. sie regt zur Entwicklung der Weiterbildung Projekte an und führt diese zusammen mit Mitgliedsorganisationen und/oder Partnern durch; und
  5. sie fördert die Weiterbildung der Arbeitnehmenden und ist bestrebt, die Hürden zur Weiterbildung abzubauen.

Mitglieder von TSF sind das Bildungsinstitut für Arbeitnehmende ARC mit den Arbeitnehmerverbänden Syna, transfair, SCIV, SwissPersona und dem Dachverband Travail.Suisse, das Centro di formazione professionale CFP mit dem Träger OCST und Enaip. Der Vorstand setzt sich zusammen aus Francesco Genova (Präsident), Giuseppe Rauseo (Finanzen) und Bruno Weber-Gobet (Geschäftsführer). TSF kommuniziert dreisprachig (dt./frz./ital.).
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Bruno Weber-Gobet,
Leiter Bildungspolitik Travail.Suisse und Geschäftsführer Travail.Suisse Formation TSF

21 novembre 2017, Bruno Weber-Gobet, Responsable politique de formation

Besser studieren mit Beeinträchtigung

Seh- und Hörbehinderte sehen sich an Hochschulen mit vielen Hürden konfrontiert. Im Rahmen der projektgebundenen Beträge des Bundes will ihnen ein Forscherteam das Studium erleichtern. mehr

Im Hintergrund sieht man ein kleines Kind, das am ganzen Körper zuckt. Gleichzeitig gibt ein Arzt Erklärungen zum Wund-Starrkrampf ab. Mit diesem Film will das Bundesamt für Gesundheit die Bevölkerung für die Tetanus-Impfung gewinnen. Wie aber kann man damit auch Sehbehinderte erreichen? Sie können zwar die Ausführungen hören. Die emotionale Botschaft, die mit den Bildern transportiert wird, bleibt ihnen jedoch verwehrt.

Mit solchen Fragen befasst sich derzeit ein Team der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Die Forschenden des Instituts Übersetzen und Dolmetschen wollen gemeinsam mit Fachkollegen der Universität Genf ein Nationales Kompetenzzentrum für Barrierefreie Kommunikation aufbauen. Im Fokus stehen Menschen mit Seh- oder Hörbehinderungen, mit temporären kognitiven Beeinträchtigungen, wie sie etwa bei schweren Erkrankungen oder in persönlichen Belastungssituationen auftreten können, sowie Fremdsprachige. Ihnen soll der Zugang zu einem Hochschul-Studium erleichtert werden.

Emotionale Bilder beschreiben

Am Beispiel des Kampagnen-Films für die Tetanus-Impfung will man herausfinden, wie Lehrfilme für Sehbehinderte verbessert werden können. Bei der Versprachlichung von Spielfilmen habe man bereits viel Erfahrung, sagt Projektleiterin Susanne Jekat, die in diesem Bereich mit dem Schweizer Fernsehen zusammengearbeitet hat. Populäre Sendungen wie der „Tatort“ oder „der Bestatter“ werden heute für Sehbehinderte aufbereitet. Die in den Bildern enthaltenen Informationen und Eindrücke werden für sie vertextet und zwischen den Dialogen eingefügt. Sind die Lücken in der Originalversion zu kurz, müssen die Dialoge komprimiert werden. Dabei darf der Spannungsaufbau nicht verloren gehen. Zwar gibt es auf dem Markt bereits sogenannte Audiodeskriptionsprogramme, welche die Übersetzung von Bildern unterstützen. Diese sind aber teuer und eignen sich eher für Spielfilme als für Lehrfilme, bei denen die Wissensvermittlung im Vordergrund steht.

Gebärdender Avatar

Weitere Teile des Projekts widmen sich zum Beispiel der maschinellen Übersetzung von gesprochener in Gebärdensprache. Ein entsprechendes System mit einem Avatar wurde an der Universität Genf bereits entwickelt und soll nun für gehörlose Studierende erweitert werden. Ein Forschungsgebiet ist zudem die Einfache Sprache: Für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen, Lernschwierigkeiten oder für Fremdsprachige sollen Fachtexte vereinfacht werden.

In einer ersten Phase verschaffen sich die Forschenden einen Überblick der bereits bestehenden technischen Hilfsmittel und wissenschaftlichen Erkenntnisse. Danach werde diese von Nutzern getestet und für den Gebrauch an Hochschulen adaptiert.

Service für alle Hochschulen

Das Projekt zugunsten Studierender mit Beeinträchtigung wird vom Bund im Rahmen der Projektgebundenen Beiträge 2017-2020 mit 578 000 Franken unterstützt. Insgesamt stehen knapp 225 Millionen Franken für 18 Projekte und Programme zur Verfügung. Das bekannteste davon dürfte wohl jenes für die Erhöhung der Ausbildungsplätze in der Humanmedizin sein, das mit 100 Millionen Franken allein fast die Hälfte des Budgets verschlingt.

Gemäss Vorgabe müssen die Innovationen von gesamtschweizerischer hochschulpolitischer Bedeutung sein, wie auch mit dem geplanten Kompetenzzentrum für Barrierefreie Kommunikation angestrebt wird: „Es soll eine Anlaufstelle werden, an die sich jede Hochschule wenden kann, um die Bedürfnisse ihrer diversen Studierenden mit Beeinträchtigung abzudecken“, erklärt Susanne Jekat.

21 novembre 2017, Andrea Söldi, libre journaliste RP

Berufsbildung 2030: Schnittstellen zum Hochschulbereich

Die Bildung ist durch eine ganze Palette von Megatrends herausgefordert. Die Berufsbildung hat sich die Aufgabe gestellt, im Rahmen des Strategieprozesses Berufsbildung 2030 den Herausforderungen offensiv zu begegnen. Da aber die Berufsbildung nur ein Teil des Bildungssystems bildet, stellt sich die Frage nach Schnittstellen zu anderen Bildungsbereichen wie etwa dem Hochschulbereich. mehr

Im Rahmen ihres Strategieprozesses hat die Berufsbildung, zur der die berufliche Grundbildung, die höhere Berufsbildung und die berufsorientierte Weiterbildung gehören, eine ganze Palette von Megatrends identifiziert, die ihre weitere Entwicklung mehr oder weniger stark beeinflussen werden . Im weiteren Verlauf des Prozesses geht es nun darum, die richtigen Antworten auf die Herausforderungen zu finden . Allfällige Entscheidungen werden auch den Hochschulbereich tangieren. Auf drei Schnittstellen und Überschneidungen sei hier hingewiesen.

1. Reformen in der Berufsbildung können letztlich nur umgesetzt werden, wenn die Lehrerbildung ihre Aus- und Weiterbildungen zeitgerecht und kreativ den allfälligen Reformen anpasst. Die Lehrerbildung aller Stufen findet heute im Hochschulbereich statt. Es scheint daher sinnvoll zu sein, wenn der Berufsbildungs- und Hochschulbereich regelmässig über den Strategieprozess Berufsbildung 2030 austauschen und über die möglichen Folgen für die Lehreraus- und -weiterbildung diskutieren.

2. Im Strategieprozess Berufsbildung 2030 zeichnet sich ab, dass sich die Berufsbildung angesichts verschiedenster Megatrends viel bewusster als Berufsbildung für Jugendliche und Erwachsene verstehen muss. Das lebenslange Lernen muss zu einem prägenderen Zug der Berufsbildung werden. Durch die Frage nach dem lebenslangen Lernen ist auch der Hochschulbereich herausgefordert. Auch er muss Antworten finden auf die Fragen, wie angesichts von Digitalisierung und Globalisierung, von Migration und demografischem Wandel die Hochschulbildung und insbesondere die Hochschulweiterbildung sich entwickeln soll. Aus Sicht von Travail.Suisse scheint es sinnvoll zu sein, ein gezielter Austausch von Berufs- und Hochschulbildung über Fragen des zukünftigen Systems des lebenslangen Lernens in der Schweiz anzustreben, um Schnittstellen, gegenseitige Überschneidungen und Zusammenarbeitsmöglichkeiten zu diskutieren.

3. Im Rahmen der Berufsbildungsstrategie 2030 ist auch die Frage zu debattieren, wie die neuen Lehr- und Lernformen, welche die Digitalisierung ermöglicht, in der Berufsbildung (berufliche Grundbildung, höhere Berufsbildung, berufsorientierte Weiterbildung) sinnvoll eingesetzt werden können. Die Erziehungswissenschaften können der Berufsbildung bei der Beantwortung dieser Frage mit ihren Erkenntnissen unterstützen, wenn sie bereit sind, sich auf diese Fragestellungen einzulassen.

Travail.Suisse hofft, dass die Berufsbildungsstrategie 2030 auch zu einer bewussteren und engeren Zusammenarbeit zwischen der Hochschulbildung und der Berufsbildung führt.

05 avril 2017, Bruno Weber-Gobet, Responsable politique de formation

„Der Ausgleich zwischen Universitäts- und anderen Kantonen gibt zu reden“

Die neue Organisation des Hochschulraums sei gelungen, sagt der ehemalige EDK-Generalsekretär Hans Ambühl. Ein erster Meilenstein sei die Schaffung neuer Studienplätze für angehende Ärzte. Den Beitrag von Travail.Suisse und anderer Organisationen der Arbeitswelt findet der zurückgetretene Sekretär wertvoll. Er ist sich sicher: Die anstehenden Debatten im Hochschulrat werden lebhaft. mehr

Seit Anfang Jahrtausend war Hans Ambühl Generalsekretär der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK). In dieser Funktion hatte er die Zusammenarbeit der Kantone im Hinblick auf das Hochschulförderungs- und Koordinationsgesetz entscheidend geprägt. Anfang April ging der 63-Jährige in Pension und übergab sein Amt an seine Stellvertreterin Susanne Hardmeier. Travail.Suisse hat mit dem Juristen darüber seine Erfahrungen in den neuen Gremien des Hochschulraums gesprochen.

Seit gut zwei Jahren arbeiten die Kantone im Bereich Hochschulen verstärkt zusammen. Funktioniert das?
Hans Ambühl: Ja, sehr gut. Was es zu koordinieren gilt, besprechen die 26 Erziehungsdirektoren nun in der Plenarversammlung der Hochschulkonferenz, unter Leitung des zuständigen Bundesrats und Mitsprache weiterer Beteiligter. Die neue Form hat den Hochschulraum gestärkt. Das ist wichtig, um gegenüber Öffentlichkeit, Behörden, Politikern, Wirtschaft und Ausland geeint auftreten zu können.

Im Hochschulrat können ja neben den 10 Universitätskantonen nur vier weitere Einsitz nehmen. Wie gelingt die Einigung unter den kleineren Kantonen?
Mit dem Rotationsprinzip erhalten alle früher oder später ihre Chance. Dennoch: Der Ausgleich zwischen den grossen Leistungserbringern und den anderen Kantonen ist die grösste Herausforderung bei der Koordination des Hochschulraums. Die Universitätsstandorte tragen stets den Grossteil der Kosten. Für sie war es nicht einfach zu akzeptieren, dass nun auch andere vermehrt mitreden. Die kleineren Kantone dagegen sind darauf angewiesen, dass ihre Bevölkerung gleichberechtigt an den universitären Hochschulen studieren kann. Von den volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Standortvorteilen spüren sie aber wenig.

Was haben die neuen Gremien in den letzten beiden Jahren bereits zustande gebracht?
Das einzige Thema von grosser Tragweite war bis jetzt der Entscheid, neue Studienplätze für angehende Ärzte zu schaffen. Das ist ein Meilenstein: Die Absicht, die kostenintensiven Bereiche zu koordinieren, wird jetzt umgesetzt. Es werden nicht einfach überall neue Fakultäten entstehen, sondern die neuen Anbieter arbeiten mit den bestehenden zusammen.

Kritiker sagen aber gerade, das Impulsprogramm könne das Problem des Hausärztemangels nicht lösen. Zum Beispiel mit den 100 naturwissenschaftlich ausgerichteten Studienplätzen an der ETH. Hätte man bei der Art der Ausbildungen nicht noch stärker koordinieren sollen?
Die neuen ETH-Absolventen werden wohl vor allem der Forschung zu Gute kommen. Damit sich junge Ärzte für Fachrichtungen entscheiden, in denen sie am meisten gebraucht werden, ist jetzt vor allem auch die Gesundheitspolitik gefragt. Der Bereich Bildung hat seinen Teil fürs Erste getan.

Wie erlebten Sie die Mitarbeit der anderen Beisitzenden? Zum Beispiel von Studierenden, Hochschul-Dozierenden, Arbeitgebern- und nehmern?
Die Erfahrungen, welche diese Player einbringen, sind wertvoll. Doch einige haben sich wohl noch nicht ganz in ihre Rolle eingelebt. Zum Beispiel wäre es wichtig, spezifische Anliegen rechtzeitig zu äussern, statt im Nachhinein eine kritische Stellungnahme zu verfassen. Das fand ich zum Beispiel im Fall des Impulsprogramms für Mediziner nicht optimal: Der Medizinstudierendenverband merkte unter anderem an, dass auch in die Ausstattung der Fakultäten investiert werden müsse – dies zwar zu Recht, aber etwas spät.

Und was haben Sie speziell an die Adresse von Travail.Suisse mitzuteilen?
Ich schätze das Engagement von Travail.Suisse. Die Organisation richtet ihren Blick auch auf die angrenzenden Bereiche wie etwa die Höhere Berufsbildung und die Höheren Fachschulen. Es ist sehr wichtig, diese mitzudenken. Weiter setzt sich Travail.Suisse für die Entwicklung der Fachhochschulen ein – ebenfalls ein berechtigtes Anliegen.

Welches sind aus Ihrer Sicht die drängenden Themen der EDK?
Besonders wichtig sind uns die Anliegen der Pädagogischen Hochschulen. Denn eine gut ausgebildete Lehrerschaft auf Grundschulstufe bildet die Basis für alle weiteren Bildungsbereiche. Dass die Pädagogischen Hochschulen ebenfalls Teil des Hochschulraums sind, ist eine Chance für sie. So kommen sie zum Beispiel in den Genuss von projektgebundenen Beiträgen und können sich entsprechend weiterentwickeln.

Was für Traktanden werden die Erziehungsdirektoren demnächst beschäftigen?
Als Nächstes werden sie die interkantonale Universitätsvereinbarung (IUV) erneuern. Sie regelt die Finanzierung unter den Kantonen und ermöglicht die Freizügigkeit für die Studierenden. Unter anderem stimmt die Kompensation des Brain Drains nicht mehr: Heute erhalten sechs Kantone eine Art Rabatt, weil viele ihrer Studierenden nicht mehr in den Heimatkanton zurückkehren. Diese Regelung ist überholt. Und auch der neue Finanzausgleich (NFA) hat die Situation verändert. Es ist anzunehmen, dass das Aushandeln einer neuen Vereinbarung lebhaft wird.

Was haben Sie jetzt vor, da Sie von diesem fordernden Amt zurückgetreten sind?
Ich werde mich weiterhin im Bildungsbereich engagieren. Zum Beispiel als Präsident der Schweizerischen Maturitätskommission und der Schweizer Schulen im Ausland. Für diese und andere Mandate habe ich bald mehr Zeit zur Verfügung – und bin auch unabhängiger.

05 avril 2017, Andrea Söldi, libre journaliste RP

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