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Das neue Hochschulförderungs- und -koordinationsgesetz

Das neue HFKG ist ein für die Schweizer Bildungslandschaft einzigartiges Projekt: Alle Hochschulen – also Universitäten, ETH, EPFL, Fach- und Pädagogische Hochschulen – werden ab 2015 zentral gefördert und koordiniert. Diese Umstrukturierung bewegt das Hochschul-Umfeld: Neue Organisationen haben sich gebildet, alte verändern sich und die Mitsprache wurde verstärkt. Auch Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, redet mit.

Aus diesem Anlass versenden wir periodisch ein Info-Mail und beleuchten für Sie Akteure, Stärken und noch offene Baustellen des neuen HFKG. Wollen Sie das Info-Mail ebenfalls erhalten, dann tragen Sie sich bitte hier ein:










Ici vous trouvez les textes des Info-Mail :

Mit 100 Millionen ist nur ein kleiner Teil des Problems gelöst

Im Rahmen der BFI-Botschaft 2017-2020 wurde beschlossen, ein Spezialprogramm für Humanmedizin zu starten. Mit 100 Millionen Franken soll die Anzahl der Studienabgängerinnen und Studienabgänger von 860 im Jahre 2014 auf 1350 im Jahre 2025 steigen. Dabei ist man insbesondere daran interessiert, mehr Ärzte und Ärztinnen für die medizinische Grundversorgung zu gewinnen. Das wird allerdings nur gelingen, wenn die verschiedenen Akteure in diesem Bereich dieses Ziel bewusst ins Auge fassen und zu seinen Gunsten Entscheidungen treffen. mehr

Das Geld für mehr Studienplätze in Humanmedizin ist nun also vorhanden. Die Finanzierung allein genügt jedoch nicht. Es braucht wichtige, nachgelagerte Entscheidungen der verschiedensten Akteure.

• In den Hochschulen ist die Ausbildung so aufzubauen, dass die Chance erhöht wird, dass Medizinstudierende vermehrt beruflich in die medizinische Grundversorgung einsteigen. Untersuchungen zeigen, dass sich diesbezüglich zwei Kriterien als wirksam erwiesen: Longitudinale Programme und frühe klinische Erfahrungen 1 .

• Die Finanzierung der nach dem Studium folgenden ärztlichen Weiterbildung braucht interkantonale Regelungen. Seit Dezember 2014 läuft ein Beitrittsverfahren in Bezug auf die „Vereinbarung zur Finanzierung der ärztlichen Weiterbildung 2 “. Diese Vereinbarung tritt in Kraft, wenn ihr mindestens 18 Kantone beigetreten sind. Gegenwärtig haben 11 Kantone die Vereinbarung unterschrieben 3 . Es fehlen also mindestens noch sieben Kantone, damit diese interkantonale Vereinbarung in Kraft treten kann.

• In Bezug auf die Weiterbildung der Hausärzte und Hausärztinnen besteht ein Praxisassistenzprogramm, welches von den Kantonen und der der Stiftung zur Förderung der Weiterbildung in Hausarztmedizin WHM getragen wird. Die Praxisassistenzprogramme erlauben „Assistenzärzt/innen in der Fachrichtung Allgemeine Innere Medizin eine Weiterbildung bei erfahrenen Hausärztinnen und Hausärzten in der Praxis“ zu absolvieren 4. Gemäss Jahresbericht WHM dürfte die Finanzierung der kantonalen Programme „zwar mittel-, nicht aber langfristig gesichert sein 5 “. Eine schlechte Botschaft, wenn man bedenkt, dass das Praxisassistenzprogramm eigentlich stark ausgebaut werden müsste, wenn man mehr Hausärzte haben möchte.

• Soll es mehr Hausärzte und Hausärztinnen geben, so braucht es nicht nur ein Halten der gegenwärtigen Weiterbildungsplätze, sondern es braucht einen starken Ausbau. Dazu braucht es Finanzen, aber auch mehr Hausärzte und Hausärztinnen, die bereit sind, sich selber als Lehrpraktiker auszubilden und Weiterbildungsplätze in ihrer Praxis anzubieten. Die Frage stellt sich: Existiert diesbezüglich ein Potential an Hausärzten und Hausärztinnen? Wie gross ist es? Mit welchen Massnahmen kann das Potential allenfalls gesteigert werden?

• Soll es mehr Hausärzte und Hausärzte geben, so muss auch die Attraktivität des Berufs „Hausarzt/Hausärztin“ verbessert werden. Dazu braucht es die Bereitschaft der gesamten Ärzteschaft inklusive Spezialärzte, der Krankenkassen und der Politik, dieses Ziel zu verfolgen.

Werden all diese anstehenden Herausforderungen ernstgenommen, so zeigt es sich, dass die 100 Millionen aus dem Topf der Bildung nur ein kleiner Schritt auf einem langen und schwierigen Weg zu mehr Hausärzten ist.


1 http://berufsbildungspolitik.info/?attachment_id=659
2 Interkantonale Vereinbarung über die kantonalen Beiträge an die Spitäler zur Finanzierung der ärztlichen Weiterbildung und deren Ausgleich unter den Kantonen (Weiterbildungsfinanzierungvereinbarung WFV) http://www.gdk-cds.ch/fileadmin/docs/public/gdk/themen/gesundheitsberufe/medizinalberufe/aerztliche_weiterbildung/ikv_wfv_plenar_beitrv_20141120_d.pdf
3 http://www.gdk-cds.ch/fileadmin/docs/public/gdk/themen/gesundheitsberufe/medizinalberufe/aerztliche_weiterbildung/tb_wfv_ratifkanton_20161231_d-f.pdf
4 http://www.gdk-cds.ch/index.php?id=1130&L=1%20%3A
5 Stiftung zur Förderung der Weiterbildung in Hausarztmedizin: Jahresbericht 2015, S.1: „Die Finanzierung der kantonalen Programme dürfte zwar mittel-, nicht aber langfristig gesichert sein. Für die Politik ist die Praxisassistenz nach wie vor „nur“ ein Instrument zur Förderung der Hausarztmedizin und nicht primär ein verbindlicher und akkreditierter Weiterbildungsgang der Fachrichtung Allgemeine Innere Medizin bzw. Kinder- und Jugendmedizin. Es ist notwendig, dass alle Kantone, vor allem aber die Kantone Bern und Zürich die Praxisassistenzstellen nicht verringern und wenn immer möglich, diese ausbauen. Die Praxisassistenz muss langfristig gesichert sein, wie dies auch bei den stationären Weiterbildungsstellen der Fall ist.“

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3 HFKG Hausaerzte d.docx 46 KB

05 avril 2017, Bruno Weber-Gobet, Responsable politique de formation Drucker-icon

Unispitäler und Hochschulen kritisieren Impulsprogramm für mehr Ärzte

Noch mehr Spezialisten statt endlich genügend Hausärzte – so die Befürchtung von Universitäre Medizin Schweiz. Nun fordert der Verband eine stärkere Lenkung durch die Politik. mehr

100 Millionen Franken für mehr Abschlüsse in der Medizin – der Betrag wurde mittlerweile bewilligt und bereits aufgeteilt auf die Hochschulen, welche neue Studienplätze schaffen wollen. Doch ist die Massnahme geeignet, den Mangel an Haus- und Kinderärzten zu lindern? Der Verband Universitäre Medizin Schweiz* hegt starke Zweifel. „Die Entscheidung für eine Fachrichtung fällt meist erst nach dem Studium“, gibt Henri Bounameaux zu bedenken. Deshalb bestehe in der Weiterbildungsphase mindestens so starker Handlungsbedarf, findet der Verbands-Vizepräsident.

Zwar begrüsst Universitäre Medizin Schweiz, dass die Anzahl jährlicher Abschlüsse von derzeit 1100 auf rund 1300 erhöht werden soll. Doch nicht alle Programme seien gleichermassen geeignet, die angehenden Ärzte für die Grundversorgung zu motivieren, bemängelt Bounameaux. Insbesondere das Vorgehen der ETH, welche ab diesem Herbst einen naturwissenschaftlich-technisch ausgerichteten Bachelorstudiengang in Medizin anbietet, hält der Dekan der medizinischen Fakultät Genf nicht für sinnvoll: „Das ist Verschwendung von Steuergeldern.“ Mit der Passerelle, welche Bachelor-Absolventen der ETH Lausanne an die Universitäten Genf und Lausanne führt, könne man bereits genügend naturwissenschaftlich orientierte Spezialisten ausbilden. Wichtig sei, dass die neuen Anbieter medizinischer Ausbildungen eng mit den bestehenden Fakultäten zusammenarbeiten. Nur so könne man unsinnige Konkurrenzsituationen vermeiden und die Qualität weiterhin gewährleisten.

Anreize falsch gesetzt

Kritisch äussert sich der Angiologe aber auch den eigenen Verbandsmitgliedern gegenüber: In den Universitätsspitälern gebe es zu viele mehrjährige Assistenzstellen für angehende Spezialisten. Viele davon eröffnen bald eine eigene Praxis, weshalb den Spitälern einheimisches Personal fehlt. Die auf ein Jahr befristeten Stellen, welche für künftige Grundversorger geeignet sind, seien dagegen knapp. Eine interne Arbeitsgruppe will sich nun mit dem Problem befassen. Hausärzte erlernen ihr Handwerk häufig in den Fachbereichen Innere Medizin, Dermatologie, Rheumatologie und Hals-Nasen-Ohrenmedizin. Zudem sollten sie sich Kenntnisse in einer Hausarztpraxis aneignen. Gemäss Bounameaux gibt es aber zu wenige Hausärzte, die gewillt sind, ihresgleichen auszubilden – obwohl sie damit ihre Nachwuchsprobleme lösen könnten. Auch Hausarzt-Praktikumsplätze für das Wahlstudienjahr kämen die Fakultäten teuer zu stehen. „Der Kanton müsste Hausärzte fürs Ausbilden bezahlen“, fordert Bounameaux. Denn während Assistenzärzte bereits genügend qualifiziert sind, um einen Lohn zu erhalten, seien Unterassistenten noch nicht so weit.
Eine gute Sache seien die Hausarztprogramme, die unterdessen sämtliche medizinischen Fakultäten anbieten, schreibt Universitäre Medizin Schweiz in ihrem Positionspapier. Doch weil dafür zu wenig Geld zur Verfügung steht, müssten Interessiert abgewiesen werden.

Geld und Zwang

Neben den finanziellen Begehren wünscht sich der Verbands-Vizepräsident mehr Gestaltungswille vonseiten der Politik. Erstens müsste endlich die Tarifordnung zugunsten der Hausärzte angepasst werden – auch wenn sich die besser verdienenden Spezialisten dagegen wehren. Zweitens brauche es Anreize für Arztpraxen in ländlichen Regionen – zum Beispiel auf Initiative von Gemeinden. Und drittens kann sich Henri Bounameaux sogar vorstellen, eine gewisse Dienstzeit in einer Hausarztpraxis nach dem Arztdiplom für obligatorisch zu erklären. „Das Studium ist gratis. Da wäre es nur recht, wenn die angehenden Ärzte der Gesellschaft etwas zurückgeben.“ Natürlich er sich bewusst, dass die Forderung in einem freiheitlichen Land schwierig zu verwirklichen ist.

*_Der Verband Universitäre Medizin Schweiz (unimedsuisse) wurde 2015 gegründet. Die fünf Universitätsspitäler sowie ihre dazugehörigen medizinischen Fakultäten (Basel, Bern, Genf, Lausanne, Zürich) haben sich darin zusammengeschlossen, um ihre gemeinsamen Interessen zu vertreten._

Andrea Söldi, Journalistin BR

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4 HFKG Medizin-Unimedsuisse d.docx 42 KB

05 avril 2017, Andrea Söldi, libre journaliste RP Drucker-icon

Neue Position verleiht dem Lehrerberuf Anerkennung

Bis Ende 2014 war die Ausbildung von Lehrpersonen ausschliesslich Sache der Kantone. Seit Inkrafttreten des neuen Hochschulkoordinations- und Förderungsgesetzes (HFKG) Anfang letzten Jahres gehören auch die Pädagogischen Hochschulen zum Schweizerischen Hochschulraum. Travail.Suisse hat mit Hans-Rudolf Schärer darüber gesprochen, was dies für die PH bedeutet.* mehr

Seit bald zwei Jahren sind die Pädagogischen Hochschulen auf gleicher Ebene wie die universitären Hochschulen und die Fachhochschulen angesiedelt. Wie wichtig war dieser Schritt für Ihren Bildungsbereich?
Hans-Rudolf Schärer: Damit wird anerkannt, dass der Lehrerberuf anspruchsvoll und für die Gesellschaft bedeutsam ist – auch auf Primarstufe. Im Umfeld der SVP wurde in der Vergangenheit gelegentlich die Meinung geäussert, Lehrpersonen bräuchten gar kein Studium, sondern eine Lehre genüge. Solche Ideen sind somit vom Tisch.

Das heisst, es geht den PH vor allem um Wertschätzung?
Darüber hinaus entstehen ganz konkrete Vorteile. Zum Beispiel arbeiten wir nun in diversen thematischen Delegationen von Swissuniversities mit und bringen dort die Interessen von Schule und Lehrerbildung ein. Im Bereich Forschung ist dies etwa die Entwicklung zu Open Access: Wenn wissenschaftliche Publikationen künftig im Internet frei zugänglich sind, können sie auch unsere Dozierenden und Studierenden niederschwellig und kostenlos nutzen. Unsere neue Position vereinfacht zudem die Forschung gemeinsam mit anderen Hochschultypen. Und auch die nun vorgeschriebenen Akkreditierungen werden die Qualität unseres Hochschultyps fördern.

Vor Inkrafttreten des HFKG hegten Fachhochschulen und PH zum Teil die Befürchtung, von den renommierten Universitäten nicht ganz für voll genommen zu werden. Wie erleben Sie nun die Zusammenarbeit in der Rektorenkonferenz?
Die Atmosphäre ist konstruktiv. Es gilt der vielzitierte Grundsatz: Die drei Hochschultypen sind verschiedenartig, aber gleichwertig. Gegen aussen tritt die ganze Organisation mit einer Stimme auf. Dies verleiht uns Gewicht im gesellschaftlichen Diskurs und der Politik gegenüber. Zum Beispiel machen sich im Rahmen von Swissuniversities alle Hochschulen gemeinsam dafür stark, dass wir weiterhin am Europäischen Forschungsprogramm Horizon 2020 teilnehmen können.

Wie wichtig sind für die PH die Durchlässigkeit zwischen den Hochschultypen sowie die Promotionsmöglichkeiten?
Da haben wir vor allem in unserem Kerngebiet – dem Bereich Fachdidaktik – grossen Bedarf. Wir brauchen eigenen kompetenten Nachwuchs für die Forschung und Lehre. Zusammen mit anderen Hochschulen bauen wir nun Doktoratsprogramme auf. Die Betreuung der Doktorierenden wird zu einem wesentlichen Teil an den PH stattfinden, die Titel dürfen aber nur die Universitäten vergeben.

Verschärft sich mit der Integration in den Schweizerischen Hochschulraum für die PH nicht auch die Konkurrenzsituation mit anderen Hochschultypen? Zum Beispiel beim Kampf um die beschränkten Bildungsgelder?
Das betrifft uns weniger, weil wir grossmehrheitlich über die Kantone finanziert werden. Doch neu können wir im Rahmen der projektbezogenen Beiträge ebenfalls von Bundesmitteln profitieren. Dies wird nun mit einer grossen Fachdidaktik-Initiative bereits aktuell.

Wie soll diese Initiative aussehen?
Es sind zahlreiche Masterstudiengänge in den verschiedenen Fachdidaktik-Bereichen geplant, die in der Hauptverantwortung der PH liegen. Bei uns in Luzern bieten wir zum Beispiel bald einen Masterstudiengang in Geschichtsdidaktik in Zusammenarbeit mit anderen PH und Universitäten an. In einigen Kantonen – zum Beispiel Bern und Luzern – erwerben angehende Gymnasiallehrpersonen ihr didaktisches Knowhow bereits jetzt an der PH. Unsere Kernkompetenz ist die Befähigung zum Vermitteln von Wissen. Diese wollen wir vermehrt verschiedenen Gesellschaftsbereichen zur Verfügung stellen. Nicht nur Lehrpersonen brauchen didaktische Fähigkeiten, sondern zum Beispiel auch Personen im mittleren Management von Betrieben. Ich sehe in diesem Bereich noch viel Potenzial.

* Hans-Rudolf Schärer ist Rektor der Pädagogischen Hochschule Luzern, Präsident der Kammer Pädagogische Hochschulen von Swissuniversities (dem Verein der Hochschulrektoren) sowie einer der Vizepräsidenten von Swissuniversities.

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HFKG Interview H-R-Schearer d.pdf 164 KB

09 novembre 2016, Andrea Söldi, libre journaliste RP Drucker-icon

BFI-Botschaft: Zusammenarbeit zahlt sich aus

Die Organisationen der Hochschulen und der Berufsbildung haben zum ersten Mal im Hinblick auf die Erarbeitung der Botschaft für Bildung, Forschung und Innovation (BFI-Botschaft) zusammengearbeitet – zum Glück, muss man sagen. Denn sonst hätte wahrscheinlich der Kompromiss im Parlament nicht erreicht werden können. mehr

Vor gut zwei Jahren haben sich die Interessengruppen der Hochschulen und der Berufsbildung zusammengesetzt, um über ihre Erwartungen im Zusammenhang mit der BFI-Botschaft 2017-2020 zu diskutieren. Das war das erste Mal seit der Einführung des BFI-Prozesses. Sowohl die Hochschulen wie auch die Berufsbildung beschrieben in diesen Diskussionen ihre aktuelle Situation und Probleme und formulierten ihre Prioritäten aus. Dadurch stieg auf beiden Seiten das gegenseitige Verständnis für die jeweiligen Anliegen. Statt zu einem Nebeneinander oder gar Gegeneinander kam es im politischen Prozess zu einem Miteinander.

Die BFI-Botschaft unter Spardruck

Leider geriet die BFI-Botschaft im Laufe ihrer Entwicklung unter Spardruck. Ohne die Ziele zu verändern, kürzte der Bundesrat die für Bildung, Forschung und Innovation vorgesehenen Finanzen für die Jahre 2017-2020. Das bedeutete für alle Bildungsbereiche, insbesondere auch für die Berufsbildung, eine enorme Schwächung. Im parlamentarischen Prozess stützte dabei die nationalrätliche Finanzkommission die bundesrätliche Vorlage und obsiegte im Nationalrat gegen die Anträge der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK-N). Wie sollten sich nun die verschiedenen Bildungsbereiche verhalten?

Miteinander statt gegeneinander

Zum Glück hat sich das Miteinander der Interessengruppen der Hochschulen und der Berufsbildung erhalten. So konnte über den Sommer hinweg ein gemeinsamer Kompromissvorschlag erarbeitet werden, der den ständerätlichen Kommissionen (Finanzkommission, WBK-S) unterbreitet werden konnte. Der Vorschlag nahm sowohl finanzpolitische wie auch bildungspolitische Argumente auf. Dieser Vorschlag wurde sowohl vom Ständerat wie auch vom Nationalrat – sogar mit einer kleinen Ergänzung – angenommen und ist damit ein klarer Erfolg des Miteinanders der Hochschulen und der Berufsbildung.

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HFKG BFI-Botschaft d-2.pdf 142 KB

09 novembre 2016, Bruno Weber-Gobet, Responsable politique de formation Drucker-icon

Lehrpersonen für Technik begeistern

Um den Fachkräftemangel in technischen Berufen zu lindern, gibt es bereits etliche Initiativen. Einen speziellen Ansatz verfolgt nun ein gemeinsames Projekt von Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen. mehr

Die Fachhochschulen verfügen über technisches Wissen, die Pädagogischen Hochschulen sind auf das Vermitteln von Inhalten spezialisiert. Nun wollen die beiden Hochschultypen zusammenarbeiten. Je fünf Institutionen jeder Kategorie haben gemeinsam beim Bund einen Projektantrag eingereicht, um das Interesse an den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) zu steigern.

Dass in diesem Bereich ein Fachkräfte-Mangel besteht und vor allem Frauen für entsprechende Berufe schwierig zu begeistern sind, ist ein schon länger erkanntes Problem. Verschiedene Player haben bereits Lösungsansätze entwickelt. Der Ansatz über die Lehrpersonen sei aber eine relativ neue Idee, erklärt Projektleiter Jürg Christener. „Wir wollen Lehrpersonen als Multiplikatoren gewinnen“, erklärt der Direktor der Hochschule für Technik an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Naturwissenschaftliche Fächer seien spannend, doch besonders unter Frauen häufig mit Ängsten verbunden. „Mit geeigneten Methoden kann man technisches Knowhow besser zugänglich machen“, ist der ETH-Ingenieur überzeugt.

Effekt tritt nicht morgen ein

Wie sich die konkrete Umsetzung gestalten wird, ist noch nicht in Stein gemeisselt. Angedacht sind Weiterbildungen für Dozierende an Pädagogischen Hochschulen, um sie bei der Entwicklung von Modulen für angehende Lehrpersonen zu unterstützen. Weiter sollen Angebote entstehen für Lehrpersonen, die bereits im Berufsleben stehen. Ab kommendem Jahr wollen die Beteiligten die Lehrpläne an den Pädagogischen Hochschulen gemeinsam unter die Lupe nehmen und geeignete Gefässe identifizieren. Das Ziel sei nicht, das Studium mit neuen Inhalten zu überfrachten, beteuert Christener. Vielmehr sollen die bestehenden Lehrveranstaltungen zugunsten der technischen Affinität verbessert werden.

Wie bei allen Bemühungen in diesem Bereich, sei das Projekt langfristig angelegt und die Wirkung schwierig zu messen, räumt Christener ein. Bis die Lehrpersonen, die in den Genuss der optimierten Ausbildung gekommen sind, im Schulzimmer stehen und ihre Schüler und Schülerinnen in die Arbeitswelt einsteigen, wird es mindestens zehn Jahre dauern, ist ihm bewusst. Die Berufswahl folge in der Schweiz immer noch stark traditionellen Rollenmustern. „Es geht darum, gesellschaftliche Werte zu verändern, und das braucht Zeit.“ Immerhin seien MINT-Studiengänge an Fachhochschulen in den letzten vier Jahren etwas beliebter geworden, sogar bei Frauen, weiss Christener, der sich zudem als Präsident des Vereins NaTech Education für die Verbesserung des naturwissenschaftlich-technischen Unterrichts engagiert. Dass diese Entwicklung mit der MINT-Förderung zusammenhänge, sei natürlich nicht nachweisbar.

Pädagogen zeigen sich offen

Der Projektantrag erfolgt im Rahmen der projektgebundenen Beiträge, welche das neue Hochschulkoordinations- und Förderungsgesetz für Hochschulübergreifende Projekte vorsieht. Die Gesamtkosten von 6 Millionen Franken werden je hälftig vom Bund und den zehn beteiligten Institutionen* getragen. Der Betrag wurde bereits bewilligt – unter Vorbehalt, dass das Budget für Bildung, Forschung und Innovation vom Parlament nicht noch gekürzt wird. Die Umsetzung soll nächstes Jahr beginnen und bis 2020 dauern.

Die Initiative für das Projekt sei von der technischen Seite ausgegangen, sagt Jürg Christener. „Wir sind positiv überrascht, wie offen unser Vorpreschen bei den Vertretern der Pädagogischen Hochschulen aufgenommen wurde.“

* Das Projekt „Aufbau eines nationalen Netzwerks zur Förderung der MINT-Bildung – hochschultypenübergreifende Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen“ wird von folgenden Hochschulen getragen:
- Fachhochschule Nordwestschweiz, Hochschule für Technik (Projektleitung)
- Hochschule Luzern HSLU (Departement Informatik, Departement Technik & Architektur)
- Berner Fachhochschule BFH
- Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana SUPSI (Department of Innovative Technologies DTI)
- Fachhochschule Ostschweiz FHO (Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur)
- Pädagogische Hochschule FHNW (PH FHNW)
- Pädagogische Hochschule Luzern (PH LU)
- Pädagogische Hochschule Graubünden (PH GR)
- Pädagogische Hochschule Bern (PH BE)
- Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana SUPSI (Dipartimento Formazione e Apprendimento DFA)

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HFKG MINT-Projekt d.pdf 180 KB

09 novembre 2016, Andrea Söldi, libre journaliste RP Drucker-icon