Thèmes – Formation – LEHE

Das neue Hochschulförderungs- und -koordinationsgesetz

Das neue HFKG ist ein für die Schweizer Bildungslandschaft einzigartiges Projekt: Alle Hochschulen – also Universitäten, ETH, EPFL, Fach- und Pädagogische Hochschulen – werden ab 2015 zentral gefördert und koordiniert. Diese Umstrukturierung bewegt das Hochschul-Umfeld: Neue Organisationen haben sich gebildet, alte verändern sich und die Mitsprache wurde verstärkt. Auch Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, redet mit.

Aus diesem Anlass versenden wir periodisch ein Info-Mail und beleuchten für Sie Akteure, Stärken und noch offene Baustellen des neuen HFKG. Wollen Sie das Info-Mail ebenfalls erhalten, dann tragen Sie sich bitte hier ein:










Ici vous trouvez les textes des Info-Mail :

Zweit-Akkreditierungen werden einfacher

Für die Hochschulen ist das Akkreditierungs-Verfahren eine aufwändige Sache. Die Hochschulkonferenz hat deshalb beschlossen, die zweiten Durchläufe zu vereinfachen. Die Arbeiten für einen konkreten Vorschlag sind im Gange. mehr

Um Teil des schweizerischen Hochschulraums zu sein und Bundesgelder zu erhalten, müssen sich sämtliche Hochschulen alle sieben Jahre institutionell akkreditieren lassen. Das Verfahren ist beanspruchend: Die Schulen setzen zuerst einen Ausschuss mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Ebenen ein, der eine umfassende Selbstbeurteilung vornimmt. Danach führen Expertinnen und Experten der Schweizerischen Agentur für Akkreditierung und Qualitätssicherung (AAQ) Gespräche vor Ort und prüfen die Qualitätssicherungs-Instrumente. Sie schreiben einen Bericht zuhanden des Akkreditierungsrats, der schliesslich über die Akkreditierung entscheidet. Alles in allem dauert das Prozedere zwölf bis 15 Monate.

In einem Interview mit Travail.Suisse zeigte sich Bernhard Pulver letztes Jahr skeptisch: „Ich befürchte, dass der Prozess mit einem riesigen Aufwand für die Hochschulen verbunden ist, welcher der Bildung in diesem Land nichts bringt“, sagte der Vizepräsident der Schweizerischen Hochschulkonferenz und Erziehungsdirektor des Kantons Bern. Im vergangenen Mai hat die Hochschulkonferenz deshalb beschlossen, dass die zweiten Durchläufe mit einem vereinfachten Verfahren ablaufen sollen, sofern die Hochschule beim ersten Mal ohne Auflagen akkreditiert wurde. Die AAQ ist zurzeit daran, einen Vorschlag zu entwerfen.

Weniger Experten und Gespräche

„Wir stehen noch ganz am Anfang der Arbeiten“, hält AAQ-Vizedirektorin Geneviève Le Fort fest. In einem ersten Schritt hat sie sich nach bereits vorhandenen Erfahrungen mit dem Thema umgesehen. Einerseits hat sie sich mit einem Fragebogen an die Hochschulen gewandt, die sich kürzlich einer institutionellen Erstakkreditierung unterzogen haben. „In den eingegangenen Antworten wurde das Vorhaben mehrheitlich begrüsst“, sagt Geneviève Le Fort. Die Hochschulen – darunter etwa die Kalaidos Fachhochschule in Zürich und die Franklin University bei Lugano – könnten sich vorstellen, dass die Verfahren mit weniger Experten und kürzeren Besuchen vonstattengehen. Der derzeitige Standard sind fünf Expertinnen oder Experten, die während zweieinhalb Tagen Personen vor Ort befragen. Auch wurde vorgeschlagen, die Zeitspanne zwischen zwei Akkreditierungen zu verlängern.

Anderseits erkundigte sich die AAQ bei anderen Akkreditierungs-Agenturen im europäischen Ausland nach deren Handhabung. „Keine davon führt zurzeit vereinfachte Verfahren durch“, hat Le Fort erfahren. Generell werde der Übergang von der Akkreditierung einzelner Studiengänge zu jener der gesamten Institution bereits als Vereinfachung angesehen. Einzelne Agenturen prüfen jedoch die Verlängerung der Zwischenperioden.

Internationale Standards einhalten

Ein erster Vorschlag für die Zweitakkreditierungsverfahren soll im Juni dieses Jahres vorliegen. Nachdem betroffene Gremien wie etwa der Akkreditierungsrat und die Rektorenkonferenz Stellung genommen haben, hat die AAQ bis im Dezember Zeit für eine Überarbeitung. Die Genehmigung durch die Schweizerische Hochschulkonferenz ist für den Mai 2017 vorgesehen.

Die AAQ verschliesse sich dem Anliegen der Hochschulkonferenz nicht, versichert die Vizedirektorin. „Wir sind vollkommen offen für neue Lösungen und zuversichtlich, dass wir uns finden.“ Wichtig sei einfach, dass das neue Verfahren den internationalen und europäischen Richtlinien entspreche.

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02 février 2016, Andrea Söldi, libre journaliste RP Drucker-icon

Hausärztinnen statt Schönheitschirurgen

Um die Gelder, die der Bund für die Ärzteausbildung in Aussicht stellt, bewirbt sich auch die Universität Fribourg. Mit ihrem neuen Masterstudiengang will sie helfen, den Hausärztemangel zu vermindern. mehr

100 Millionen Franken will der Bund investieren, um neue Studienplätze für angehende Ärztinnen und Ärzte zu schaffen. Doch wenn die zusätzlichen Mediziner sich dereinst grösstenteils für die Schönheitschirurgie oder andere beliebte Spezialgebiete entscheiden, ist das Ziel verfehlt. Gebraucht werden vor allem mehr Hausärztinnen und Hausärzte und Psychiaterinnen und Psychiater.

Genau hier setzt die Universität Fribourg an. Ab 2019 will sie am Kantonsspital Fribourg 40 Master-Studienplätze mit einer Vertiefung in der Hausarztmedizin schaffen. Wie an der gesamten Hochschule wird der Unterricht teilweise auf Deutsch und teilweise auf Französisch stattfinden. Derzeit bietet Fribourg einen Bachelorstudiengang in Medizin mit rund 100 Plätzen an. „Wir wollen einen Beitrag leisten, um den Hausärztemangel zu lindern“, sagt Jean-Pierre Siggen, Erziehungsdirektor des Kantons Fribourg. Als Kanton mit einem Nicht-Universitätsspital sei dies zudem eine sinnvolle Nische.

Das Image verbessern

Doch wie will die Universität angehende Ärztinnen und Ärzte für die Grundversorgung gewinnen angesichts der Tatsache, dass die Bedingungen im Vergleich mit den Spezialgebieten nicht besonders attraktiv sind? Einerseits werde man im Masterstudiengang eng mit praktizierenden Hausärztinnen und Hausärzten zusammenarbeiten, erklärt Siggen. Die Generalisten sollen als Professoren und Dozenten eingebunden werden; weiter will man Studierenden Praktika in Hausarztpraxen vermitteln. Anderseits soll im neu geschaffenen Institut die Forschung vorangetrieben werden und der Hausarztmedizin zu höherem Ansehen verhelfen. „In vielen anderen Ländern hat sich gezeigt, dass solche Massnahmen bei den Studierenden das Interesse für die Hausarztmedizin wecken können“, sagt der Regierungsrat.

Dennoch: Die Spezialisierung auf ein Fachgebiet erfolgt erst nach dem Studium, in den Assistenz-Jahren. Bei der Konzentration auf die Hausarztmedizin handle es sich lediglich um eine Orientierung, betont Siggen. Im Prinzip stehen den Absolventinnen und Absolventen auch nach dem Studium noch sämtliche Fachrichtungen offen.

Rektorenkonferenz koordiniert Projekte

Gemäss einer Machbarkeitsstudie wäre der Studiengang mit einer Anschubfinanzierung von rund 3,5 Millionen Franken zu realisieren. Dazu kommen die Kosten für ein neues Unterrichtsgebäude am Kantonsspital Fribourg sowie jährliche Ausgaben von rund 6,5 Millionen Franken. Diesen Herbst soll das Kantonsparlament über die ausgereiften Pläne und die Finanzierung befinden.
Um einen Beitrag vom Bund zu erhalten, muss die Universität aber ihre Pläne bereits vorher bei der Rektorenkonferenz Swissuniversities deponieren. Diese wird die eingegangenen Projekte bündeln und diesen Sommer beim Bund einen koordinierten Vorschlag einreichen. Für die 100 Millionen Franken, die das Nationale Parlament voraussichtlich im Herbst genehmigen wird, haben bereits diverse Bewerber Interesse angemeldet. So zum Beispiel die beiden Eidgenössischen Technischen Hochschulen in Zürich und Lausanne sowie die Universitäten Luzern, St. Gallen und Lugano. Trotzdem fürchtet der Kanton Fribourg die Konkurrenz vonseiten der grossen Player nicht: „Wir sind überzeugt, dass wir gute Chancen, haben, weil sich unser Angebot mit den Bedürfnissen der Bevölkerung deckt“, gibt sich Jean-Pierre Siggen zuversichtlich.

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02 février 2016, Andrea Söldi, libre journaliste RP Drucker-icon

Ärztliche Grundversorgerinnen und Grundversorger gesucht

Es braucht mehr Ärzte. Der Bund will deshalb in den Aufbau neuer Studienplätze investieren. Gegen 100 Millionen möchte er dazu zur Verfügung stellen. Die Hochschulen können sich um die Bundesgelder bewerben. Wer wird das Rennen machen? Für Travail.Suisse ist wichtig, dass jene Studienorte den Zuschlag erhalten, welche bestrebt sind, die Anzahl der ärztlichen Grundversorgerinnen und Grundversorger zu erhöhen. mehr

Am 15. November 2015 wurde eine Studie zu den ärztlichen Grundversorgerinnen und Grundversorger in der Schweiz veröffentlicht 1 . Das Ergebnis ist nicht überraschend, aber besorgniserregend! Gemäss dieser Studie sind fast 30 Prozent der Grundversorgerinnen und Grundversorger in der Schweiz 60 Jahre alt oder älter. Und nur einer von fünf hat schon eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger für die Praxis 2 . Solche Zahlen weisen eineindeutig darauf hin, dass die Schweiz nicht einfach Ärzte, sondern insbesondere Hausärzte, aber auch Kinder- und Jugendärzte braucht. Das ist keine neue Erkenntnis. Aber es ist immer wieder darauf hinzuweisen, dass an der Lösung dieses Problems hart zu arbeiten ist und gerade auch bei der Bewilligung von neuen Studienplätzen das Kriterium wichtig ist, inwieweit der Studiengang bestrebt ist, die Anzahl der ärztlichen Grundversorgerinnen und Grundversorger zu erhöhen.

Travail.Suisse ist sich bewusst, dass allein Bildungsmassnahmen nicht genügen, die Anzahl der ärztlichen Grundversorgerinnen und Grundversorger zu erhöhen. Auch finanzielle Aspekte spielen eine Rolle. Die gleiche Studie zeigt zum Beispiel, dass nur 19 Prozent der ärztlichen Grundversorgerinnen und Grundversorger zufrieden sind mit dem eigenen Einkommen im Vergleich zum Einkommen der Spezialärzte 3 . Auf dieses Problemfeld hat aber die Hochschulkonferenz direkt keinen Einfluss. Sie hat aber die Möglichkeit, bei der Ausschreibung und der Bewilligung der Subventionen für die neuen Studienplätze darauf hinzuweisen, wie wichtig es ist, dass die Anzahl der ärztlichen Grundversorgerinnen und Grundversorger erhöht wird.

1 Ärztliche Grundversorger/innen – Situation in der Schweiz und im internationalen Vergleich,
Clémence Merçay, Paul Camenzind, Schweizerisches Gesundheitsobservatorium, November 2015
2 Foliensatz zu Studie, S. 8
3 Ebd. S. 17.

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02 février 2016, Bruno Weber-Gobet, Responsable politique de formation Drucker-icon

Hochschulweiterbildung: Der Rahmen ist jetzt zu schaffen!

Am 1. Januar 2017 tritt das erste eidgenössische Weiterbildungsgesetz WeBiG in Kraft. Sein Zweck ist es, die Weiterbildung im Bildungsraum Schweiz zu stärken (vgl. Art. 1.1 WeBiG). Die Hochschulen haben sich im Gesetzgebungsprozess dafür eingesetzt, dass sie die Umsetzung der Grundsätze des WeBiG in ihrer Zuständigkeit behalten (vgl. Art. 2.2 WeBiG). Nun ist es aus Sicht von Travail.Suisse an der Zeit, diese Aufgabe raschmöglichst an die Hand zu nehmen. mehr

Ab 1. Januar 2017 gelten die Regelungen des WeBiG. Der Bundesrat ist deshalb aktuell daran, die Verordnung zum WeBiG zu erarbeiten. Die Verordnung soll zusammen mit dem Gesetz in Kraft treten. Die Hochschulkonferenz hat diese Aufgabe noch vor sich. Gemäss Art. 2.2 WeBiG ist es an den „gemeinsamen hochschulpolitischen Organen“, die Umsetzung der Grundsätze des WeBiG vorzunehmen. Zudem beauftragt das HFKG den Hochschulrat selber, „die Weiterbildung in Form von einheitlichen Rahmenvorschriften“ zu regeln (vgl. Art. 12.3.a.4 HFKG).

Nach Meinung von Travail.Suisse ist es an der Zeit, diese Aufgabe raschmöglichst anzupacken. Für die Weiterbildungslandschaft Schweiz ist es von grossem Vorteil, wenn im Jahr der Inkraftsetzung des WeBiG auch klar ist, wie die Hochschulkonferenz die Grundsätze des WeBiG umsetzen will und wie die einheitlichen Rahmenvorschriften für die Hochschulweiterbildung aussehen sollen. Dies wäre einerseits hilfreich für die Hochschulen selber. Sie können dann auf einer konsolidierten Basis ihre Weiterbildungsplanung machen. Zwar existieren gegenwärtig Empfehlungen 1 . Diese sind aber weder vom Hochschulrat verabschiedet noch mit dem WeBiG abgestimmt.

Aber auch für den Weiterbildungsbereich ausserhalb der Hochschulen wie auch für die Höhere Berufsbildung wäre es sinnvoll, die Weiterbildungsregelungen des Hochschulbereiches zu kennen. Damit wird es möglich, sowohl die Abgrenzungen, die Überschneidungen wie auch Zusammenarbeitsmöglichkeiten zwischen diesen Bereichen klarer zu identifizieren.

Travail.Suisse sieht ein grosses Plus darin, wenn im Jahr der Inkrafttretung des WeBiG auch der Hochschulrat seine Weiterbildungsrichtlinien verabschieden würde. Für die Weiterbildungsanbieter wie auch für die Teilnehmenden bedeutet das mehr Sicherheit und Transparenz im Weiterbildungsmarkt. In einer Schweiz, in der die Ressource Weiterbildung immer wichtiger zur Bewältigung der verschiedensten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Probleme wird, hilft es, wenn Klarheit in Bezug auf die Spielregeln zwischen den verschiedenen Akteuren herrscht.

1 Vgl. http://www.swissuni.ch/documents/index / http://www.swissuniversities.ch/de/themen/lehre-und-studium/weiterbildung/

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02 février 2016, Bruno Weber-Gobet, Responsable politique de formation Drucker-icon

Das Medizinstudium neu gestalten

Mit einem Bachelor in Biologie oder Pflegewissenschaften zum Arztberuf? Dies könnte bald möglich werden. Gemäss Antonio Loprieno, der sich mit dem Thema befasst hat, ist es an der Zeit, althergebrachte Denkmuster zu hinterfragen. mehr

Die Schweiz muss mehr Ärzte ausbilden. Dies ist mittlerweile unumstritten. Noch nicht entschieden ist hingegen, wo und wie das geschehen soll. Um mögliche Szenarien zu skizzieren, hat das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) diesen Frühling einen Auftrag an den Präsidenten der Kammer universitärer Hochschulen, Antonio Loprieno*, erteilt. Travail.Suisse hat mit ihm über sein Konzept namens Swiss Premed gesprochen.

Die ETH Zürich will ab 2017 einen naturwissenschaftlich-technisch ausgerichteten Bachelorstudiengang in Medizin anbieten. Für den Masterstudiengang wird sie mit der Universität Zürich und anderen Hochschulen kooperieren. Was halten Sie von dieser Idee?

Loprieno: Sie entspricht meinen eigenen Vorstellungen für eine Neugestaltung des Medizinstudiums. Der derzeitige konsekutive Studiengang hat sich seit der Bologna-Reform nicht gross verändert. Die meisten studieren immer noch an der gleichen Universität sechs Jahre durch. Mit einer stärkeren Abgrenzung zwischen Bachelor und Master wird die Ausbildung flexibler. In angelsächsischen Ländern ist es seit jeher so, dass man im Grundstudium ein naturwissenschaftliches Fach wählt und sich erst im Masterstudiengang spezialisiert. Daran angelehnt würde ich sogar empfehlen, auch Absolventen von allgemeinen naturwissenschaftlichen Bachelorstudiengängen die Tür zur Medizin zu öffnen.

Besteht mit diesem System nicht die Gefahr, dass Ärzten entscheidende berufsspezifische Kompetenzen fehlen?

Ich glaube nicht. Denn erstens sind die beiden ersten Studienjahre jetzt schon stark naturwissenschaftlich ausgerichtet. Erst im dritten Jahr werden auch klinische Inhalte vermittelt. Zweitens sollte man zwischen dem Bachelor- und Masterstudiengang eine Passerelle schaffen, die fit macht für die Medizin. Und drittens wird die Medizin immer vielfältiger. Es braucht Ärzte mit verschiedenen Hintergründen.

Welche Fachrichtungen halten Sie für kompatibel mit einem Master in Medizin?

Zum Beispiel Biologie, Medizinaltechnologie und Pflegewissenschaften. Sozialwissenschaftliche Fächer natürlich nicht.

Bei den beiden letzteren handelt es sich um Fachhochschul-Studiengänge. Ein ziemlicher Tabu-Bruch.

Universitäre Hochschulen und Fachhochschulen sind gleichwertig, aber andersartig – so das Credo. Nun gilt es, diesen Grundsatz mit Leben zu füllen und althergebrachte Denkmuster zu überwinden. Aber natürlich ist nicht jede Person, die Pflege studiert hat, geeignet. Die Kriterien für mögliche Zulassungen werden medizinische Fachleute definieren müssen. Auch Sur-Dossier-Zulassungen sollten möglich sein.

Der Hochschulrat hat sich soeben wieder für die Beibehaltung des Numerus Clausus ausgesprochen. Welchen Platz nimmt der Eignungstest in Ihrem Konzept ein?

Der Numerus Clausus hat keinen Einfluss auf die Anzahl Master-Abschlüsse. Die Westschweiz kennt ihn nicht und ist dafür im Grundstudium extrem selektiv. Nur 15 bis 20 Prozent schaffen es bis zum Bachelor. Die Zulassungsbeschränkung ist jedoch volkswirtschaftlich von Bedeutung. Wenn jemand einen Bachelor in einem naturwissenschaftlichen Fach schafft, ist er intellektuell in der Lage, einen medizinischen Master zu erwerben. Viel wichtiger als ein Eignungstest ist, dass der Anschluss an den Masterstudiengang sichergestellt ist.

Haben Sie bereits Rückmeldungen zu Ihrem Konzept erhalten?

Ich habe meine Vorschläge dem Hochschulrat und der Rektorenkonferenz präsentiert. In beiden Gremien sind sie mehrheitlich auf Zustimmung gestossen. Ein Vorteil wäre auch, dass so schneller mehr Schweizer Ärzte die Arbeit aufnehmen könnten. Denn mit den bisherigen Massnahmen würde es bis mindestens 2023 dauern.

Link zum Bericht: http://www.sbfi.admin.ch/dokumentation/00335/01737/01738/index.html?lang=de

*Antonio Loprieno (60) war von 2000 bis Ende Juli 2015 Rektor der Universität Basel und Präsident der Kammer universitärer Hochschulen von swissuniversities. Seit 2008 präsidierte er die Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten (CRUS). Nun ist der Ägyptologe zu Forschung und Lehre zurückgekehrt.

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2015 10 15 Infomail HFKG Medizin.docx 16 KB

15 octobre 2015, Andrea Söldi, libre journaliste RP Drucker-icon