Thèmes – Famille – Famille et travail

Es braucht weiterhin ein Impulsprogramm für die familienergänzende Kinderbetreuung

Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, fordert den Ständerat auf, die Anschubfinanzierung des Bundes für die Schaffung von mehr familienergänzender Kinderbetreuung zu verlängern. mehr

Das Impulsprogramm ist eine Erfolgsgeschichte: Bis heute konnten rund 55‘000 zusätzliche Betreuungsplätze geschaffen werden. Die Anstossfinanzierung hat sich als effizientes und auch nachhaltiges Förderinstrument zur Schaffung von Betreuungsplätzen erwiesen, wie die Evaluation aufzeigt. Die Nachfrage der Eltern ist aber nach wie vor vielerorts grösser als das Betreuungsangebot.

„Ein ausreichendes und qualitativ hochstehendes Betreuungsangebot ist für Eltern absolut zentral, damit Familie und Beruf vereinbart werden können“, sagt Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik bei Travail.Suisse. Zusätzliche Betreuungsplätze ermöglichen es den Eltern, gemäss ihren Wünschen berufstätig zu sein. Das muss auch im Interesse der Wirtschaft und des Staats sein. Einerseits kann so dem Fachkräftemangel besser begegnet werden und andererseits führt eine stärkere Erwerbstätigkeit zu mehr Steuereinnahmen. Diese übersteigen die Investitionen nachweislich bei weitem.

Travail.Suisse fordert den Ständerat deshalb auf, Der Fortführung des Impulsprogramms morgen zuzustimmen.

Mehr Informationen:
Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik, 079 777 24 69

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2018 09 17 Impulsprogramm famergaenzende-Kinderzulagen d.docx 40 KB

17 septembre 2018, Matthias Kuert Killer, Responsable politique sociale Drucker-icon

Erfolgreiches Impulsprogramm nicht abwürgen

Morgen entscheidet der Nationalrat darüber, ob das äussert erfolgreiche Impulsprogramm zur Schaffung familienergänzender Kinderbetreuungsplätze weitergeführt werden kann. Travail.Suisse empfiehlt dringend, der WBK-N zu folgen und das Impulsprogramm zu verlängern. mehr

Dank dem Impulsprogramm wurden bis heute rund 55‘000 zusätzliche Betreuungsplätze geschaffen. Die Evaluationen des Programms zeigen, dass die Anstossfinanzierung ein effizientes und nachhaltiges Förderinstrument darstellt. Die Nachfrage der Eltern ist aber nach wie vor grösser als das Betreuungsangebot. Ein ausreichendes Angebot ist absolut zentral, damit Familie und Beruf in der Schweiz vereinbart werden können. Das Impulsprogramm muss deswegen zwingend fortgeführt werden. Das Impulsprogramm folgt auch in einem starken gesamtwirtschaftlichen Interesse. „Zusätzliche Betreuungsplätze ermöglichen es den Eltern, stärker berufstätig zu sein. Damit kann einerseits dem Fachkräftemangel begegnet werden und andererseits können dadurch höhere Steuereinnahmen generiert werden“, sagt Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik bei Travail.Suisse. Diese zusätzlichen Steuereinnahmen übersteigen die Investitionen in die Betreuungsplätze bei weitem. Das sieht übrigens auch der Arbeitgeberverband so. Anstatt mit dem Vaterschaftsurlaub und der Förderung der familienexternen Betreuung zwei wichtige familienpolitische Massnahmen gegeneinander auszuspielen, tut der Nationalrat gut daran, zeitgemässe und dringend notwendige Angebote zu unterstützen und morgen das erfolgreiche Impulsprogramm nicht abzuwürgen.

Mehr Informationen:
Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik bei Travail.Suisse, Mobile: 079 777 24 69

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2018 06 11 Impulsprogramm nicht abwuergen d.docx 40 KB

11 juin 2018, Matthias Kuert Killer, Responsable politique sociale Drucker-icon

Travail.Suisse fordert eine echte Gleichstellung

Für Travail.Suisse ist es zentral, eine moderne Gleichstellungspolitik zu betreiben. Heute präsentiert der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden deshalb das neue Positionspapier „Gleichstellung von Frau und Mann heute und morgen“ mit 28 Forderungen für mehr Wahlfreiheit und zur Gewährleistung der Lebensqualität von Arbeitnehmenden. Im Fokus stehen dabei die Einführung einer schwarzen Liste für lohndiskriminierende Unternehmen und der Individualbesteuerung sowie eine bessere soziale Absicherung bei Care-Arbeit. mehr

Seit 1988 dürfen Frauen in der Schweiz ohne das Einverständnis ihres Ehemannes arbeiten oder ein Bankkonto eröffnen, seit 2005 erhalten erwerbstätige Frauen einen Lohnersatz während des Mutterschutzes und im Jahr 2017 beträgt die Lohndiskriminierung noch immer mindestens 7,7 Milliarden Franken. Auch bei den Männern gibt es offene Baustellen: Zwar möchten 9 von 10 vollbeschäftigten Männern gerne Teilzeit arbeiten (aus: „Was Männer wollen“, Studie von Pro Familia Schweiz, Bern 2011), aber gerade mal 17.5 Prozent machen es. Und einen gesetzlichen Vaterschaftsurlaub gibt es schon gar nicht. Der Weg zu einer echten Gleichstellung ist noch sehr lang. Deshalb hat Travail.Suisse ein Positionspapier erarbeitet, das als Basis für parlamentarische Vorstösse in den kommenden Sessionen dienen wird. Im Fokus stehen aktuell folgende Forderungen:

1. Es braucht eine schwarzen Liste für lohndiskriminierende Unternehmen

Die Lohngleichheit ist eine jahrzehntealte Forderung. „Leider stösst sie vor allem politisch noch immer auf taube Männerohren, das hat der Ständerat kürzlich bewiesen“, sagt Sabri Schumacher, Leiterin der Fachstelle Gleichstellung bei Syna. Die Lohndiskriminierung beträgt im Jahr 2017 noch immer über 600 Franken pro Monat und Frau, „das ist mehr als eine Ohrfeige für erwerbstätige Frauen“, so Schumacher. Mit dem vorliegenden Positionspapier wird klar: Das Prinzip „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ muss in den Unternehmen zwingend durchgesetzt werden. Das Parlament wollte im Gleichstellungsgesetz keine ausreichenden Vorkehrungen treffen, um die die Situation zu verbessern. Deshalb prüfen Travail.Suisse und die angeschlossenen Verbände die Einführung einer schwarzen Liste, auf der diejenigen Unternehmen aufgelistet werden, die keine freiwilligen Lohnüberprüfungen anhand einer anerkannten Methode durchführen.

2. Die Care-Arbeit muss besser sozial abgesichert werden

In der Schweiz betreuen 35 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung regelmässig Kinder oder Erwachsene, das sind fast 1,9 Millionen Personen. „Den Löwenanteil dieser unbezahlten Care-Arbeit leisten Frauen – und werden dafür spätestens im Rentenalter mit einer kleineren Rente bestraft“, sagt Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik bei Travail.Suisse. Die Diskussionen um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zielte in den vergangenen Jahren mehrheitlich auf die Betreuung von Kindern ab. Das ist auch richtig so, aber es ist höchste Zeit, dass die Betreuung erwachsener und betagter Angehöriger einbezogen wird – gerade im Angesicht von Demografie und Fachkräftemangel. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen müssen zwingend verbessert werden und es braucht eine Anpassung des Sozialversicherungssystems, damit die Care-Arbeit generell sozial abgesichert wird.

3. Die Individualbesteuerung muss eingeführt werden

Die Individualbesteuerung ist aus Sicht der Gleichstellung zwingend. Die Einkommen der Frauen und Männer sollen einzeln sichtbar und versteuert werden. „Nur die zivilstandsunabhängige und diskriminierungsfreie Besteuerung kann uns den nötigen gesellschaftlichen Kulturwandel bringen“, sagt Adrian Wüthrich, Präsident von Travail.Suisse. Ausserdem setzt die Individualbesteuerung positive Anreize zur Aufnahme oder Ausdehnung der Erwerbstätigkeit. Travail.Suisse fordert den Bundesrat auf, dem Parlament eine Umsetzung ohne Einnahmeausfälle zu präsentieren.

Weitere Informationen:

  • Adrian Wüthrich, Präsident Travail.Suisse, Mobile: 079 287 04 93
  • Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Travail.Suisse, Mobile: 079 598 06 37
  • Sabri Schumacher, Leiterin der Fachstelle Gleichstellung bei Syna, Mobile: 078 642 10 45

→ Link zum Positionspapier

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2018 04 30 MK Gleichstellung Dossier d.pdf 313 KB

2018 04 30 Position Gleichheit-von-Frau-und-Mann-heute-und-morgen d.pdf 1666 KB

30 avril 2018, Valérie Borioli Sandoz, Responsable politique de l'égalité Drucker-icon

Nationalrat muss für mehr bezahlbare familienergänzende Betreuung sorgen

Die Kosten für die familienergänzende Kinderbetreuung sind in der Schweiz exorbitant hoch. Zudem fehlt es an Betreuungsplätzen, die auch Eltern mit unregelmässigen Arbeitszeiten eine verlässliche Betreuung ihrer Kinder bieten. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, fordert den Nationalrat auf, die vom Bundesrat vorgeschlagenen Verbesserungen des Bundesgesetzes über Finanzhilfen für familienergänzende Kinderbetreuung zu unterstützen. Die zusätzliche Anstossfinanzierung führt zu einem weniger teuren und besser auf die heutige Arbeitswelt ausgerichteten Betreuungsangebot. mehr

Die Fachkräfteinitiative des Bundes setzt auf eine höhere Erwerbsbeteiligung der Eltern, insbesondere der Mütter. Voraussetzung dafür ist allerdings mehr Verlässlichkeit bei den familienexternen Betreuungsangeboten. Dabei genügt es nicht, auf den Goodwill einzelner Kantone zu hoffen. Der Bund muss gezielte Anreize für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf setzen. Zwar sind die Kantone hauptverantwortlich für die familienergänzenden Betreuungsstrukturen. Die Realität zeigt aber, dass viele Kantone auf die Unterstützung des Bundes angewiesen sind, um eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erreichen. Ohne Engagement des Bundes bleibt es für Eltern je nach Kantonszugehörigkeit Glückssache, ob sie auf eine gute Betreuungsinfrastruktur zählen können oder nicht. Das ist nicht zeitgemäss. Die moderne Arbeitswelt macht nicht an der Kantonsgrenze halt. Auch die Bevölkerung erwartet hier mehr Engagement des Bundes, hat sie doch 2013 mit über 54 Prozent Ja-Stimmen dem Familienartikel zugestimmt, der nur am Ständemehr gescheitert ist.

Impulsprogramme des Bundes funktionieren

Der Bund hatte angesichts der fehlenden familienexternen Betreuungsinfrastruktur eine Anstossfinanzierung lanciert. Seit 14 Jahren läuft das Impulsprogramm des Bundes zur Schaffung von neuen Betreuungsplätzen, damit Eltern Familie und Beruf besser vereinbaren können. Der Bund hat dabei im Rahmen von über 3‘000 Gesuchen die Schaffung von rund 55‘000 Betreuungsplätzen in Kindertagesstätten, bei der schulergänzenden Betreuung und in Tagesfamilien unterstützt. Der Bedarf ist nach wie vor gross, das Programm ein Erfolg. Es hat dazu geführt, dass heute in vielen Regionen deutlich mehr Betreuungsplätze zur Verfügung stehen.

Neben der Verfügbarkeit ist auch die Bezahlbarkeit ein Problem

Heute besteht neben der Verfügbarkeit von Betreuungsplätzen eine weitere Hürde: Die Eltern werden vor allem durch die Krippentarife stark belastet. Zwar sind die kaufkraftbereinigten Kosten für die familienexterne Kinderbetreuung in der Schweiz vergleichbar mit denjenigen in unseren Nachbarländern Deutschland, Österreich und Frankreich. Aber ein Grossteil der Kosten wird in der Schweiz im Gegensatz zum benachbarten Ausland auf die Eltern überwälzt 1 . Das macht die familienexterne Kinderbetreuung in der Schweiz exorbitant teuer und führt häufig dazu, dass ein Zweiteinkommen sich finanziell kaum rechnet.

Abhilfe durch neue Anstossfinanzierung

Der Bundesrat und der Ständerat wollen deshalb mit einer zusätzlichen Anstossfinanzierung im Rahmen der Fachkräfteinitiative insgesamt 100 Millionen Franken für die gezielte Verbilligung der familienergänzenden Kinderbetreuung und für besser auf die Bedürfnisse der Eltern abgestimmte Angebote zur Verfügung stellen. Unterstützt werden könnten etwa Angebote über Mittag und während der Ferien oder speziell auf Eltern mit unregelmässigen Arbeitszeiten ausgerichtete Betreuungsangebote. Die Unterstützung dient als Anreiz für die Kantone, die Eltern über die Tarife zu entlasten. Jene Kantone, welche die Subventionen erhöhen, erhalten vom Bund im ersten Jahr 65 Prozent des zusätzlichen Betrags. Im zweiten Jahr sind es noch 35 und im dritten 10 Prozent.

Travail.Suisse fordert nun auch den Nationalrat auf, die Vorlage zu unterstützen und seiner Kommission zu folgen. Langfristig denken und in ein bezahlbares und verlässliches Angebot an familienexterner Kinderbetreuung zu investieren lohnt sich in verschiedener Hinsicht:

• Der volkswirtschaftliche Nutzen von Kindertageseinrichtungen ist belegt: Pro investiertem Franken können langfristig 2.6 bis 3.5 Franken Rendite für die öffentliche Hand erzielt werden. Dies auf Grund höherer Erwerbseinkommen der Haushalte, höherer Steuereinnahmen, höherer Sozialversicherungsbeiträge sowie tieferer Kosten für die Sozialhilfe. Am besten ist das Kosten-Nutzen Verhältnis für den Bund. 2 Deshalb ist es angezeigt, dass der Bund bei der Finanzierung mithilft.

• Mit einer besseren Betreuungsinfrastruktur steigt die Anzahl Fachkräfte. Studien gehen für die nächsten Jahrzehnte von rund einer Million fehlender Fachkräfte aus. Eine Erhöhung des Beschäftigungsgrades von Teilzeiterwerbstätigen wird nur erfolgen, wenn die Kosten der familienexternen Betreuung den zusätzlichen Lohn nicht vollständig verschlingen. Gemäss einer Evaluationsstudie zum bisherigen Impulsprogramm müssten Eltern ohne Betreuungsplatz ihren Beschäftigungsgrad um durchschnittlich 34 Stellenprozente (Kindertagesstätte) bzw. 20 Stellenprozente (schulergänzende Betreuung) reduzieren. 3

• Es entspricht dem Wunsch vieler Eltern, ein egalitäres Rollenmodell zu leben. 4 Eine gute familienexterne Betreuungsinfrastruktur fördert die Gleichstellung der Elternteile und begünstigt eine egalitäre Rollenteilung. Mütter arbeiten bei gutem Betreuungsangebot tendenziell mehr, Väter reduzieren eher ihre Vollzeiterwerbstätigkeit zugunsten von Betreuungsaufgaben. 5

Höhere Steuerabzüge reichen nicht

Bürgerliche Politiker und Arbeitgebervertreter lehnen die zusätzliche Anstossfinanzierung mit dem Verweis auf die momentan in der Vernehmlassung steckende Vorlage für höhere Steuerabzüge bei Drittbetreuungskosten ab. Man müsse einfach die Steuerabzüge erhöhen und dann sei das Problem gelöst, wird suggeriert. Natürlich sollen Drittbetreuungskosten steuerlich abgezogen werden dürfen. Doch damit ist es bei weitem nicht getan. Familienpolitik nur über die Steuern betreiben zu wollen, ist wie wenn die Altersvorsorge nur aus der 3. Säule bestehen würde. Der negative Einfluss der Steuern auf den Erwerbsanreiz ist zwar gegeben, aber der der Einfluss der hohen externen Betreuungskosten übersteigt diesen meistens um ein Mehrfaches. 6 Die grössten negativen Erwerbsanreize bestehen in der Schweiz also wegen der Tatsache, dass die Kinderbetreuungskosten zu einem grossen Teil auf die Eltern überwälzt werden. Die beiden Vorlagen ergänzen sich deshalb und sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Travail.Suisse ist überzeugt, dass es mittelfristig einen besseren Service public in diesem Bereich braucht, und fordert deshalb, dass die heutige Anstossfinanzierung des Bundes mittelfristig zu einem Rahmengesetz für die Betreuungsinfrastruktur umgebaut wird. Die zusätzliche Anstossfinanzierung für mehr bezahlbare Betreuungsplätze ist ein kleiner, aber wichtiger Schritt.

1 https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-id-57919.html

2 http://www.buerobass.ch/studienPopup_d.php?projektId=98

3 https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-id-51498.html

4 Siehe Lévy/Le Goff: Devenir parents, devenir inégaux. Transition à la parentalité et inégalités de genre.

5 www.nfp60.ch

6 Nachzulesen z.B. in Kurzfassung: Studie “Familienfreundliche Steuer- und Tarifsysteme – Vergleich der Kantone Basel-Stadt und Zürich” s. 9 http://www.personalradar.ch/wp-content/uploads/2012/08/Zusammenfassung-der-Gesamtstudie-Familienfreundliche-Steuer-und-Tarifsysteme.-Vergleich-der-Kantone-Basel-Stadt-und-Z%C3%BCrich..pdf

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2017 04 25 Famillienergänzende Betreuung.docx 22 KB

25 avril 2017, Matthias Kuert Killer, Responsable politique sociale Drucker-icon

Familienexterne Betreuung:
Höhere Steuerabzüge begrüssenswert, aber für eine bessere Vereinbarkeit braucht es weitergehende Massnahmen

Heute hat der Bundesrat höhere steuerliche Abzüge für die Kosten der familienexternen Kinderbetreuung in die Vernehmlassung geschickt. Travail.Suisse begrüsst diese Massnahme, unterstreicht aber gleichzeitig, dass es damit bei weitem nicht getan ist. mehr

Arbeiten soll sich lohnen. Heute ist dies wegen der hohen Kosten der familienexternen Kinderbetreuung zu wenig der Fall. Mit den höheren steuerlichen Abzügen, welche der Bundesrat heute vorschlägt, wird diese unbefriedigende Situation vor allem für mittlere und hohe Einkommen etwas verbessert. So bleibt für gut ausgebildete Frauen – und auch Männer -, welche Ihren Beschäftigungsgrad erhöhen, mehr Geld im Portemonnaie. Daran ist nichts auszusetzen.

Wie eine kürzlich verfasste Studie zeigt, ist die familienexterne Kinderbetreuung in der Schweiz nicht grundsätzlich teurer als in unseren Nachbarländern. Hingegen müssen die Kosten fast ausschliesslich von den Eltern getragen werden. Der Staat und die Arbeitgeber übernehmen nur einen sehr kleinen Teil. Um das Problem bei der Wurzel zu packen, braucht es deshalb auch Massnahmen, welche die familienexterne Kinderbetreuung für alle Eltern überhaupt erschwinglicher machen. Hier schafft die zusätzliche Anstossfinanzierung, welche der Nationalrat an der Sondersession im Mai behandelt, Abhilfe. Eine höhere Beteiligung des Staates, aber auch der Arbeitgeber an den Kosten der familienexternen Kinderbetreuung ist deshalb für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und damit für mehr Fachkräfte unumgänglich. Familienpolitik in diesem Bereich muss zudem auch tiefe Einkommen umfassen. Diese können nur auf eigene Faust ein ausreichendes Familieneinkommen erwirtschaften, wenn die externe Kinderbetreuung erschwinglich wird. Die vom Bundesrat vorgeschlagenen Steuerabzüge ersetzen deshalb die Bemühungen um eine erschwinglichere und qualitativ hochstehende familienexterne Kinderbetreuung keineswegs.

„Es reicht nicht, Familienpolitik über die Steuern zu betreiben. Das wäre, wie wenn die Altersvorsorge nur aus der 3. Säule bestehen würde“, sagt Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik bei Travail.Suisse. Will die Politik dem Fachkräftemangel etwas entgegensetzen, muss die Betreuungsinfrastruktur für Kinder endlich als Teil des Service public und auch als Aufgabe der Wirtschaft begriffen werden.

Weitere Informationen:
Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik, 079 777 24 69

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2017 04 05 Kosten-Famex d.docx 40 KB

05 avril 2017, Matthias Kuert Killer, Responsable politique sociale Drucker-icon