Thèmes – Famille

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Erste nationale Plattform für pflegende und betreuende Angehörige

In Zukunft werden immer mehr ältere Menschen auf Betreuung und Pflege angewiesen sein. Viele von ihnen möchten möglichst lange zu Hause bleiben. Um das zu ermöglichen, bieten ihnen Angehörige oft ihre Hilfe an – zum Teil obwohl sie einer Erwerbstätigkeit nachgehen.

Die Website www.info-workcare.ch von Travail.Suisse stärkt die generationenübergreifende Hilfe innerhalb der Familien. Sie bietet kostenlose Informationen, Ratschläge, Tools und nützliche Adressen für alle erwerbstätigen pflegenden Angehörigen.

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Veranstaltung zum Tag der Angehörigenpflege

Am Montag, 30. Oktober 2017, findet in Zürich die Impulsveranstaltung “Berufstätig sein und Angehörige betreuen” statt. Im Fokus steht die Vereinbarkeit von Erwerbs- und Betreuungsarbeit. Denn die Unterstützung von kranken, behinderten oder hochaltrigen Angehörigen ist eine Herausforderung – für den einzelnen Menschen, für die Gesellschaft und für die Wirtschaft.

Die Impulsveranstaltung soll die aktuelle Situation sichtbar machen, den Dialog zwischen Angestellten, Arbeitgebern und der öffentlichen Hand fördern, aber auch Erfolgsmodelle und Stolpersteine thematisieren.

» Mehr zur Veranstaltung vom 30. Oktober finden Sie hier


Care-Arbeit: Bundesrat erkennt Handlungsbedarf

Travail.Suisse begrüsst, dass der Bundesrat prüfen will, wie Care-Arbeit-Leistende zu einer angemessenen beruflichen Vorsorge kommen. Mit der Annahme des Postulats Müller-Altermatt signalisiert der Bundesrat Handlungsbereitschaft. Wir hoffen, dass er auch konkrete Lösungen aufzeigen wird. mehr

Mit der Annahme des Postulats von Nationalrat und transfair Präsident Stefan Müller-Altermatt verpflichtet sich der Bundesrat zu einem Postulatsbericht. Der Bericht soll aufzeigen, wie für Personen, die ihre Angehörigen betreuen (Care-Arbeit leisten), eine angemessene berufliche Vorsorge aufrechterhalten werden kann.
Wir erwarten, dass der Bericht konkrete Lösungsansätze aufzeigen wird und der Care-Arbeit die Bedeutung zumisst, die sie gesellschaftlich schon längst innehat.

Worum geht es?

Die Betreuung von Angehörigen (Care-Arbeit) erfordert in vielen Fällen eine Reduktion des Arbeitspensums. Wer das Pensum reduziert, verzichtet aber nicht nur auf Lohn, sondern auch auf Beiträge für die berufliche Vorsorge Dieser Ausfall in der Vorsorge ist oftmals eine Konsequenz für diejenigen, welche die Care-Arbeit zu Hause übernehmen anstatt sie an öffentliche Institutionen zu delegieren. Unter dem Strich resultieren durch Care-Arbeit für die Allgemeinheit weniger Kosten, für die Pflegebedürftigen die Beibehaltung der Nähe zu den Angehörigen, aber für die pflegenden Angehörigen eine Gefährdung ihres eigenen finanziellen Einkommens. Bleibt die berufliche Vorsorge für Care-Arbeit-Leistende gesichert, kann sich die Situation für alle Beteiligten zum Guten wenden.

Travail.Suisse für die Anerkennung der Care-Arbeit

Seit Jahren setzt sich Travail.Suisse für die Vereinbarkeit von Beruf und Care-Arbeit ein. Im Oktober haben wir die Website info-workcare.ch lanciert – ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur offiziellen Anerkennung von Care-Arbeit.

Für mehr Informationen:
Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik, Tel. 079 598 06 37 oder Tel. 031 370 21 11

16 décembre 2016, Valérie Borioli Sandoz, Responsable politique d'égalité

www.info-workcare.ch ist seit gestern online!

Gestern wurde die erste nationale Plattform mit Informationen und Ressourcen für berufstätige betreuende Angehörige lanciert: www.info-workcare.ch. So reagiert Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, auf die Problematik der Vereinbarkeit von «work and care». In der Bundespolitik wird dieses Thema zwar schon seit mehreren Jahren diskutiert, doch berufstätige Angehörige können darauf nicht warten, sondern müssen jetzt entlastet werden. In erster Linie beim Sammeln von Informationen. mehr

Die konsensorientierte Politik in der Schweiz ist sehr langsam, während die Schwierigkeiten, mit denen die betreuenden Angehörigen im Alltag konfrontiert werden, akut sind. Eines der wichtigsten Bedürfnisse der Betroffenen ist das Sammeln von vielen verschiedenen Informationen aus unterschiedlichen Quellen. Folglich besteht für Partner, Töchter und Söhne der Personen, die im Alltag Hilfe benötigen, einer der ersten Schritte darin, diese Angaben zusammentragen. Es ist ausserordentlich zeitaufwändig, nützliche Informationen zu suchen, und manchmal braucht es dazu spezifische Kenntnisse in bestimmten Bereichen. Daher hat Travail.Suisse beschlossen, eine nationale Plattform mit Informationen für berufstätige betreuende Angehörige ins Leben zu rufen. Mit www.info-workcare.ch stellt der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, Travail.Suisse, eine kostenlose dreisprachige Website zur Verfügung, die Adressen, allgemeine (finanzielle und rechtliche) Informationen, nützliche Tipps und Hilfsmittel umfasst, um so die Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben zu verbessern.

Was ist überhaupt «Care-Arbeit»?

In Zusammenarbeit mit zahlreichen Fachleuten verschiedener Verbände sowie mit Organisationen aus Berufswelt und Forschung wurden die Inhalte und der Aufbau von info-workcare.ch erarbeitet. Ganz zu Beginn musste definiert werden, was Care-Arbeit überhaupt ist. Travail.Suisse hat beschlossen, sich auf die Definitionen des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann zu stützen, das verschiedene Referenzwerke zum Thema herausgegeben hat 1 .

Es gibt zwei Arten von Care-Arbeit: die direkte und die indirekte Care-Arbeit. «Direkte» Care-Arbeit umfasst direkte Pflege, Betreuung und Erziehung, aber auch die Verantwortung für die Betreuungsaufsicht. Dazu gehört die Planung der Arbeit verschiedener Betreuungspersonen und -institutionen. In der Schweiz betreuen 35 % der ständigen Wohnbevölkerung im Alter zwischen 15 und 64 Jahren regelmässig Kinder oder Erwachsene. Dies entspricht 1,9 Millionen Menschen. Das Volumen der direkten Care-Arbeit beträgt über 80 Milliarden Franken pro Jahr.

Die «indirekte» Care-Arbeit ist Hausarbeit, die im Zusammenhang mit der Betreuung der Familie anfällt (Kochen, Putzen, Waschen, Einkaufen usw.), d. h. alle wichtigen Aufgaben, die von den Betreuungsbedürftigen in der Regel nicht selbst erledigt werden können. Das Volumen der indirekten Care-Arbeit wird auf 20 Milliarden Franken pro Jahr beziffert.

Eine bessere Aufteilung der Care-Arbeit zwischen Mann und Frau fördern

Dieses Projekt hat finanzielle Unterstützung gemäss dem Gesetz über die Gleichstellung von Frau und Mann erhalten, da Frauen bekanntermassen die meiste Care-Arbeit leisten und deshalb auf dem Arbeitsmarkt weniger aktiv sein können. Manchmal ist es gar unmöglich, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen, weshalb sie ihren Beruf aufgeben. Diese Entscheidung, sich aus dem Berufsleben zurückzuziehen oder den Beschäftigungsgrad drastisch zu reduzieren, beeinträchtigt die Zukunft der Frauen punkto sozialer Absicherung. Es kommt tatsächlich nicht selten vor, dass sich Paare über 50 scheiden lassen. Die Jahre, in denen sich die Frauen fast ausschliesslich um den Partner, ihre Eltern oder ihre Schwiegereltern gekümmert haben, lasten schwer auf ihrer künftigen Pensionierung, da ihre Rente stark reduziert ist. Die Gutschriften für Betreuung und Pflege von erwachsenen Angehörigen werden in der Sozialkommission des Nationalrats thematisiert. Doch bevor zufriedenstellende Lösungen umgesetzt werden können, werden noch viele Jahre vergehen.

Dank Projekten wie info-workcare.ch nimmt die Sensibilisierung für dieses Thema zu. Travail.Suisse will die generationsübergreifende Betreuung innerhalb der Familien fördern. Gewiss braucht es diese Unterstützung aus makroökonomischer Sicht, da dieses absolut unerlässliche geleistete Arbeitsvolumen sich auf viele Milliarden pro Jahr beläuft. Insbesondere wird diese Hilfe von den Personen gewünscht, die sie beanspruchen, aber auch von den betreuenden Angehörigen, die sich gern und unkompliziert um ihre älteren Angehörigen kümmern. Für sie zählen zunächst der Zusammenhalt und das Gefühl, ihren Angehörigen endlich etwas zurückgeben zu können. Für Travail.Suisse ist es wichtig, dass alle, Männer wie Frauen, ihren Anteil leisten. Diese noble Aufgabe, Angehörige zu unterstützen, betrifft alle und darf nicht nur ein «Privileg» der Frauen sein.

Offizielle Anerkennung als betreuende Angehörige – die unerlässliche Grundlage

Würde der Status der betreuenden Angehörigen offiziell anerkannt, zum Beispiel indem eine geringe Pflegeentschädigung seitens des Bundes eingeführt oder eine Auszeit finanziert würde, könnten viele betreuende Angehörige in der Schweiz zu dieser Aufgabe stehen und auch ihrem Arbeitgeber gegenüber offen über ihre Situation reden. Die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Nationalrates (SGK) wird bald darüber diskutieren. Nach einer solchen Anerkennung werden die betreuenden Angehörigen entsprechende Anpassungen an ihrem Arbeitsplatz aushandeln können. So könnte verhindert werden, dass sie selbst erkranken. Denn die Spannungen, die aus der schwierigen Vereinbarkeit von Beruf und der Betreuung von Angehörigen resultieren, führen häufig zu Erschöpfungszuständen.
Aber auch andere Aspekte von «work and care» verdienen Aufmerksamkeit, u. a. die Deckung in der zweiten Säule bei Personen, die ihren Beschäftigungsgrad reduzieren, um sich um ihren älteren und/oder kranken Partner zu kümmern. Stefan Müller-Altermatt, Präsident von transfair, hat an der letzten Session ein Postulat eingereicht, das den Bundesrat bittet, diese Situation zu prüfen. Seine Idee besteht darin, den Arbeitgeberanteil aus einem staatlichen Fonds zu finanzieren.

Bezieht eine betreuende angehörige Person eine Arbeitslosenentschädigung und ist sie auf Stellensuche, muss sie jede zumutbare Arbeit, die ihr angeboten wird, annehmen. Im Moment sehen die von den RAV angewandten Kriterien eine Bestrafung vor, sollte die Arbeit suchende Person eine Arbeit ablehnen; die bereits vorhandene Care-Situation wird nicht berücksichtigt. Aus diesem Grund verlangt ein weiterer von Müller-Altermatt eingereichter Vorstoss, eine Motion, eine Anpassung des Arbeitslosenversicherungsgesetzes, damit die Care-Aufgaben bei der Bestimmung einer zumutbaren Arbeit in Betracht gezogen werden.

Wann gibt es einen «Nationalen Tag der betreuenden Angehörigen»?

Auch hier steht die Anerkennung des Status als «betreuende Angehörige» im Vordergrund. Denn Nachforschungen zeigen, dass der Status betreuender Angehöriger auf dem Arbeitsmarkt nicht existiert. In den verschiedenen Pflegeeinrichtungen für die Angehörigen ist aber langsam ein Wandel spürbar. So haben die Westschweizer Kantone eine Vorreiterrolle inne, indem sechs von ihnen im dritten Jahr in Folge am Sonntag, 30. Oktober, den «Westschweizer Tag der betreuenden Angehörigen» 2 durchführen, d. h. fünf Tage nach der Lancierung von info-workcare.ch.

Diese Westschweizer Sensibilierungs- und Informationsinitiative sollte auf die ganze Schweiz ausgedehnt werden. Doch vorher muss in mehreren Deutschschweizer Kantonen bei den kantonalen Behörden, aber auch bei verschiedenen Organisationen noch einige Arbeit geleistet werden, wie dies der Kanton Waadt seit einigen Jahren bereits macht. Die Aufschaltung von info-workcare.ch wird zweifellos einen Beitrag dazu leisten.


1 «Absicherung unbezahlter Care-Arbeit von Frauen und Männern. Anpassungsbedarf des Sozialstaats in Zeiten sich ändernder Arbeitsteilung.» 2012, Eidgenössisches Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann, Bern.
«Anerkennung und Aufwertung der Care-Arbeit. Impulse aus Sicht der Gleichstellung.» 2010, Eidgenössisches Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann, Bern.
2 http://betreuende-angehoerige-tag.ch

26 octobre 2016, Valérie Borioli Sandoz, Responsable politique d'égalité

Erste nationale Plattform für pflegende Angehörige

Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, präsentierte heute mit der Tagung «Erwerbs- und Care-Arbeit vereinbaren – konkrete Antworten und Lösungswege für die Zukunft» die erste nationale Plattform für pflegende und betreuende Angehörige, die erwerbstätig sind. An der Tagung wurde die Internetseite www.info-workcare.ch lanciert, welche die generationenübergreifende Hilfe innerhalb der Familien fördert. mehr

In naher Zukunft wird es in der Schweiz immer mehr ältere Menschen geben, die auf Betreuung und Pflege angewiesen sind. Viele von ihnen möchten möglichst lange zu Hause bleiben. Um das zu ermöglichen, bieten ihnen Angehörige ihre Hilfe an – zum Teil obschon sie einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Doch eine Erwerbstätigkeit und die Unterstützung von Angehörigen zu vereinbaren, ist nicht einfach.

Parallel zu dieser Entwicklung wird in der Schweiz der Fachkräftemangel immer akuter, da es immer schwieriger wird, im Ausland zu rekrutieren. Die Bedürfnisse der erwerbstätigen pflegenden Angehörigen und die des Schweizer Arbeitsmarkts divergieren immer mehr.

Aus diesem Grund hat Travail.Suisse Vertretungen von Forschung und Politik eingeladen, gemeinsam konkrete Antworten und gangbare Wege in die Zukunft zu diskutieren: Dr. Yannis Papadaniel, Universität Lausanne UNIL, stellte Teile des Nationalen Forschungsprogramms NFP 67 zum Thema „Lebensende“ vor. Die qualitative Studie zeigt insbesondere, dass „Pflegende Angehörige“ in der Arbeitswelt noch kein Thema sind. Die zweite Expertin, Heidi Stutz vom Büro BASS, präsentierte Möglichkeiten und Massnahmen zur besseren Vereinbarkeit. Sie erinnerte daran, dass die unbezahlte Betreuung von eigenen Angehörigen zum wichtigen Armutsfaktor geworden ist. Jede Massnahme muss das den Schutz der Betroffenen im Auge behalten, aber zwingend auch kompatibel mit dem Arbeitsmarkt bleiben. „Vor allem aber braucht es jetzt eine Kultur der Vereinbarkeit“, so Stutz.

Vereinbarkeit muss zwingend verbessert werden

Aus Sicht von Travail.Suisse ist klar, dass Verbesserungen für erwerbstätige pflegende Angehörige zuoberst auf die Agenda gehören und stellt deshalb bereits heute ein konkretes Projekt vor: Ab heute werden mit der Seite www.info-workcare.ch effiziente und zielgerichtete Hilfestellungen für Betroffene angeboten. Die Website bietet kostenlose Informationen, Ratschläge, Tools und nützliche Adressen für alle erwerbstätigen pflegenden Angehörigen. Das Informationsangebot richtet sich gezielt an erwerbstätige und pflegende Personen, die ihre älteren Angehörigen betreuen und unterstützt sie dabei, Erwerbsarbeit und Care-Arbeit miteinander zu vereinbaren. „Mit diesem neuen Angebot wollen wir die intergenerationelle Hilfe innerhalb der Familien fördern – sei es von Frauen oder auch von Männern“, sagt Valérie Borioli Sandoz, Projektleiterin und Leiterin Gleichstellungspolitik bei Travail.Suisse.

Zwei Parlamentarier, darunter der transfair-Präsident NR Stefan Müller-Altermatt, präsentierten anschliessend ihre Vorstösse, diskutierten mit den Forschern laufende und künftige Arbeiten, bevor Bundespräsident Johann Schneider-Ammann in seiner Rede erklärte, wie wichtig es ist, dass – gerade in Zeiten von Fachkräftemangel – pflegende Angehörige im Erwerbsprozess bleiben. „Pflegende Angehörige müssen selbstverständlich weiter arbeiten können“, so Schneider-Ammann, “dafür braucht es unter anderem Informationen, viel Informationen, gerade auch in den Unternehmen.“ Der Bundespräsident gratulierte Travail.Suisse zur nationalen Plattform www.info-workcare.ch als wichtiger erster Schritt in die richtige Richtung.

Der Vereinbarkeit von Familie und Arbeit kommt eine immer grössere Bedeutung zu, vor allem auch hinsichtlich Fachkräftemangel. Travail.Suisse hat anlässlich des Spitzentreffens Fachkräfte Schweiz ein Positionspapier erarbeitet, das zeigt, wie und wo eine bessere Vereinbarkeit dem Fachkräftemangel entgegenwirkt.

» zum Positionspapier „Das inländische Fachkräftepotenzial wirklich fördern“

Mehr Informationen:
Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Travail.Suisse, 031 370 21 11, 079 598 06 37

25 octobre 2016, Valérie Borioli Sandoz, Responsable politique d'égalité

Ein Meilenstein auf dem schwierigen Weg
von «Work and Care»

Anlässlich der Lancierung der Website info-workcare.ch am 25. Oktober in Bern organisiert Travail.Suisse eine halbtägige Veranstaltung zum Thema Vereinbarkeit der Erwerbstätigkeit mit der Betreuung von Angehörigen. Während sich die Politik schon seit mehreren Jahren mit der Problematik befasst, schreitet auch die Forschung voran. Eine Podiumsdiskussion verspricht einen aufschlussreichen Dialog zwischen der Forschung und der Politik. Dank der Teilnahme von Bundespräsident Johann Schneider-Ammann und der Direktorin des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann, Sylvie Durrer, stehen die Vorzeichen für eine erfolgreiche Tagung gut. mehr

Das Programm dieser halbtägigen Veranstaltung ist attraktiv und vielversprechend. Eröffnet wird sie durch Dr. Yannis Papadaniel vom Institut für Sozialwissenschaften der Universität Lausanne UNIL, der die Ergebnisse des Nationalen Forschungsprogramms NFP67 “Lebensende” und ein neues Forschungsprojekt zur Begleitung einer kranken Person durch ihre erwerbstätigen Angehörigen vorstellt. Im Rahmen dieses Projekts wurden rund hundert Einzelgespräche geführt. Das Forschungsteam beleuchtete das Umfeld der kranken Person aus verschiedenen Blickwinkeln: jenem des Pflegepersonals, aber auch jene der Kolleginnen und Kollegen, der Vorgesetzten der pflegenden Angehörigen sowie der Personalverantwortlichen und Arbeitgeber. Neben den Schlussfolgerungen aus dem Forschungsprojekt wird Dr. Papadaniel geeignete Massnahmen empfehlen, die von den verschiedenen Akteuren umgesetzt werden können.

Der zweite Vortrag wird von Heidi Stutz vom Büro BASS in Bern gehalten werden, die ein wegweisendes Forschungsprojekt zum Thema pflegende Angehörige realisiert hat. Im Auftrag des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann führte die Forscherin 2012 eine Forschungsarbeit über die soziale Absicherung von Personen, die unbezahlte Care-Arbeit leisten, durch. In der Folge veröffentlichte sie mehrere Beiträge insbesondere im Schwerpunktdossier Beruf und Angehörigenpflege der Publikation «Soziale Sicherheit» des Bundesamtes für Sozialversicherungen. Heidi Stutz verfasste ebenfalls einen Katalog mit Empfehlungen für die verschiedenen Akteure. Zwischen 2012 und 2016 lässt sich eine Konstante erkennen: die mangelnde Anerkennung der Care-Arbeit.

Das Thema «Work and Care» steht seit mehreren Jahren auf der politischen Agenda

Die Frage der Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Care-Arbeit steht seit mehreren Jahren auf der politischen Agenda. Infolge der Alterung der Bevölkerung, aber auch des Volksentscheids vom 9. Februar 2014 zur Einwanderung sehen sich die Unternehmen heute schon mit einem Mangel an qualifizierten Arbeitskräften konfrontiert, wobei sich die Lage so schnell nicht entspannen dürfte. Auch der Bundesrat zeigt sich beunruhigt. Am 12. September lud Bundespräsident Johann Schneider-Ammann die Sozialpartner und die betroffenen kantonalen Direktoren zu einem Meinungsaustausch ein. Johann Schneider-Ammann wird an der Tagung vom 25. Oktober über die Herausforderungen sprechen und gewiss auch die Pläne des Bundesrates vorstellen. Vor ihm wird Sylvie Durrer, die Direktorin des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann, das Wort ergreifen. Denn eines steht fest: die Mehrheit der pflegenden Angehörigen sind Frauen. Die ungleiche Verteilung dieses Teils der unbezahlten Arbeit beeinträchtigt die Zukunft der Arbeitnehmerinnen erheblich.

In den eidgenössischen Räten sind mehrere Vorstösse zur Thematik eingereicht worden. Zuletzt von Nationalrat Stefan Müller-Altermatt, Präsident von transfair, einer Mitgliedsorganisation von Travail.Suisse. Anlässlich der letzten Session reichte er ein Postulat ein, mit dem er den Bundesrat auffordert, die BVG-Deckung der pflegenden Angehörigen, die ihr Arbeitspensum reduziert haben, zu prüfen. Er schlägt vor, dass der Arbeitgeberbeitrag von einem Fonds des Bundes übernommen wird. Der zweite Vorstoss ist eine Motion, die vom Bundesrat verlangt, dass das Arbeitslosenversicherungsgesetz dahingehend abgeändert werden soll, dass die von einer arbeitslosen Person verrichtete Care-Arbeit berücksichtigt wird. Die arbeitslose Person ist nämlich unter Androhung von Sanktionen verpflichtet, jede «zumutbare» Arbeit anzunehmen. Deshalb ist es wichtig, dass diese Arbeit es ihr ermöglicht, ihre Angehörigen weiterhin zu betreuen.

Forscher und Parlamentarier diskutieren über mögliche Massnahmen

CVP-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt ist einer der vier Parlamentarier, die an der Veranstaltung vom 25. Oktober teilnehmen werden. Neben ihm ist es seine Parteikollegin Christine Bulliard-Marbach, die als Mitautorin einer parlamentarischen Initiative einen systematischen Anspruch auf Betreuungsgutschriften für Angehörige, die eine hilflose Person pflegen, fordert. Der Grünliberale Thomas Weibel wird seine Sicht der Dinge darlegen, während die CVP-Ständerätin Anne Seydoux-Christe von den Schwierigkeiten sprechen wird, mit denen Eltern von schwer kranken Kindern zu kämpfen haben, wenn sie ihre elterlichen Verpflichtungen mit ihrer Erwerbstätigkeit unter einen Hut bringen müssen. In ihrem vom Ständerat 2010 angenommenen und 2014 erledigten Postulat forderte sie die Einführung ins Sozialversicherungssystem eines ausreichend langen bezahlten Urlaubs für Eltern, die ihr schwer krankes Kind betreuen. Seither haben sich mehrere Bundesämter mit dem Thema eingehend befasst. Der Bundesrat muss demnächst alle Massnahmen vorstellen, die er zu ergreifen beabsichtigt.

Unter der Leitung der zweisprachigen Moderatorin Sabine von Stockar findet eine Podiumsdiskussion mit den Forschern und Parlamentariern statt. Es wird interessant sein zu erfahren, welche Antworten die Politik auf die Erkenntnisse der Forschung zu geben weiss.

Mit info-workcare.ch möchte Travail.Suisse den pflegenden Angehörigen eine konkrete Hilfestellung anbieten

Die Mühlen der auf Konsens bedachten Schweizer Politik mahlen sehr langsam, während die pflegenden Angehörigen im Alltag auf zahlreiche Hindernisse stossen. Eines der vorrangigen Bedürfnisse besteht darin, verschiedenste Informationen aus unterschiedlichen Quellen zu sammeln. Diese «Informationsjagd» ist äusserst zeitraubend. Aus diesem Grund hat Travail.Suisse beschlossen, eine nationale Informationsplattform für pflegende Angehörige ins Leben zu rufen. Mit www.info-workcare.ch stellt die unabhängige Dachorganisation der Arbeitnehmenden allen eine kostenlose dreisprachige Website zur Verfügung, die neben regionalen Adressen Ratschläge und Tools enthält, dank denen sich das persönliche Engagement mit der Berufstätigkeit bestmöglich vereinbaren lassen. Das Ziel von Travail.Suisse besteht darin, einerseits die Care-Arbeit zu fördern, vor allem bei Männern, und andererseits zu verhindern, dass jemand gezwungen ist, wegen seines Pflegeengagements seine Stelle aufzugeben.

Die halbtägige Veranstaltung, anlässlich derer die Website info-workcare.ch offiziell lanciert werden wird, richtet sich in erster Linie an Fachleute aus dem Bereich der Begleitung von pflegenden Angehörigen, an Arbeitnehmer- und Arbeitgeberorganisationen, politische Entscheidungsträger auf Bundes- und Kantonsebene sowie Medienvertreter. Der Eintritt ist kostenlos. Eine Simultanverdolmetschung Französisch/Deutsch ist vorgesehen. Seit Mitte September sind schon zahlreiche Anmeldungen eingegangen. Das Programm sowie einen Link für die Anmeldung finden Sie auf der Website von Travail.Suisse unter der Rubrik Familie / Pflegende Angehörige.

11 octobre 2016, Valérie Borioli Sandoz, Responsable politique d'égalité

Das Parlament muss sich um die berufstätigen, pflegenden Angehörigen kümmern

Die Behandlungsfrist von zwei parlamentarischen Initiativen zu den pflegenden Angehörigen, 2011 von der damaligen Nationalrätin Lucrezia Meier-Schatz eingereicht, läuft ab. Morgen hat das Parlament die Möglichkeit, sie zu verlängern. Diese Verfahrensformalität scheint auf Widerstand zu stossen, obwohl es für viele Kreise unbestritten ist, dass die generationenübergreifende Hilfe innerhalb der Familien gefördert und vereinfacht werden muss. Travail.Suisse, die unabhängige Dachorganisation der Arbeitnehmenden, ruft die Parlamentarierinnen und Parlamentarier dazu auf, die Diskussion über diese Thematik nicht zu stoppen. mehr

In naher Zukunft wird es in der Schweiz immer mehr ältere Menschen geben, die Pflege und Unterstützung benötigen. Viele der Betroffenen wünschen sich, solange wie möglich zuhause leben können. Um ihnen das zu ermöglichen, bieten ihnen die Angehörigen ihre Hilfe an – auch wenn sie daneben noch berufstätig sind. Diese grosse von den Arbeitnehmenden geleistete Arbeit findet wenig Anerkennung und, was noch schlimmer ist, gefährdet wegen der fehlenden Erholung die Gesundheit der Hilfeleistenden. Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik bei Travail.Suisse, unterstreicht: „Oft müssen pflegende Angehörige – es sind vor allem Frauen – aufgrund der zu hohen Belastung auf jede Berufstätigkeit verzichten. Das ist für die Betriebe, die unter einem Mangel an Fachkräften leiden, ein grosser Verlust.“

Die erste 2011 von Nationalrätin Lucrezia Meier-Schatz eingereichte parlamentarische Initiative fordert eine Betreuungszulage von 25 Franken pro Monat für pflegende Angehörige. Mit dieser vor allem symbolischen Zulage soll die ehrenamtlich innerhalb der Familien geleistete Arbeit anerkannt werden. Die zweite parlamentarische Initiative verlangt einen bezahlten Urlaub von sieben Tagen pro Jahr für Personen, die ihre älteren, behinderten oder chronisch kranken Angehörigen unterstützen, begleiten und pflegen. Beide Initiativen wurden vom Nationalrat und seiner vorberatenden Kommission angenommen. Die Behandlungsfrist läuft indes bald ab und die Massnahmen, die der Bundesrat vorsieht, um die pflegenden Angehörigen zu entlasten, sind nach wie vor nicht bekannt. Es ist deshalb zu hoffen, dass das Parlament die zwei Vorstösse morgen nicht abschreibt. Die Kommission muss ihre Arbeiten in diesem sensiblen Bereich fortsetzen.

Am 25. Oktober 2016 wird Travail.Suisse im Rahmen einer halbtägigen Veranstaltung die Internetseite www.info-workcare.ch, die sich an berufstätige Personen richtet, die Angehörige pflegen, lancieren. Diese erste nationale Plattform verfolgt das Ziel, die generationenübergreifende Hilfe innerhalb der Familien zu stärken, indem sie den Betroffenen kostenlos Informationen, Tipps, Serviceleistungen und Kontaktadressen zur Verfügung stellt. Interessierte können sich über die Website von Travail.Suisse www.travailsuisse.ch für diese Veranstaltung anmelden.

Für mehr Informationen:
Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik, Tel. 079 598 06 37

29 septembre 2016, Valérie Borioli Sandoz, Responsable politique d'égalité

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