Thèmes – Egalité – Conciliation

100 Millionen für Vereinbarkeit sind nicht mehr als ein Tropfen auf den heissen Stein

Der Bundesrat will 100 Millionen Franken zur Verfügung stellen, um die Kosten für die Drittbetreuung zu senken und das Betreuungsangebot an die Bedürfnisse der Eltern anzupassen. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, begrüsst diese Verbesserungen. Doch das reicht bei weitem nicht. Angesichts künftigen Herausforderungen ist die Eidgenossenschaft aufgefordert, ein Rahmengesetz für die Infrastrukturen zu Gunsten von externer Kinderbetreuung und betreuenden Angehörigen zu schaffen. mehr

Ein Tropfen auf den heissen Stein: So muss die heutige Entscheidung des Bundesrates zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf eingeordnet werden. Die Stossrichtung ist zwar klar positiv, insbesondere angesichts der im internationalen Vergleich sehr teuren externen Kinderbetreuung – sie kostet in der Schweiz drei Mal mehr als in den grossen europäischen Städten. Das bremst eine erhöhte Erwerbstätigkeit von Eltern auf dem Arbeitsmarkt.

„Die Familienpolitik als Ganzes muss dringend überdacht werden“, sagt Valérie Borioli Sandoz, Verantwortliche für Gleichstellungspolitik bei Travail.Suisse. „56 Prozent der Schweizer Stimmbevölkerung hat sich 2013 deutlich für einen Verfassungsartikel zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf ausgesprochen – leider ist er am Ständemehr gescheitert“.

Für mehr Informationen:
Valérie Borioli Sandoz, Verantwortliche Bildungspolitik Travail.Suisse, Mobile: 079 598 06 37

29 juin 2016, Valérie Borioli Sandoz, Responsable politique de l'égalité

Bürgerliche noch nicht in der Realität des Fachkräftemangels angekommen

Heute hat es der Nationalrat abgelehnt, die Befristung der erfolgreichen Anstossfinanzierung für familienergänzende Betreuungsplätze aufzuheben. Das ist sehr kurzsichtig. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels wären verlässliche und planbare Betreuungsstrukturen zentral. mehr

Heute muss das Parlament alle vier Jahre neu beschliessen, ob es das Bundesprogramm zur Anstossfinanzierung für familienergänzende Betreuungsplätze weiterführen will. Das Programm hat fast 50‘000 neue Betreuungsplätze geschaffen und ist somit eine Erfolgsgeschichte. Es ist deshalb unverständlich und kurzsichtig, wenn nun alle von Fachkräfteinitiative und mehr Einbindung der Mütter in den Arbeitsmarkt reden, gleichzeitig aber auf Verbesserungen bei der familienexternen Betreuung verzichtet wird. Eine solche Verbesserung wäre die vom Kanton Solothurn verlangte Aufhebung der Befristung des Bundesprogramms gewesen. Damit bleiben die Perspektiven für eine verbesserte familienexterne Betreuung unsicher.

Für mehr Informationen:
Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik, Tel. 079 777 24 69

18 décembre 2015, Matthias Kuert Killer, Responsable politique sociale

info-workcare.ch – eine Antwort auf zahlreiche Erwartungen

Das von Travail.Suisse vor anderthalb Jahren lancierte Projekt weckt grosse Erwartungen in verschiedenen Kreisen. Ab Herbst 2016 soll diese erste nationale Plattform für berufstätige Personen, die Angehörige betreuen, unterstützen und pflegen, kostenlos allgemeine Informationen, nützliche Tipps und Adressen bereitstellen. Denn die Betroffenen brauchen sehr viel Zeit, um alle nützlichen Informationen und Adressen zusammenzusuchen. Die Internetseite info-workcare.ch bietet den betreuenden Angehörigen einen nützlichen Überblick und insbesondere mehr als tausend Adressen. mehr

In der letzten Ausgabe des Medienservice 1 wurden bereits die groben Züge des künftigen kostenlosen Angebots von Travail.Suisse umrissen, das sich an Berufstätige richtet, die ab einem Alter von rund 50 Jahren (manchmal aber auch schon früher) neue Aufgaben in ihrer Familie übernehmen müssen, da ihre älteren Angehörigen hilfsbedürftig werden.

Momentan befassen sich in der Bundesverwaltung mehrere Departemente und Bundesämter mit diesem Thema, denn es betrifft sowohl die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt, aber gleichzeitig auch die Sozialversicherungen und die Gleichstellung von Frau und Mann. Das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann hat eine Analyse und wichtige Empfehlungen zum Thema veröffentlicht 2 . Im Bundeshaus sind einige Parlamentarier schon aktiv geworden. Auch auf kantonaler Ebene ist bereits einiges geschehen; so hat am 30. Oktober erstmals der Westschweizer Tag 3 der betreuenden Angehörigen stattgefunden, der alle entsprechenden Aktivitäten der Westschweizer Kantone unter einem Dach zusammenfasste.

Travail.Suisse stellt nach zahlreichen Kontaktaufnahmen bei den Vorbereitungsarbeiten des Projekts info-workcare.ch fest, dass dieses viele Erwartungen weckt. Tatsache ist, dass infolge unserer demografischen Situation die Anzahl älterer Menschen weiter steigen wird, und die Lebenserwartung geht ebenfalls nicht zurück. Ausserdem sind Frauen immer häufiger berufstätig, was dazu führt, dass die Gesellschaft für die Betreuung älterer Personen nicht mehr – wie bis anhin – ohne Weiteres auf diese Reserve an Gratisarbeitskräften zurückgreifen kann. Die Knacknuss der Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Care-Arbeit wird jede Familie, jeden Mann und jede Frau in unserem Land irgendwann treffen.

Was ist überhaupt «Care-Arbeit»?

Was beinhaltet der Begriff «Care-Arbeit» denn eigentlich? «Care» umfasst Dimensionen wie Achtsamkeit, Pflege, Rücksichtnahme und gegenseitige Hilfe – kurz die «Sorge für den anderen». In der Schweiz definiert das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann Care-Arbeit als «Betreuungs-, Sorge- und Pflegeaufgaben für Kinder sowie für pflege- und betreuungsbedürftige Erwachsene» 4 . Das Büro betont, dass diese Arbeit eine gesellschaftliche Notwendigkeit sei und auf möglichst viele Personen – Männer und Frauen – verteilt werden müsse, damit sie auch in Zukunft erbracht werden kann, was sich sowohl die Gepflegten als auch die Pflegenden wünschen. Doch momentan tragen die Frauen die Belastung meist alleine und folglich auch die negativen Auswirkungen.

Projektziele

Ein wesentlicher Teil der künftigen Website dient auch der Sensibilisierung. Leisten Personen Care-Arbeit, wenn sie kleinere Besorgungen erledigen? Wenn sie also beispielsweise der Mutter beim Ausfüllen der Steuererklärung helfen, sie regelmässig für den Vater einkaufen (und gleichzeitig auch noch den Zustand der Lebensmittel im Kühlschrank kontrollieren) oder die Schwiegermutter zum Coiffeur oder zum Arzt begleiten? Die Antwort lautet: Ja. Soll man sich Gedanken über die Care-Arbeit machen, die der Vater für die Mutter leistet oder umgekehrt? Auch diese Frage ist mit Ja zu beantworten.

Und wann sollen Betroffene das Thema an ihrem Arbeitsplatz zur Sprache bringen? Heute ist bekannt, dass Erwerbstätige kaum über ihre diesbezüglichen Verpflichtungen im Privatleben sprechen. Meistens bringen sie das Thema viel zu spät zur Sprache, nämlich wenn sie nicht mehr in der Lage sind, die Situation allein zu bewältigen. Häufig unterstützen pflegende Angehörige ihre Eltern in einem Mass, dass sie die körperlichen, aber auch die psychischen Grenzen ihrer Belastbarkeit überschreiten und selber krank werden. Die neue Website wird ein Bewusstsein für die Probleme schaffen, die in Zukunft unweigerlich auftauchen werden, wenn Betroffene einfach alles für sich behalten. Sie möchte auch die Männer ermuntern, ihren Anteil an der Care-Arbeit zu erhöhen.

Das von Travail.Suisse lancierte Projekt bezweckt eine bessere Vereinbarkeit regelmässiger Erwerbsarbeit ausserhalb des eigenen Haushalts mit Care-Arbeit für betagte Angehörige. Es soll insbesondere Fragen von Arbeitnehmenden beantworten, sobald sie auftauchen. Die Thematik ist bewusst auf dieses Gebiet begrenzt. Spezifische Aspekte im Zusammenhang mit Behinderungen oder medizinischen Diagnosen bei Kindern und Erwachsenen, die besondere Betreuung und Pflege benötigen, wurden nicht berücksichtigt. Das Projekt von Travail.Suisse setzt somit ganz am Anfang der Problematik an, um die Vereinbarkeit zu fördern.

Schon über 1000 Adressen zusammengetragen

Einen erheblichen Teil der Website info-workcare.ch macht ein Angebot an Kontaktadressen aus, die nach den Bedürfnissen der berufstätigen betreuenden Angehörigen sortiert sind. Alle veröffentlichten Angaben sind von allgemeinem Interesse, neutral und für das breite Publikum gedacht. Bis heute hat Travail.Suisse mehr als tausend Adressen zusammengetragen.

Es wurde eine Strategie definiert, welche Angebote und Adressen aufgenommen werden. Da die Website unter anderem mit öffentlichen Mitteln finanziert wird und sie keinen Ertrag abwirft, musste die Wahl der Adressen unter einem anderen Blickwinkel als beim üblichen Wirtschaftsmodell der «Gewinnmaximierung» und des «Return on Investment» erfolgen.

Die aufgeführten Adressen gehören hauptsächlich Verbänden und Organisationen ohne Gewinn-orientierung, die – nach Möglichkeit – gesamtschweizerisch tätig sind. Ebenfalls im Verzeichnis enthalten sind Angebote von anerkannten und/oder öffentlich finanzierten Organisationen und Einrichtungen. Rein kommerzielle Adressen werden folglich nicht aufgeführt. Es werden kostenlose und kostenpflichtige Dienstleistungen von gemeinnützigen Organisationen aufgenommen, die anerkannt sind und/oder mit öffentlichen Geldern unterstützt werden. Dienstleistungen hingegen, die bei rein privaten Unternehmen «erworben» werden können (für Personen, für den Haushalt usw.), werden nicht in der Liste aufgeführt.

Die Benutzerinnen und Benutzer haben die Möglichkeit, Adressen zu melden. Diese werden überprüft und, falls sie der Philosophie von www.info-workcare.ch entsprechen, veröffentlicht.

Die Ausbeutung von mittellosen ausländischen Arbeitskräften bekämpfen

Travail.Suisse kann weder die Qualität der angebotenen Dienstleistungen noch die Ausbildung der Personen, die sie anbieten, und noch weniger ihre Arbeitsbedingungen überprüfen. Das ist der Grund dafür, dass Arbeitsvermittlungen aus dem In- und Ausland hier bewusst keine Plattform erhalten. Ausserdem wird daher ein grosser Teil der künftigen Website www.info-workcare.ch der Sensibilisierung und der Information von Angehörigen gewidmet, die de facto in die Arbeitgeberrolle schlüpfen müssen, indem sie Personen für die Betreuung ihrer Angehörigen zu Hause anstellen.

Denn die Umfragen zeigen 5 : Eine der Lösungen, die relativ begüterte Familien manchmal wählen, ist die Anstellung von Personen aus dem Ausland, welche die Care-Arbeit bei Pflegebedürftigen zu Hause übernehmen. Eine klare Aufklärung über die rechtliche Lage und die guten Praktiken in diesem Bereich ist unerlässlich, um zu verhindern, dass die ausländischen Arbeitskräfte ausgebeutet werden.

Das ehrgeizige Projekt info-workcare.ch will vielen Erwartungen gerecht werden. Um die Website im Herbst 2016 offiziell zu lancieren, wird momentan eine Tagung zum Thema Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Care-Arbeit vorbereitet.

1 ««info-workcare.ch für berufstätige betreuende Angehörige», Valérie Borioli Sandoz, Medienservice vom 15. November 2015.
2 Eidgenössisches Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann. «Absicherung unbezahlter Care-Arbeit von Frauen und Männern», Bern, April 2012. «Anerkennung und Aufwertung der Care-Arbeit», Bern, Mai 2010.
3 http://www.betreuende-angehoerige-tag.ch

14 décembre 2015, Valérie Borioli Sandoz, Responsable politique de l'égalité

info-workcare.ch für berufstätige betreuende Angehörige

Seit einem Jahr leitet Travail.Suisse das Projekt zur Schaffung der ersten nationalen Plattform mit Informationen, nützlichen Tipps und Adressen für berufstätige Personen, die Angehörige betreuen, unterstützen und pflegen. Die Lancierung dieses neuen Angebots ist für 2016 geplant, doch über einen Teil der Inhalte, die allen Betroffenen auf www.info-workcare.ch kostenlos zur Verfügung stehen werden, können wir im Folgenden bereits informieren. mehr

Eine neue Website zu konzipieren, ist nicht einfach, insbesondere nicht, wenn damit eine grosse Lücke geschlossen werden soll. Im Jahr 2012 hatte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) einen runden Tisch «Work and Care» einberufen, an dem rund dreissig auf diesem Gebiet tätige Organisationen teilnahmen, die sich der Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Care-Arbeit 1 verschrieben haben. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, war mit von der Partie und hat festgestellt, dass es auf nationaler Ebene kein zentralisiertes Informationsangebot gibt, wo betreuende Angehörige rasch nützliche Angaben finden. Dies entsprach auch den Schlussfolgerungen des BAG. Eine weitere Schlussfolgerung des runden Tisches war die Notwendigkeit, die Öffentlichkeit für die Aktivität der betreuenden Angehörigen zu sensibilisieren und Tabus zu brechen.

Im Anschluss an diese Feststellung und gestützt auf seine demografische Analyse 2 hat Travail.Suisse ein Projekt zur Erstellung einer neuen Website lanciert und dafür vom Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann finanzielle Unterstützung erhalten. Auf dieser Website sollen berufstätige betreuende Angehörige kostenlos und einfach Informationen und Tipps finden. Das Projekt ist im Juni 2014 3 angelaufen und dauert bis Frühling 2017. Die Website selbst soll im Herbst 2016 online gehen.

Wertvolle Hilfe von Fachleuten

Für die Konzeption des Inhalts der künftigen Website www.info-workcare.ch hat Travail.Suisse Vertreterinnen und Vertreter von Verbänden und Fachleute aus verschiedenen Kreisen beigezogen. Dank der Erfahrung und dem Know-how der Schweizerischen Alzheimervereinigung, des auf Personalmanagement spezialisierten Büros avaconseils.ch 4 , des Forschungsinstituts Careum Forschung 5 , von Caritas Schweiz, des Schweizerischen Roten Kreuzes, der Männerorganisationen «mannschaft» und «männer.ch» sowie des Vereins Part Time Optimierung (der das Projekt zur Förderung von Jobsharing 6 umgesetzt hat) erhält das Projekt viele Inputs. Der Expertenausschuss wird ergänzt durch Fachleute wie Frau Prof. Nicky Le Feuvre der Universität Lausanne, die eines der den älteren Arbeitnehmenden gewidmeten Projekte im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms NFP60 über die Gleichstellung der Geschlechter7^ geleitet hat, und Joëlle Curchod, Autorin einer umfassenden Studie über das Angebot für betreuende Angehörige im Kanton Jura.

Weitere Unterstützung bei diesem ehrgeizigen Unterfangen erhält Travail.Suisse durch die eigenen Mitgliedsverbände. Syna, OCST und transfair sind auch in der Projektleitung vertreten. Vertreter der Fachstelle UND und des Schweizer Berufsverbands der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner vervollständigen das Team.

Die Rahmenbedingungen für die Care-Arbeit kennen

info-workcare.ch bezweckt die Förderung der generationsübergreifenden Betreuung innerhalb der Familie und will dabei dazu beitragen zu verhindern, dass Berufstätige ihre eigene Arbeitstätigkeit aufgeben oder zu stark einschränken müssen. Sie müssen über ihre eigene Situation als betreuende Angehörige – heute wie in Zukunft – in Kenntnis der Sachlage selbst entscheiden können. Die Rahmenbedingungen für die Care-Arbeit stellen einen wichtigen Teil des Angebots von info-workcare.ch dar.

Aber von welchen Informationen ist denn überhaupt die Rede? Finanzielle und rechtliche Aspekte sind wichtige, grundlegende Fragen, die sich betreuende Angehörige stellen müssen. Hinsichtlich der finanziellen Seite wird info-workcare.ch auf wichtige Fragen eingehen, die bei jeder Person, unabhängig von der persönlichen Situation, auftauchen können. Wie kann man sein eigenes Einkommen bei der Pensionierung bestimmen, wenn man beschlossen hat, weniger zu arbeiten, um seinen Angehörigen zu helfen? Gibt es Finanzhilfen für betreuende Angehörige? Und über welche Mittel verfügt die betreute Person unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen Situation? Werden Kosten vergütet und falls ja, von wem? Wie ist vorzugehen, um die vorgesehenen Hilfen für die betreuten Angehörigen zu erhalten? Können betreuende Angehörige Hilfe beantragen?

Auf rechtlicher Ebene stellen sich ebenfalls wichtige Fragen sowohl für die Angehörigen, die man betreut, wie auch für sich selbst. Die Gesetzgebung bezüglich Erwachsenenschutz wurde revidiert, was wichtige Neuerungen in Bezug auf die Art, wie die Angelegenheiten und die Gesundheitspflege der betreuten Angehörigen delegiert werden können, nach sich gezogen hat. Vorsorgeauftrag, Patientenverfügung, gesetzliche Vertretung durch den Ehegatten, Vertretung bei medizinischen Massnahmen und die verschiedenen Arten der Beistandschaft werden auf der Website erläutert.

Häufig gehen betreuende Angehörige selbst einer Erwerbstätigkeit nach. info-workcare.ch weist auf die geltenden arbeitsrechtlichen Bestimmungen hin, bietet aber auch alle notwendigen Informationen und Tipps zur Erarbeitung von massgeschneiderten individuellen Lösungen. Es existieren gute Praktiken, und neue Arbeitsmodelle wurden bereits in vielen Unternehmen erprobt: Hier finden betreuende Angehörige Anregungen, um ihrem Arbeitgeber Vorschläge zu unterbreiten.

Nützliche Tipps

In einem Notfall müssen rasch Mittel und Wege gefunden werden, um optimal mit der Situation umzugehen. Zusammen mit Fachleuten wurden sieben Notfallsituationen definiert. Was macht man, falls betreute Angehörige verunfallen und man am Arbeitsplatz angerufen wird? Wie organisiert man sich, wenn man darüber informiert wird, dass ein Familienmitglied verschwunden ist? Oder wie geht man mit Situationen um, in denen die Gewaltbereitschaft zunimmt? Für jede der sieben Notfallsituationen gibt es eine kurze Liste mit Tipps zum weiteren Vorgehen. Den vorgeschlagenen Vorgehensweisen gemeinsam ist die Art, wie die Situation am Arbeitsplatz gehandhabt werden soll: Denn bei info-workcare.ch steht die Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Care-Arbeit im Fokus.

Über Notfallsituationen hinaus gilt es auch, Wege zu finden, um sich bei der Arbeit wie zu Hause zu organisieren. Für die Situation am Arbeitsplatz werden vier Schritte vorgeschlagen, und in drei Kapiteln werden Tipps für die Situation zu Hause geliefert. Die Informationen sind zeitlich strukturiert. Nach dem Notfall müssen die betreuenden Angehörigen die Angelegenheiten nach und nach organisieren und auch an die – nahe und ferne – Zukunft denken.

Im Internet müssen die veröffentlichten Texte jeweils so kurz wie möglich gehalten werden. Das Lesen am Bildschirm ist nicht so einfach wie auf Papier. Deshalb werden einige Themen in Merkblättern im PDF-Format vertieft behandelt. Diese Dateien lassen sich herunterladen, ausdrucken und in Ruhe «offline» lesen.

Noch mehr Inhalte!

Die künftige Website wird noch viele weitere Informationen, Dienstleistungen und Tipps umfassen. Travail.Suisse hat bereits über 1100 Adressen zusammengetragen und geprüft, und die Erhebung geht weiter. Über den Aufbau und die Auswahlkriterien der Adressen werden wir in einem nächsten Artikel des Medienservices informieren.

Für die Sensibilisierung gibt es ausserdem Videos von Personen, die von der Thematik betroffen sind. Diese Videos wurden in drei Landessprachen gedreht und sollen das Bewusstsein wecken, dass die grosse Mehrheit der Bevölkerung eines Tages mit der Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Care-Arbeit konfrontiert sein wird. Denn wir sind alle Tochter oder Sohn, Schwiegertochter oder Schwiegersohn, Nichte oder Neffe.

1 In der Schweiz definiert das Eidgenössische Büro für Gleichstellung von Frau und Mann Care-Arbeit als «Betreuungs-, Sorge- und Pflegeaufgaben für Kinder sowie für pflege- und betreuungsbedürftige Erwachsene». In «Absicherung unbezahlter Care-Arbeit von Frauen und Männern. Anpassungsbedarf des Sozialstaats in Zeiten sich ändernder Arbeitsteilung». Bern, Januar 2012.
2 Dr. Martin Flügel «Zehn Thesen zur Demografie – Ein Manifest für die Arbeit», Bern, Februar 2011. http://www.travailsuisse.ch/system/uploadedfile4s/205/original/d_Thesen_Demografie_Februar_2011.pdf
3 Medienservice vom 15. September 2014: «Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und ‹Care›-Arbeit für betagte Angehörige – Ein neues Projekt wird lanciert!» von Valérie Borioli Sandoz
4 Siehe www.avaconseils.ch
5 Siehe www.careum.ch
6 Siehe www.go-for-jobsharing.ch
7 Projekt EGALISE des NFP60

02 novembre 2015, Valérie Borioli Sandoz, Responsable politique de l'égalité

Betreuende Angehörige leisten doppelte Arbeit! Wen kümmert‘s?

Heute, 30. Oktober 2015, findet in der Westschweiz der interkantonale Tag der betreuenden Angehörigen statt. Der Fokus liegt – zurecht – auf den zahllosen Leistungen, die Angehörige meist unentgeltlich für Personen in ihrem Umfeld, die Hilfe benötigen, erbringen. Vergessen geht meist, dass die betreuenden Angehörigen in erster Linie einer selbstständigen oder unselbstständigen Erwerbstätigkeit nachgehen. Mit dem Projekt «info-workcare.ch» will Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, die Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Care-Arbeit erleichtern: Travail.Suisse wird 2016 die erste nationale Plattform mit Informationen, Dienstleistungen und Adressen für berufstätige betreuende Angehörige einrichten. mehr

2012 hatte das Bundesamt für Gesundheit den runden Tisch «Work and Care» einberufen, an dem auch Travail.Suisse teilgenommen hat. Das Ergebnis dieses Treffens waren rund zehn Schlussfolgerungen, allen voran die Feststellung, dass es auf nationaler Ebene kein zentralisiertes Informationsangebot gibt, wo sich die betreuenden Angehörigen gut und rasch informieren können. Auch heute noch gibt es keine einheitliche Plattform, wo Betroffene Unterstützungsangebote auf regionaler Ebene finden können.

Travail.Suisse hat deshalb beschlossen, die erste nationale Plattform mit kostenlosen Informationen und Dienstleistungen für berufstätige Angehörige zu schaffen, die Personen aus ihrem Umfeld pflegen und betreuen. Info-workcare.ch bezweckt eine bessere Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Care-Arbeit. Es sollen nützliche Informationen bereitgestellt werden, um den Erhalt der Beschäftigung der betreuen¬den Angehörigen zu begünstigen. Mit verschiedenen Fachleuten und schweizweit aktiven Verbänden, und dank der finanziellen Unterstützung des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann, verfolgt Travail.Suisse das ehrgeizige Ziel, die Plattform im Herbst 2016 aufzuschalten.

Eine weitere Schlussfolgerung des runden Tisches war die Notwendigkeit, die Öffentlichkeit für die Aktivität der betreuenden Angehörigen zu sensibilisieren und Tabus zu brechen. Und genau hier setzt der «Tag der betreuenden Angehörigen» an, der 2015 in der Westschweiz erstmals kantonsübergreifend stattfindet (ohne den französischsprachigen Teil des Kantons Bern). Die Website www.betreuende-angehoerige-tag.ch stellt das Angebot der betreffenden Kantone vor. Runde Tische, Filmvorführungen, Ausstellungsstände oder Tage der offenen Tür in Wohneinrichtungen für betagte Personen, Broschüren, Websites, Interviews mit Politikern usw.: Jeder Kanton organisiert sich ganz individuell. In der Deutschschweiz wird am 24. November 2015 ein erster Tag für betreuende Angehörige stattfinden. Unklar ist jedoch noch, ob die Initiative privat bleibt oder auch von den Kantonen getragen wird. Diese Beispiele zeigen die Stärken, aber auch die Schwächen des föderalistischen Systems auf: Die betreuenden Angehörigen finden sich darin kaum zurecht, was ihre Arbeit unnötig erschwert.

Der Erhalt der Beschäftigung und die Wiedereingliederung in das aktive Leben nach mehrjähriger Care-Arbeit tragen dazu bei, den Fachkräftemangel in unserem Land zu begrenzen. Dank dem Ein¬satz von Travail.Suisse stehen diese Themen auch im neuen Parlament weiterhin auf der politischen Agenda.

Für mehr Informationen:
Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Travail.Suisse, 079 598 06 37

30 octobre 2015, Valérie Borioli Sandoz, Responsable politique de l'égalité

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