Thèmes – Egalité – Retour au travail

Fachkräftemangel: Ständerat macht einen Schritt vorwärts

Heute hat der Ständerat das Postulat Graber «Konzept zur Förderung von Wiedereinsteigerinnen» angenommen. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, ist hoch erfreut über diesen Entscheid. Ebenfalls begrüsst wird die Zustimmung des Ständerats zu einer Nationalen Konferenz Ältere Arbeitnehmende. mehr

Beide heute vom Ständerat angenommenen Postulate wirken dem drohenden Fachkräftemangel entgegen, was Travail.Suisse sehr begrüsst.

Postulat: Konzept zur Förderung von Wiedereinsteigerinnen

Das Postulat (14.3451) des Luzerner CVP-Politikers Konrad Graber fordert vom Bundesrat eine Strategie, um den Wiedereinstieg ins Erwerbsleben zu fördern. Das Postulat fordert unter anderem, dass in Zusammenarbeit mit den Wirtschaftsverbänden ein Förderkonzept für Wiedereinsteigerinnen erarbeitet wird. Travail.Suisse begrüsst die Annahme des Postulats durch den Ständerat. Das Postulat schliesst an eine letztjährige Studie “Expérience ReProf” von Travail.Suisse an. Es ist jetzt an der Zeit, den Absichten Taten folgen zu lassen: Es braucht flexible Arbeitzeitmodelle und Weiterbildungen für Betroffene. Travail.Suisse appelliert an die die wichtige Rolle des Staates – zwar stehen heute Mittel zur Verfügung, die den Wiedereinstieg erleichtern sollen, sie sind aber alles andere als leicht zugänglich.

Postulat : Nationale Konferenz ältere Arbeitnehmende

Travail.Suisse ist erfreut über die Zustimmung des Ständerates zu einer Nationalen Konferenz zum Thema ältere Arbeitnehmende. Ältere Arbeitnehmende haben zunehmend Mühe auf dem Arbeitsmarkt. Sie sind zwar unterdurchschnittlich arbeitslos, die Quote der Langzeitarbeitslosen bei den über 55-jährigen Arbeitnehmenden ist jedoch weit überdurchschnittlich und übertrifft sogar den OECD-Durchschnitt. Ein Umdenken bei den Unternehmen ist absolut dringend. Travail.Suisse fordert den Bundesrat auf, rasch vorwärts zu machen und ist auch bereit, einen Beitrag zur Erfolg der Konferenz zu leisten.

Für mehr Informationen:
Valérie Borioli Sandoz, Verantwortliche Gleichstellungspolitik Travail.Suisse, Mobile: 079 598 06 37
Martin Flügel, Präsident Travail.Suisse, 079 743 50 47

23 septembre 2014, Valérie Borioli Sandoz, Responsable politique de l'égalité Drucker-icon

Endlich alte Zöpfe abschneiden

Der Bundesrat hat heute das Ausbildungsbeitragsgesetz dem Parlament übergeben. Leider hat der Bundesrat es verpasst, einen alten Zopf abzuschneiden. Weiterhin bleiben Alterslimiten beim Stipendienwesen bestehen. Travail.Suisse, der Dachverband der Arbeitnehmenden, hofft, dass das Parlament mehr Mut beweist und die Aufhebung der Alterslimiten durchsetzt. mehr

Die Notwendigkeit des lebenslangen Lernens, um sich beruflich à jour zu halten und neues Wissen zu erwerben, ist heute unbestritten. Der Forderung nach lebenslangem Lernen stehen jedoch Gesetze gegenüber, die dies bei einkommensschwachen Personen verhindern. Die Gesetze gehen immer noch von Bildungskarrieren aus, die ohne Unterbrüche und Umwege durchschritten werden.

Höherqualifizierung zwar erwünscht — aber Unterstützung nicht vorgesehen

Die Fachkräfte-Initiative des Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung WBF sieht in den Müttern, die nicht oder gering erwerbstätig sind und zudem über einen Sek II Abschluss verfügen, ein Arbeitskräftepotenzial. Das WBF stellt zudem einen Handlungsbedarf bei der Höherqualifizierung fest. Nicht und gering erwerbstätige Mütter sind daher meist über 40 Jahre alt, wenn sie den Besuch einer Weiterbildung oder eines Bildungsgangs auf Tertiärstufe ins Auge fassen. Sie haben aber nach dem Gesetzesvorschlag weiterhin kein Anrecht auf Ausbildungsbeiträge, obwohl sie häufig nur über ein beschränktes Haushalteinkommen verfügen.

Alterslimiten streichen

Das neue Ausbildungsbeitragsgesetz schafft nun die Möglichkeit, die Alterslimite zu streichen. Diese stammt aus einer Zeit, in der lebenslanges Lernen nicht die gleiche Bedeutung hatte wie heute. Eine Politik, die immer noch an Alterslimiten festhält, ist im letzten Jahrhundert stehen geblieben.

Bruno Weber-Gobet, Leiter Bildungspolitik, Tel. 079/348.71.67

27 juin 2013, Bruno Weber-Gobet, Responsable politique de formation Drucker-icon

Schlussbericht „Die Rückkehr ins Berufsleben erfolgreich meistern“

Im Rahmen des Projekts „Expérience ReProf“ untersuchte Travail.Suisse die Situation von Wiedereinsteigenden mit einem langjährigen Erwerbsunterbruch. Der Schlussbericht „Die Rückkehr ins Berufsleben erfolgreich meistern“ fasst die Ergebnisse der Recherche zusammen. Die Projektleitung untersucht darin die Bereiche Bildung, Beratung, Stipendienwesen und Arbeitslosenversicherung. Sie identifiziert die Stolpersteine auf dem Weg zurück in die Arbeitswelt und spricht Empfehlungen an die beteiligten Akteure aus.

Der Schlussbericht wurde im Februar 2013 publiziert. Er kann bei Travail.Suisse unter info@travailsuisse.ch oder 031 370 21 11 kostenlos bestellt werden.

Annexe Dimension

Rueckkehr ins Berufsleben erfolgreich meistern.pdf 566 KB

30 avril 2013, Angela Zihler, Responsable de projet Drucker-icon

Wiedereinstieg ins Erwerbsleben interessiert
Parlamentarierinnen und Parlamentarier aller Couleur

An den beiden Frühlingssessionen des Parlaments bot der Schlussbericht zum Projekt «Expérience ReProf» Travail.Suisse, der unabhängigen Dachorganisation der Arbeitnehmenden, die Gelegenheit, mehrere Nationalrätinnen und -räte in Bern für die Problematik des Wiedereinstiegs ins Erwerbsleben zu sensibilisieren – mit Erfolg, denn etwa ein Dutzend von ihnen beschloss, einen parlamentarischen Vorstoss einzureichen. Bis heute wurden acht Vorstösse in Zusammenhang mit dem Wiedereinstieg ins Erwerbsleben eingereicht, die von Parlamentarierinnen und Parlamentarier aller Couleur unterzeichnet wurden. Travail.Suisse freut sich über diese Reaktion auf das Thema. mehr

In Bezug auf den Wiedereinstieg ins Erwerbsleben konzentrieren sich die Forderungen von Travail.Suisse auf drei Themenbereiche: berufliche Weiterbildung (Berufsbildungsgesetz, BBG), Zugang zu Leistungen gemäss Arbeitslosenversicherungsgesetz (AVIG) und Ausbildungsfinanzierung durch Stipendien. Die Forderungen basieren auf der Studie mit dem Titel «Die Rückkehr ins Berufsleben erfolgreich meistern», mit der die Handlungsfelder und möglichen Massnahmen im Bereich der Bildung und Arbeitsmarktintegration von Wiedereinsteigenden ermittelt werden konnten 1 .

Acht Nationalrätinnen und -räte aus verschiedenen Fraktionen haben sich des Themas angenommen, um unter der Bundeshauskuppel zu intervenieren. Ihre Vorstösse wurden von Kolleginnen und Kollegen aus allen politischen Lagern unterzeichnet. Das zeigt, dass der Wiedereinstieg ins Erwerbsleben nun auf der politischen Agenda steht, genauso wie die laufenden Diskussionen um die Familienpolitik.

Pauschalbeiträge an die Kantone und Finanzhilfen des Bundes

Nach ihrem mitreissenden Referat an der Studienpräsentation, die von Travail.Suisse am vergangenen 28. Februar in Bern organisiert worden war 2 , eröffnete die Nationalrätin und Vizepräsidentin von Travail.Suisse Josiane Aubert im März das Feuer mit einer Motion, die den Bund auffordert, seine Pauschalbeiträge an die Kantone gemäss Berufsbildungsgesetz zu überarbeiten. Diese Pauschalbeiträge, mit denen die Kantone alle Arten von Leistungen für verschiedene Begünstigte finanzieren können, müssen auf Grundlagen berechnet werden, die exakter und expliziter sind als heute, wo auf die Anzahl Personen in der beruflichen Grundbildung abgestellt wird. Die Kantone verwenden diese Pauschalbeiträge für Aufgaben, über die sie keinen Bericht erstatten, und wählen dabei aus einem gesetzlich definierten Leistungskatalog. Die Wiedereinsteigenden werden in vielen Kantonen vernachlässigt.

Die aus einem ganz anderen politischen Lager stammende Grünliberale Isabelle Chevalley möchte mehr über die Finanzhilfen wissen, die den Beratungsstellen für Frauen vom Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann (EBG) gewährt werden. Die Parlamentarierin wendet sich an den Bundesrat, weil die Zahl der Beratungstermine pro Person auf fünf beschränkt ist, obwohl die Studie von Travail.Suisse zeigt, dass die betroffenen Personen für einen erfolgreichen Wiedereinstieg ins Erwerbsleben eine längere Begleitung benötigen. Das EBG muss daher nach Ansicht der Nationalrätin umfangreichere Hilfen gewähren können.

Der Genfer CVP-Nationalrat Luc Barthassat sorgt sich um die Umsetzung von Artikel 59d des Arbeitslosenversicherungsgesetzes durch die Kantone. Er verlangt vom Bundesrat ausführliche Informationen über die tatsächliche Umsetzung dieser Bestimmung. Durch Artikel 59d wird nicht versicherten Personen, also u.a. Wiedereinsteigenden, ermöglicht, an Bildungsmassnahmen teilzunehmen. Die von Travail.Suisse durchgeführte Studie hat aufgezeigt, dass die Kantone diese Möglichkeit sehr unterschiedlich nutzen, obwohl es in allen Landesregionen Menschen gibt, die nach einem Unterbruch ins Erwerbsleben zurückkehren möchten. Um sich davon zu überzeugen, genügt die Feststellung, dass es überall zu Scheidungen kommt, auch in den konservativeren Kantonen.

Rolle der öffentlichen Arbeitgeber und Validierung von erworbenen Kenntnissen

Die beiden Sozialdemokratinnen Marina Carobbio (TI) und Bea Heim (SO) haben je eine Motion zu unterschiedlichen Themen eingereicht. Der ersten ist die Vorbildfunktion der öffentlichen Arbeitgeber ein Anliegen. Diese sollten Wiedereinsteigenden Praktikumsstellen anbieten. Die Motion verlangt, dass Massnahmen zur Schaffung solcher Praktikumsstellen im öffentlichen Sektor ergriffen werden. Die Erfahrung zeigt, dass diese Stellen für einen erfolgreichen Wiedereinstieg unerlässlich sind.

Die zweite sorgt sich um das zu wenig umfangreiche Validierungssystem von Bildungsleistungen, vor allem auf der Tertiärstufe. Mit diesem System können erworbene Kenntnisse, die zu keinem formellen Abschluss geführt haben, anerkannt und validiert werden. Aktuell bieten jedoch nur 14 Kantone ein solches Verfahren überhaupt an und viele von ihnen lediglich für zwei oder drei Berufe. Einzig in den Kantonen Genf und Waadt gibt es sieben bzw. sechs verschiedene Validierungen.

Wiedereinstiegsfonds und detaillierte statistische Angaben

Im April beantragte Christian van Singer (Grüne, VD) mittels Motion die Schaffung eines Wiedereinstiegsfonds, der für Personen, die nach einem langen Unterbruch ins Erwerbsleben zurückkehren wollen, bestimmt ist. Der Waadtländer Parlamentarier fordert, dass es den Organisationen der Arbeitswelt erlaubt ist, nach dem Vorbild des Berufsbildungsfonds einen Wiedereinstiegsfonds, der von Unternehmen und öffentlicher Hand geäufnet wird, zu gründen. Unternehmen, die für geeignete Kurse Praktikumsplätze zur Verfügung stellen, könnten von Beitragsreduktionen profitieren. Auf diese Weise würden sie ermutigt, sich an der Wiedereingliederung von Personen zu beteiligen, die sich vorübergehend aus dem Arbeitsmarkt zurückgezogen haben, und zwar oftmals, um sich um Angehörige zu kümmern.

Die Sozialdemokratin Valérie Piller Carrard hat ein Postulat eingereicht, weil es sehr schwierig ist, die genaue Zahl sowie die Eignungen und Neigungen der Personen, die wieder in das Erwerbsleben einsteigen möchten, in Erfahrung zu bringen. Das zeigt auch die Studie von Travail.Suisse. Die amtliche Statistik erfasst diese Personen nicht direkt. Ausserdem melden sich viele Wiedereinsteigende, insbesondere Frauen – nämlich sechs von zehn – nicht bei den regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV): Sie wissen, dass sie im Rahmen des Arbeitslosengesetzes, dessen Revision von 2011 sie stark benachteiligt hat, nur wenig Aussicht auf Hilfe haben. Um diesem Datenmangel abzuhelfen, beauftragt die Freiburger Parlamentarierin den Bundesrat, die erforderlichen Massnahmen zu treffen, damit detaillierte Angaben zu einer Personengruppe, die aufgrund verschiedener Statistiken auf 13’000 bis 15’000 Menschen pro Jahr geschätzt wird, erhoben werden können.

Schliesslich hat die St. Galler CVP-Nationalrätin Lucrezia Meier-Schatz eine Motion eingereicht, die verlangt, dass das künftige Weiterbildungsgesetz ausdrücklich ein System mit Bildungsgutscheinen vorsieht, die Wiedereinsteigenden den Zugang zu Bildungsmassnahmen ermöglichen sollen. Diese Massnahme hat sich bei gezieltem Einsatz bewährt.

Ausblick

Weitere Vorstösse sind absehbar, namentlich in Zusammenhang mit der Revision des Bundesgesetzes über Beiträge an die Aufwendungen der Kantone für Stipendien und Studiendarlehen im tertiären Bildungsbereich (Ausbildungsbeitragsgesetz), dem Gegenvorschlag des Bundesrates zur Stipendieninitiative des Verbandes der Schweizer Studierendenschaften. Die Altersgrenze von 35 Jahren trifft die Wiedereinsteigenden mit voller Wucht, da das Alter dieser Personen sehr oft über 45 Jahren liegt 3 . Sie ist daher aufzuheben

Dank der Studie „Die Rückkehr ins Erwerbsleben erfolgreich meistern“ konnte Travail.Suisse auf die Schwierigkeiten der Wiedereinsteigerinnen, trotz abgeschlossener Ausbildung auf Stufe II oder trotz Fachkräftemangel im Erwerbsleben wieder Fuss zu fassen, aufmerksam machen. Der Dachorganisation der Arbeitnehmenden ist es gelungen, gezielte Forderungen zu formulieren. Sie freut sich, dass sie damit bei den Parlamentarierinnen und Parlamentariern auf offene Ohren gestossen ist.

1 Siehe http://www.travailsuisse.ch/themen/gleichstellung/wiedereinstieg?lang=de. Studie zum Herunterladen unter http://www.travailsuisse.ch/system/uploadedfile5s/1934/original/Rueckkehr_ins_Berufsleben_erfolgreich_meistern_Schlussbericht.pdf?1362062290
2 Siehe «Wiedereinstieg ins Erwerbsleben auf die politische Agenda!», Valérie Borioli Sandoz, Medienservice vom 25. März 2013
3 Siehe auch «Lebenslanges Lernen – ohne Alterslimiten bei Stipendien», Angela Zihler, Medienservice vom 18. Februar 2013.

Annexe Dimension

PD Wiedereinstieg ins Erwerbsleben interessiert Parlamentarier aller Couleur.doc 52 KB

29 avril 2013, Valérie Borioli Sandoz, Responsable politique de l'égalité Drucker-icon

Wiedereinstieg ins Erwerbsleben auf die politische Agenda!

Der Schlussbericht zum Projekt «Expérience ReProf» zeigt auf, welche Hürden Personen überwinden müssen, die nach einem längeren Erwerbsunterbruch wieder in der Arbeitswelt Fuss fassen wollen. Travail.Suisse, die unabhängige Dachorganisation der Arbeitnehmenden, präsentierte an einer Tagung vor rund 50 Fachpersonen 18 Empfehlungen, die sich ans eidgenössische Parlament, aber auch an die kantonalen Legislativen richten. Nationalrätin Josiane Aubert motivierte mit ihrem Referat die Teilnehmenden zum Handeln. mehr

Am 28. Februar waren bei der Präsentation des Berichts zum Projekt «Expérience ReProf» in Bern mehr als 50 Personen aus allen von der Thematik des Wiedereinstiegs betroffenen Kreisen anwesend. Der Bericht setzte den Schlusspunkt zum Projekt, das Travail.Suisse, die unabhängige Dachorganisation der Arbeitnehmenden, durchgeführt hatte. Die sechs Aktionsfelder und 18 Empfehlungen der Studie, die im Auftrag des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation SBFI (früher BBT) erfolgte, machten für die Teilnehmenden die Schwierigkeiten von Personen greifbar, die ihre Erwerbstätigkeit mehrere Jahre unterbrochen haben und nun wieder ins Berufsleben einsteigen wollen 1 .

«Sofort handeln!»

Höhepunkt der Veranstaltung war das Referat von Josiane Aubert, Nationalrätin und Vizepräsidentin von Travail.Suisse: Sie gab ein Lehrstück demokratischer Kultur, indem sie die Teilnehmenden zum Handeln motivierte. «Sie können etwas bewegen. Sprechen Sie die politischen Vertreterinnen und Vertreter Ihrer Kantone an, sorgen wir dafür, dass die Frage auf die politische Agenda kommt!» – mit dieser ermutigenden Botschaft überzeugte die Volksvertreterin, die langjährige politische Erfahrung auf Gemeinde-, Kantons- und Bundesebene besitzt, die Anwesenden.

Die anschliessende Präsentation galt den politischen Forderungen von Travail.Suisse zum Thema Wiedereinstieg, die auf den Erkenntnissen der Studie «Expérience ReProf» basieren. Diese Forderungen müssen auf Bundesebene umgesetzt werden, es geht deshalb darum, die eidgenössischen Parlamentarierinnen und Parlamentarier dafür zu sensibilisieren. Damit wird im Dienste von Personen lobbyiert, deren Anliegen unter der Bundeskuppel nur selten zur Sprache kommen.

Die Forderungen von Travail.Suisse konzentrieren sich auf drei Themenbereiche: berufliche Weiterbildung (Berufsbildungsgesetz, BBG), Zugang zu Leistungen gemäss Arbeitslosenversicherungsgesetz (AVIG) und Ausbildungsfinanzierung durch Stipendien. Gewisse Instrumente existieren bereits, es müssen aber Anpassungen vorgenommen werden, damit die Bedürfnisse von Personen berücksichtigt werden, deren Wiedereinstieg sich schwierig gestaltet. Ergänzende Instrumente sind in Vorbereitung: das künftige Weiterbildungsgesetz sowie die Revision des Ausbildungsbeitragsgesetzes.

Anpassung bestehender Instrumente

Das Berufsbildungsgesetz BBG sieht in den Artikeln 31 und 32 Absatz b vor, dass die Kantone die Bedürfnisse von Personen berücksichtigen, die wieder in die Berufswelt einsteigen, und dass der Bund Angebote unterstützt, die darauf ausgerichtet sind, Personen, die ihre Berufstätigkeit vorübergehend eingeschränkt oder aufgegeben haben, den Wiedereinstieg zu ermöglichen. Zu begrüssen wäre bereits eine Einhaltung dieser Bestimmungen. Dazu müsste der Bund die von den Kantonen getroffenen Massnahmen wirksam beaufsichtigen. Mit dem Projekt «Expérience Reprof» wurden die Bedürfnisse der Zielgruppe ermittelt. Nun muss der Bund dafür sorgen, dass diesen tatsächlich nachgekommen wird.

Das BBG sieht auch vor, dass die Kantone Pauschalbeiträge erhalten, um verschiedene Aufgaben zu erfüllen, wie sie in den Artikel 53 bis 55, aber auch 31 und 32 beschrieben sind. Niemand weiss jedoch, wie diese Pauschalbeiträge wirklich eingesetzt werden und insbesondere, ob die Kantone Angebote für einen einfacheren Wiedereinstieg organisieren, die der Zielgruppe angepasst sind.

Das Arbeitslosenversicherungsgesetz (AVIG) schliesst in der Praxis Wiedereinsteigende von den eigentlich vorgesehenen Berufbildungsmassnahmen aus, weil die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) für nicht versicherte Personen Kriterien anwenden, die für die besondere Situation dieser Zielgruppe teilweise ungeeignet sind. Zu Beginn des langen Wiedereinstiegsprozesses, der mehrere Monate dauert, ist es nicht sinnvoll, von den Personen Nachweise zu verlangen, dass sie eine Stelle gesucht haben, weil sie dies ja eben wieder lernen müssen, und sie sollten auch nicht verpflichtet sein, eine passende Stelle anzunehmen, während sie Kurse besuchen, die sie auf den Wiedereinstieg vorbereiten 2 .

Verbesserungswürdige Instrumente

Schliesslich wird das Parlament die Debatte über die Revision des Ausbildungsbeitragsgesetzes (Stipendien) aufnehmen. Diese Revision schlägt der Bundesrat als Gegenvorschlag zur Stipendieninitiative der Schweizer Studierendenschaften VSS vor. Er muss darin die Altersbegrenzung von 35 Jahren aufheben, die Wiedereinsteigende hart trifft, denn diese sind nach einem Rückzug aus dem Erwerbsleben, der in der Regel mindestens 10 Jahre dauerte, häufig älter als 45 Jahre 3 .

Andere Anpassungen müssen erst noch aufs Tapet gebracht werden, beispielsweise mehr Mittel für Frauenberatungsstellen durch Beiträge, wie sie im Bundesgesetz über die Gleichstellung von Frau und Mann vorgesehen sind, denn nach der letzten Revision der Arbeitslosenversicherung müssen die privaten Beratungsstellen mehr Personen betreuen – häufig werden ihnen diese von den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren überwiesen – und sie sind nicht mehr in der Lage, diese Nachfrage zu bewältigen. Dieses Beispiel zeigt im Übrigen konkret, welche Auswirkungen die Aufgabenverlagerung vom Bund zu den Kantonen mit der letzten Revision des AVIG hatte, und dass diese Folgen abgefedert werden müssen.

1 Bericht abrufbar unter http://www.travailsuisse.ch/themen/gleichstellung/wiedereinstieg?lang=de

2 Siehe auch «Finanzierung der Weiterbildung als Knackpunkt», Angela Zihler, Medienservice vom 7. Mai 2012

3 Siehe auch «Lebenslanges Lernen — ohne Alterslimiten bei Stipendien», Angela Zihler, Medienservice vom 18. Februar 2013

Annexe Dimension

PD Wiedereinsteig ins Erwerbsleben auf die politische Agenda!.doc 36 KB

25 mars 2013, Valérie Borioli Sandoz, Co-Leiterin Projekt "Expérience ReProf" Drucker-icon