Thèmes – Politique sociale – Prévoyance professionnelle

BVG Mindestzins: Entscheid für Stabilität

Heute hat der Bundesrat beschlossen, den Mindestzins in der beruflichen Vorsorge im nächsten Jahr bei 1 Prozent zu belassen. Für Travail.Suisse, den unabhängigen Dachverband der Arbeitnehmenden, ist dieser Entscheid nachvollziehbar, obschon es auch gute Gründe für eine Erhöhung gegeben hätte. Es ist ein Entscheid für Stabilität. mehr

Der Mindestzinssatz ist für die Arbeitnehmenden eine sehr wichtige Grösse. Er gibt den Versicherten eine gewisse Sicherheit, dass neben Beiträgen der Arbeitnehmenden und Arbeitgebern auch der sogenannt dritte Beitragszahler einen Beitrag ans Alterssparen leistet. Gerade die gewinnorientierten Versicherungsgesellschaften schreiben ihren Versicherten strikt nur den vorgeschriebenen Mindestzinssatz gut. Andere Vorsorgeeinrichtungen beteiligen die Versicherten darüber hinaus, wenn es die Ergebnisse zulassen.

Grundsätzlich begrüsst Travail.Suisse die neue Formel als Indikator zur Herleitung des Mindestzinssatzes. Sie bildet das Anlageverhalten der Vorsorgeeinrichtungen etwas besser ab. Beim Entscheid sollen zudem auch die weiteren Rahmenbedingungen berücksichtigt werden. Diese sind momentan ermutigender als auch schon. So hat sich die finanzielle Lage der Vorsorgeeinrichtungen letztes Jahr dank guter Renditen weiter verbessert. Dies würde für eine Erhöhung des Mindestzinssatzes sprechen. Vor dem Hintergrund der bescheidenen Renditen im laufenden Jahr und den stärkeren Schwankungen ist der Entscheid des Bundesrates für Stabilität beim BVG-Mindestzinssatz aber nachvollziehbar.

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Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik, 079 777 24 69
Adrian Wüthrich, Präsident Travail.Suisse und Nationalrat, 079 287 04 93

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2018 11 07 Mindestzins-Entscheid-Bundesrat d.docx 49 KB

07 novembre 2018, Matthias Kuert Killer, Responsable politique sociale Drucker-icon

Lebensversicherer: Trotz Krisenrhetorik bleiben die Gewinne in der beruflichen Vorsorge hoch

Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, hat auch dieses Jahr den Finma-Bericht zur Tätigkeit der Lebensversicherer in der 2. Säule analysiert. Fazit: Die Gewinne der Versicherungsindustrie gehen auf hohem Niveau trotz Krisenrhetorik nur leicht zurück. Die weiterhin hohen Gewinne stehen ausserdem im starken Kontrast zur Verzinsung, welche die Versicherten auf ihren Altersguthaben gutgeschrieben bekommen. Diese sind minimal und bewegen sich im Überobligatorium gegen Null. Es zeigt sich damit immer mehr: Das Vollversicherungsmodell hat für die Arbeitnehmenden ein überaus schlechtes Preis-Leistungsverhältnis. mehr

Wie jedes Jahr hat Travail.Suisse den Finma-Bericht zur Tätigkeit der Lebensversicherer in der beruflichen Vorsorge1 analysiert. Obwohl die Finma Krisenrhetorik benutzt, konnten die Lebensversicherer auch im vergangenen Jahr viel Geld mit der beruflichen Vorsorge verdienen. Klassischerweise bieten die Lebensversicherer das sogenannte Vollversicherungsmodell an: Es garantiert dem Arbeitgeber, dass er im Falle einer Unterdeckung keine Sanierungsbeiträge übernehmen muss. In der Schweiz waren 2017 rund 1.2 Millionen Arbeitnehmende bei einer Vollversicherung angeschlossen. Weitere 600‘000 Arbeitnehmede waren über Verträge mit Teildeckungen an die Lebensversicherer gebunden. Somit sind etwa 45 Prozent der in der 2. Säule versicherten Arbeitnehmenden direkt von den Versicherungslösungen der Lebensversicherer betroffen. Dazu bezieht fast jeder vierte Rentner eine Rente eines Lebensversicherers. Da es sich meist um Arbeitnehmende bzw. Rentner/-innen mit kleinen Einkommen handelt, machen deren angelegte Gelder aber nur etwa 20 Prozent des BVG-Gesamtkuchens aus.

Für die Arbeitnehmenden ist die profitorientierte Tätigkeit der Versicherungsindustrie in dreierlei Hinsicht problematisch:
1. Dank einer garantierten Umsatzbeteiligung können die Versicherer hohe Gewinne aus der obligatorischen beruflichen Vorsorge abziehen (Mindestquotenproblematik), also Gelder, die dann bei den Renten fehlen.
2. Die überhöhten Gewinne werden durch überrissene Risikoprämien (= Versicherung von Invaliditäts- und Todesfallrisiko) gespeist.
3. Die Altersguthaben der versicherten Arbeitnehmenden werden sehr schlecht verzinst, was zu sehr tiefen Renten führt.

Insgesamt bieten die Lösungen der Versicherer für die Arbeitnehmenden ein schlechtes Preis-Leistungs-Verhältnis.

553.7 Millionen Franken Gewinn im Jahr 2017

Das Umfeld der 2. Säule ist auf Grund der Tiefzinssituation zäh. Die Lohnersatzquoten sind in den letzten Jahren zurückgegangen. Man würde erwarten, dass auch die Lebensversicherer Federn lassen müssen. Dies ist jedoch nur sehr beschränkt der Fall. 2017 konnten sie 553.7 Mio. Franken aus der beruflichen Vorsorge abschöpfen. Das ist zwar etwas weniger als die üblichen 600 bis 700 Mio. Franken, aber – trotz der von der Finma angestimmten Krisenrhetorik – immer noch sehr viel. Möglich ist dies, weil die Lebensversicherer dank der sogenannten Mindestquote (Legal Quote) 10 Prozent der Erträge für sich einbehalten können. Ursprünglich wollte das Parlament diese Abflüsse auf 10 Prozent der gesamten Gewinne (Ertrag minus Aufwand) beschränken. Die grossen Player Axa und Swiss Life können so jährlich 150 bis 200 Mio. Franken an der 2. Säule verdienen. Seit der Einführung der Mindestquote 2005 haben die Lebensversicherer so fast 6.8 Mrd. Franken an der beruflichen Vorsorge der Abeitnehmenden verdient.


Quelle: Finma

Lebensversicherer verdienen viel Geld mit überrissenen Risikoprämien

Besonders stossend ist, dass die Lebensversicherer ohne eine besondere Leistung zu erbringen und ohne grosses unternehmerisches Risiko viel Geld mit überhöhten Prämien verdienen können. Für die Versicherung einer möglichen Invalidität und von Todesfällen werden die sogenannten Risikoprämien einkassiert. Trotz Schwankungen sollten diese über lange Frist in etwa den ausbezahlten Invaliditäts- und Todesfallleistungen entsprechen. Das ist bei weitem nicht der Fall: Seit 2005 kassierten die Versicherer fast doppelt so viele Risikoprämien ein wie sie für Risikoleistungen benötigten. Die Differenz zwischen Prämien und Leistungen liegt bei 16 Mrd. Franken. In dieser Zeit ging beispielsweise die Anzahl neuer IV-Rentner/-innen drastisch zurück auf Grund von verschiedenen IV-Revisionen. Die einkassierten Prämien hingegen nahmen niemals im selben Ausmass ab. Eine Goldgrube für die Versicherer.


Quelle: Finma

Unterirdische Verzinsung der Altersguthaben

Das System der beruflichen Vorsorge lebt vom „dritten Beitragszahler“, also den mit Anlagen erwirtschafteten und den Versicherten in Form von Zinsen gutgeschriebenen Erträgen. Der BVG-Mindestzins legt diesbezüglich ein Minimum für das Obligatorium fest. Je mehr Zins die Lebensversicherer ihren Versicherten gutschreiben müssen, desto weniger bleibt für die Gewinne. Kein Wunder möchten die Lebensversicherer den Mindestzins am liebsten abschaffen und drängen jeweils auf einen möglichst tiefen Mindestzins.2 2017 war ein sehr gutes Anlagejahr. Deshalb gewährten viele Pensionskassen ihren Versicherten eine höhere Verzinsung als das vorgeschriebene 1 Prozent. Nicht so jedoch die Versicherer. Sie gewähren nur das absolute Minimum. Im Überobligatorium, wo die Versicherer in der Zinsfestlegung frei sind, zeigt sich ein noch drastischeres Bild: Die volumengewichtete Verzinsung betrug gerade mal 0.22 Prozent! Hier kann nicht mehr von einem dritten Beitragszahler gesprochen werden. Zum einen ist dies dem Gewinnstreben der Versicherer geschuldet. Zum anderen werden die Renditeaussichten bei den Vollversicherern aufgrund ihrer obligationenlastigen Anlagestruktur in den nächsten Jahren deutlich schlechter eingeschätzt als diejenigen von anderen Pensionskassen. Das lässt darauf schliessen, dass das System der Vollversicherung zu wenig leistungsfähig ist, um für die Arbeitnehmenden eine anständige Verzinsung zu gewährleisten.

Insgesamt muss deutsch und deutlich konstatiert werden: Die Vollversicherung ist ein Modell mit einem schlechten Preis-Leistungs-Verhältnis für die Arbeitnehmenden.

Umbruch im System

Die Branche ist im Umbruch. Dieses Jahr hat die Axa angekündigt, aus der Vollversicherung auszusteigen. Sie will künftig nur noch ein teilautonomes Modell anbieten und verspricht den Versicherten bessere Leistungen. Andere könnten folgen. Dies bestätigt die Kritik am Vollversicherungsmodel und eröffnet Chancen. Wenn immer mehr Versicherer in direkte Konkurrenz zu nicht gewinnorientierten autonomen Sammelstiftungen treten, müssen aber auch verstärkt Vorkehrungen für einen fairen Wettbewerb getroffen werden. Stichworte dazu sind marktkonforme Verträge zwischen den in die Teilautonomie entlassenen Sammelstiftungen und den Versicherungsgesellschaften, ein Verbot von Brokerentschädigungen und Massnahmen gegen die Risikoselektion. Gleichzeitig verbleibt mit Swiss Life ein grosser Anbieter im Vollversicherungsgeschäft. Dieser hat nun eine quasi-Monopolstellung. Es braucht deshalb zum Schutz der Versicherten auch unter den neuen Voraussetzungen bessere Gewinn- und Prämienbeschränkungen bei den Versicherern. Es führt kein Weg daran vorbei, dass mehr Geld bei den Versicherten und weniger bei der Versicherungsindustrie bleibt. Dabei geht es nicht nur um Geld, sondern auch um die Glaubwürdigkeit des Systems berufliche Vorsorge.


1 https://www.finma.ch/de/news/2018/09/20180907-aktuell-transparenzbericht/
2 2017 und 2018 lag/liegt der Mindestzinssatz bei 1 Prozent.

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2018 11 05 Die-Gewinne-der-Lebensversicherer-mit-der-beruflichen-Vorsorge d.docx 91 KB

05 novembre 2018, Matthias Kuert Killer, Responsable politique sociale Drucker-icon

BVG-Kommission gefährdet mit Mindestzins-Senkung auf 0,75 Prozent das Vertrauen in die 2. Säule

Heute hat die BVG-Kommission beschlossen, dem Bundesrat für 2019 den Mindestzins in der beruflichen Vorsorge auf 0,75 Prozent zu senken. Für Travail.Suisse, den unabhängigen Dachverband der Arbeitnehmenden, ist dieser Entscheid nicht nachvollziehbar. Die Kommission hätte gemäss Unterlagen gute Gründe gehabt, den Mindestzins bei 1 Prozent zu belassen. Umso mehr als dass die Pensionskassen gute Renditen erzielen. Der Entscheid wird das Vertrauen der Versicherten in die 2. Säule nicht stärken. mehr

Für Travail.Suisse ist der heutige Entscheid der BVG-Kommission unverständlich. Die Pensionskassen erzielten letztes Jahr Renditen zwischen 6 und 8 Prozent. Sie konnten ihre Deckungsgrade stark erhöhen und Wertschwankungsreserven anhäufen. In dieser wirtschaftlich sehr guten Zeit den Mindestzinssatz um 0,25 Prozent zu senken, wird von den Versicherten nicht verstanden. Für Travail.Suisse ist klar, dass die Versicherten stärker an den Erfolgen zu beteiligen wären. Grundsätzlich begrüsst Travail.Suisse, dass die BVG-Kommission eine weitere, neue Formel zur Herleitung des Mindestzinses entwickelt hat. Sie bildet das Anlageverhalten der Vorsorgeeinrichtungen etwas besser ab. Sie ist aber immer noch sehr vorsichtig, da die für die Rendite gegenwärtig entscheidenden Anlagekategorien Aktien und Immobilien weiterhin zurückhaltend berücksichtigt werden. Für Travail.Suisse ist deshalb klar, dass auch die neue Formel nur als ein Indikator verwendet werden kann und die weiteren Rahmenbedingungen mitentscheidend sind.

Die finanzielle Lage der Vorsorgeeinrichtungen ist deutlich stabilisiert, die Teuerung und die Löhne steigen wieder stärker, so dass die Zinsen zur Erreichung des Leistungsziels ebenfalls mithalten müssen. Die Sollrenditen sind auf tiefem Niveau und verkraften ein Mindestzinssatz von 1 Prozent ohne Probleme, sogar eine Erhöhung würde drin liegen. Doch mit der Senkung des Mindestzinssatzes untergräbt die BVG-Kommission ohne Not das Vertrauen in die berufliche Vorsorge. Die Arbeitnehmenden werden beim Erhalt ihres Pensionskassenausweises feststellen, dass ihr Alterskapital im Pensionszeitpunkt tiefer ausgewiesen wird (da der Mindestzins zur Berechnung verwendet wird). Travail.Suisse fordert Grundlagen, die das Anlageverhalten einer durchschnittlichen Pensionskasse besser einbeziehen. Die Stiftungsräte der Pensionskassen fordert Travail.Suisse auf, nicht auf den Mindestzinssatz abzustellen, sondern die Versicherten an den effektiv erzielten Gewinnen teilhaben zu lassen. „Eine systematisch zu tiefe Verzinsung des angesparten Alterskapitals der Arbeitnehmenden untergräbt den Sinn der zweiten Säule“, so Adrian Wüthrich, Präsident von Travail.Suisse.

Weitere Informationen
Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik, 079 777 24 69
Adrian Wüthrich, Präsident Travail.Suisse und Nationalrat, 079 287 04 93

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2018 09 04 Mindestzins-Entscheid-der-BVG-Kommission-ist-nicht-nachvollziehbar d.docx 49 KB

04 septembre 2018, Matthias Kuert Killer, Responsable politique sociale et Adrian Wüthrich, Président Drucker-icon

Geldabflüsse aus der 2. Säule müssen sinken

Die Sozialpartner sollen Vorschläge für eine Reform der beruflichen Vorsorge erarbeiten. Soll eine Reform erfolgsversprechend sein, müssen die heutigen Geldabflüsse durch gewinnorientierte Akteure sinken. Denn Geldabflüsse verteuern das System und stellen seine Legitimität in Frage. Travail.Suisse setzt sich für Lösungen mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis für die Arbeitnehmenden ein. mehr

Die Pensionskassenwelt ist zweigeteilt. Auf der einen Seite stehen die klassischen Pensionskassen. Sie führen die berufliche Vorsorge nicht gewinnorientiert durch. Auf der anderen Seite bieten Lebensversicherer Pensionskassenlösungen an. Für sie ist die 2. Säule vor allem ein Geschäftsfeld, welches Gewinne generieren soll. Die berufliche Vorsorge ist aber in erster Linie eine obligatorische Sozialversicherung. Sie muss allen versicherten Arbeitnehmenden eine gute Absicherung im Alter zu einem anständigen Preis-Leistungs-Verhältnis ermöglichen. Bereits viele herkömmliche Pensionskassen sind durch dieses Ziel herausgefordert. Klar verfehlt wird es bei den Angeboten der gewinnorientierten Lebensversicherer. Für die Arbeitnehmenden sind die Modelle der Lebensversicherer – die sogenannte Vollversicherung, aber teilweise auch die neu diskutierten teilautonomen Lösungen – sehr unvorteilhaft. Erstens müssen mit den Beiträgen und den Anlagen nebst den Renten und der Verzinsung der Aktivversicherten auch noch die Gewinne der Aktionäre finanziert werden. Zweitens kassieren die Versicherungsgesellschaften seit Jahren stark überhöhte Prämien für allfällige Invaliden- oder Hinterlassenenleistungen. Beides wird von der heute geltenden Regulierung gedeckt. Und drittens werfen die Anlagen der Versicherer zur Zeit nur bescheidene Renditen ab. Dementsprechend tief ist die Verzinsung der Altersguthaben der Versicherten.

Garantierte Umsatzbeteiligung der Versicherer

Unter dem geltenden Gesetz (Legal Quote) können sich die Lebensversicherer mit bis zu zehn Prozent am Umsatz beteiligen. Der Umsatz besteht a) aus den erwirtschafteten Anlagerenditen, b) aus den einkassierten Prämien für Todesfall- und Invalidität (Risikoprämien) sowie c) aus den Prämien zur Abdeckung der Verwaltungskosten. Das ursprüngliche Ziel der Legal Quote war eine Gewinnbegrenzung. Das Versicherungsaufsichtsgesetz legt deshalb fest, dass mindestens 90 Prozent der „Überschüsse“ aus dem Geschäft der 2. Säule den versicherten Arbeitnehmenden zugutekommen sollen. Der Begriff „Überschuss“ wurde gesetzlich jedoch nie klar definiert. Gemeint war „Ertrag minus Aufwand“. In der Verordnung wurde der Überschuss jedoch mit den gesamten Erträgen gleichgesetzt. Aus der Gewinnbeteiligung für die Versicherer wurde eine Ertragsbeteiligung. Jährlich resultieren daraus überhöhte Gewinne. Seit 2005 sind so über 6 Milliarden Franken an die Lebensversicherer geflossen (mehr dazu hier ).

Überhöhte Risikoprämien

Besonders stossend ist, dass die Gewinne der Versicherer zu einem grossen Teil aufgrund von überhöhten Prämien zur Absicherung der Risiken für Todesfall und Invalidität zustande kommen. Die einkassierten Prämien, bezahlt von den Arbeitgebern und Arbeitnehmenden, übersteigen die Aufwände Jahr für Jahr um über eine Milliarde Franken. Im Normalfall müssten die Prämien im Mehrjahresdurchschnitt ungefähr den Aufwendungen für die Renten/Abfindungen bei Tod und Invalidität entsprechen. Zusätzlich braucht es eine gewisse Reserve für Rückstellungen. Obwohl in den letzten Jahren die Zahl der Invaliditätsfälle deutlich zurückgegangen ist, haben die meisten Lebensversicherer die Prämien für Invalidität nur unwesentlich reduziert. Die Prämien für Todesfall- und Invaliditätsleistungen sind über Jahre hinweg fast doppelt so hoch wie die effektiv ausbezahlten Leistungen. Solange die Versicherer mit überhöhten Risikoprämien viel Geld verdienen können, werden sie es auch tun. Die Risikoprämien müssen deshalb nicht nur im klassischen Vollversicherungsmodell, sondern auch in den nun stärker propagierten teilautonomen Lösungen stärker vor Missbräuchlichkeit geschützt werden.

Schlechte Verzinsung der Altersguthaben

Die Versicherungskonzerne schreiben ihren Versicherten fast durchs Band nur das gesetzliche Minimum an Zins gut. Dort wo es kein gesetzliches Minimum gibt – im sogenannten Überobligatorium – werden noch tiefere Zinsen geboten. Der Finma-Offenlegungsbericht 2016 zeigt, dass die Lebensversicherer seit 2006 im Überobligatorium immer einen tieferen Zins als den im Obligatorium vorgeschriebenen Mindestzins gutschreiben. 2017 betrug das arithmetische Mittel der Zinssätze der Lebensversicherer 0.41 Prozent, der Mindestzins lag bei 1 Prozent. Die Lebensversicherer bieten den Versicherten durchwegs eine schlechte Verzinsung der Altersguthaben an. Dies drückt sich in einer tieferen Rente aus.

Zusammen mit den erheblichen Geldabflüssen, welche aus den Verwaltungs- und Vermögensverwaltungskosten entstehen, belasten die erwähnten Punkte das Preis-Leistungs-Verhältnis für die versicherten Arbeitnehmenden stark. Sollen Reformen der 2. Säule auf Akzeptanz stossen, müssen diese Geldabflüsse spürbar sinken.

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2018 06 18 BVG Geldabfluesse-muessen-sinken d.docx 21 KB

18 juin 2018, Matthias Kuert Killer, Responsable politique sociale Drucker-icon

Zweite Säule hat Leistungsprobleme – Es braucht Verbesserungen für Leute mit tiefen und mittleren Einkommen – Geldabfluss an Lebensversicherer stoppen

Die zweite Säule hat ein Leistungsproblem. Die durchschnittlichen Pensionskassenrenten der NeurentnerInnen sinken seit ein paar Jahren, obwohl die Löhne steigen und die Wirtschaft wächst. Und obwohl die Pensionskassen in den letzten fünf Jahren eine durchschnittliche Rendite von 5 Prozent erwirtschafteten. Die beiden Gewerkschafts- und Arbeitnehmenden-Dachverbände SGB und Travail.Suisse fordern, dass der Verfassungsauftrag umgesetzt wird: die Renten aus AHV und zweiter Säule sollen die „Fortsetzung des gewohnten Lebens in angemessener Weise“ ermöglichen – auch für Leute mit tiefen und mittleren Einkommen. mehr

mehr dazu:

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180604 Commi TS SGB MK Altersvorsorge.pdf 143 KB

180604 MK AV SGB-TS Wuethrich.pdf 90 KB

180604 MK AV SGB-TS Kuert.pdf 113 KB

180604 MK AV SGB-TS Rechsteiner.pdf 101 KB

180604 MK AV SGB-TS Lampart .pdf 832 KB

180604 MK AV SGB-TS Medici.pdf 173 KB

04 juin 2018, Adrian Wüthrich, Président et Matthias Kuert Killer, Responsable politique sociale Drucker-icon